Test: Sugar Bytes Factory
Klangbeispiele
Für einen ersten Klangeindruck steigen wir bei den Factory Sounds ein.
Da hätten wir den 80les Bass von Matthias Fuchs, ein Bass, wie man ihn nicht alle Tage hört, mit sehr schön moduliertem Attack und einem vollen Klang; er klingt ein wenig wie ein Hyper-Fretless. Fast würde man Physical Modeling dahinter vermuten:
Der Bass basiert auf zwei Waveguide-Oszillatoren mit den Presets Fiberglass und Accoustic Guitar (leicht verstimmt).

Waveguide-Oszillatoren benutzen Wavetables mit einem anschließenden Resonator-Algorithmus, der für percussive Klänge und angeschlagene Saiten geeignet ist. Der Parameter color dämpft die Wellenform im Verlauf und simuliert das natürliche Ausklingverhalten von Saiten. Deshalb moduliert bei unserem Bass eine Hüllkurve diesen Parameter. Die Anschlagsdynamik wirkt sich auf den Cutoff des Low Pass 2 Pole-Filters sowie auf die Resonanz und den Drive aus, sodass bei härterem Anschlag der Bass heller, voller und ein wenig rauer klingt.
Unter den Werksklängen finden sich noch weitere virtuelle Gitarren mit selten klarem und zugleich kraftvollem Klang.
Das Drive-Modul sorgt für eine gewisse Rauheit. Drive ist quasi ein Vorverstärker, wobei die Silbe „vor“ genau genommen falsch ist, denn Drive wird erst hinter dem Filter aktiv. Es stehen drei verschiedene Modi zur Verfügung: Sinus, Diode und Röhre.

Mit den Routing-Schaltern im Mixer kann man das Filter umgehen, individuell pro Oszillator. Drive ist hingegen für alle vier Klanggeneratoren zuständig.

Es gibt noch eine Reihe anderer Bässe. Hier wird wirklich nichts ausgelassen, was für Pop und Dance verlangt wird. Sehr schön sind einige Analogbass-Simulationen.
Sucht man Sounds mit den Attributen Analog und Vintage so trifft man unter anderem auf diese Streicher:
Das erinnert doch stark an String-Ensembles aus den Frühzeiten synthetischer Klangerzeugung, wobei Sugar Bytes deren Charakter hyperrealistisch herausgearbeitet hat, womit ich sagen will, dass der etwas dünne und auch ein wenig muffige Klang der Originale durch einen direkten und detailreichen Sound mit „knisterndem“ Obertonspektrum ersetzt wird. Wem es etwas zu sehr in den Höhen brutzelt, regelt einfach den Cutoff herunter, dann wird der Klang mollig warm und weich.
Der Klang baut auf zwei Wavetable Drone-Oszillatoren auf. Die sanften Variationen der Klangfarbe im Verlauf werden durch eine minimale Modulation der Wave-Parameter erzeugt. Modulatoren sind zwei LFOs.

Beim Wavetable Drone werden vier simultane, gegeneinander verstimmte Grains (Fragmente der Wellenform) erzeugt. Die Streicher benutzen zwei Sägezahn-Wellenformen. Die Auswahl an Wellenformen für die Wavetable Drones ist riesig und verständlich kategorisiert:

Dreht man den Regler Jitter auf, so kommen geräuschhafte Anteile hinzu. Mit zunehmender Rechtsdrehung wird der Klang atonal. Mit entsprechender schneller Hüllkurve und Modulation kann man damit auch abwechslungsreiche, quasi virtuell-analoge Drums erzeugen.
Dieser Beat baut auf der Wellenform „Saw Fractal“ für den ersten Oszillator und einem Wavetable Drone für den zweiten auf.
Saw Fractal zerlegt eine Sägezahn-Wellenform und fügt Feedback hinzu. Die Länge der Fragmente bestimmt man mit dem Regler Fractalize, die Form mit Shape (Sägezahn vs. Pulswelle). Es können Klänge von rau und dünn bis schwebend erzeugt werden.
Für die Rhythmik in unserem letzten Audiodemo sorgen (unter anderem) die Sequenzer. Vier sind es an der Zahl, und alle können eine unterschiedliche Länge haben, sodass auch polyrhythmische Abläufe machbar sind. Pro Step steht eine Vielzahl von Verlaufsformen bereit. Hier habe ich das Auswahlmenü eingeblendet:

Pro Step kann man die Amplitude der Formen bestimmen. Durch das Aneinanderreihen langsamer Verlaufsformen und eine Verringerung des Abspieltempos mittels Clock-Divider kann man sehr getragene Klangevolutionen erschaffen. Schnelle Spikes sind wiederum ideal für extravagante Hi-Hat-Figuren (beispielsweise per Modulation des Noise-Oszillator-Levels) oder für brutzelnde Klangtexturen. Bei den Experimenten mit dem Step-Sequencer ist es gut zu wissen, dass es eine Undo/Redo-Funktion gibt, denn dieses Experimentierfeld birgt manche Überraschung.
