Test: Flux Ircam Verb

Verb ist unser zweiter Testkandidat des neuen Ircam-Bundles von Flux. Auch Verb ist separat erhältlich. Wie der Name schon deutlich macht, geht es bei diesem Plug-in um einen virtuellen Hall – oder besser gesagt: Raumsimulator. Anders als bei Trax, das sich der Soundtransformation von Vocals, Instrumenten und Musik auf sehr eigenständige Art und Weise widmet und einer dünn besiedelten Marktnische zuzurechnen ist, trifft Verb auf zahlreiche Mitbewerber in einem seit Jahrzehnten gewachsenen Segment. Hier kann ein Neuling nur gewinnen, wenn er Features bietet, die in puncto Qualität, Bedienung oder Preis-Leistungsverhältnis neue Maßstäbe setzen.

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Einleitung

Ohne die Leistung an dieser Stelle bereits beurteilen zu können, weisen die Anschaffungskosten von 699 Euro aus, dass bei Verb eher das professionell ambitionierte Lager angesprochen wird. Für die Erfüllung höchster technischer Ansprüche stehen die Eckdaten von Verb: bis zu 384kHz Sampling Rate, bis zu 64bit Fließkommaberechnung, Mehrkanalfähigkeit bis zu 8.0.

Ebenso wie bei Trax ist auch die Verb-Technologie das Ergebnis langjähriger Forschung des Ircam Instituts, angeschlossen an das Centre Georges Pompidou in Paris, eine der ersten Adressen weltweit, wenn es um musikalische Grundlagenforschung geht. Ircam ist die Abkürzung für Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique, übersetzt: Institut für akustisch-musikalische Forschung und Kommunikation.

Installation und Autorisierung

Auch für Verb gibt es eine Demo-Version, für die kein iLok (oder Flux-Dongle) nötig ist. Käufer des Produktes benötigen hingegen einen der beiden Dongles für die Autorisierung. Der Vorgang selbst läuft über wenige Schritte ohne unnötige Umständlichkeiten in gewohnter Flux-Manier: Account anlegen, Freischaltungscode wird ohne Wartezeit zum iLok-Konto geschickt.

Abschweifungen

Normalerweise gehe ich bei Schreiben eines Testberichtes die Architektur der Software Schritt für Schritt durch und informiere mich anhand der Bedienungsanleitung zu Besonderheiten (es ist kaum zu glauben, was man bei dieser unbeliebten Lektüre oft alles entdecken kann). Beim Flux-Verb hingegen spielte ich erst einmal mehr als zwei Stunden mit den Parametern herum. Obwohl diese eine gehobene Ausstattung darstellen, hört man wirklich immer durch die Veränderung des Sounds, was man gerade macht – unterstützt durch die sehr anschaulichen Displays. Hier gibt es keine Regler, an denen man dreht und sich fragt „Was ist denn nun eigentlich passiert“ oder „wie muss ich diesen Parameter einstellen, damit es endlich gut oder wenigstens brauchbar klingt?“ Man fühlt sich eher wie ein Architekt, der mit wenigen Handgriffen die Raumgröße und Form, die Materialbeschaffenheit modelliert. Man muss praktisch nie um den gewünschten Sound ringen, sondern entdeckt im Arbeitsfluß eher eine ineinandergreifende Reihe von Alternativen, sodass man mit dem Basteln für eine Weile gar nicht mehr aufhören möchte. Sie merken schon: Mein erster Eindruck weckte Begeisterung – und ich muss betonen, dass mir das bei Hallprogrammen in dieser Form noch nie passiert ist.

Kurzer Exkurs zum theoretischen Hintergrund

Bevor es mit dem Test losgeht, ein paar Worte zu trocknen Signalen, Echos und Hall: Jeder natürliche Hall setzt sich aus einzelnen Reflektionen, also Echos zusammen. Das Signal, welches von der Schallquelle aus direkt den Hörer erreicht, bezeichnet man als „dry“, trocken, für das mit Refektionen gemischte Signal hat sich nur das englische „wet“ durchsetzen können. („Feucht“ oder „nass“ sagt bislang niemand. Ich finde, hier sollte ein Initiative zur Wiedereindeutschung der Fachsprache einsetzen).

