Test: Ueberschall Jazz Guitar

Das Kreativpotenzial von Elastik 2

Von großer Bedeutung für den gesamten Arbeitsprozess mit den Loops ist, dass diese auf separate Audioausgänge gelegt werden und so individuell mit externen Effekten bearbeitet werden können. Interne Klanggestaltungen können so vielseitig und abwechslungsreich mit externen Plug-ins ergänzt werden.

Die Arbeit mit der Elastik-Engine macht nach kurzer Einarbeitung richtig Spaß. Pitch-Shifting, Time-Stretching, Volumen- und Panoramaanpassung haben wir bereits kennengelernt. Es gibt aber noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten:

Aus einem Loop lassen sich unterschiedliche Varianten erzeugen. Dazu kopiert man diesen bei gehaltener Alt-Taste per Klicken und Ziehen zunächst auf verschiedene Keys des virtuellen Keyboards (das hatten wir ja schon weiter oben). Nun kann man taktsynchron oder auch frei den Abspielbereich der Kopien unterschiedlich einschränken. In der folgenden Abbildung habe ich den aktiven Bereich eines viertaktigen Loops auf den ersten Takt beschränkt:

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Für Filterarbeiten stehen resonanzfähige Low-, High-, Band-Pass und Notch Filter mit Flankensteilheiten bis zu 72 dB zur Verfügung. Ein Bandpass-Filter mit hoher Fankensteilheit führt dazu, dass nur noch ein schmales Teilspektrum durchgelassen wird. Die Gitarre klingt nun wie aus einem kleinen Radio:

 

Hier war Bias FX Professional wieder mit dabei, doch für die Klangdestruktion im zweiten Durchgang ist alleine das Filter aus Elastik 2 verantwortlich.

Neben einfachem Rückwärts-Abspielen …

 

… sind im Sequence-Modus auch abgedrehtere Abfolgen möglich. Hier lassen sich abhängig vom Snapping winzige Scheibchen (bis zu 64tel) generieren und für jedes Segment unterschiedliche Werte von Tonhöhe, Volumen und Panorama über Filter bis zum Resampling einstellen.

Mittels Resampling werden die Segmente bis zu vierfach beschleunigt (und in diesem Fall innerhalb des Segments vierfach wiederholt) oder mit einem Viertel des Originaltempos abgespielt, was dazu führt, dass nur das erste Viertel des Segments abgespielt wird.

Zusätzlich gibt es noch eine Hüllkurve mit Attack und Decay.

Hier eine Bearbeitung, die mit der ursprünglichen Jazz-Gitarre nicht mehr viel zu tun hat. Abgesehen von den Drums (Toontrack Progressive EZX) stammen alle anderen Tracks von unserem Testkandidaten:

 

So etwas schreit natürlich nach der Bearbeitung durch externe Effekte. Zum Einsatz kommen wiederum dreimal Bias FX Professional, iZotope Trash 2 und für die Drums der Eventide UltraChannel.

 

Bei aller Freude über die Möglichkeiten der Engine fehlt doch noch eine Kleinigkeit: Die Parameter lassen sich nicht direkt aus dem GUI heraus via MIDI-Lerndialog externen MIDI-Controllern zuweisen. Aber in Cubase 8.5 sind einige Parameter, darunter Resmpling, bereits per default Quick Controls zugewiesen, sodass externe Spielhilfen auf diesem Weg komfortabel eingebunden werden können.

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Natürlich kann man hier auch andere Parameter adressieren.

Außerdem lassen sich viele Parameter auch per Automation aufzeichnen. So ist es möglich, das Filter für einen Wah-ähnlichen Effekt zu nutzen oder völlig abgedrehte Sachen mit fließender Parametermodulation zu generieren – wie etwa diese hier: