Test: Rob Papen Punch und Punch BD

Punch ist ein Drum-Synthesizer, der verschiedene Syntheseformen kombiniert und auch einen Sequencer an Bord hat. Punch BD ist ein Spezialist für Kickdrums.

Dieser Test beschäftigt sich überwiegend mit Punch und beinhaltet auch Anwendungsbeispiele und tutorialähnliche Beschreibungen der Funktionsweise. Im Anschluss werfen wir einen Blick auf Punch BD und konzentrieren uns dabei vor allem auf die Funktionen, die dieses Instrument von Punch unterscheiden.

Inhalt:

 

Recording und Studiotechnik

Hinweis: Aufgrund unseres Seitenlayouts und der Komprimierung der Screenshots sind einige Abbildungen deutlich kleiner als im Original und alle deutlich weniger scharf. Die Originaloberfläche lässt sich auch in der Standard-Skalierung gut bedienen. Kein Schriftzug oder Element ist zu klein.

Überblick

Punch bedient vor allem Club-, Dance- und Pop-Genres, kann aber auch für rhythmische Klangexperimente jeder Art verwendet werden und liefert einige interessante Presets für filmmusikalische Anwendungen.

Unterm Strich ist Punch dank hybrider Synthese ein Allrounder und positioniert sich mit eigenständigen Modellen zur Klanggenese zwischen reinen Emulationen legendärer Drum-Synthesizer wie diverser TB 808 und 909 Klone und samplebasierten Mega-Groovemaschinen mit schier endlosen Möglichkeiten: Punch deckt klangmäßig beide Welten ab, bietet dabei deutlich mehr Flexibilität als die puristischen Emulationen (ohne auf deren Sounds zu verzichten) und ist von der Architektur her weniger verzweigt und leichter beherrschbar als die über-lebensgroßen, labyrinthische Groove-Machines.

 

Die Eckdaten:

  • Die Klangformung kombiniert virtuelle subtraktive Synthese mit Samples. In beiden Fällen kann der Klang schon auf Oszillator- bzw. Sampleebene tief editiert werden.
  • Es stehen 24 anschlagsdynamische Sounds über ebenso viele Pads zur Verfügung, die dann über eine Klaviatur, Pads eines Controllerkeyboards oder E-Drums gespielt werden können.
  • 16 Pads sind mit virtuell-analoger Synthese und samplebasierten Klassikern verknüpft, acht mit einer erweiterten Sample-Bearbeitung.
  • Auch eigene Samples können geladen werden. Das schließt natürlich Loops in passendem Tempo mit ein, die dann in Punch integriert und bearbeitet werden. Die Pads können stumm und auf Solo geschaltet werden. Das ist nicht nur während der Arbeit am Sound eine Hilfe, sondern auch eine einfache Lösung, wenn man die Instrumente als separate Audiotracks für die weitere Bearbeitung im Sequencer exportieren will. Die Mute/Solo-Funktion erreicht man per Rechtsklick und Aufklappmenü oder über die kleinen Taster neben dem Pad-Button. Hier ist ein wenig Feinmotorik gefragt.
  • Die Verteilung der Instrumente auf die Tastatur folgt dem GM-Standard, sodass auch kompatible MIDI Pattern anderer Drum- und Groove-Machines zum Abspielen verwendet werden können.
  • Acht 16-Step-Sequenzer mit jeweils vier Instrumenten-Tracks werden ebenfalls über die Klaviatur oder Pads getriggert und bieten einige Gestaltungsmöglichkeiten. Da die einzelnen Sequenzer auch simultan abgespielt werden können, kann man damit nicht nur sehr schön einen Groove aufbauen und eine Spannungskurve entwickeln, sondern auch polyrhythmische Strukturen erschaffen, indem man den Sequenzen unterschiedliche Längen und Geschwindigkeiten zuweist. Ein Humanisierungsregler führt den Maschinengroove weg vom exakten Takt und kann per Rechtsklick einem externen MIDI-Controller zugewiesen werden – wie übrigens alle anderen Regler und Fader auch.
  • Installiert werden zwei Plug-ins: Punch und PunchMulti. Letzteres sollte man verwenden, wenn man die Drums und Effekte über acht Stereo-Einzelausgänge abmischen will.

 

Punch bietet verschiedene Menüs:

Im Easy-Menü erhält man Zugriff auf die wichtigsten Parameter der klangerzeugenden Abteilung (Synth und Sampler), des Filters, der LFOs sowie die Kontrolle der Lautstärke der Effekte und des Gesamtsignals.

Besonders bei den Oszillatorparametern und Filtern ist zu beachten, dass man hier in die individuellen Filter aller Instrumente global eingreift, es sei denn, diese sind auf Easy-Bypass geschaltet: Will man beispielsweise nur die Snare bearbeiten, macht man das besser im Edit-Menü und nicht auf der Easy-Seite. Damit die Snare nicht durch die Parameter des Easy-Menüs beeinflusst wird, schaltet man sie in ihrem Pad-Editor auf „bypass Easy“.

