Test: Soundiron Voice of Rapture – The Bass

Nach einem Sopran und einem Tenor ergänzt Soundiron die auf klassische Kompositionen und Filmmusik ausgerichtete Voice of Rapture – Reihe mit einem Bass. Ein fortgeschrittenes Sample-Management mit echtem Legato, zahlreichen Artikulationen, Dynamik von Pianio bis Forte und einer großen Auswahl temposynchroner Phrasen macht neugierig.

Recording Soundiron Voice of Rapture – The Bass

Überblick

Ähnlich wie die Voice of Gaia – Reihe stehen auch bei den Voice of Rapture einzelne Solisten im Zentrum des Geschehens. Während es sich bei Voice of Gaia um Pop- oder Ethno-orientierte Sänger(innen) handelt (siehe auch unser Testbericht zu Francesca Genco), geht es bei Voice of Rapture um Solisten klassischer Prägung.

Im vorliegenden Fall dreht sich alles um die Stimme des Solo-Basses Joseph Trumbo, der bereits im Mars Symphonic Men´s Choir und der Soundiron Olympus Symphonic Choral Collection mitwirkte.

Hier steht er nun alleine auf der Bühne und präsentiert sein am Oberlin College and Conservatory in Ohio geschultes Talent. Dabei sind mehr als 10.000 Samples entstanden (24 Bit, 48 kHz, unkomprimierte PCM-Samples), zusammengefasst in 42 Kontakt-Instrumenten.

Die Stimme des Basses wurde in einem schallarmen Raum mit zwei Mikrofonen leicht unterschiedlicher Klangcharakteristik aufgenommen, welche auch zusammen und im Panorama verteilt verwendet werden können, um einen breiteren Klang beziehungsweise einen Dopplung der Stimme zu erzeugen.

Man findet verschiedene Legato-Varianten, darunter echte Legatos der Vokale Ah, Oh und Oo, Sustain- und Staccato-Patches in verschiedenen Dynamikstufen sowie gesummte Artikulationen, darüber hinaus 29 in Latein vorgetragene Silben und Wörter. Alle chromatisch spielbaren Artikulationen verfügen über eine Spanne von mehr als zwei Oktaven.

Hinzu kommen 12 auf Latein und zwölf auf Französisch vorgetragene Gesänge in verschiedenen Tonarten und mit jeweils bis zu 32 Versen.

Abseits lyrischer Verse gibt es Vokal-Improvisationen, gesummte und gepfiffene Melodien sowie Geflüstertes. Alle Phrasen sind ebenso wie die Silben und Wörter mittels Kontakts Time Machine Pro in guter Qualität zum Tempo synchronisierbar.

Speziell für filmmusikalische Anwendungen wird zudem eine Reihe von Ambiences geboten.

Die Sample Library profitiert zudem von einigen fortgeschrittenen Gestaltungsmöglichkeiten: So bietet ein per MIDI-Lerndialog über Controller steuerbarer Swell-Parameter beispielsweise die Möglichkeit, stufenlos auf die Dynamik einzuwirken und damit die Dramaturgie der Darbietung zu ändern. Per X-Fade lassen sich auch Phrasen überblenden.

Ein Step-Sequencer ermöglicht es, 16 Ausschnitte aus Phrasen temposynchron abzuspielen, etwa für experimentelle Anwendungen wie Stimmen-Cluster.

Auf einer separaten Menüseite steht ein Arsenal von Effekten zur Verfügung.

 

Installation, Systemanforderungen und Formate

Nach dem Erwerb erhält man eine Seriennummer, die man in die zuvor heruntergeladene Download-Software „Connect“ eingibt. Die Library wird in mehreren Paketen als Rar-Dateien auf einem wählbaren Speicherort abgelegt. Der Downloadvorgang kann dabei beliebig unterbrochen und später fortgesetzt werden.

