Test: Ueberschall Jazz Guitar
Fazit
Ebenso wie der Ueberschall Upright Bass ist auch die Jazz Guitar sauber aufgenommen, gefühlvoll und stilsicher eingespielt und bietet durchgängig feine Details und lebendige Phrasierungen, wie man sie mit keiner klassischen Sample-Library, auch nicht mit aktuellen, fortgeschrittenen Produkten erzeugen kann.
Angenehm ist auch, dass die Licks nicht überdreht oder egomanisch eingespielt sind und sich damit in einer Vielzahl von Projekten mit Jazz-Feeling integrieren lassen. Mir ein wenig Bearbeitung und den entsprechenden externen Amp/Speaker-Simulationen taugt die Jazz Gitarre auch für andere Genres im weiten Bereich des Pop und Rock. Generell stellt der Ueberschall Upright Bass ist eine gute Lösung für passende Begleitungen dar.
Geboten werden eine Fülle von Loops in unterschiedlichen Originaltempi, dry und wet aufgenommen, wobei wet sich dem Höreindruck nach auf den Einsatz eines Kompressors beschränkt. Dadurch klingt die Gitarre etwas runder und voller, mit mehr Durchsetungsvermögen. Auch die Nebengeräusche werden hier etwas angehoben.
Die Loops sind sauber geschnitten. In jeder Kategorie findet man mehr als genügend Material, um auch eine ausladende Performance zu realisieren. Geboten werden auch Mute-Spielweisen; pointiert sind jazztypische Intervalle und Akkorde eingeflochten. Überwiegend liegen aber monofone Solo-Passagen vor.
Über den überarbeiteten Pitch-Shift- und Time-Stretch-Algorithmus von zplane lassen sich die Loops in andere Tonarten transponieren und dem Host-Tempo in einem sehr weiten Bereich artefaktfrei anpassen. Der Algorithmus gehört in puncto Audioqualität zweifellos zu den besten auf dem Markt, ist aber kein Alleskönner: Die Erkennung einzelner Noten und eine skalengetreue Transponierung gehört nicht zu seinen Fähigkeiten.
Die Leistungsfähigkeit von Elastik 2 wird oftmals unterschätzt – was möglicherweise an der schlichten Grafik liegt – andere Hersteller setzen heutzutage oft auf eine opulente oder schicke Oberfläche, die manchmal mehr suggeriert, als unter der Haube zu finden ist. Bei Elastik 2 ist es genau umgekehrt. Wer etwas genauer hinsieht, wird schnell feststellen, dass die Elastik 2- Engine ein kreativer Bastelkasten und ein eigenständiges Klanglabor darstellt, das sogar stark verfremdete, experimentelle Anwendungen ermöglicht. Parameter gibt es für Volumen, Panorama, Resampling, Filter mit bis zu 72 dB Flankensteilheit, Envelope, Formantentransponierung und das Rückwärtsabspielen. Loops können kopiert, geschnitten und im Sequence-Modus scheibchenweise mit allen Parametern (individuell pro Segment) bearbeitet werden. So lassen sich Effekt-Sequenzen generieren, die vom Original weit entfernt liegen. Richtig abgedreht wird es, wenn man Parameter automatisiert. Ein paar Einblicke haben Sie vielleicht anhand unserer Audiodemos gewinnen können.
Elastik 2 beinhaltet kein klassisches Effektboard mit Echo und Hall, aber die FX-Bank der Library füllt diese Lücke mit geschmackvollen Licks, bei denen Echo und Hall zum Einsatz kommen – hier allerdings im Sample enthalten. Die anderen Loops sind hingegen angenehm trocken und können uneingeschränkt mit externen Effekten bearbeitet werden, ohne dass Raumanteile zu einem verwischten Klang führen. Die trockenen Samples eignen sich auch gut, um mit externer Pitch-Time-Software, etwa Melodyne, bearbeitet zu werden. Was der interne Algorithmus nicht kann, ist eine skalengetreue Transponierung (also etwa C-Dur in C-Moll umwandeln oder den Loop ein Intervall höher gespielt aber noch in der Orignaltonart verbleibend). Wer Melodyne oder eine ähnlich potente Pitch-Time-Spezialsoftware sein Eigen nennt, darf sich über einen erlesenen Vorrat an Jazz-Gitarrenlicks freuen, die in alle möglichen Arrangements eingebunden werden und (mit den neuen Funktionen von Melodyne 4) sogar im Timing und Feeling an andere Tracks, etwa Schlagzeug, adaptiert werden können. Dann klingt es wirklich so, als würden die Musiker interagieren – wie im richtigen Leben.
Angenehm ist auch, dass Elastik 2 kaum CPU-Leistung beansprucht – das ist nicht bei jeder Sample-Library so. Auch die Berechnung der Loops (im Falle der Transponierung oder des Time-Stretchings) geht rasch vonstatten, sodass man ruhig den Pro-Algorithmus als Standard nehmen kann und nicht auf Efficient ausweichen muss.
Unterm Strich ist Ueberschall Jazz Guitar eine schöne, lebendige Gitarre, die inspiriert und dank des umfangreichen Arsenals an Loops für eine Vielzahl von Projekten eingesetzt werden kann, ohne dass sich Wiederholungen einstellen.
Der Preis von 49-.- EUR frisst auch bei schmalem Budget kein Loch in den Geldbeutel und ist ausgesprochen fair.
Testautor: Holger Obst
Plus:
Umfangreiche Sammlung gefühlvoll eingespielter Licks
In weiten Bereichen artefaktfreie Anpassung an Tempo und Timing dank überarbeitetem zplane Algorithmus
Detailreiche Samples mit schönen Phrasierungen und subtilen Spielgeräuschen
Weitreichendes Experimentierpotential mit den Mitten der Elastik 2 Engine
Minus:
Pitch-Shift-Algorithmus erlaubt kein Einrasten der Noten auf vorgegebenen Skalen.