Absolut trockene Samples können nur in einem schalltoten Raum aufgenommen werden, dessen Isolierung der Wände sämtliche Reflektionen auf ein unhörbares Niveau unterdrücken. Die meisten Samples sind nicht wirklich trocken, sondern transportieren bereits einen Raumanteil in sich.

Ist die Geige gezupft, das Trömmelchen geschlagen und das Signal erst einmal ausgelöst, spielt der Raum bei der Musik mit. Ohne ihn würde sich jedes Instrument vergleichsweise dünn und leblos anhören. Erste Reflektionen prallen an den Wänden (oder reklektierenden Objekten) ab und erreichen das Ohr des Hörers. Diese frühen Echos (Early Reflections oder ER) geben erste Auskunft über die Größe des Raumes und die relative Position des Instruments zum Hörer.

Durch die Streuung der reflektierenden Flächen des Raumes nimmt die Anzahl der Reflektionen in kurzer Zeit zu, während deren Lautstärke abnimmt. Ab einer Anzahl von mehr als 16 Echos pro Sekunde kann das menschliche Gehör die einzelnen Reflektionen nicht mehr getrennt wahrnehmen: Der Eindruck von Echos wird zu einem Eindruck von Räumlichkeit. Aber erst mit zunehmender Dichte der Echos (weit über 16 pro Sekunde hinaus) gewinnt man den Eindruck eines natürlichen, geschlossenen Raumes.

Die Dimensionen des Raumes sorgen für unterschiedliche Strukturen der Streuung, d. h. sie führen zu unterschiedlichen Mustern der Kumulation der Reflexionen (ein Tunnel klingt anders als ein Dom, unsymmetrische Räume wie eine Höhle anders als ein Betonwürfel).

Verb trägt Ungleichmäßigkeiten innerhalb der Reflektionshäufigkeit u. a. durch Cluster Rechnung, deren Verteilung über die Hallzeit hinweg durch Meta-Parameter verschoben werden kann. Die Färbung des Raumsignals gibt Auskunft über dessen Materialbeschaffenheit (Stein, Glas, Holz, Stoff). Glas zeichnet sich durch ein gänzlich anderes, höhenbetonteres Reflektionsspektrum aus als Stoff. Dies führt dazu, dass mit fortschreitender Dauer des Halls bei einem Raum, dessen Wände mit Vorhängen versehen sind, die Reflektion der Höhen wesentlich schneller abnimmt als die der Mitten. Der Hall klingt insgesamt dumpfer aber auch wärmer.

Durch leichte Luftbewegungen, die sich durch unterschiedliche Temperaturzonen innerhalb des Raumes ergeben, gewinnt der Hall zudem ein subtiles Eigenleben, dass einen nicht zu unterschätzenden Teil des Höreindrucks ausmacht. So klingen Hallräume, die nach dem Impulse-Response-Verfahren generiert wurden oft ein wenig statisch, dokumentarisch, unterkühlt. Hintergrund ist, dass hier die Reflektionen aufgrund eines IR-Samples berechnet werden, welches eine Momentaufnahme der räumlichen Bedingungen, aber keinen zeitlichen Verlauf abbildet. Luftbewegungen bleiben in diesem Fall außen vor. Anders ist es bei algorithmisch erzeugten Reverbs: Hier simuliert ein komplexes mathematisches Modell die Streuung des Eingangssignals. Diese Berechnung muss nicht immer gleichförmig erfolgen, Modulationen oder zufällige Abweichungen können berücksichtigt werden. Während bei einem IR-Reverb jedoch auf relativ einfache Art und Weise ein realitätsnaher Fingerabdruck des Raumes erfolgt, stehen die Entwickler algorithmischer Hallprogramme vor dem Problem, die Analyse spektraler Reflektionen in ein durch den Anwender modulierbares mathematisches Modell umzusetzen, immer mit dem Blick auf die Leistungsfähigkeit des Prozessors. Und damit zurück zum Ircam/Flux Verb, einem algorithmischen Hall.