Für das anschließende Entpacken mit der Freeware Rarzilla habe ich alle Rar-Dateien in einen gemeinsamen Zielordner auf der Festplatte kopiert, auf der die Library später beheimatet sein soll. Dort entpackt man per Klick auf auf die part1-Rar-Datei sämtliche Samples. Rarzilla benutzt dabei den Multi-Rar-Modus, entpackt also die Downloads part1 bis part6 automatisch hintereinander und legt eine Ordnerstruktur mit dem Unterordner Samples unter dem Hauptordner „Soundiron Voice of Rapture – The Bass“ an. Anschließend entpackt man die Datei „soundiron_voice_of_rapture_the_bass_instruments.rar“. Im Hauptordner sollten später folgende Unterordner und Dateien enthalten sein:

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The Bass beansprucht nach dem Entpacken 7,82 GB Festplattenspeicher. Die enthaltenen Gesangspassagen (Phrases) machen dabei 2,64 GB (je 1,32 GB pro Mikrofonposition) aus. Bei der verwendeten Aufnahmequalität von 24 Bit Auflösung und 48 kHz Samplerate steht damit rund eine Stunde an Lyrics zur Verfügung. Man darf gespannt sein, wie sich diese präsentieren und für welche Anwendungszwecke sie geeignet sind.

Die Library läuft nur auf der Vollversion von Kontakt 5.1 aufwärts in den gängigen Plug-in-Formaten sowie Standalone auf Mac und PC in 32 und 64 Bit.

Zu finden ist die Library nicht über den anschaulichen Library-, sondern über den File-Browser von Kontakt.

 

Das Angebot an Instrumenten im Browser

Nicht so hübsch wie der Library-Browser aber gut sortiert präsentiert sich der Inhalt von The Bass:

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Diverse Legatos, eine üppige und vielseitige Sammlung an Phrasen, Staccatos und Sustains, Vocal Effects, Ambiences und nicht zuletzt Lite-Versionen, falls der Arbeitsspeicher mal knapp wird.

Schauen wir uns die einzelnen Instrumente an:

 

Legato-Patches

Starten wir mit dem Patch Legato Master: Hier kann zwischen den Ah, Oh und Oo (auf deutsch: Uuh) gewechselt werden. MF und P signalisiert nicht etwa Mampf- oder Plop-Laute als Release-Samples, sondern bedeutet, dass Ah in Mezzoforte, die beiden anderen Vokal-Disziplinen in Piano vorgetragen werden.

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Diese können per Keyswitch auch über die Klaviatur umgeschaltet werden. Soundiron hat hier den Bereich von -C2 bis -D2 gewählt, was eigentlich nur Sinn macht, wenn man auf dem selben MIDI-Kanal noch ein anderes Instrument in den tiefsten Lagen unterhalb des Basses spielen will. Ohne Oktavtransponierung sind diese Tasten selbst mit einem 88er Keyboard nicht mehr erreichbar. Kein Problem: Man klickt auf Set, drückt eine höhere Taste auf der Klaviatur, etwa C2, und schon sind die Keyswitches selbst über eine 61er Tastatur erreichbar.

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Das Legato ist über drei Parameter steuerbar.

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Zunächst muss es über den roten Knopf eingeschaltet werden, sonst spielt man die Vokale im herkömmlichen polyfonen Sustain-Modus. Daneben geht es mit Speed um die Geschwindigkeit des Übergangs zwischen den gebunden gespielten Noten. Die beiden Regler Voices und Range (in Halbtonschritten) bestimmen, ab welchem Intervall eine zweite oder dritte Stimme einsetzt, die dann nicht mehr gebunden gespielt wird.

Mit der oben abgebildeten Einstellung habe ich einen simplen C-Dur Akkord eingespielt und dann begonnen, mit der dritten Stimme zu wandern:

 

Obwohl ich die drei Grundtöne zu Beginn übereinander gelegt habe, werden sie nicht vom Legato-Modus erfasst, da die Intervalle außerhalb der Range liegen. Die sich anschließende Melodie des dritten Grundtons wird hingegen legato wiedergegeben, da die Intervalle zwischen den Noten innerhalb der definierten Range von zwei Halbtonschritten liegen.

Per default ist nur ein Mikrofon aktiv. Schaltet man das zweite hinzu und legt die beiden Mikrofone im Panorama nach links und rechts …

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… so klingt die Stimme voller, offener, räumlicher.

 

Der Bedarf an RAM steigt mit der zweiten Mikrofonposition auf das Doppelte und liegt nun bei stattlichen 1,68 GB. Benötigt man zusätzlich üppig Arbeitsspeicher für andere Instrumente, ist es gut zu wissen, dass es Light-Versionen gibt.

