Test: Ueberschall Upright Bass

Einen Kontrabass mit Hilfe klassischer Sample-Libraries so einzuspielen, dass er lebendig und echt klingt, ist nicht leicht. Ueberschall Upright Bass schlägt einen anderen Weg ein.

 

Recording und StudiotechnikÜberblick

Ueberschall Upright Bass bietet Audioloops eines gezupften Kontrabasses in verschiedenen Stilen, Tempi, per Mikrofon und Piezo-Tonabnehmer aufgenommen. 437 zum Tempo synchronisierbare und transponierbare Loops machen ein Samplevolumen von 946 MB aus, aufgenommen mit 44,1 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung.

Die zwei- bis achttaktigen Loops erweisen sich als ebenso bodenständig wie lebendig. Die Aufnahmen sind reich an variierender Anschlagscharakteristik. Auch Flageolets, Slides und Bendings werden geboten. Dezente bis markante Spiel- und Nebengeräusche sind mit von der Partie.

Der Ueberschall Upright Bass soll nicht nur die naheliegenden Genres wie Soul, Funk, Blues und Jazz, sondern darüber hinaus auch moderne Pop und Dance-Anwendungen bedienen, von Trip Hop über House bis zu Drum & Bass.

Der Upright Bass läuft auf der hauseigenen Engine Elastik 2, einem in Kooperation mit zPlane entwickelten Loop-Player, der eine Vielzahl von Werkzeugen für umfassende Nachbearbeitungen und Transformationen bereitstellt. Es lassen sich Slices aus einem Loop herausgreifen, deren Tonhöhe und Formanten transponieren, Hüllkurve und resonanzfähige Filter (bis 72dB Flankensteilheit) einsetzen, den kompletten Loop oder einen Slice rückwärts abspielen oder via Resampling dramatisch verfremden. Wir schauen uns diese Möglichkeiten noch genauer an.

 

Installation

Die Aktivierung erfolgt nach dem Challenge-Response-Verfahren.

Um eine Ueberschall-Library zu aktivieren und zu spielen, benötigt man den kostenlosen Elastik-Player, den es in einer 32 und 64-Bit-Version für Mac und PC in den Formaten VST, AU, AAX, RTAS und Standalone gibt.

Elastik 2 lädt man sich zunächst von der Herstellerseite herunter. Bei dieser Gelegenheit kann man auch gleich die kostenlose und unbegrenzt lauffähige Demo-Soundbank (567 MB, 243 Loops) herunterladen, deren Inhalt Auskopplungen aus 16 Ueberschall Libraries bietet.

Upright Bass bringt knapp 1 GB auf die Waage und ist ausschließlich als Download verfügbar. Nach dem Entpacken kann man die aus einem einzigen File bestehende Elastik-Library auf einen Festplattenplatz der Wahl transferieren. Für die Aktivierung startet man am besten die Standalone-Version von Elastik 2, navigiert im Menü der Kopfzeile zu Elastik → Setup und zieht die Elastik-Datei der Library in das sich öffnende Feld.

Die Library wird kurz gescannt, danach findet sich folgender Eintrag:

Ueberschall_Upright_Bass_Bild2

 

Nun klickt man rechts unten auf Soundbank Activation. Es erscheint folgende Anleitung für eine Online- oder Offline-Activation:

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Das Activation-File wird sofort generiert und kann heruntergeladen werden.

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Das Activation File zieht man nun ebenfalls in das Setup-Fenster des Elastik Players oder lädt es über den Add-Button. Damit ist die Aktivierung abgeschlossen.

Ueberschall gewährt zwei Aktivierungen pro Kauf, sodass von Herstellerseite für den ersten Festplatten-Unfall, einen Wechsel der Workstation oder den Simultanbetrieb auf zwei Rechnern gesorgt ist. Wie uns der Hersteller mitteilt, zeigt man sich generell im Falle von künftigen Festplatten-Crashs kulant.

 

Organisation der Library

Alle Loops liegen zunächst in den drei Hauptkategorien Mixed, Microphone und Piezo vor. Microphone und Piezo bezeichnet die Abnahme des Basses durch ein Nah-Mikrofon und einen Piezo-Tonabnehmer, Mixed stellt eine Mischung aus beiden dar.

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Die Loops in allen drei Hauptkategorien sind identisch. Man kann also auch selbst eine Mischung aus Mikrofon- und Piezo-Loops erstellen indem man beide Loops synchron einspielt und dann im Loopeye/Edit unterschiedliche Lautstärken, eventuell auch Panoramapositionen einstellt. Alternativ geht es auch über separate Stereoausgänge, von denen Elastik 2 ganze 16 bietet.

