Test: Audioease Indoor
Auto-Szene mit Audiodemos
Beim Auto gibt es auch die Möglichkeit, Schallquellen und Mikrofon außerhalb des Wagens zu positionieren:


Immerhin: Hier hätte man eine Vorlage für eine Open-Air-Akustik (kleiner Scherz, denn natürlich ist auch diese Szene für Filmvertonungen gemacht) … aber trotzdem … wir probieren mal was:
Auf dem rechten Rücksitz hat sich der Erzähler platziert (Soundiron: Voice of Rapture, The Bass). Auf dem Fahrersitz kommentiert eine Frau nonverbal. (Francesca Genco) Das Auto befindet sich auf einem Schwarzmarkt. Dafür habe ich den Monitor außen platziert. (Schwarzmarkt-Atmosphäre aus Studio Box Mark II). Der Hörer sitzt ebenfalls hinten im Auto, und zwar auf dem linken Rücksitz.
Ich habe also wie oben beschrieben drei Spuren mit drei Indoor-Instanzen und entsprechend platzierten Monitoren.
Zunächst einmal die Version ohne Indoor:
Nun mit den drei Indoor-Instanzen:
Das Ergebnis wirkt absolut realistisch. Stellen Sie sich eine entsprechende Szene im Kino vor, wenn Sie sich das Demo anhören. Die Betonung der unteren Frequenzen durch die spezielle Raumakustik, die abgedämpften Höhen durch die Polster werden täuschend echt umgesetzt. Man fühlt sich mitten drin bzw. auf dem Rücksitz in diesem Auto. Das äußere Windgeräusch ist ebenfalls zu einer beinahe unterschwelligen Begleitatmosphäre geworden.
Um es ganz genau zu nehmen: Es gibt eine Einschränkung; das Mikro kann nicht auf dem Fahrersitz positioniert werden und der Monitor nicht auf dem linken hinteren Rücksitz. Dort war vielleicht einfach kein Platz für beide Positions-Symbole, die sich überlagert hätten. Soll jedoch der Fahrer zum Hörer werden, so dreht man einfach am Panorama:

Neben dem Originalwinkel kann ein benutzerdefinierter Winkel eingerichtet werden.
Wenn wir mit der Auto-Szene weiter experimentieren, stellen wir fest, dass die Türen aufgemacht werden können, zwar nicht eine nach der anderen, aber alle zusammen.

Um realitätsgetreu vorzugehen, muss man diese Operation natürlich in allen Instanzen durchführen, es kann ja nicht sein, dass die weibliche Stimme sich im geschlossenen und die männliche im offenen Auto aufhält.
So hört es sich mit offenen Türen an:
Wie zu erwarten war, werden die Umgebungsgeräusche nun lauter und werden auch über einen deutlich vergrößerten Frequenzbereich wiedergegeben.
Es kommt aber noch besser: Die Türen kann man öffnen und dieses Öffnen auf einer Automationssupr aufzeichnen. Das habe ich im folgenden Audiodemo gemacht und noch ein paar Umgebungsgeräusche hinzugefügt (Monitore außerhalb):
Es ist schon erstaunlich, wie Indoor zwischen verschiedenen Impulsantorten umschaltet – ohne Artefakte und knackfrei (nämlich die mit geschlossenen und jene mit offenen Türen). Dabei kommt es noch nicht einmal zu einem CPU-Peak. Apropos CPU: Auf unserem Testsystem (s. Anhang) bewegt sich bei inzwischen sechs Indoor-Instanzen die CPU-Last bei etwa 7 bis 8 Prozent. Die Puffergröße habe ich auf das Maximum von 2048 Samples eingestellt. Bei einer Nachbearbeitung benötigt man keine geringe Latenz. Bei 128 Samples und unter 7 Millisekunden Latenz sind es immer noch sehr erträgliche 20 Prozent.
Man kann nicht nur Türen öffnen und schließen, sondern auch die Höhrer-Ausrichtung im Custom-Modus um 380 Grad drehen – wichtig für bewegte Filmszenen. Auch das gelingt artefaktfrei und ohne erkennbare Mehrbelastung der CPU. Eine Meisterleistung!
Hat man also eine Mono-Aufnahme einer Schallquelle, die sich von links nach rechts am Hörer vorbei bewegt, so bewegt man einfach den Monitor entsprechend (und automatisiert diese Bewegung). Technisch wird dabei (laut Info-Video auf der Herstellerseite) nicht der gesamte Raumklang transformiert, sondern nur die erste Phase der Impulsantwort. Das reicht offenbar aus, um den gewünschten Effekt absolut realitätsgetreu zu erreichen.
Wo wir gerade bei der Raumklanggestaltung sind … Hier gibt es noch mehr Parameter:

Bass und Treble dürfte klar sein. Erstaunlich ist, wie akkurat alle Details gezeichnet werden, wenn man die Höhen anhebt. Spätestens hier wird die exzellente Klangqualität von Indoor deutlich. Viele Raumsimulatoren erzeugen bei höhenreichen Signalen ein mehr oder weniger seidiges oder auch zischelndes Hallsignal im oberen Frequenzspektrum. Bei Musikanwendungen kann das durchaus als angenehm empfunden werden, auch wenn es nicht natürlich klingt. Indoor klingt hingegen ausgesprochen dokumentarisch und echt.
Eine Raumklang-Gestaltung erreicht man über den Tuning-Regler, mit dem also nicht etwa das eingehende Signal in der Tonhöhe verändert, sondern der Raum „gestimmt“ wird. Der Regler ist dafür da, um Raumresonanzen zu korrigieren. Je nach Schallquelle kann es passieren, dass bestimmte Raumresonanzen übermäßig mit dem eingehenden Signal interagieren. Mit Tuning kann man dieses Problem in den Griff bekommen. Für Musikanwendungen bedeutet Tuning eine Klanggestaltung des Raumes, den man (wenn auch unbestimmt) formen kann. Ein interessanter Spezialeffekt.
Inhalt:
Die Eckdaten
Rundgang – Positionierung von Mikrofonen und Lautsprechern in verschiedenen Räumen
Auto-Szene mit Audiodemos
Eine Band spielt in der Autowerkstatt
Die Band spielt in einem leerstehenden Haus
Surroundszene im Restaurant
Fazit