Das echte Legato klingt auch bei großen Intervallen natürlich, sowohl aufwärts als auch abwärts:

 

Da zuvor die Rede davon war, dass die Stimme des Basses in einem schallarmen Raum aufgenommen wurde, wird sich manch einer vielleicht wundern, dass bislang eine Raumakustik zu hören war. Diese erzeugt der Faltungshall aus der Effektbatterie, der per default eingeschaltet ist. Ohne diesen Hall hört sich es sich absolut trocken an; hier eine Uuh-Artikulation:

 

Der Anspruch an RAM verringert sich, wenn man anstelle des Master Legato (bei dem alle drei Artikulationen geladen werden) das Ah-, Oh- oder Oo-Patch lädt. Diese sind identisch ausgestattet, beschränken sich jedoch auf die jeweilige Artikulation.

 

Sustain-Patches

Weitere Vokal-Artikulationen finden sich in den Sustain-Patches:

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Ins Deutsche „übersetzt“ gibt es hier die ganze Palette A, E, I, O und U plus Summen und in verschiedenen Dynamikstufen. Das Legato wird nun allerdings nicht über Legato-Samples, sondern via Pitchbending erzeugt, dessen Stärke mittels Intensity-Regler dosiert werden kann. Auch wenn nicht ganz die Natürlichkeit des echten Legatos erreicht wird, funktioniert auch diese technische Variante hervorragend und unauffällig. Sonderbar klingende Glides oder Portamentos treten selbst bei großen Intervallen nicht auf.

Der Tonumfang dieses Basses ist enorm und bildet den Anspruch an eine klassisch ausgebildete Opernstimme vollständig ab. In den tiefsten Lagen erreicht die Stimme fast den Charakter mongolischen Obertongesangs; kraftvoll und dennoch sanft präsentiert er sich im mittleren Bass-Bariton-Bereich; in der oberen Lage kann er es auch mit einem Tenor aufnehmen. Das Vibrato wirkt angenehm, nicht aufdringlich oder aufgesetzt.

 

Die an sich mit etwa fünf Sekunden schon recht langen Samples sind überwiegend perfekt geloopt, ohne hörbare Übergänge. Benötigt man also tatsächlich einmal extrem lang gehaltene Noten, so ist das technisch kein Problem.
Man sollte dabei allerdings nicht vergessen, dass ein leibhaftiger Sänger auch einmal Luft holen muss. Joseph Trumbo hält den Ton bei sehr gleichmäßigem Vibrato die ersten fünf Sekunden lang dynamisch ausgewogen auf einem konstanten Niveau. Nach dreißig Sekunden wird ein aufmerksamer Hörer mißtrauisch werden und sich fragen, ob hier alles mit rechten Dingen zugehtt.

Das konstante dynamische Niveau lädt dazu ein, per Swell-Regler eine eigene Dramaturgie zu entwickeln.

Schaltet man Legato aus, so stellt man fest, dass sich die Stimme auch für ein kleines Ensemble eignet. Mittels Auto-Pan ist es möglich, die Stimmen im Raum zu verteilen. Zusammen mit den beiden Mikrofonpositionen macht das den Klang angenehm breit. Daneben gibt es noch die Option, Release-Samples einzubinden, die sogar in ihrer Lautstärke angepasst werden können.

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Hier eine polyphone Passage mit Steuerung des Swell-Reglers für Crescendi und maximaler Lautstärke und Dauer der Release-Samples:

 

Mit Attack kann man die Einschwingphase sanfter gestalten. Bei den Vokal-Patches ist dies kaum von Bedeutung; bei den Phrasen, zu denen wir später noch kommen, ist es per Attack-Regler möglich, etwas zu hart einsetzende Verse abzumildern. Attack und Release bieten zusammen eine AR-Hüllkurve. Mit Offset verschiebt man den Sample-Start. Auch dieser Parameter dürfte bei den Vokal-Patches kaum von Bedeutung sein.

Während im herkömmlichen Sustain-Patch die Abklingzeit nach dem Note-Off auch bei maximaler Reglerstellung begrenzt ist, bietet das Patch Sustain – Pad Mode eine deutlich erweiterte Releasetime.