In der Hierarchie folgen drei Subkategorien, welche die Loops nach Tempi sortieren: 61 bis 80, 90 bis 110 und 111 bis 130 BPM. (Dank Time-Stretching-Algorithmus von zPlane ist man auf die Originaltempi nicht festgelegt.)

Eine Ebene tiefer finden sich nach Tonart sortierte Loops; hier wird das Originaltempo angegeben.

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Die Loops findet man innerhalb dieser Ordner. Sie bieten eine Sammlung von Variationen zu einem Thema oder Song. Die einzelnen Themen beinhalten zwischen vier und 28 Loops, meist deutlich mehr als zehn.

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Thematische Bezeichnungen, Hinweise auf verwendete Spieltechniken oder Genres findet man nicht. Die Vorhörfunktion, wahlweise im Originaltempo oder synchron zum eingestellten Songtempo, hilft schnell weiter.

Hat man die passenden Loops gefunden, zieht man diese einfach aus dem Browser auf das virtuelle Keyboard. Auf diese Weise können sowohl einzelne Loops als auch komplette Ordner mit allen Varianten eines Themas spielfertig platziert werden.

 

Drei Soundvarianten

Im folgenden Audiodemo hören Sie eine Phrase im Originaltempo von 111 BPM, F-Moll, zunächst in der Mixed-, dann in der Mikrofon- und schließlich in der Piezo-Variante:

 

Mir persönlich gefällt bei diesem Beispiel die Mixed-Variante am besten, da sie sowohl voll klingt als auch den etwas knurrigen Charakter des Instruments abbildet.

Die reine Mikrofonabnahme wirkt bauchig und, obwohl sie Details des Anschlags überträgt, etwas distanziert. Sie eignet sich gut, wenn der Bass weicher klingen und mehr im Hintergrund platziert werden soll.

Die reine Piezo-Abnahme hingegen klingt ein wenig nasal und ist in den tiefen Frequenzen nicht so präsent wie die Mikrofon-Abnahme. Für einen Mix, in dem auch andere Instrumente um die Vorherrschaft im tiefen Frequenzbereich konkurrieren, ist sie eine gute Wahl.

Sehr lobenswert ist, dass alle drei Varianten angenehm trocken klingen. Auch die Mikrofonabnahme transportiert keinen deutlichen Raumanteil. Somit lässt sich der Bass wunderbar mit Effekten und Raumsimulatoren kombinieren und in einem virtuellen Raum platzieren, ohne dass sich Raumanteile der Samples und der Hallerzeuger vermischen. Auch eine Bearbeitung mit anderen externen Effekten oder externer Pitch-Time-Software (wie etwa Celemony Melodyne) profitiert von den trockenen Samples.

Hier ein zweites Beispiel, 80 BPM, E-Moll, wieder die Mix/Mikrofon/Piezo-Varianten:

 

Das Instrument wird in seiner gesamten Charakteristik erfasst und detailreich abgebildet.

Wenn man diesen einfachen Loop exemplarisch unter die Lupe nimmt, stellt man fest: Jede einzelne Note hat ihren eigenen charakteristischen Anschlag, zwei Saitenschnarrer setzen genau die typischen, zum Motiv passenden Akzente, wie man sie von einem gezupften Kontrabass erwartet. Bei der Mixed- und der Mikrofonvariante taucht ein leises Nebengeräusch auf, vermutlich ein durch die Bewegung des Bassisten bedingtes Rascheln der Kleidung. Selbst fortgeschrittene Sample-Libraries mit ausgefuchsten Gestaltungsoptionen können eine solche natürlich fließende Modulation des Spiels nicht 1:1 abbilden.

Der praktische Nutzen einer Loop-Sammlung hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob eine große Bandbreite von Einsatzmöglichkeiten abgedeckt wird. Ueberschall Upright Bass gibt sich hier erfreulicherweise weitgehend universell: Auf Extravaganzen und ausgesprochen solistische Einlagen verzichtet die Library.

 

Time Stretching

Um das Timestretching des zPlane-Algorithmus zu testen, habe ich folgenden viertaktigen Loop (Mixed-Variante) ausgesucht, zunächst im Originaltempo von 120 BPM:

 

Nun mit halbem Tempo bei 60 BPM:

 

Das Ergebnis kann sich auch bei dieser extremen Verlangsamung hören lassen. Zwar werden die Transienten gedehnt, der daraus resultierende breitere, leicht schnarrende Anschlag passt jedoch gut zum langsameren Tempo.

