Test: Toontrack Superior Drummer 2.4

Toontracks Superior Drummer ist der große Bruder des EZdrummers. Als Schlagzeug-Flagschiff bietet Superior Drummer zahlreiche Artikulationen, eine hohe dynamische Auflösung, einen Mixer mit umfangreicher Kontrolle der Mikrofonierung, Details zur Klangkontrolle der einzelnen Instrumente, ein Paket mit nützlichen Effekten und eine Auswahl an Grooves.

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Überblick

Die über Expansion-Packs erweiterbare Basisausstattung des Superior Drummers bringt alleine bereits rund 20 GB auf die Waage. Die Schlaginstrumente wurden in den New Yorker Avatar-Studios vom Toningenieur-Duo Neil Dorfsman und Pat Thrall aufgenommen. Die beiden blicken auf eine jahrzehntelange Praxis zurück und hatten zahlreiche Legenden aus Pop und Rock zu Gast, darunter Sting, Björk, Bruce Springsteen, Dire Straits und Genesis. Nir Zidkyahu, der 1997 Phil Collins an den Genesis-Drums ablöste, hat die Library eingetrommelt.

Neben zahlreichen Artikulationen, darunter Randschläge, Flams und Rolls sind viele der Schlaginstrumente mit Sticks, Rods, Besen und/oder Filz-Schlegeln eingespielt worden. Bei der Zusammenstellung eines eigenen Sets kann für zahlreiche Instrument ein alternatives Schlagwerkzeug ausgewählt werden. Dies und einiges mehr geschieht im Construct-Menü.

Im Mapping-Menü verteilt man die Instrumente auf die Tastatur – eine 88er Tastatur ist hier von Vorteil. Die Mappings der Werkspresets sind so aufgebaut, dass einige Artikulationen auch doppelt und mehrfach auf benachbarte Tasten gelegt wurden. So lassen sich auch schnelle Figuren, etwa auf dem Ride-Becken oder den Metall-Spannreifen von Snare und Toms einspielen.

Im Mixer-Menü trifft man nicht auf Instrumenten-, sondern auf Mikrofon-Kanäle. Natürlich gibt es auch die Direktabnahme über Bassdrum-, Snare- und Tom-Mikros. Übersprechungsregler für jeden Mikrofonkanal erlauben jedoch, den Sound aller am Kit beteiligten Instrumente über alle Mikrofone dosiert einzublenden – wie im richtigen Leben, wo ja auch Anteile der Bassdrum über das Snare-Mikro laufen. Auf diese Weise soll ein praxisnaher, echter Klang wie bei einer Abnahme im Studio entstehen.

Diverse Routing Optionen, Bus-Kanäle sowie Insert-Effekte (von Sonalksis) bieten umfangreiche Optionen für Mixing und Klanggestaltung. Diese lässt sich über 16 Stereo-Ausgangskanäle auch mit externen Mitteln differenziert betreiben.

Im Grooves-Menü trifft man auf eine gut gefüllte Library mit MIDI-Pattern. Auch diese kann über Expansion-Packs erweitert werden. Im Gegensatz zu EZdrummer 2 steht jedoch kein internes Song-Arrangement-Tool zur Verfügung: Im Falle von Superior Drummer werden die MIDI-Files direkt in die Spuren des Host-Sequencers gezogen. Jeder Beat liegt dabei sowohl komplett instrumentiert als auch in Form separater MIDI-Pattern für die einzelnen Instrumente vor.

Ein Bounce-Menü erlaubt alternativ zum Host-spezifischen Export über die Stereoausgänge das komfortable Exportieren der Beat-Sequenzen direkt aus Superior Drummer heraus. Dabei können beispielsweise Übersprechungsmikrofone getrennt ausgegeben oder das Overhead-Mikrofonpaar als separate Mono-Tracks gerendert werden.

Superior-Drummer bietet eine Reihe von Detail- und Sonderfunktionen, für jede Artikulation stehen beispielsweise eine Velocity-Kurve, eine Hüllkurve und diverse Humanize-Parameter zur Verfügung.