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Auch hier stehen wieder die selben Artikulationen wie beim herkömmlichen Sustain-Patch zur Verfügung (A, E, I, O, U in zwei bis drei Dynamikstufen). Während Ah in Forte mit einem starken Vibrato eingesungen wurde, ist dies bei allen Piano- und Mezzoforte-Artikulationen (auch der anderen Vokale) deutlich geringer ausgeprägt.

Das Vibrato ist in den Samples enthalten, wurde also so eingesungen und wird nicht künstlich über LFOs erzeugt. Damit klingt es zwar natürlich, man hat allerdings auch keinen Einfluss auf seine Stärke. Per Swell-Regler kann hingegen auch hier ein Crescendo- oder Decrescendo via Modulationsrad (oder einem anderen Controller) realisiert werden.

Im folgenden Audiodemo hören Sie die Ah-Artikulation in Forte, Mezzoforte und Piano, dann die Oh-Artikulation in Piano (ohne Dynamiksteuerung via Swell-Regler):

 

Während die Ah-Artikulation in Forte durch ein für meinen Geschmack etwas zu aufdringliches Vibrato gekennzeichnet ist, klingen insbesondere die Piano-Sustains sehr ausgewogen, weich und sanft.

Anders als bei den True-Legato- und den Sustain-Patches reicht der Tonumfang der Sustain-Pads weit über den Bereich der gesampelten Noten hinaus und überschreitet sogar den Umfang einer 88er Klaviatur. Die transponierten Samples erheben sicher nicht den Anspruch, natürlich zu klingen, können aber für synthetisch angehauchte Flächenklänge im Hintergrund durchaus verwendet werden.

Im folgenden Audiodemo habe ich die um eine Oktave nach unten transponierten Basssamples für den Hintergrundchor genutzt. Die Melodie stammt ebenfalls aus dem Repertoire unseres Testkandidaten: Hier kommen einige Phrasen des Whistle-Patches zum Einsatz. Das dezente Pochen übernimmt eine um zwei Oktaven nach unten transponierte Talking Drum aus Ilio Ethno Techno für Stylus RMX. Für den gemeinsamen Hall habe ich den Raumsimulator Ircam Tools Verb verwendet.

 

Polysustains

Eine Klasse für sich stellen die Polysustains dar. Hier geht es um kurze Phrasen in Latein, z. B.: Adoramuste (übersetzt: „Wir verehren dich“). Die kurzen Darbietungen stellen Fragmente klassischer kirchlicher Gesänge dar.

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In puncto Sample-Management ist es Soundiron im Gegensatz zu manchem Mitbewerber gelungen, einige Hürden zu meistern, und das nahtlose Einspielen melodiöser Phrasen zu ermöglichen: Wechselt man während der kurzen Phrase die Note, so bleibt der Sänger nicht bei der letzten Silbe vor diesem Wechsel stehen, sondern die Phrase wird fortgesetzt.

Der letzte Vokal der Phrase ist zudem sauber geloopt, sodass auch lange gebunden gespielte Passagen, die den Zeitrahmen der Originalphrase überschreiten, realisierbar sind. Endet die Phrase auf einen Konsonanten, wie etwa bei Amor Aeternus (Ewige Liebe), so wird dieser Konsonant nach dem Note-Off als Releasesample angehängt – in der Lautstärke dosierbar per Release Volume – Parameter.

Damit nicht genug, stehen auch hier die bereits bekannten Parameter für „polyphones“ Legato mit den Parametern Voice und Range zur Verfügung. Auch können die Phrasen temposynchron eingebunden werden.

Im folgenden Audiodemo habe ich absichtlich die letzte Note so lange gehalten, dass der Loop zum Einsatz kommt. Der Übergang ist kaum hörbar. Die Lautstärke des Release-Samples habe ich zur Verdeutlichung übertrieben hoch, nämlich auf den Maximalwert (127) eingestellt.

 

Trotz des übertrieben langen Haltens des letzten Vokals klingt die Stimme immer noch natürlich moduliert und gut ausbalanciert. Mittels Swell-Regler ließe sich hier wieder eine dynamische Modulation einbauen.

Das (künstlich erzeugte) Legato (mit Speed und Intensity wie gehabt definierbar) funktioniert so perfekt, dass man Notenwechsel praktisch beliebig einspielen kann.

 

Polyfon gespielt hört es sich so an (auch hier wieder mit Einbindung des Loops):

 

Auto Pan verteilt dabei die Stimmen im Panorama; zusammen mit den beiden Mikrofonpositionen erzielt man einen beeindruckend breiten Klang.

