Test: Soundiron Voice of Gaia: Francesca Genco

Die aufwändig produzierte Gesangslibrary schlägt ein weiteres Kapitel der Voice of Gaia – Reihe auf. Die Mezzo-Sopranistin Francesca Genco entfaltet das großes Repertoire ihrer Gesangskunst. Echte Legato-Patches und ein fortgeschrittenes Sample-Management bieten zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Vielzahl fertiger Phrasen in Phantasielyrik eröffnet darüber hinaus ein breites Anwendungsspektrum, von der Filmmusik bis zu eigenständigen Song-Arrangements.

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Überblick

Die Library widmet sich ausschließlich und ergiebig der Mezzo-Sopranistin Francesca Lilac Genco, die als facettenreiches und wandlungsfähiges Gesangstalent bereits für die Aufnahmen zahlreicher Film- und Fernsehprojekte gebucht wurde. Ihre Schwerpunkte liegen im mediterranen bis arabischen Gesangsstil.

Die Library umfasst mehr als 8300 Samples und ein Volumen von stattlichen 6,7 GB. Geboten wird eine chromatische Sammlung verschiedener Artikulationen sowie annähernd 1800 zum Tempo synchronisierbare melodische Phrasen in verschiedenen Stimmungen – von verhalten und lieblich bis zu strahlend und dominant. Ein interner Sequenzer ermöglicht durch eine Abfolge von Ausschnitten aus diesen Phrasen auch experimentelle Gestaltungen.

Um die Samples eindrucksvoll und flexibel in Szene zu setzen, stehen zahlreiche technische Funktionen bereit, wie etwa die Wahl zwischen zwei Mikrofonen, umfangreiche Round-Robin-Samples (achtfach bei klassischen Sustain- und Staccato-Artikulationen), Steuermöglichkeiten für den dynamischen Verlauf, die Definition von Start- und Endpunkt bei den Phrasen, echtes Legato bei Vokal- und Mmmmh-Artikulationen, Time-Stretching, experimentelles Step-Sequencing, ein sogenannter Auto-Pan-Ensemble-Simulator sowie Optionen für ein weiterführendes Klangdesign einschließlich internem Effektboard.

Fancesca Gencos Stimme wurde mit Neumann-Mikrofonen in Form von PCM-Wav-Dateien mit 48 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung aufgenommen. Schaltet man den internen Hall und die Effekte aus, so bleibt eine angenehm direkte, trockene Darbietung. Das hat den Vorteil, dass auch externe Raumsimulatoren, Echos oder andere Effekte eingebunden werden können, ohne durch einen bereits im Sample enthaltenen Raumanteil den Klang zu verwischen. Auch die Bearbeitung der Phrasen mit spezialisierter Pitch-Time-Software wie etwa Celemony Melodyne dürfte artefaktfrei und reibungslos gelingen.

Installation

Nach dem Erwerb erhält man eine Seriennummer per Email sowie einen Link zur benötigten Version der Connect-Software. Connect dient dem personalisierten Herunterladen der Sound-Library. Nach dem Installieren von Connect trägt man dort per Copy & Paste die Seriennummer ein. Der Download der sechs Datenpakete startet automatisch. Bei Bedarf kann er auch unterbrochen und später fortgesetzt werden. Sogar einen Crash des Rechners verkraftet Connect: Beim erneuten Starten sieht Connect nach, was schon heruntergeladen worden ist und setzt den Prozess nahtlos fort.

Die Download-Pakete werden ebenfalls automatisch in einen Library-Ordner entpackt, den man anschließend auf den Speicherplatz seiner Wahl schiebt.

Eine weitere Autorisierung ist nicht erforderlich.

Die Library läuft nur auf der Vollversion von Kontakt 5.1 aufwärts in den gängigen Plug-in-Formaten sowie Standalone auf Mac und PC in 32 und 64 Bit.

Zu finden ist die Library nicht über den anschaulichen Library-, sondern über den File-Browser von Kontakt.