Kits und MIDI-Grooves des EZdrummers können in Superior Drummer ebenfalls verwendet werden.

 

Installation und Autorisierung

Das Basispaket zu Superior Drummer wird auf 5 DVDs geliefert oder als Download bereitgestellt. Die Basis-Soundlibrary „Avatar“ beansprucht bei der Vollinstallation 18,2 GB Festplattenspeicher.

Die Installation kann auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten werden: So ist es beispielsweise möglich, nur die 64-Bit-Variante zu installieren oder den Inhalt der Sound-Library anzupassen. Wer mit Festplattenspeicher nicht geizen muss, sollte sich für die volle Installation mit allen Mikrofonpositionen entscheiden.

Auf unserem Testsystem wurde das VST-Plug-in automatisch im richtigen Cubase-VST-Ordner installiert. Bei der Sound-Library ist es erforderlich, einen Pfad einzugeben, wenn der Inhalt nicht auf die Systemplatte geschrieben werden soll. Eine vorherige EZdrummer 2 – Installation wurde automatisch erkannt – wichtig für den Import von EZdrummer 2 – Instrumenten oder MIDI-Grooves.

Bei einer Installation anhand der 5 DVDs empfiehlt sich ein anschließendes Update.

Die Autorisierung verläuft reibungslos über den persönlichen Toontrack-Account, wo man Superior Drummer als neues Produkt registriert und seine Seriennummer eingibt. Eine Offline-Aktivierung ist ebenfalls möglich.

Superior Drummer 2 läuft auf dem PC ab Windows XP SP3 aufwärts, auf dem Mac ab OSX 10.5 und ist in den Formaten VST, AU, AAX, RTAS sowie Standalone verfügbar. Neben der Vollversion werden vergünstigte Upgrades für DFH Superior oder Superior Custom & Vintage sowie Crossgrades für EZdrummer angeboten.

 

Das Angebot an Schlaginstrumenten

Neben einer Reihe fertig zusammengestellter Kits kann ein Drum-Set auch individuell konfiguriert werden. Zur Verfügung stehen

  • drei GMS Bassdrums (zwei davon wahlweise mit Plastikschlegel oder Filzkopf als Fußmaschinenaufsatz),
  • sieben Snares (darunter GMS, Ludwig, Slingerland und Rogers Wood; die ersten beiden mit allen Schlagwerkzeugen zur Auswahl, also Sticks, Rods, Besen und Filz-Schlegeln),
  • drei Hi-Hats (auch mit dem Besen gespielt),
  • zwei GMS Tom-Sets (10, 12, 14, 16 und 18 Zoll),
  • drei Becken-Setups mit insgesamt 21 Becken,
  • eine Sammlung von fünf Extreme-Crash, Splash und China-Becken
  • weitere vier Ride-Becken
  • eine Kuhglocke

Alle Hi-Hats und Becken stammen von Sabian. Neben der Standard-Spielweise mit Sticks werden auch beim Blech teilweise die erwähnten Alternativen angeboten.

Im Folgenden möchte ich Ihnen einige der Instrumente anhand von Audiodemos vorstellen:

Hören Sie die GMS 18×22-Zoll-Bassdrum zusammen mit der Ludwig Black Beauty Snare, diese mit vier aufeinanderfolgenden Artikulationen: Sidestick, Center, Ruff und Rimshot. Die Mixer-Einstellungen habe ich nicht verändert: Per default kommt es bei der Bassdrum zu einer Übersprechung beim Snare-Boden-Mikro. Overheads und Ambience Mikros sind ebenfalls beteiligt und sorgen für den Raumklang.

 

Im zweiten Durchgang habe ich die Velocity-Werte angehoben. Es zeigt sich, dass mit sich mit der steigenden Anschlagsstärke auch die Klangfarbe der Instrumente realitätsgetreu ändert. Harte Schläge auf die Snare bewirken sogar eine leichte Tonhöhenveränderung durch den Druck, der auf das Fell ausgeübt wird. Insgesamt entsteht ein dynamisch abwechslungsreicher Klang.