Zwischen den kurzen Phrasen …

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… kann man per Keyswitch wechseln; der Wechsel gilt dann für die nächste gespielte Note.

 

Dreiklänge:

 

Selbst bei extremer Verlangsamung mittels Stretch-Parameter klingt es noch gut:

 

Leichte Abweichungen in der Intonation, die beim Originaltempo zum natürlichen Charakter beitragen, treten durch die Dehnung der Samples allerdings hervor (zu hören bei „Kyrie“ im letzten Audiodemo oben).

 

Polystaccato

Ähnlich wie die Polysystains funktionieren auch die Polystaccatos. Die hier eingesungenen Passagen laufen erheblich schneller ab und eignen sich daher für entsprechend lebhafte Melodielinien.

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Per Time Machine Pro können sie aber auch an ein langsameres Tempo angepasst werden.

Die Auswahl an Wörtern ist gegenüber den Polysustains deutlich größer:

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Bei unserem Rundgang begegnen wir hier erstmals vier Round-Robins pro Note. Wiederholt man das selbe Wort in der selben Tonhöhe, so wechseln sich die leicht unterschiedlichen Aufnahmen in der Reihenfolge a-b-c-d-a ab:

 

Die minimalen Unterschiede in der Betonung sind kaum vernehmbar, dennoch wird der berüchtigte Machine-Gun-Effekt, also die absolut gleichförmige Wiederholung, vermieden.

Wie bei den Polysustains gibt es den Legato-Modus:

 

Auch deutlich verlangsamt (hier bei einem Songtempo von 80 BPM) immer noch gut brauchbar:

 

Wo genau innerhalb der Silben die Übergänge stattfinden, spielt dabei erfreulicherweise kaum eine Rolle. Sollten Anpassungen notwendig werden, so sind diese über den Legato-Speed-Regler oder über ein entsprechendes minimales Verschieben der Noten im Host-Sequencer schnell erledigt.

Im folgenden Audiodemo habe ich eine Tempoanpassung mittels Time-Mode Sync auf 100 BPM vorgenommen und die Polystaccatos polyphon eingespielt. Per Keyswitch habe ich von Akkord zu Akkord die Phrasen gewechselt. Um die Synchronisation zum Tempo hörbar zu machen, habe ich zudem einen Beat (Stylus, vier Instrumente aus Ilio Ethno Techno) hinzugenommen.

 

Das Originaltempo wird zwar nicht angegeben, dürfte aber bei etwa 130 BPM liegen. Der oben vorgenommene Timestretch auf 100 BPM ist also schon mehr als nur eine kleine Korrektur. Umso erfreulicher, dass die Audioqualität trotzdem im professionell nutzbaren Bereich bleibt.

 

Staccato-Patches

Im Gegensatz zu den Polystaccatos geht es hier um Vokal-Artikulationen, ebenfalls mit vier Round-Robins.

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Wie gehabt kann man auch hier per Keyswitch zwischen den Artikulationen wechseln:

 

Lebendiger wird es, wenn man mittels Controllern die Parameter Swell (Dynamikkontrolle) und Stretch (Dehnung/Stauchung der Samples) steuert – wie im folgenden Audiodemo zu hören:

 

Zudem habe ich beide Mikrofonpositionen sowie Auto Pan aktiviert.

 

Phrases: French Phrases und fortgeschrittene Gestaltungsmöglichkeiten

Was wir bei den Polysustains in Form einzelner Wörter bereits kennengelernt haben, wird in den diversen Phrases-Patches fortgeführt und beträchtlich erweitert.

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Wir fangen exemplarisch mit den in Französisch vorgetragenen Gesängen an. Diese sind innerhalb des Patches nach Tonarten sortiert und können per Keyswitch (oder über das Bedienfeld) gewechselt werden. Im Schnitt kommen pro Keyswitch etwa 15 Verse zum tragen. Alleine dieses Patch würde also ausreichen, um 15 klerikal gefärbte Songs auf Französisch zu komponieren.

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Das Originaltempo wird nicht angegeben, dürfte aber bei etwa 120 BPM liegen. In einem Rahmen zwischen 90 und 150 BPM sind natürlich klingende Anpassungen per Timestretching möglich; darüber hinaus wird das häufig verwendete Vibrato durch die extreme Dehnung oder Stauchung überstrapaziert.