Die Protagonistin

Francesca Lilac Genco hat bislang zwei Alben veröffentlicht: Numinous River (2008) und Lullabies for a World in Transition (2012). Ihre Stimme ist ferner im Trailer zu Avatar und in der Filmmusik zu Elysium zu hören. Neben ihrer Tätigkeit als Sängerin und Gesangslehrerin arbeitet sie unter anderem als Klangheilerin und Yogalehrerin.

In Zusammenarbeit mit Tonehammer ist bereits 2009 eine erste Vocal-Library unter dem Namen „Francesca“ entstanden. Das vorliegende Produkt ist im Vergleich hierzu jedoch weitaus umfangreicher.
Als Besonderheit wird die Library als Pemier Edition angeboten. Diese Edition beinhaltet zwei Stunden persönliche Aufnahmezeit mit Francesca, etwa via Skype-Liveschaltung zu ihrem Aufnahmestudio in Berkeley, Californien.

Die Library und die Tempoanpassung

Die verschiedenen Tastaturbelegungen werden in der Vollversion von Kontakt 5.1 über den File-Browser geladen. Insgesamt stehen 39 Instrumente zur Verfügung, darunter auch Ambiences, die auf Basis der Gesangsaufnahmen erstellt wurden, sowie RAM schonende Lite-Versionen. Letztere sind in ihrer Funktionalität eingeschränkt. So bieten sie beispielsweise keine Tempo-Synchronisation. Eine deutliche Entlastung des Arbeitsspeichers erreicht man insbesondere bei den Patches „Legato Master“ sowie „Staccato“.

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Bei den Phrasen ist das Originaltempo angegeben …

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… wodurch man sich jedoch nicht festgelegt fühlen sollte, denn die Tempoanpassung arbeitet in weiten Bereichen artefaktfrei: Im ersten Audiodemo hören Sie eine Phrase in ihrem Originaltempo von 100 BPM:

 

Bei 80 BPM:

 

Bei 50 BPM treten immer noch keine Artefakte auf, doch das auf die halbe Geschwindigkeit reduzierte Vibrato wirkt nun unnatürlich:

 

Problemlos gelingt auch die Anpassung an höhere Geschwindigkeiten, hier bei 200 BPM – und wieder mit der Einschränkung, dass auch ein extrem beschleunigtes Vibrato unnatürlich klingt:

 

Das große Angebot an Phrasen / Bearbeitungsmöglichkeiten

Das Angebot an Phrasen ist noch um einiges größer, als es auf den ersten Blick erscheint. Neben der Auswahl phrasenbasierter Patches aus dem File-Browser erreicht man über die (im virtuellen Kontakt-Keyboard schwarz eingefärbten) Keyswitch-Tasten oder über das Song-Select-Aufklappmenü weitere Tastaturbelegungen.

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Bei den Phrasen handelt es sich um Improvisationen, die keiner Sprache angehören. Es liegen hier also keine Lyrics im klassischen Sinn vor.

Zur Formung der Phrasen stehen einige Optionen bereit.

  • So lässt sich die Lautstärke während der ersten Millisekunden per Attack hochfahren, und ein etwas weicheres Einblenden erreichen. Bei maximal verzögertem Attack dürfte die Lautstärke über die ersten 100, vielleicht auch 150 Millisekunden hochgefahren werden. Konkrete Werte werden nicht angezeigt. Die folgenden beiden Audiodemos zeigen eine kurze Phrase, die mit einem kehligen Laut beginnt, zunächst mit dem Attackregler im Linksanschlag, dann im Rechtsanschlag.

 

Hier ist der kehlige Laut verschwunden.

Die Passage gehört zu den dezenteren und ist leise eingesungen. Um den Effekt des Attackreglers deutlich zu machen, habe ich die Lautstärke um 22 dB angehoben. Dass sich trotzdem kaum ein Rauschen bemerkbar macht, zeugt von der erstklassigen Studiotechnik, die eingesetzt wurde.