Hier habe ich die Bassdrum gewechselt; nun kommt eine 14×24 Zoll GMS Double Headed zusammen mit einer Slingerland 70s Snare zum Einsatz:

 

Für die Snares stehen neben den oben verwendeten Spielweisen auch Rim only (Schläge auf den Spannreifen ohne Fellberührung), Muted (abgedämpfte Schläge), Flams (schnell aufeinanderfolgende Doppelschläge) und Wirbel (mit Crescendo/Decrescendo) zur Verfügung. Wirbel werden mit dem nächsten Snareschlag beendet. Hierzu bieten sich Center- oder Flam-Artikulationen an.

Die 13-Zoll GMS Piccolo-Snare, Artikulation Wirbel und abwechselnd Center-Schlag und Flam als Stop:

 

Mehr als 20 verschiedene Artikulationen gibt es für die Hi-Hats. Dazu zählen Kanten, Tips, Bell-Schläge in verschiedenen Variationen (von Winkeln und Öffnungsgraden), Open-Hits mit fünf Öffnungs-Graden, dezente, kurze Pedal close und lange nachklingende Pedal open – Spielweisen.

Für das Einspielen einer abwechslungsreichen Hi-Hat steht also reichlich Material zur Verfügung. Hinzu kommt, dass Round-Robins (alternierende Wiederholungssamples) zusätzlich dafür sorgen, dass kein unnatürlicher Machine-Gun-Effekt eintritt, selbst wenn man, wie im nächsten Audiodeomo, die Hi-Hat mit offenem Pedal stoisch mit der selben Anschlagsstärke (hier: Velocity 80) spielt:

 

Auch die anschlagsdynamische Auflösung lässt keine Wünsche offen: Im nächsten Audiodemo hören sie wieder die Open Pedal – Spielweise, dieses Mal mit ansteigender Velocity von 5 auf 127, anschließend die Close Edge Spielweise mit einem Decrescendo von Velocity 127 zu 5.

 

Die dynamische Auflösung ist exzellent. Crescendi und Decrescendi klingen fließend – fast ohne Sprünge in der Dynamik. Lediglich am Ende des Hi-Hat Close-Edge Decrescendos ist ein kleiner Ausreißer zu hören.

Verwendet habe ich die 14-Zoll Sabian HHX Manhattan Jazz – Hi-Hat. Und so hört sich die 16-Zoll Sabian Crash Handhammered Hi-Hat (mit denselben Artikulationen) an …

 

… dieses Mal perfekt, ohne Ausreißer.

Ausgesprochen fein klingen die Ride-Becken, hier das 21 Zoll Sabian Handhammered Vintage Ride mit Artikulationswechseln zwischen Bow und Bell, zusammen mit der ausgesprochen satt klingenden14x24 Zoll GMS Bassdrum:

 

Das Sabian HHX Dry Ride klingt noch einen Tick filigraner:

 

Crash Becken stehen sowohl lang ausklingend als auch als gestoppt gespielte Mutes zur Verfügung. Im Standard-Kit sind fünf Plätze für Crash, Splash und China-Becken reserviert.

Zwei Tom-Sets mit jeweils drei (bzw. zwei) Hängetoms und zwei Strandtoms des Herstellers GMS gibt es mit Coated und Clear Heads. Hier die Coated Heads:

 

Die mit unbeschichteten Fellen bespannten Toms sind um zwei Zoll größer, tiefer gestimmt und haben einen voluminöseren Klang:

 

Die Toms sind insgesamt durchsetzungsfähig, bei hoher Anschlagsdynamik regelrecht knallig. Die Stand-Toms erreichen fast die Kraft und das Volumen von Pauken. Auch hier stehen zusätzlich Rimshots und reine Kantenschläge auf den Spannreifen zur Verfügung. Alle Artikulationen liegen in guter dynamischer Auflösung vor, sodass ein nuanciertes, sehr echt klingendes Spiel möglich ist.