Das sehr stilsichere und geschmackvoll eingesetzte Vibrato ist in den Samples enthalten und nicht dosierbar.

Alternativ zur Synchronisierung zum Host-Tempo können die Phrasen auch (im Time Mode Free) gedehnt oder gestaucht werden. Ebenso wie die Regler Attack und Offset wirkt sich diese Einstellung jedoch auf alle Phrasen des Patches aus, was speziell beim Offset, mit dem man den Samplestart verschieben kann, wenig sinnvoll erscheint.

Als Besonderheit besteht mittels X-Fade ein regulierbarer Übergang zwischen den Phrasen. Im X-Fade-Modus wird das Patch monophon. Wechselt man dann innerhalb einer Phrase zur nächsten (durch gebundenes Spiel der Noten), so wird nahtlos zwischen den beiden Versen überblendet. Mit einer X-Fade-Time links der Mittelstellung des Reglers und entsprechend kurzer Überblendungszeit vermeidet man eine störende, hörbare Überlagerung während es Wechsels.

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Hier ein Höreindruck der französischen Phrasen (drei gebunden gespielte Verse mit X-Fade):

 

Auch hier lässt sich die Dynamik via Swell-Regler modulieren. Mit Hilfe des Pitch-Reglers lässt sich die Tonhöhe um bis zu +/- 2 Oktaven verändern. Alternativ über Steuertasten außerhalb des Spielbereichs und dann in Halbtonschritten. Für diese Operation sollte man unbedingt den Time-Stretch-Modus einschalten und erreicht dann bis zu +/- vier Halbtonschritten ein gutes Ergebnis. Bis zu sechs oder sieben Halbtonschritten auf- oder abwärts klingt es (für Hintergrundstimmen) immer noch brauchbar, darüber hinaus sind die Verfärbungen des Klanges für meinen Geschmack nicht mehr vertretbar.

Im folgenden Audiodemo hören Sie die stufenweise Aufwärts-Transponierung bis zu acht Halbtonschritten:

 

Wer mit den Phrasen besonders kreativ umgehen und eigene Melodielinien komponieren möchte, wird mit spezialisierter Pitch-Time-Software arbeiten. Die ausgezeichnete Aufnahmequalität der Library schafft eine ideale Grundlage. Auch die Verwendung der beiden Mikrofonpositionen ist möglich. Idealerweise schaltet man für solche Bearbeitungen den Hall im FX-Menü aus. Das habe ich für die folgende Demonstration nicht gemacht; trotzdem liefert Celemony Melodyne (ohne jede weitere Nachbearbeitung der Tonhöhenübergänge oder des Vibratos) sehr gute Ergebnisse:

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Als Besonderheit steht für die Phrasen ein interner Sequencer zur Verfügung, der für experimentelle Anwendungen interessant ist. Bis zu 32 Ausschnitte von Versen eines Patches können hier aneinandergefügt werden.

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Pro Step kann ein beliebiger Vers aus dem per Keyswitch ausgewählten Repertoire gewählt und über die Anfasser im Wellenformdisplay, alternativ mittels Start- und End-Regler, auch ausschnittsweise abgespielt werden. Zudem ist die Tonhöhe individuell definierbar.

Diverse Vorwärts- und Rückwärts-Abspielmodi stehen zur Verfügung …

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… ergänzt durch ein zufälliges und eine reglerabhängiges Abspielverhalten (Knob Follow).

Die Einträge BWD beziehen sich auf Rückwärts-Modi. Dabei geht es um die Reihenfolge, in der die Steps abgespielt werden, nicht etwa um ein Rückwärts-Abspielen der Samples.

Angenehm ist, dass man auch im Sequencer-Betrieb den X-Fade-Modus aktivieren kann: Zwischen den Steps wird dann per Crossfade nahtlos überblendet und damit ein fließender Ablauf gewährleistet.

Mittels Swell-Regler lässt sich auch hier die Dynamik modulieren.