  • Mit dem Release-Regler lässt sich die Ausklingzeit nach dem Note-Off regeln, von wenigen Millisekunden bis zu etwa einer Sekunde.
  • Mit Pitch lässt sich die Tonhöhe nach oben und unten transponieren. Geht man über eine große Terz hinaus, klingt die Stimme im Standard-Modus allerdings unnatürlich. Besser wird es durch einen Klick auf Time-Mode: Hiermit aktiviert man Native Instruments Time Machine Pro. Eine Transponierung der Tonhöhe geht nun mit einem Time-Stretching einschließlich Formantenanpassung einher. Eine Sexte klingt jetzt noch akzeptabel. Weniger schön ist, dass die Höhe der Transponierung nicht angezeigt wird. Auch bedarf es etwas Fingerspitzengefühl, den Pitch-Regler wieder in die neutrale Mittelstellung zu bringen.
  • Offset dient der Verschiebung des Sample-Startpunktes. Alternativ geht dies auch über den Anfasser der grünen Offset-Linie im Sample-Display

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  • Im Time Mode Free ist das zum Host oder zum Kontakt-Tempo (Standalone) synchronisierte Time-Stretching außer Betrieb. Mit dem Stretch-Regler kann man nun tempounabhängig die Samples dehnen oder schneller abspielen lassen – ohne Tonhöhenveränderung. Bis zu einer Halbierung oder Verdopplung des Tempos klingt das Ergebnis erwartungsgemäß natürlich und brauchbar (abhängig vom Vibrato) – wie oben beim Tempo-Sync auf 50 und 200 BPM bereits demonstriert.
  • Nützlich ist der Regler X-fade, erlaubt er doch ein Überblenden zwischen zwei aufeinanderfolgenden, gebunden gespielten Phrasen. X-Fade erleichtert das lückenlose Aneinanderhängen mehrerer Phrasen. Relativ kurze Werte X-Fade-Zeiten machen sich besser als langsame Crossfades, da sich bei diesen die Stimmen hörbar überlagern und der Eindruck entstehen kann, dass zwischendurch zwei Sängerinnen aktiv sind.

Hier ein X-Fade dreier Phrasen (mit dem internen Hallpreset Bathroom 3):

 

Der Parameter Swell ermöglicht eine Lautstärkekontrolle mit einer Spanne von etwa 20 dB. Anders als bei den üblichen Crescendo-Decrescendo-Steuerungen per Expressionpedal und bei Streichern oder Bläsern umfasst der Regelbereich hier nicht Pianissimo bis Fortissimo sondern eher Piano bis Forte. Das reicht aber aus, um per Lautstärkemodulation eine erweiterte Dynamik ins Spiel zu bringen oder Steigerungen zu erzeugen. In der Werkseinstellung ist der Regler dem Modulationsrad zugewiesen, kann aber via MIDI-Lerndialog per Rechtsklick auch über einen anderen Controller gesteuert werden. Dieser MIDI-Lerndialog betrifft übrigens alle Regler unseres Testkandidaten, einschließlich jener der Effekte (zu denen wir später noch kommen). Die beiden folgenden Audiodemos zeigen eine Gesangsphrase ohne und mit Swell-Modulation:

 

 

Zeit für ein kleines Zwischenfazit zu den Phrasen und der Reglerausstattung: Das Angebot an Phrasen ist umwerfend und deckt einen weiten Bereich stilistischer Varianten und unterschiedlicher Stimmungen ab. Die Stimme der Protagonistin Francesca Genco ist einzigartig, sehr ausdrucksstark und farbenreich und obendrein mit erlesener Technik bis auf sehr wenige, winzige Fehler sauber aufgenommen. Alleine die Phrasen stellen eine enorme Bereicherung des Vocal-Repertoires dar und sind deutlich breiter aufgestellt als dies bei vielen Mitbewerbern der Fall ist.

Die Ausstattung mit Reglern scheint hingegen nicht bis zu Ende gedacht. Das mag sekundär sein, denn es stellt sich die Frage, in wieweit diese überhaupt von Bedeutung sind. Für ausgefeilte Arrangements mit eigener Rhythmik und Tonskala empfiehlt sich (wie bei allen anderen Vocal-Libraries auch) externe, spezialisierte Pitch-Time-Software (Melodyne und Co). Als Gesangszugabe zu cinematischen Kulissen wird in vielen Fällen die große Auswahl und interne Transponierung der Phrasen reichen.