Biegsamer Raumarchitekt

Das Eingangssignal durchläuft der Reihe nach die Abteilung Early Reflections (die bei kleinen Räumen bereits 6 ms nach dem Originalsignal beim Hörer ankommen können), Cluster (Echoblöcke mittlerer Dichte, die über die gesamte Dauer des Halls verschoben werden können) und Reverb, dem Nachhall, auch Haupthall oder Tail genannt, mit sehr dichten Reflektionen. Alle drei Module (ER, Cluster, Tail) sind getrennt an- und abschaltbar oder können zur besseren Kontrolle auf “Solo” gesetzt werden.

Im zentralen oberen Display des GUI werden die frühen Reflektionen als weiße, die Cluster als blaue Linien und der Nachhall als blau schattierte Kurve dargestellt. Die Schattierungen des Haupthalls entstehen, wenn unterschiedlich lange Nachhallzeiten für die verschiedenen Frequenzbänder eingestellt werden – wir kommen gleich dazu. Hier zunächst ein Beispiel für einen klassischen Hallverlauf mit dem Muster ER – Cluster – Tail …

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… und hier die eher experimentelle Variante mit nachgeschobenen Clustern und einem kurzen Tail:

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Die oben erwähnten Gegebenheiten beim Zustandekommen eines natürlichen Halls finden sich in den zahlreichen Variablen des Verb wieder: In der linken Spalte geht es um die „Decay Time“. Mit dem oberen großen Regler stellt man die Nachhallzeit von 100 ms bis zu satten 30 Sekunden ein.

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Die Regler „High“, „Mid“ und „Low“ erlauben es, die Nachhallzeit dreier Frequenzbänder getrennt zu regeln. Der eingestellte Wert bezieht sich dabei als Faktor auf die generelle Decay-Time. Stellt man beispielsweise den Regler „High“ auf extreme 0,1x und die Halldauer auf 1 Sekunde, enden die Reflektionen in den Höhen bereits nach einem Zehntel der gesamten Halldauer, also nach 100 ms. Welchen Teil des Frequenzspektrums die drei Bänder herausgreifen, justiert man über die beiden Crossfade-Slider unterhalb des Low-Reglers: hier werden die Übergänge zwischen Low und Mid und zwischen Mid und High definiert.

Die zweite Spalte nennt sich „Options“ und stellt einige fortgeschrittene Anwendungen bereit, die man nicht in jedem Hallprogramm findet:

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Solange „Infinite“ über den winzigen Knopfschalter aktiviert ist, wird der Fade-Out der natürlichen Hallsimulation unterbunden. Einkommende Signale addieren sich zu einem monströsen Raum-Cluster, das man sehr schön als Spezialeffekt bei Übergängen innerhalb eines Stückes oder im Outro verwenden kann. Die Steuerung wird man dabei per Automation vornehmen. Für Bastelfreunde eröffnet sich hier zudem die Möglichkeit diese „Reverb-Freeze-Sounds“ zu sampeln und als Grundlage für atmosphärische Klänge zu nutzen. Interessant ist auch die Kombination mit dem Echtzeit-Pitchshifting aus IrcamTrax. In den beiden folgenden Audiodemos hören Sie zunächst einen Beat über das Verb-Preset „Stone Corridor“ im Infinite-Modus (100 % nass) und anschließend eine Pitch/Formanten-Automation mit Trax (im Musik-Modus):

 

 

Mit „Air Roll-Off Frequency“ bestimmt man per Low-Pass-Filter, ab welcher Frequenz die Höhenabsenkung (durch die simulierte Absorption der Luft) greifen soll. Frequenzen oberhalb des Wertes ebben schneller ab. Die „Dicke Luft“, der man im alltäglichen Leben lieber aus dem Weg geht, produziert man hier völlig ungefährdet. Sie macht sich als subtiler Effekt von Wärme im Raumklang bemerkbar. Der Parameter greift an einer anderen Stelle in die Berechnung ein als der High-Regler der Decay-Time, mit dem man erheblich drastischere Färbungen erzielen kann. Während Änderungen der Decay-Time für Bässe, Mitten und Höhen zu deutlichen Änderungen der Lautstärke des Halls führen, tritt dies beim Air-Roll-Off nicht auf.