 

Das Construct-Menü

Startfenster ist das Construct-Menü. Werksseitig steht eine Auswahl an verschieden belegten und verschieden großen Kits zur Verfügung. So präsentiert sich das Full Kit:

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Neben Bassdrum, Snare, Hi-Hat und Kuhglocke wollen ganze zehn Becken und fünf Toms gespielt werden.

Ein Linksklick auf das jeweilige Instrument triggert eine Klangprobe, ein Rechtsklick dient der Auswahl. Per Rechtsklick und Shift-Taste kann man nacheinander mehrere Instrumente anwählen, etwa um alle Toms gemeinsam in der Tonhöhe zu verändern.

Ein Klick auf das kleine Dreickssymbol am Instrument öffnet eine Auswahl alternativer Instrumente, die zum jeweiligen Typ passen, also beispielsweise alle Snares, alle Toms etc..

In der Abbildung oben ist das erste Hängetom ausgewählt. Synchron wird dieses Instrument auch in diversen Fenstern rechts und unterhalb der zentralen Grafik aufgerufen: Hierzu zählt

  • das Info-Feld
  • die ADSR-Hüllkurve mit Sample-Offset und diversen Stop-Modi: Per Sample-Offset setzt das Instrument verzögert ein (negative Werte). Bei positiven Werten schneidet man die Attackphase ab, etwa um den Klang weniger direkt wirken zu lassen. Ein kurzer Mute-Sound lässt sich in drei Modi erzeugen: Note on bewirkt, dass nur kurze Hits mit geringem Ausklingen gespielt werden. Ebenso ist es möglich, eine Mute-Spielweise per Aftertouch oder bei Note-Off zu definieren. Der Sound wird dann schnell und natürlich gestoppt aber nicht abrupt abgesägt. Beim Becken klingt es so, als stoppe der Drummer dessen Vibration mit der Hand.
  • Das Pitch-Modul mit weit reichenden Tonhöhenveränderungen bis hin zu Klangverfremdungen. Hier habe ich die alle Toms gemeinsam nach unten transponiert:

 

  • Im Humanize-Modul kann man eine zufällige Auswahl von Samples aktivieren, die alternierende Abfolge von Rechte-Linke-Hand-Samples und (zusätzlich zur in den Samples enthaltenen Dynamik durch Velocity-Layer) eine Steuerung des Lautstärkeparameters in Abhängigkeit zur Anschlagsstärke einschalten.
  • Über das Instrument Feld unten rechts kann man alternativ zum Rechtsklick in der Grafik ein Instrument auswählen, es in der Lautstärke regulieren, auf Solo oder Mute stellen, eine der verfügbaren Artikulationen herausgreifen und bei Bedarf die Tastenzuweisung ändern.Als Besonderheit trifft man auf einen MHE-Regler. MHE steht für Multiple Hit Emulation: Die Funktion bindet bei rasch aufeinanderfolgenden Schlägen das Attack des Sticks in den Klang ein. Wirbel auf Becken erklingen so weicher und realistischer. MHE steht grundsätzlich für alle Instrumente zur Verfügung und kann auch Wirbel auf der Snare oder den Toms weicher und fließender wirken lassen. In den folgenden Audiodemos habe ich MHE bei einem Ride-Becken eingesetzt.

Das Ride-Becken ohne MHE:

 

Mit dem MHE-Regler in Mittelstellung:

 

Mit dem MHE-Regler im Rechtsanschlag:

 

Unten rechts im Instrument-Feld befindet sich eine Learn-Taste zur Zuweisung der gewählten Artikulation zu einer Taste auf der Klaviatur. Im Gegensatz zur Zuweisung über das Mapping-Menü (dazu später mehr) erscheint hier jedoch keine Warnmeldung, wenn die Zieltaste bereits belegt ist.