Zur Kritik an den Reglern: X-Fade, Swell und die Tempo-Sync-Optionen sind sehr begrüßenswert und sinnvoll. Die Regler Offset, Attack und Release leiden hingegen darunter, dass sie auf alle Phrasen einer Tastaturbelegung gemeinsam wirken. Vor allem beim Offset wäre eine separate Bearbeitung der Samples wünschenswert, um die Phrasen individuell zu kürzen. Eine Werteanzeige habe ich speziell beim Pitch-Regler vermisst.

Transpositionen in sauberen Intervallen kann man allerdings auch anders einspielen, nämlich über die grünen Key-Switches ab F7.

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Diese grünen Keyswitches können ebenso wie die schwarzen (die der Auswahl des Phrasensortiments dienen) einem anderen Tastaturbereich zugewiesen werden. Allerdings bleibt bei vielen Patches wenig Platz übrig, denn abgesehen von der Vielzahl an Gesangspassagen sind auch reichlich Atemgeräusche an Bord – eine lobenswerte Zugabe, können solche kleinen Ornamente doch die Nähe und Intimität des Gesangs betonen. Wer den direkten Zugriff auf Phrasen, Atemgeräusche und Keyswitches benötigt, braucht ein ausgewachsenes Masterkeyboard mit 88 Tasten oder zwei Tastaturen.

Zwei Mikrofone

Wie eingangs erwähnt, wurde die gesamte Library mit zwei Mikrofonen aufgenommen. Diese verfügen über einen Bypass-Knopf, einen Lautstärke- und einen Panoramaregler.

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Das erste Mikrofon klingt geringfügig wärmer und runder, das zweite zeichnet die Höhen eine Spur klarer. Einen transparenten, detailreichen, intimen und bis in die Höhen fein gezeichnet Klang liefern beide Mikrofone. Setzt man sie zusammen und im Panorama auf der linken und rechten Extremposition ein, so machen sich die feinen Unterschiede zwischen beiden Mikrofonen bemerkbar. Die Stimme wird quasi gedoppelt, der Klangraum öffnet sich. Die drei folgenden Audiodemos veranschaulichen die drei Mikrofon-Optionen:

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Mikrofon 2

 

Beide Mikrofone in extremen Panorama-Positionen

 

Bei Doppeln von Stimmen kommt immer der Verdacht auf, dass sich Phasenauslöschungen einstellen. Starke Phasenauslöschungen können auch den Klang einer Stereo-Wiedergabe beeinflussen. Ganz übel sieht es in solchen Fällen für Oma´s Küchenradio oder die Wiedergabe über ein Mono-Handy aus. Im schlimmsten Fall kann eine Stimme mono deutlich leiser werden oder gar ganz verschwinden. Ein Analyser hilft bei der technischen Beurteilung weiter; in meinem Fall der PAZ-Analyser von Waves. Und tatsächlich ergibt sich folgendes Bild:

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Im oberen Display wird das Frequenzspektrum abgebildet. Uns geht es hier um das untere Display, bei dem sich links und rechts unten im Anti-Phase-Bereich Ausschläge zeigen. Der Höreindruck ist über Stereo-Monitore jedoch offen und verfärbungsfrei – so richtig schlimm kann es mit den Phasenauslöschungen also nicht sein.

Um die Mono-Kompatibilität der Zwei-Mikrofon-Option auch akustisch zu testen, schalte ich in den Summenausgang ein Stereo-to-Mono-Plug-in. Über Omas Mono-Küchenradio würde sich die Gesangspassage demnach so anhören:

 

Wie erwartet, ist nur ein minimales Phasing zu hören. Um der Sache gerecht zu werden, sollte man aber bedenken, dass besagte Mono-Geräte in der Regel auch über eine eingeschränkte Wiedergabequalität verfügen. Um das zu verdeutlichen hören Sie hier die Wiedergabe der Stereo-Version über ein Mono-Küchenradio …

 

… und hier über ein Handy:

 

Die geringfügigen Verfärbungen durch die Phasenauslöschung dürften unter solchen Wiedergabebedingungen kaum noch von Bedeutung sein.