Mit „Modal Density“ wird das Hallsignal geglättet. Im Linksanschlag klingt der Hall körniger und eher nach Steinwänden ohne dabei jemals unangenehm „rappelig“ zu wirken (wie man es bei billigen oder schlecht programmierten bzw. gering auflösenden Hallsimulationen antrifft), im Rechtsanschlag wirkt der Hall sehr fein und schwebend, tritt als Effekt zugleich in den Hintergrund und wird weniger stark bewußt wahrgenommen.

Die nächsten Parameter dienen dem „Virtual Source Remapping“, zu deutsch: Virtuelle Repositionierung des Quellsignals. „Panning“ erlaubt im Stereo-Betrieb, die Position des Eingangssignals nach links oder rechts zu verschieben. Im Mehrkanalbetrieb wird das Signal im Uhrzeigersinn zum nächsten Nachbarkanal verschoben. „Width“ verbreitert das Eingangssignal.

Der Parameter „Diffuseness“ bestimmt die räumliche Verteilung des Hallsignals. Höhere Werte „verbreitern“ den Raum, verringern aber aus der Position des Hörers auch die Lokalisierbarkeit der Signale. In der Natur betrifft dies das Reflektionsverhalten in unsymmetrischen Räumen, beispielsweise einem Höhlenlabyrinth, bei dem die Wahrnehmung des Hallsignals kaum noch Rückschlüsse auf den Standort des Quellsignals zulässt. Die Halldiffusion kann für Cluster und Tail getrennt geregelt werden.

Im zentralen Bereich von Verb findet sich in der oberen Hälfte eine sehr anschauliche Darstellung des Hallverlaufs. (Early Reflektions in weißen, die Cluster in blauen Linien und die Hallfahne blau schattiert mit den drei unterschiedlich schnellen Abklingphasen der Bässe, Mitten und Höhen). Darunter befindet sich ein Slider zur Einstellung der Raumgröße. Raumgröße und Decay-Time hängen nicht voneinander ab, sodass sehr leicht auch unnatürliche Räume entworfen werden können. Die minimale Verzögerungzeit für die ersten frühen Reflektionen ändern sich hingegen proportional zur Raumgröße – wie im richtigen Leben. Veränderungen der Raumgröße führen dazu, dass ein realistisches Set von ER und Clustern kalkuliert wird. Hat man zuvor hier abweichende Einzeleinstellungen (unter Time-Structure, s. u.) vorgenommen, werden diese mit der Bewegung des Sliders aufgehoben.

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„Reverb Start“ bestimmt den Einsatz des Haupthalls, „Reverb Distribution“ legt fest, wie gleichmäßig kurze „Spikes“ innerhalb des Haupthalls über die Zeit verteilt werden. Die Abhandlung im Manual zu diesem Regler ist einigermaßen kurz. Dem Höreindruck nach lassen kleine Parameterwerte dezente Clusterbildungen im Haupthall hervortreten und betonen Bewegungen der Reflektionen im Panorama, während die Hallfahne bei höheren Werten zunehmend gleichmäßiger wirkt.

Im „Time Structure“ Display begrenzt man die zeitliche Verteilung von Early Reflections und Clustern mit Minimum/Maximum Werten und kontrolliert die Verteilung (gehäufte Reflektionen zu Beginn oder zum Ende der Zeitspanne bzw. gleichmäßig bei Mittelstellung) mit den „Distribution“-Slidern. Mit „Shape“ regelt man den Lautstärkeanstieg oder -abfall der Early Reflections.

Ganz oben über dem Kurvendisplay steht ein „High Density“-Modus bereit, der die Halldichte – zu Lasten des CPU-Verbrauchs – deutlich erhöht.