  • Die weiteren Fenster in der Bodenleiste des Interfaces bieten Optionen zur Schonung der Ressourcen. So ist es möglich, die Anzahl der anschlagsdynamisch gestaffelten Samples für drei Anschlagszonen (soft, mittel und hart) getrennt zu regeln. Eine behutsam eingespielte Ballade benötigt beispielsweise keine hohe Auflösung an Velocity-Layern im Forte-Bereich, sodass man hier mit einem Layer auskommen wird. Hat man ein Arrangement fertiggestellt, so kann man über einen Klick auf „clear“ und ein anschließendes Durchlaufen des Stückes nur die Samples laden lassen, die wirklich abgefragt werden.
  • Des Weiteren findet sich ein Direktzugriff auf ein wählbares Mikrofon, sodass man für schnelle Anpassungen nicht zum Mixer-Fenster wechseln muss.

Neben der oben abgebildeten Ansicht gibt es noch die Classic View …

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… mit Instrumentenwahl, Mute- und Solo-Taster sowie einem anschlagsdynamischen virtuellen Pad, welches es erlaubt, auch mit der Maus (je nach Oben/Unten-Position) die Dynamik des Instruments hörbar zu machen.

Über den X-Drum-Taster können weitere Instrumente hinzugefügt und eingestellt werden. Dabei steht die gesamte Library, soweit vorhanden auch EZDrummer 2 – Kits zur Verfügung. Über Microphone Assignment ist eine differenzierte Zuweisung von Mikrofonen für die hinzugefügten Drums möglich. Das Mapping kann über das Instrumenten-Menü erfolgen, erste Klanganpassungen über Pitch und Envelope, alles im direkten Zugriff und ohne die Construct-Seite zu verlassen.

 

Das Mixer-Menü

Wie bereits erwähnt, finden sich im Mixer keine separaten Instrumentenkanäle, sondern Mikrofonkanäle.

 

Je drei Mikrofonpositionen für Bass- und Snare-Drum, weitere für die Hi-Hat, ein eigenes Mikro für jedes Hänge- und Standtom, ein Overhead- und fünf Raummikrofone sollten keine Wünsche offen lassen.

Jeder Mixerkanal bietet fünf Insert-Effektslots, vier Bus-Sends zu insgesamt 16 zur Verfügung stehenden Stereo-Bus-Kanälen, die Standards Panorama, Volumenregler, Phasenumkehr-, Mute- und Soloschalter sowie einen Fade-Regler, mit dem das Ausschwingen aller über das betreffende Mikrofon abgenommener Instrumente verkürzt oder verlängert werden kann. Bewegt man den Fade-Slider lach links, so erhält man zunehmend einen trockenen, kurzen Klang, gut geeignet, um Direktheit und Präzision zu vermitteln.

Sehr umfangreich ist die aufklappbare Übersprechungskonfiguration:

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Oben abgebildet ist die Übersprechungskonfiguration des Snare-Bottom-Mikros. Dieses überträgt hier auch die Bassdrum und alle Toms in voller Lautstärke. Die Gesamtlautstärke der Übersprechungen kann auch außerhalb des Aufklappmenüs (via Summenregler für alle Bleeds des Kanals) angepasst werden.

Zu den Insert-Effekten: Diese stammen aus dem Hause Sonalksis. Geboten wird ein Transient Shaper …

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… ein vollparametrischer 5-Band-Equalizer …

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… ein Dual-Multimode-Filter mit Low-, Mid-, High- und Rude-Charakteristik in den Flankensteilheiten 12, 24 und 48 dB …

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… ein Gate mit Attack, Hold, Release und Range …

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… sowie ein Kompressor, der über das Limiting hinaus auch eine Überkompression mit deutlichem Pump-Effekt produzieren kann.