(Für die beiden letzten Demos habe ich entsprechende Modelle auf der Basis von Impulsantworten aus Audioease Speakerphone 2 verwendet.)

Experimente mit dem Sequenzer

Die Phrasen-Abteilung hat ein experimentelles Werkzeug zu bieten: einen Sequenzer mit bis zu 32 Schritten und verschiedenen Abspielmodi. Pro Schritt kann eine wählbare Phrase geladen und individuell in ihrer Tonhöhe eingestellt (dieses Mal mit Angabe der Transponierung in Halbtonschritten) sowie per Start- und End-Regler in ihrem Abspielbereich definiert werden.

Start- und Endpunkte werden im Wellenformdisplay dargestellt. So lassen sich auch Aneinanderreihungen kleinster Fragmente realisieren.

Die Lautstärke der einzelnen Steps lässt sich leider nicht einstellen, doch über eine Steuerung des Swell-Reglers lassen sich Lautstärkesprünge zwischen den Steps ausgleichen. Die frohe Botschaft ist, dass die globalen Regler mit einbezogen werden können. Insbesondere durch eine Steuerung des Stretch-Reglers lassen sich ungewöhnliche Variationen in den Ablauf einer Sequenz einbauen. Besonders angenehm ist, dass man mit dem X-Fade-Regler weiche Überblendungen zwischen den Steps realisieren kann.

Gestartet wird der Sequenzer über den roten Play-Keyswitch, der fest der Taste B4 zugewiesen ist.

So weit – so gut. Der durchaus interessante Eingriff in die Sample-Start- und -Endpunkte gelingt in der Praxis zwar, jedoch nicht ganz so reibungslos, wie es sein könnte: Für die Bearbeitung einzelner Steps gibt es keine gesonderte Arretier-Funktion. Drückt man also auf den Play-Keyswitch, so springt der Sequenzer mit jedem erneuten Drücken der Steuertaste B4 zum nächsten Step. Ein Workaround sollte sich im Modus „Follow Knob“ durch eine Steuerung des Step-Reglers anbieten. Auf unserem Testsystem (Windows 7, Cubase 7, Kontakt 5.1) funktionierte dieser Regler jedoch nicht so, wie er sollte. Der Sequenzer sprang immer wieder zum letzten editierten Step zurück und ignorierte die veränderte Position des Reglers.

Für rhythmische Einspielungen bieten sich die Modi Forward- oder Backwards-Step an. In diesen Modi wechselt man durch Spielen der roten Keyswitch-Taste von Step zu Step. Selbst erstellte Sequenzen können abgespeichert und geladen werden.

Im folgenden Audiodemo hören Sie eine Sequenz (Modus: Loop Forward) mit acht kurzen Ausschnitten aus diversen Phrasen. Zusammen mit einem Echo und Hall aus der Effekt-Abteilung ergibt sich eine Art Stimmencluster. Im Time-Mode „Free“ habe ich zudem den Stretch-Parameter von maximaler Dehnung zu Beginn bis zu maximaler Stauchung am Ende der Passage moduliert. Mittels Steuerung des Swell-Parameters habe ich den dynamischen Ablauf von Piano zu zu Forte moduliert. Die Hintergrundatmosphäre stammt aus Geosonics von Soniccouture.

 

Der Sequenzer ist ein interessantes Werkzeug für mancherlei außergewöhnliche Gesangseffekt-Sequenzen. Leider fehlt eine Start-Reset-Funktion: Die Sequenz setzt immer nach dem zuletzt gespielten Step ein: Stoppt man den Host innerhalb der Sequenz (etwa bei Step 7) und springt zum Anfang zurück, so beginnt die Sequenz nun nicht mit Step 1, sondern mit Step 8.

Erweitertes Angebot an Phrasen

Neben mehreren Tastaturbelegungen mit Phrasen der Kategorien Bombastic, Bright und Melodic in unterschiedlichen Originaltempi gibt es noch eine Sammlung atonale Phrasen, experimentelle Artikulationen und Stimmakrobatik zwischen Gesungenem und Gesprochenem. Hier einige kurze Proben:

 

Auch einige geflüsterte Phrasen in Phantasiesprache, etwa für mystische Momente, sind vorhanden:

 

Selbst eine reichliche Auswahl an Vocal-Effekten fehlt nicht: Langgezogenes Einatmen, Blubbern, Räuspern und Schniefen, Schnalzen, Gelächter und einige wenig damenhafte Rülpser warten darauf, in Kompositionen der besonderen Art eingesetzt zu werden.