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Dennoch bleibt Verb auch für Live- und Recordingzwecke echtzeitfähig: Auf unserem Tstsystem, einem Intel Mac Dual Quad-Core 2,8 GHz, Cubase 5.5 mit 128 Samples Buffer-Size (Gesamtlatenz mit Motu 828mKII ca. 7 ms bei 44,1 kHz. Sampling-Rate (24bit)) verursachte Verb ca. 20 % Asio-Last im Normalbetrieb und 30 % im High-Density-Betrieb.

„High Density“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Hall im musikalischen Sinne besser klingt, er wird „nur“ dichter. Die Wahl hängt letztendlich vom spezifischen Anwendungszweck ab.

Die On/Off- und Solo-Schalter habe ich oben schon erwähnt. Sie machen auch den Alleinbetrieb von ER und/oder Clustern ohne Haupthall möglich, beispielsweise um eine Snare knalliger zu machen.

Filter

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Hier taucht plötzlich „Room“ auf und man rätselt, ob neben Early, Cluster und Reverb (für die es ebenfalls Filter-Seiten gibt) noch ein viertes Reflektionsmodul enthalten ist. Doch über Room wird einfach die Laustärke von Bässen, Mitten und Höhen sowie der globale Output des gesamten Plug-ins geregelt. Anstatt die Regler zu bemühen oder Zahlen einzutippen, kann man auch einfach im Kurvendisplay auf die Anfasser klicken und die Linien sowie die Trennbalken der Crossover-Frequenzen ziehen.

Die Filter-Sektion ist ein mächtiges Instrument, um den Klang des Halls ganz gezielt den Erfordernissen anzupassen. Zusammen mit den Decay-Zeiten des Tails in der ersten Spalte ganz links definiert man hier wesentlich die Färbung des Signals und damit die Materialbeschaffenheit des Raumes.

Unterhalb des Ircam-Logos befinden sich, versteckt hinter winzigen Symbolen, einige grundlegende Einstellmöglichkeiten.

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Mondsichel und Sonne wechseln zwischen dem schwarzen Nacht- und dem hellgrauen Tages-Skin der Oberfläche. Über Setup gelangt man zur Routing-Matrix für die Zuweisung der Eingangs- zu den Ausgangskanäle. Im herkömmlichen Links/Rechts-Betrieb kann ein Vertauschen der Kanäle zu einem interessanteren Raumeindruck führen. Ein links spielendes Instrument wird vom Reverb nun so wiedergegeben, als ab es auf der rechten Seite platziert wäre, was die Aufmerksamkeit des Hörers zusätzlich einfangen kann. Um diesen Effekt zu erzielen, muss Verb in einem Send-Kanal betrieben und auf „100 % wet“ eingestellt werden.
Naturgemäß erhöhen sich die Routing-Möglichkeiten im Surround-Betrieb. Mit Presets wird man versorgt.

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Alle Regler und Slider, die Verb zu bieten hat, können automatisiert werden. Kleine Änderungen tragen zur weiteren Lebendigkeit des Halleindrucks bei, größere bieten sich zur Nutzung als Effekt an. Verb zeichnet sich trotz der enormen Dichte an Eingriffsmöglichkeiten als ein sehr intuitiv zu bedienender Reverb aus. Dazu tragen die leicht verständlichen Displays für die Verteilung der Reflektionen sowie der Filterkurven bei. Außerdem hört man immer recht genau, was man tut. Die einzelnen Parameter sind effektiv und führen nicht, wie bei manch anderen komplexen Hallprogrammen, schnell in Sackgassen, aus denen man schwer wieder herausfindet. Im Gegenteil: Beim Manipulieren der zahlreichen Variablen trifft man immer wieder auf Kombinationen, die man für zukünftige Gelegenheiten wieder aufrufen will. Zu diesem Zweck gibt es einen komfortablen Load/Save-Dialog über die untere Bedienschiene. Hier kann man neben dem Namen der Eigenkreation auch sich selbst als Autor verewigen, einen kleinen Essay zum Verwendungszweck oder sonstige denkwürdige Zeilen einfließen lassen. Auch das Entstehungsdatum des Presets wird notiert.