Eine Beschleunigung auf das doppelte Tempo macht die Sache zwangsläufig hektisch:

 

Nur ein Virtuose würde bei einem solchen Tempo noch diesen gleichmäßigen Anschlag zustande bringen.

Ein Anwendungsbeispiel: Diesen Bass …

 

… möchte ich für ein Club-Dance-Projekt verwenden. Dieses würde bei 90 BPM aber etwas lahm klingen. Ich entscheide mich für 110 BPM. Die Drumloops (aus Ueberschall Astral Electro Flux) werden von 138 auf 110 verlangsamt, ebenso die Vocals, die bei 120 BPM aufgenommen wurden (aus Ueberschall The Voice). Alle drei beteiligten Instrumente werden also via Time-Stretchng verändert. Die Drumloops habe ich in der Lautstärke deutlich reduziert; schließlich ist der Bass unser Protagonist.

 

Mit wenigen externen Mitteln kann man schnell mehr daraus machen. Im nächsten Audiodemo laufen Bass und Beat über den Eventide UltraChannel. Dort arbeitet nur der O-Pressor, der sehr schön das Attack des Basses hervorhebt, leicht pumpt und den Beat etwas nach vorne holt, wenn der Bass pausiert. Die Vocals habe ich über einen zweiten Stereoausgang von Elastik 2 geleitet und ihnen via Send-Weg einen Hall spendiert (Tone 2 UltraSpace).

 

Kompositorisch ist das sicher nur eine Skizze, doch es zeigt sich, dass sich der Upright Bass ohne langes Suchen nach dem idealen Loop auch in ungewohnter Umgebung zurechtfindet. (Die kurzen, etwas kratzenden und zyklisch wiederkehrenden Nebengeräusche sind übrigens Teil des Beats und kein Aufnahmefehler).

 

Weitere Anwendungsbeispiele

Im folgenden Audiodemo hören Sie dieselbe Kontrabass-Begleitung zusammen mit R&B-Loops (aus Ueberschall Drums) und einem Saxophon (aus Ueberschall Saxophone):

 

Als externe Effekte habe ich wieder den Eventide UltraChannel und Tone 2 UltraSpace (für das Saxophon) eingesetzt.

Wiederum einfach gehalten und vielseitig verwendbar ist dieser Walking Bass im Originaltempo 120 BPM, A-Moll:

 

Jede einzelne Note verfügt über einen individuellen Klangverlauf. (Ich erwähne das wieder im Hinblick auf klassische Sample-Libraries, mit denen man so etwas erst einmal umsetzen muss.) Zu diesem Walking Bass gibt es mehrere Loops von jeweils vier Takten Länge. Einige davon habe ich im nächsten Audiodemo verwendet, zusammen mit einem Disco-House-Beat (wieder aus Ueberschall Drums) und einer akustischen Gitarre aus Ueberschall VCP 120, heute Bestandteil von The Resource.

 

Unbearbeitet kommen sich die Instrumente etwas in die Quere. Es klingt alles ein wenig gequetscht. Bass, Drums und Gitarre habe ich daher anschließend auf separate Stereoausgänge von Elastik 2 gelegt. Der Einsatz dreier Instanzen von Eventides UltraChannel sowie UltraReverb für die Gitarre präzisieren den Klang der Instrumente und öffnen das Panorama.

 

Bevor wir zu den Gestaltungsmöglichkeiten des Elastik Players kommen, noch ein weiteres Beispiel für einen flexibel einsetzbaren Bass:


 

Diesen habe ich zusammen mit einem Beat aus Toontracks EZdrummer2, Jazz Kit und einem Bariton Sax aus The Resource eingesetzt …

 

… und anschließend ein wenig aufgefrischt: Eventide UltraChannel für den Upright Bass, Noveltech Character und Eventide UltraReverb für das Bariton-Saxophon. Der Upright Bass spielt im Vordergrund.

 

Klangdesign und Slices mit Elastik 2

Auch wenn Elastik 2 grafisch unspektakulär erscheinen und der Look in orange vor schwarzem Hintergrund nicht jedermann sofort ansprechen mag: Die Engine hat es in sich. Die ausgezeichnete Qualität des Time-Stretchings haben wir bereits kennengelernt. Auch das Pitch-Shifting ist mehr als nur brauchbar. Da die Upright-Bass-Loops monofon sind, kann man dieses Pitch-Shifting auch uneingeschränkt benutzen, um Loops der Projekttonart anzupassen.