 

Legato

Eine gebundene Spielweise mit fließenden Tonhöhenübergängen wird für die Vokale Ah (forte) und Oh (mezzo-piano) sowie für mmmmh (Humming) angeboten. Im Patch „Legato Master“ kann man per Keyswitch oder Aufklappmenü zwischen allen Vokalen umschalten.

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Einige der zur Verfügung stehenden Parameter kennen wir bereits aus den Phrasen-Patches. Neu sind die Parameter

  • Speed für die Geschwindigkeit des Tonhöhenübergangs
  • Intensity für die Lautstärke des Tonhöhenübergangs
  • Range bestimmt die maximale Größe des Intervalls, das noch als Legato ausgeführt wird.
  • Wählt man per Speed-Parameter einen kurzen Tonhöhenübergang, so klingen selbst Oktavsprünge noch natürlich. Wählt man jedoch einen langsameren Tonhöhenübergang, so macht es Sinn, sich hier zu beschränken und Range etwa auf eine Quinte einzustellen. Leider werden auch hier keine Werte angezeigt; eine Quinte erreicht man etwa in der 9-Uhr-Position des Reglers.
  • Voices soll die erlaubte Polyfonie während des Legatos regulieren. In der Praxis konnte ich jedoch keinen Einfluss auf die Legato-Performance feststellen. Mit eingeschaltetem Legato bleibt das Spiel immer monophon. Ungeachtet dessen: Spielt man als Folgenote einen Zweiklang, so werden dessen Noten sehr natürlich klingend als schnell aufeinander folgende Noten in das Legato eingebunden – leichter erreichbar als durch ein schnelles Spielen beider Folgenoten hintereinander. Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Dieser Takt …

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… klingt so:

 

Hier habe ich Swell über einen Controller gesteuert und Speed mit der Größe der Intervalle erhöht:

 

Hier ein Oooh-Legato. Die einzelnen Samples sind sehr lang. Zur Verdeutlichung habe ich die letzte Note ausklingen lassen:

 

Der leicht raue bis hauchige Stimmcharakter von Francesca Genco hat zweifelsfrei seinen besonderen Reiz und wird durch die erstklassigen Aufnahmen wunderbar in Szene gesetzt. Hier zur Abwechslung polyphon, mit animiertem Swell-Parameter und dem internen Delay sowie Hall.

 

Mit ausgeschaltetem Legato erhält man einen durchsetzungsfähigen, polyfonen Oooh-Chor – besonders schön, wenn man beide Mikrofone einschaltet, auf die entgegengesetzten Panoramapositionen legt und per Swell etwas die Dynamik moduliert.

In voller Ausstattung mit zwei Mikrofonen bringt es Legato Master auf satte 1,65 GB RAM.

Muss man mit den Ressourcen haushalten, sind daher die separaten Aah-, Ooh und Mmh-Patches sowie die Light-Versionen willkommen. Für besinnliche Momente eignen sich die wunderbar lebendigen und stimmungsvollen Mmh-Patches …

 

… die man natürlich auch legato einsetzen kann:


 

Staccato

Die Ausstattung mit acht Round-Robins kommt besonders beim Staccato-Patch zum Tragen:

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Die Round Robins bewirken, dass beim Triggern der selben Note mehrfach hintereinander, nicht immer das selbe Sample abgespielt wird:

 

Die zur Verfügung stehenden Parameter sind mit Ausnahme von Auto-Pan bereits bekannt. Auto-Pan verteilt die Stimmen dezent im Panorama, wenn mehrere Noten gleichzeitig gespielt werden.