Das Pads-Menü sehen Sie in der ersten Abbildung ganz oben. Wir kommen darauf noch zurück. Es stellt eine mächtige Klangwerkstatt dar, mit der man einen Drumsound von Grund auf formen kann.

Sobald man auf ein Pad klickt, springt die Ansicht zum Pad Menü.

Schließlich gibt es noch eine Modulationsabteilung und Effekte.

Interne Modulatoren und Effekte sind:

  • Zwei AHD Hüllkurven mit der Besonderheit, dass über die Schaltfläche Amount Control die Hüllkurve ihrerseits moduliert werden kann, und zwar über diverse externe MIDI-Controller einschließlich Aftertouch, Velocity und Expression-Pedal. Das ist erfreulich; mancher Hersteller vergisst Velocity und Aftertouch als externe Modulationsquellen zu integrieren, obwohl diese doch eigentlich ganz oben auf der Liste stehen sollten. Aber auch die weniger gebräuchlichen Controller sind hier anzutreffen und nicht zuletzt die internen Modulationsquellen samt Sequencer.
  • Die beiden LFOs sind zum Tempo synchronisierbar, bieten wie der Sequencer einen Humanize-Parameter und können wie die Hüllkurven durch die selbe Palette an Modulatoren ihrerseits moduliert werden. Die zur Verfügung stehenden Wellenformen beschränken sich auf Standards sowie Sample & Hold, können aber in der Pulsbreite eingestellt werden.
  • Daneben findet sich eine Modulationsmatrix mit acht Slots, wieder mit einer zweiten Ebene (Control Source). Das ist schon sehr fein und wäre auch für einen Synthesizer abseits der Drums interessant. Da Samples importiert werden können, kann man ohne weiteres auf einige Pads Synthesizersounds als Spezialeffekte legen und diese ordentlich in Bewegung versetzen.
  • Ganz rechts taucht dann noch das Effekterack auf. Vier Multieffekte stehen zur Wahl, und das Repertoire geizt nicht mit Alternativen. Jeder Effekt kann zudem tief editiert werden, es sind also wirklich keine halbherzigen Schmalspur-FX, die Rob Papen Punch spendiert hat.

Die Auswahl der Effekte:

Deren Routing-Alternativen:

Und nochmal kurz zurück zu den Angeboten an Modulatoren:

Die Modulationsziele:

An der Ausstattung ist nichts auszusetzen: Hier wird viel geboten. Wer sich mit Drum Machines und Synthesizern auskennt, wird dennoch einen raschen, intuitiven Zugang finden und braucht erst einmal nicht ins Handbuch schauen, das praktischerweise von der Oberfläche aus geöffnet werden kann.

Was ich etwas vermisse, sind anschauliche Grafiken, besonders beim Filter aber auch beim Routing der Effekte, beim LFO und bei den Effekten Equalizer und Filter. Auch auf Wellenformdarstellungen der Oszillatoren und Samples wird verzichtet. Das Setzen von Loop-Punkten bei den Samples erfolgt über Pfeiltasten und wird ansonsten lediglich in Form numerischer Samples ausgewiesen. Eine Wellenformgrafik mit Zoom-Funktion und Anfassern für die Loop-Punkte wäre deutlich komfortabler.

Dennoch: Wirklich schlimm ist der Verzicht auf Grafiken nicht, und in der Praxis kommt man auch ohne sie gut zurecht. Vielleicht hat die nüchterne, funktionale Gestaltung der Oberfläche sogar etwas Gutes, sie lenkt nämlich vom Wesentlichen, der Musik, weniger ab als opulente Grafiken.

Der Mixer

Im Mixer stellt man das Volumen und die Panoramaposition der einzelnen Instrumente und der vier Effekte ein.

 

Preferences

Klickt man auf das Logo oben rechts, so erscheinen die Credits sowie einige Grundeinstellungen.

  • Die Vergrößerung durch Big Screen wird leider erst beim nächsten Laden von Punch wirksam. Man kann also nicht auf die Schnelle skalieren.
  • Sync to Host wird man wahrscheinlich immer verwenden.
  • Die MIDI Map GM, die in der Werkseinstellung aktiv ist, sollte man ebenfalls beibehalten. Es gibt alternativ noch die Optionen Standrad und User. Wie man ein eigenes Mapping der Pads zustande bringt, ist mir allerdings ein Rätsel. Dazu habe ich keine Funktion gefunden.
  • Was ich mir persönlich noch gewünscht hätte, wären alternative Farben der Oberfläche. Immerhin ist die vorgegebene Farbgestaltung angenehmer als etwa Knallrot: Türkisblau besänftigt und unterstützt ein entspanntes, konzentriertes Arbeiten.

 

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