Im folgenden Audiodemo hören Sie einen weiteren zweitaktigen Loop aus Upright Bass, dieses Mal im Originaltempo von 105 BPM und als Mikrofonabnahme. Bei gedrückter Alt-Taste kann man einen Loop per Klicken und Ziehen auf andere Tasten des virtuellen Keyboards kopieren und dort individuelle Bearbeitungen vornehmen. Das habe ich gemacht und den Loop um drei, sechs und zwölf Halbtonschritte transponiert.

 

Die Ergebnisse sind gut, wenngleich bei einer Oktavtransponierung die Leistungsfähigkeit des Algorithmus an seine Grenzen stößt und es zu Verfärbungen kommt. Die Klangfarbe kann man mit einer Transponierung der Formanten (von 50 bis 200%) korrigieren.

Eine Verschiebung der Formanten bietet sich unabhängig von einer Transponierung an, wenn man den Bas quasi-physikalisch modellieren möchte: Eine Transponierung in Richtung 200% erweckt den Eindruck, als verkleinere man das Instrument. Im folgenden Audiodemo hören Sie die Oktavtransponierung mit Formanten bei 150% und danach das untransponierte Original mit Formanten bei 200%:

 

Für die Berechnung des Time-Stretchings und Pitch-Shiftings benötigt der Algorithmus übrigens eine winzige Zeitspanne von rund ein bis drei Sekunden (auf unserem Testsystem, s. Anhang). Die Berechnung wird per Statusbalken angezeigt. Time-Stretching und Pitch-Shifting erfolgen also offline.

Einige andere Optionen arbeiten hingegen ich Echtzeit, was bedeutet, dass man in diesen Fällen Parameterbewegungen auch automatisieren kann.

Filter Cutoff und Resonanz wird in einem X/Y-Koordinatenfeld gemeinsam eingestellt, einfach durch Bewegen des orangefarbenen Kreises in der Mitte, der als Anfasser dient.

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Über Aufklappmenüs trifft man die Auswahl des Filters …

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… und bestimmt die Flankensteilheit:

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Während die Auswahl an Filtertypen mit Tief-, Band-, Hochpass und Notch lediglich die Klassiker abdeckt, bietet die Flankensteilheit mit bis zu 72 dB Anhebung oder Absenkung auch drastische Eingriffe in das Frequenzspektrum. Mit hoher Flankensteilheit lassen sich unerwünschte spektrale Bereiche regelrecht abschneiden oder bei Bewegung des Cutoffs stark resonierende Sweeps realisieren. Die Klangqualität der Filter ist gut. Sie stellen mehr als nur technische Werkzeuge dar, und verfügen über einen musikalischen Klangcharakter und produzieren auch bei Eigenresonanz kaum ein schrilles Piepsen (wenngleich ein Limiter im Ausgangskanal bei extremen Filter-Operationen mit hoher Flankensteilheit und Resonanz immer angebracht ist).

Eine grafische Darstellung des Filterverlaufs gibt es nicht. Man muss sich also gannz auf den Höreindruck verlassen. Filtereinstellungen während des Loop-Playbacks gelingen auch ohne Grafik spielerisch.

Schade ist, dass kein MIDI-Lerndialog implementiert ist: Der Anfasser kann also nicht einem externen Controller, etwa einem X/Y-Pad zugewiesen werden. Im Hinblick auf eine Live-Performance stellt das eine gewisse Einschränkung dar, die allerdings für unseren Kontrabass kaum von Bedeutung sein dürfte.

Im folgenden Audiodemo habe ich die Panoramaposition und ein Lowpass-Filter mit hoher Resonanz und 48dB Flankensteilheit animiert:

 

Soweit so gut, aber für einen Kontrabass etwas unpassend, oder?