Das Staccato-Patch verfügt über eine größere Auswahl an Artikulationen: Ahs, Ehs und Ohs liegen in verschiedenen Dynamikstufen vor:

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Neben dem Aufklappmenü können die Artikulationen auch per Keyswitch gewechselt werden. Das habe ich im folgenden Audiodemo gemacht. Hier kommen die Staccato-Vocals von Francesca in einer etwas unüblichen Umgebung zum Einsatz, nämlich zusammen mit einem Beat von Tone2 Electra2 und mit einem Bass aus FXpansion Cypher:

 

Sustains

Neben dem Legato Master gibt es noch zwei Sustain-Patches, die ebenfalls über Legato verfügen. Die Parameter zur Klangsteuerung sind uns auch hier bereits bekannt.

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Das Angebot an Vokal-Artikulationen ist hier breiter aufgestellt als es bei Legato Master der Fall ist:

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Hier ein Beispiel für die Ay-Artikulation:

 

Im Play Mode „Infinite“ werden Release-Samples nach dem Note-Off angehängt und über den Release Volume-Regler dosiert. Der Effekt trägt zur Natürlichkeit des Gesangs bei, wird allerdings bei eingeschaltetem Hall von diesem überlagert. Daher habe ich zur Verdeutlichung im folgenden Demo den internen Faltungshall ausgeschaltet.

Mit Legato, ohne Release-Samples:

 

Mit Release-Samples in voller Lautstärke:

 

Das Patch „Sustains Pad-Mode“ bietet die Option einer verlängerten Attack-Time und eine ebenfalls längere Release-Time.

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Damit eignet es sich vor allem für weiche, getragene Passagen. Sehr schön ist, dass das Crescendo auch bei Notenwechseln und im Legato-Modus funktioniert.

 

Auch hier steht eine erweiterte Auswahl an Artikulationen zur Verfügung, analog der Ausstattung des herkömmlichen Sustain-Patches.

Ambient-Patches

Quasi als Bonus-Material stehen noch drei Ambient-Patches mit den Bezeichnungen Francescapes, Frangelistics und Frantacular zur Verfügung. Jedes Patch bietet eine Reihe alternativer Klänge, die über die Tastatur transponiert sind. Die Alternativen können via Aufklappmenü oder Key-Switches abgerufen werden. Viele der hier verwendeten Samples sind mehrere Minuten lang.

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Hier ein Textur-Pad aus Francescapes zusammen mit Geflüstertem aus dem Phrases Whispers – Patch.

 

Und so hört sich Frantacular 02 zusammen mit zwei Samples aus Phrases Melodic 120 BPM an:

 

Solche stimmungsvollen Collagen sind in wenigen Minuten fertig. Speziell Film- und Game-Musikkomponisten dürften im Nu musikalische Hintergründe für epische Szenen, Naturdokumentationen oder Mystisches entworfen haben.

Die effektvolle Zugabe

Alle Gesangspatches haben ein Effekte-Rack in Beipack, bestehend aus

  • Chorus/Flanger/Phaser
  • Kompressor Verzerrer (auch mit Bandsättigungssimulation)
  • Verstärkersimulation (zwei Modelle)
  • Speaker-Simulation (acht Modelle)
  • Dreiband Equalizer mit Low-Pass-Filter
  • Echo (nicht temposynchron) und
  • Faltungshall mit großer Auswahl an verschiedenen Raumcharakteristika sowie Effekten, darunter Reverse-Presets.

Während die Verzerrer und Verstärkersimulationen, mehr noch der Leslie als virtueller Speaker wenig passend erscheinen, ist das Delay, auch wenn es nicht temposynchron ist, eine nützliche Hilfe, um auf die Schnelle im Raum schwebende Ghost-Vocals hinzu zu mischen. Auch der Faltungshall – in guter Qualität und mit einer großen Auswahl von Räumen vom Badezimmer bis zur Kathedrale – ist eine Bereicherung.

Alle Effektparameter sind zudem per Controller steuerbar. Was weniger gefällt, ist die Abwesenheit jeglicher Übersteuerungsanzeige. Hier heißt es genau hinhören, denn wenn man tatsächlich so experimentell veranlagt ist, dass man Francescas liebliche Stimme über einen Kompressor und einen virtuellen Gitarrenamp mit nachgeschaltetem Cabinet laufen lassen will, kann es beim Echo und Hall schon mal unangenehm rappeln, knacken und knistern.