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Die Auswahl an Effekten ist damit solide, wenngleich nicht üppig. Mancher Mitbewerber hat hier mehr und Ausgefalleneres zu bieten. Doch das, was Toontrack an Effekten eingebaut hat, kann sich klanglich sehen lassen. Der Transient Shaper, der Kompressor und das Gate verfügen zudem über eine Sidechain-Funktion: Sie können durch einen anderen Mikrofonkanal gesteuert werden. So kann beispielsweise eine Bassdrum das Sustain eines Crash-Cymbals steuern (indem man im Ambience-Mikrokanal, über den das Crash-Becken läuft, ein Gate einbaut und dieses durch ein Bassdrum-Mikro steuert): Im Ergebnis setzen Bassdrum und Crash-Becken nun synchrone Akzente, einschließlich der Anpassung des Ausschwingens beim Becken.

Die Insert-Effekte können im Mixer per Klicken und Ziehen von einem Slot auf einen anderen verschoben werden. Bei gedrückter Alt-Taste kann eine Kopie auf einen anderen Kanal gezogen werden: Hat man beispielsweise eine Kompressor-Einstellung im Kanal Snare Top erstellt und möchte dieselbe Einstellung im Snare-Bottom-Kanal verwenden, so muss man hier nicht von vorne Anfangen, sondern kopiert einfach den Kompressor in einen Insert des Snare-Bootom-Kanalzugs.

Wer Hall- und Echo-Effekte, extravagante Filter, Ringmodulatoren oder Tools zur destruktiven Klangbearbeitung einsetzen möchte, muss auf externe Mittel zurückgreifen. Da jeder Mikrofonkanal einem der 16 Stereo-Ausgänge zugewiesen werden kann, sind gezielte Einsätze externer Mittel möglich.

Noch genauer kann man die Nachbearbeitung vornehmen, wenn man über das Bounce-Menü die Übersprechungen der Mikrofone und das Direktsignal der zugeordneten Instrumente getrennt exportiert und dann als separate Audiotracks im Sequencer bearbeitet.

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Dazu nimmt man die Sequenz zunächst über den Record-Button auf und exportiert die einzelnen Spuren anschließend als 16 oder 24 Bit Wav-Datei. Das Overhead-Mikrofonpaar kann als getrennte Mono-Tracks exportiert werden.

 

Mapping

Im Mapping-Menü weist man die einzelnen Artikulationen eines Instruments per Drag & Drop oder über eine MIDI-Learn-Funktion einer (oder mehreren) Tasten der Klaviatur zu. Zieht man eine Artikulation auf eine bereits belegte Taste, so erklingt nicht nur der dort bereits zugewiesene Sound, sondern es erscheint auch eine Warnmeldung:

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Über MIDI-Nodes können zwei oder mehr Artikulationen (auch unterschiedlicher Instrumente) als anschlagsdynamische Layer oder Splits definiert werden. So ist es beispielsweise möglich, zwei Snares übereinanderzulegen oder Center- und Randschläge einer Snare anschlagsdynamisch getrennt über eine Taste zu spielen: Bei moderatem Spiel erklingen Randschläge, bei hartem Anschlag die Center-Artikulation. Solche Layer-Sounds werden bestimmten Tasten der Klaviatur zugewiesen, welche sich dann lila eingefärbt von den anderen tasten abheben. Das Erstellen von Layern geschieht immer zusätzlich zur klassischen Tastenbelegung: Die in Layern kombinierten Artikulationen können nach wie vor über andere Tasten auch separat gespielt werden.

Im Mapping-Menü findet sich auch die anschlagsdynamische Anpassung der einzelnen Artikulationen. Über „select all“ können auch alle Artikulationen eines Instruments zusammen dynamisch angepasst werden – sehr komfortabel.
 

Grooves

Im Grooves-Menü präsentiert sich der gut gefüllte MIDI-Pattern Browser. Zur Verfügung stehen Straight und mit Swing gespielte 4/4- und 6/8-Rhythmen. In der linken Spalte der folgenden Abbildung sind auch EZDrummer-Groove-Libraries zu sehen: Diese sind optional erhältlich und können auch mit Superior-Drummer-Kits gespielt werden.