Im nächsten Schritt habe ich einen Beat (aus Ueberschall Drums) und eine Mute Trumpet (aus Ueberschall Trumpet) hinzugenommen …

 

… dann die Instrumente auf Einzelausgänge verteilt und drei Instanzen von iZotope Trash 2 für destruktive Klangverfremdungen, vor allem beim Bass und den Drums, eingesetzt (Vorsicht: Es wird laut):

 

Kombiniert man das Rückwärts-Abspielen mit Resampling ergeben sich weitere Experimentierfelder: Im folgenden Audiodemo hören Sie zwei weitere Loops, zunächst im Original, anschließend erst rückwärts und dann mit Resampling Faktor 0,5, ohne Tonhöhenveränderung:

 

Zu den Slices: Der Loop kann in bis zu 64 Abschnitte unterteilt werden. Dadurch ist es möglich, Fragmente aus einer Phrase herauszugreifen und nur diese abzuspielen. Verteilt man zuvor Kopien eines Loops über die Tastatur, kann man nun mit jeder Kopie ein anderes Teilstück des Loops herausgreifen, separat bearbeiten (etwa transponieren oder rückwärts ablaufen lassen) und mit den Slices eine völlig neue Performance einspielen.
Neben der gleichmäßigen Unterteilung kann diese auch ohne Raster vorgenommen werden. So lassen sich beispielsweise Attacks, die nicht exakt auf einem Notenwert sitzen, mit einbeziehen oder winzige Ausschnitte für Buzz-Effekte generieren.

Im Sequence-Modus kann man noch einen Schritt weiter gehen, und für die einzelnen Parameter (Cutoff, Reverse, Pitch, Formant etc.) unterschiedliche Raster wählen, also beispielsweise unterschiedliche Cutoff-Werte in einem 32er Raster einzeichnen, Reverse hingegen in einem 8er-Raster.

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Hier eine exemplarische Verfremdung. Sie hören zunächst den (beschleunigten) Originalloop, dann zwei Varianten:

 

Für das nächste Audiodemo habe ich drei Kopien eines Loops erstellt und innerhalb dieser Kopien verschiedene Abschnitte mittels Resampling stark verfremdet, um einen maschinenähnlichen, rhythmischen Sound zu erhalten. Die Sounds werden mittels Elastik – Hüllkurve eingeblendet:

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Die drei auf verschiedene Panoramapositionen gelegten Klone starte ich nacheinander:

 

Solche Vorlagen bieten sich für weitere externe Klangverfremdungen an, hier mit Native Instruments Molekular. Der Beat stammt aus Ueberschall Astral Electra Flux:

 

Nach so viel Verfremdung mit externen Mitteln, hören wir uns zum Abschluss noch ein Thema mit einer Verstärkersimulation an: Vier Loops aus dem Ordner Piezo 70 BPM, E-Moll, Verstärker: Bias Professional mit Preset Bass: Blue Line. Dazu habe ich über den Send-Weg einen mittleren Raum mittels Eventide UltraReverb eingebunden.

Zunächst das trockene Original:

 

Mit dem Eventide Hall:

 

Mit Hall und Verstärkersimulation:

 

Audioqualität

Ueberschall Upright Bass bietet eine Audioqualität auf zeitgemäß hohem Niveau: Die Aufnahmen einschließlich der Mikrofonabnahme sind eine handwerkliche Präzisionsarbeit: frei von Rauschen, kleinen Übersteuerungen, unbeabsichtigten Nebengeräuschen oder Knacksern, wie man sie anderswo auch Anno 2015 noch immer antrifft. Die Loops sind absolut sauber geschnitten.
Obwohl die Samples trocken sind, ist der Klang nicht dünn, sondern detailreich und voluminös. Das Anschlagsverhalten wird präzise und prägnant abgebildet. Alle Klangfacetten des Kontrabasses werden ausdrucksstark abgebildet.

 

Bedienung

Wer nur die Loops einbinden will, braucht diese lediglich vom Browser (nach dem Vorhören) auf die virtuelle Tastatur zu ziehen. Das ist kinderleicht. Weitere Bearbeitungen mit den vielen Funktionen der Elastik 2 Engine erschließen sich ebenfalls ohne großen Lernprozess. Ein ausführliches deutschsprachiges PDF-Handbuch sowie Videos auf der Herstellerseite helfen bei Bedarf. Darüber hinaus bietet Ueberschall einen Kundensupport an.

 

CPU-Beanspruchung, Bugs, Besonderheiten

Elastik 2 ist sehr CPU-schonend und liegt auf zeitgemäßen Systemen im niedrigen einstelligen Prozentbereich der CPU-Leistungseinforderung, auch bei kleinen Puffergrößen (um beim Einspielen eine geringe Latenz zu erzielen).

Elastik 2 lief auf unserem Testsystem absolut stabil, auch bei schnell aufeinanderfolgenden Operationen an diversen Parametern und während des Playbacks.