Audioqualität

Die Audioqualität spielt sich durchweg auf sehr hohem Niveau ab. Die Stimme der Protagonistin Francesca Genco wird in all ihren feinen Details, Modulationen und Facetten sehr lebendig, nah und direkt abgebildet. Die Aufnahmen sind angenehm trocken, sodass externe Effektgeräte problemlos eingebunden werden können. Hinzu kommt die Ausstattung mit zwei im Panorama platzierbaren Mikrofonen, die ein natürlich klingendes Doppeln der Stimme und eine Öffnung des Raumes bewirken.

Fazit

Soundiron Voice of Gaia: Francesca Genco ist eine beeindruckend umfang- und facettenreiche Gesangs-Library, die das vielseitige Repertoire der Sängerin präsentiert. Geboten werden mehr als 1800 Phrasen von leise und zart bis dominant und strahlend. Die fein gezeichnete, wunderbar modulierte, ausdrucksstarke Stimme von Francesca weiß auf allen Ebenen zu gefallen. Extras wie geflüsterte Phrasen oder Stimmeffekte machen die Sache komplett. Man wird Jahre benötigen, um alleine die Sammlung an Phrasen auch nur annähernd auszuschöpfen. Im Verbund mit externer Pitch-Time-Software ließe sich eine stattliche Kollektion von Alben mit Phantasielyrics komponieren.

Die interne Ausstattung reicht für das schnelle Arrangieren atmosphärisch dichter Kompositionen, speziell für Filmmusik und artverwandte Genres, aber auch für anspruchsvolle Improvisationen in den Genres Meditationsmusik, New Age oder Vocal-Ambience.

Sampleplayback-Parameter wie X-Fade, Swell, Attack und Release erlauben Feinjustierungen und zusätzliche dynamische Steuerungen. Mit dem internen 32-Step-Sequenzer lassen sich experimentelle Gesangsmuster aus Fragmenten der Phrasen erstellen. Auch das Editieren einzelner Samples mit Start- und Endpunkt funktioniert – allerdings nicht ganz so komfortabel, wie es sein könnte.

Überzeugen können auch die diversen Legato-Patches mit echten Legato-Samples, mit denen fließende Gesangslinien in diversen Vokal-Artikulationen perfekt eingespielt werden können. Polyphon ist sogar ein beeindruckender weiblicher Kammerchor realisierbar. Acht Round-Robin-Samples bei Sustain- und Staccato-Artikulationen sorgen für eine dezente Abwechslung und eine lebendig und echt wirkende Darbietung.

Unter den Effekten ist der Faltungshall eine gute Wahl. Er stellt eine breite Palette von Räumen einschließlich experimenteller Presets wie Rückwärts-Hall zur Verfügung. Auch das Echo, wenngleich nicht zum Tempo synchronisierbar, stellt sich als schnell konfigurierter, angenehm warm klingender Effekt für ein räumlich breites Gesangspanorama heraus.

Der Preis von 139 US$ ist in Anbetracht des umfangreichen und breiten Spektrums einer vorzüglich aufgenommenen Ausnahme-Sängerin sehr günstig.

Plus

  • Ausdrucksstarke, facettenreiche Stimme
  • Umfangreiche Library mit diversen Extras
  • Überzeugendes Legato auf der Basis echter Legato-Samples
  • Sehr gute Audioqualität
  • Zwei Mikrofone
  • Sequenzer für experimentelle Anwendungen, Stimmcollagen
  • Vielseitig verwendbar
  • Günstiger Preis

Minus

  • Fehlfunktion beim Knob-Mode des Sequenzers
  • Offset nur global für alle Phrasen eines Phrasen-Patches einstellbar

(Die Minus-Punkte betreffen nicht die zentrale Arbeit mit der Library und sind von sekundärer Bedeutung)

Preis

  • 139.- US$

Hersteller

Francesca Genco

Systemvoraussetzungen

  • Kontakt 5.1 Vollversion
  • Mac ab OSX 10.7, und PC ab Windows 7

Formate

  • Standalone, AU, VST, AAX in 32 und 64 Bit, RTAS

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