Über den zentralen Slider lässt sich zudem zwischen einer A- und einer B-Version überblenden. Andere Auomationen werden bei diesem Morphing ausgeschaltet. Lädt man sehr unterschiedliche Presets in die Slots A und B, begegnet man auf der Fahrt von A nach B manch interessantem Zwischenergebnis.

Bevor wir zum Fazit kommen, hier noch eine Reihe von Audiodemos. Diese können nur sehr beschränkt und auszugsweise Einblicke in die Möglichkeiten des Ircam geben, zumal die MP3-Qualität nicht der hohen Auflösung gerecht werden kann. Interessenten sei daher dringend empfohlen, mit der Demo-Veriosn eigene Erfahrungen zu sammeln.

Slapback-Reverb für eine Bass-Drum, Decay-Time ca. 1 Sek.:

 

Ähnlich, jedoch mit ca. 3 Sekunden Decay-Time. Eine Snare und Schreie eines Taiko-Trommlers aus dem BFD Expansion Pack kommen hinzu:

 

Ein unnatürlich schwingender Raum für Bass-Drum und Snare, ein Kellerhall mit späten Clustern für einen Beat aus der Guru-Library von fxpansion und einen größeren Raum für Bass und Geschrei, also eigentlich eine monströse Hall-Kombination, die kaum gut gehen kann … zunächst einmal trocken:

 

Jetzt mit Hall, etwas übertrieben stark beigemischt, um den Effekt zu verdeutlichen:

 

Das Factory Preset „Indoor Stadium“ trägt den Gesang bis in weite Ferne. Erst trocken, dann wet:

 

 

Hier habe ich die Verteilung der Echos gestaucht, sodass zwei deutlich getrennte Blöcke aus ER und Clustern entstanden sind. Diese habe ich über den Filterbereich in den Höhen angehoben, um schließlich einen dopplungsähnlichen Effekt für den Gesang zu erzielen:

 

Fazit

Das gefällt mir nicht

Das gefällt mir

Verb kann auf der ganzen Linie überzeugen. Von einer Blechdose mit den Ausmaßen eines Tunnels bis hin zur klassischen Kathedrale bietet das Plug-in das Potential zur akustischen Realisierung aller denkbaren Bauformen in höchster audiopholer Qualität. Auch irreale Räume mit anschwellenden Frühen Reflektionen oder Cluster-Echos hinter dem Nachhall, Weltraumsounds per Infinity-Modus eröffnen ungeahntes Kreativpotential, wie man es von einem Hall zunächst nicht erwartet.

Die Arbeit mit diesem professionellen Werkzeug ist dank der bedienerfreundlichen Oberfläche kein Buch mit sieben Siegeln. Wer sich mit Hallprogrammen schon etwas auskennt, wird sich schnell zurechtfinden. Während des Experimentierens mit den Parametern stösst man auf eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Verb bietet einige außergewöhnliche Features wie das Cluster-Modul, das die Freude an der Gestaltung eigener Räume erhöht. Die unabhängigen Drei-Band-Filter für alle drei Reflektionsmodule, die justierbare frequenzabhängige Dauer des Nachhalls, der Mehrkanalbetrieb und die exzellenten technischen Werte tragen wesentlich zu einer Ausstattung bei, die ihres Gleichen sucht. Aus allem zusammen resultiert eine Klangqualität, die neue Maßstäbe setzt und sich mit teurem Hardware-Edel-Equipment messen lassen kann. So gesehen kann man Verb ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis ausstellen, auch wenn das Plug-in nichts für Schnäppchenjäger ist.

Verb lief auf unserem Testsystem ohne den geringsten Bug.

Wie sich das Produkt im Vergleich unter 14 Hallerzeugern geschlagen hat, erfahren Sie hier.

Top Product Award

 

Holger Obst

 

Preis (Stand: August 2010)

  • 699 Euro

Ergänzende Links

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