Um die Berechnung von Tempo- und Tonhöhenanpassungen möglichst schnell zu erledigen, verwendet Elastik 2 einen Render-Cache. In der Werkseinstellung werden die temporären Dateien auf die Systemplatte geschrieben (Benutzer → Administrator → Eigene Dokumente → Elastik Player → Render Cache). Der Ordner wird dynamisch verwaltet: Ab einer bestimmten Datenmenge (per default 4 GB) werden die älteren Einträge gelöscht. Speicherpfad und Render-Cache Minimum/Maximum kann im Menü Setup/Preferences verändert werden.

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Hier lässt sich auch die Fenstergröße einstellen, leider keine alternative Farbgestaltung.

 

Fazit

Mit dem Upright Bass bietet Ueberschall einen virtuos aber glücklicherweise nicht extravagant, sondern ebenso bodenständig wie ausdrucksstark eingespielten, gezupften Kontrabass in Form von temposynchronen Loops.

Der Bass liefert eine Vielzahl flexibel einsetzbarer Vorlagen, die sich oft ohne weitere Bearbeitung sofort in ein bestehendes Projekt einbinden lassen. Wer auf der Suche nach einem passenden Bass ist, wird schnell fündig und trifft meist auf mehrere Alternativen – genreübergreifend im weiten Bereich des Pop, Jazz, Rock und Dance.

Im Gegensatz zu Sample-Libraries, mit denen man eine fließende Performance erst aufwändig in Szene setzen muss, liegt der Vorteil dieser Loops in einer abwechslungsreichen, immer natürlich und echt klingenden Performance. Es gibt keine zwei identisch klingenden Töne und zu jedem Thema eine reichlich gefüllt Liste von Variationen, sodass nicht die Notwendigkeit besteht, den selben Loop immer wieder zu verwenden.

Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet. Der Kontrabass wurde in allen Facetten einschließlich Spiel-Nebengeräuschen präzise, ohne Rauschen, Knackser oder Übersteuerungen aufgenommen. Das gilt für alle drei Abnahmealternativen: Mikrofon, Piezo und die Mischung aus beiden.

Erfreulich ist auch, dass die Samples angenehm trocken, also ohne Raumanteil vorliegen. So kann man beliebige externe Raumsimulatoren oder andere Effekte einsetzen, ohne dass sich Raumanteile überlagern. Auch eignen sich die Samples sehr gut für eine weitere Bearbeitung mit spezialisierter Pitch-Time-Software. Mit solchen Spezialisten sind dann auch detailliert ausgearbeitete, überzeugende Soli möglich.

Nicht zu verachten ist das Angebot an Gestaltungs- bis Verfremdungsmöglichkeiten, welches die Elastik 2 Engine bereitstellt. Time-Stretching und Pitch-Shifting funktionieren über weite Bereiche artefaktfrei und in guter Qualität. Experimente bieten sich beispielsweise durch Formantentransponierung, Einbinden von Rückwärts-Slices, Resampling und den Einsatz der gut klingenden Filter an. Die Verfremdungsoptionen sind sehr weitreichend. Aus dem Kontrabass lassen sich sogar rhythmische Texturen zwischen Geräusch und Tonalität erzeugen.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind entsprechend breit aufgestellt. Wer bei einem Kontrabass nur an Jazz oder Blues denkt, unterschätzt dieses Produkt. Der Upright Bass kann selbst bei zeitgenössischen Dance-Produktionen für Groove und für einen erfrischenden Hinhör-Effekt sorgen.

Der Preis für diese präzise aufgenommene, praxisnahe und vielseitig verwendbare Loop-Library ist fair.

Testautor: Holger Obst

Plus

  • bodenständiger, vielseitig verwendbarer Kontrabass
  • Lebendigkeit und Artikulationsvielfalt
  • hohe Audioqualität
  • Mikrofon-, Piezo- und Mixed-Varianten
  • erstklasiges Timestretching und Pitchshifting
  • großes Gestaltungs- und Experimentierpotenzial dank Elastik-Engine
  • fairer Preis

Minus

  • keine MIDI-Lernfunktion zur Steuerung durch externe Controller

Preis: 49.- EUR

Systemanforderungen und Formate

  • Mac ab OSX 10.9 (empfohlen)
  • Windows ab Win 7 (empfohlen)
  • 32 und 64 Bit
  • VST, AU, RTAS, AAX, Standalone

Hersteller:

Mein Testbericht zu Ueberschall The Resource von 2009

Testsystem

  • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII;
  • Testprojekt Cubase: 44,1 kHz Samplerate, 24 Bit Auflösung
  • alle Audiodemos in 128 k mp3
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