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Wie eingangs bereits erwähnt, ist der Superior Drummer 2 im Gegensatz zum EZdrummer nicht mit einem Song-Arrangement-Tool ausgestattet. Beim Superior Drummer können lediglich Grooves vorgehört, im Tempo halbiert oder verdoppelt und per Drag & Drop in die Spuren des Sequencers zur weiteren Bearbeitung und zum Arrangieren gezogen werden. Neben der vollen Instrumentierung liegen alle Pattern auch separiert als Solo-Grooves der beteiligten Instrumente vor. Wie in der Abbildung oben zu sehen ist, lässt sich auch nur die Hi-Hat-Figur, nur die Bassdrum oder nur die Snare exportieren.

Die Grooves bieten vor allem für Nicht-Schlagzeuger gute Grundlagen für für authentisch klingende Rhythmen. Die Originaltempi liegen zwischen 75 und 180 BPM. Die Auswahl an Variationen ist großzügig bemessen.

Alle Grooves sind von hoher Professionalität und klingen nach einem echten Schlagzeuger. Artikulationswechsel, Betonungen und Mikro-Timing sind stimmig. Wer mit dem Einspielen von Schlagzeug nicht außergewöhnlich gut vertraut ist, wird solche Grooves nicht auf die Schnelle selber realisieren können.

Nebenbei bieten sich die Grooves auch für erste Erkundungen mit den Bleed-Funktionen des Mixers und dem Einsatz der Insert-Effekte an. Man lässt den Beat einfach durchlaufen und bastelt am Sound.

Beispiele:

Vier Hats Closed – Variations, Orignaltempo 75 BPM, hier mit 100 BPM, 4/4 Takt:

 

Hats Closed Intro und zwei Variations im Originaltempo von 115 BPM, 4/4 Takt:

 

Swing 6/8 Takt, Cymbal Variations und Cymbal – Sidestick – Variation im Originaltempo von 55 BPM:

 

Fazit

Toontracks Superior Drummer 2 gehört zweifellos zu den Spitzenprodukten, wenn es um ein authentisch klingendes akustisches Drumset geht. Zur Basisausstattung gehört bereits eine erstklassig aufgenommene Library, die im Pop/Rock-Bereich gängige Anwendungen abdeckt. Insbesondere die Auswahl an Becken ist groß, und auch für die Snare-Drum gibt es ausreichende Alternativen. Hinzu kommt, dass viele Instrumente neben der klassischen Spielweise mit Stöcken auch mit Besen, Rods und filzbezogenen Schlegeln gespielt werden können.

Einzelne Kits können bis ins Detail konfiguriert und die Artikulationen im Mapping-Menü auf die Tastatur verteilt werden. Zu werksseitig konfigurierten Kits können weitere Instrumente, auch aus anderen Libraries, hinzugefügt werden. Als Besonderheit ist es sogar möglich, zwei oder mehrere Artikulationen als anschlagsdynamische Layer auf eine Taste zu legen. Aufgrund der Vielzahl von Artikulationen ist eine 88er Klaviatur empfehlenswert.

Die Audioqualität ist exzellent. Die Becken klingen sauber und absolut rauschfrei aus. Die Aufnahmen sind transparent und detailreich. Die Dynamik ist ausgesprochen fein aufgelöst und lässt ein nuanciertes Spiel zu. Zahlreiche Artikulationen, darunter Center-, Rand- und Kantenschläge, Flams, Ruffs und Rolls decken alle möglichen Spielweisen ab. Insbesondere die Hi-Hats mit ganzen 20 Artikulationen sind extrem aufwändig gestaltet. Zum abwechslungsreichen, natürlich klingenden Spiel tragen auch alternierende Wiederholungssamples, Linke/Rechte-Hand-Samples und Sonderfunktionen wie die Multiple Hit Emulation bei.

Individuelle anschlagsdynamische Anpassungen (per Velocity-Kurve) pro Artikulation, eine Hüllkurve sowie Humanize-Funktionen erlauben eine detaillierte Gestaltung der Instrumente.

Perfekt durchdacht und praxisnah ist der Mixer mit 18 Mikrofonkanälen. Das Einstellen von Übersprechungen aller Instrumente über alle Mikrofone ist lückenlos und lässt eine differenzierte Klangeinstellung zu. Neben einem umfangreichen Bus-Routing können 16 Stereo-Ausgangskanäle angelegt werden, sodass auch externe Effekte gezielt eingesetzt werden können. Daneben ermöglicht eine Bounce-Funktion ein umfangreiches Exportieren – auch einzelner Übersprechungen.

Via MIDI-Learn können Artikulationen einer Taste der Klaviatur oder einem Pad eines Drum-Controllers zugewiesen werden. Was die Steuerung von Parametern (einschließlich der Insert-Effekte) und Mixer-Kanalfader durch externe Controller betrifft, verfügt Superior Drummer 2 nicht über eine MIDI-Learn-Fähigkeit. Auch können die Mixer-Fader nicht automatisiert werden. Wer Die Lautstärke von Mixer-Kanalzügen automatisieren möchte, benutzt daher die Einzelausgänge und erledigt diesen Job mit den Kanalfadern des Host-Sequencers.

Weniger üppig ist die Ausstattung mit Effekten. Die Sonalksis-Effekte Kompressor, Gate, Filter, Equalizer und Transient-Shaper klingen jedoch hochwertig, erweisen sich als effektiv und verfügen teilweise über eine Sidechain-Funktion.

Erfreulich ist die große Auswahl an professionell eingespielten und vielseitig verwendbaren Grooves, die als MIDI-Files vorliegen und als komplette Instrumentierungen oder auch als Instrumenten-Einzelpattern in den Sequencer gezogen werden können.

Die Bedienung ist schnell erlernt. Superior Drummer ist userfreundlich aufgebaut und verfügt über eine gut durchdachte Architektur.

Unterm Strich bietet Superior Drummer eine hochwertige Basisausstattung für akustisches Schlagzeug. Die unten aufgeführten Minus-Punkte sind eher zweitrangig und beeinträchtigen die Freude beim Einspielen und Arrangieren von Drums mit Superior Drummer nicht.

Die Library kann über Expansion-Packs durch weitere Drumkits und auch durch MIDI-Groove-Pakete erweitert werden. Kompatibel zu Superior Drummer ist die inzwischen umfangreiche Kollektion von EZDrummer 2 – Kits und MIDI-Packs.

Die Preisgestaltung (einschließlich der Crossgrade-Angebote) ist ausgesprochen fair.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • exzellente Klangqualität
  • hohe dynamische Auflösung
  • großes Repertoire an Artikulationen
  • verschiedene Alternativen zum Spielen mit Sticks
  • umfangreiche Kontrolle der Mikrofonierung einschließlich Übersprechungen
  • Konfigurieren eigener anschlagsdynamischer Layer
  • separates Bouncen von Übersprechungen
  • Multiple Hit Emulation
  • unkomplizierte Bedienung
  • fairer Preis, zudem Crossgrade-Angebote
  • ausbaufähige Library
  • CPU-schonend und live-tauglich
  • Unterstützung älterer Betriebssysteme

Minus:

  • begrenzte Auswahl an Effekten
  • kein MIDI-Learn zur Zuweisung externer Controller für die Steuerung von Parametern oder Mixer-Kanalzügen, keine Automationsmöglichkeit der Mixer-Fader.

Preis: 259.- EUR, Crossgrade: 189.- EUR.

Hersteller: Toontrack (www.toontrack.com)

System:

  • PC: ab Windows 7
  • Mac: ab OS X 10.6
  • Formate: AU, VST, AAX, RTAS (Standalone in Kombination mit der kostenlosen Software „Toontrack Solo“)
  • 32 und 64 Bit

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