Soweit ist alles wunderbar – leider gibt es einige Einschränkungen: Der Step-Sequencer arbeitet nicht temposynchron. Da er über die Steuertaste H4 gestartet und per Note-Off gestoppt wird, gelingt durch ein entsprechend rhythmisches Betätigen der Steuertaste dennoch eine manuelle Anpassung an das Tempo: Der Sequencer setzt mit dem nächsten Tastendruck die Sequenz fort. Hierfür eignen sich besonders die Step-Betriebsmodi. Das Fortführen der Sequenz mit dem nächsten Note-On des Keyswitch vollführt der Sequencer allerdings auch nach einem „Zurückspulen“ des Host-Sequencers. Es fehlt definitiv eine Reset- oder Song-Follow-Funktion.

Der im Grunde genommen interessante Knob-Follow-Modus, mit dem man per Regler gezielt Steps anfahren und wechseln kann, leidet unter einem Bug: Der Regler spielt verrückt, wenn man ihn via Controller fernsteuern oder automatisieren will.

Insgesamt ist der Sequencer also ein Experimentalwerkzeug, welches zwar ausgefallene Stimmencluster produzieren kann, aber noch nicht vollständig ausgereift ist.

Auch kleine Abschnitte können aus den Versen herausgegriffen und aneinandergereiht werden …

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… hier mit animierten X-Fade- und Swell-Reglern, Echo und Hall aus der Effektabteilung:

 

Selbst erstellte Sequenzen können zur späteren Verwendung in anderen Projekten erfreulicherweise abgespeichert werden. Dabei erspart Soundrion dem Benutzer eine umständliche Navigation (wie man sie beim Speichern von User-Presets anderswo immer wieder antrifft); die Files werden automatisch in einem vorgesehenen Ordner abgelegt und können von hier ebenso komfortabel geladen werden.

Die beschriebenen Manipulationsmöglichkeiten einschließlich Step-Sequencer finden sich bei allen Phrase-Patches wieder. Da hätten wir als nächste Kategorie die …

 

Latin Phrases

Das Originaltempo dürfte hier bei etwa 110 BPM liegen (wird aber auch im ansonsten recht ausführlichen PDF-Handbuch nicht angegeben).

Das Angebot an Versen pro tonartbasiertem Sub-Patch (via Keyswitch oder Auswahlmenü erreichbar) ist noch ein Stückchen größer als bei den französischen Phrasen – die Professionalität, Reinheit und die anmutige Kraft der voll klingenden Bassstimme setzt sich ungebrochen fort.

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Bei den grün eingefärbten Tasten handelt es sich um Atemgeräusche. Diese trifft man bei allen Phrasen-Patches an.

Hier habe ich ein paar Atemgeräusche eingebaut:

 

Die Atemgeräusche erweisen sich als sehr dezent, können aber bei Bedarf per Swell-Regler hochgefahren werden. Der kleine Klick am Ende des zweiten Verses ist auf einen unsauberen Schnitt (außerhalb eines Nulldurchgangs der Amplitude) zurückzuführen – eine sehr seltene Ausnahme im ansonsten vorbildlich aufgenommenen Sample-Repertoire. Der Fehler ließe sich leicht durch eine Verkürzung der eingespielten Note im MIDI-Editor des Sequencers beheben.

 

Phrases Hum

Hier werden kleine Melodien gesummt, überwiegend sehr sanft, passend etwa für eine friedliche Szene in einer Naturdoku. Da naturgemäß beim Summen höhere Frequenzen nicht auftreten (keine Zischlaute, helle Vokale oder Konsonanten), ist es umso bemerkenswerter, dass keinerlei störendes Rauschen wahrzunehmen ist.

Wer gesummte Melodien sucht, sieht sich sowieso mit einer dünn besiedelten Nische konfrontiert. Unser Testkandidat hat hier eine vergleichsweise üppige Auswahl zu bieten, und, soweit man dies einem Bass unterstellen kann, lieblich, zart und einfühlsam vorgetragen.

Einzig ein kleiner Bug irritiert: Die geladenen und im Aufklappmenü angebotenen Tonarten stimmen nicht überein. Wählt man C/G Major wird D/A geladen. Kein großes Problem: Alternativ geht es ja auch über Keyswitches. Diese habe ich transponiert, damit Spiel- und Funktionstasten mit einer 88er Tastatur (oder einer kleineren) in direktem Zugriff erreicht werden können:

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Phrases Vowels 80 BPM und 120 BPM

Zunächst der Screenshot …

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… welcher verdeutlicht, dass wir es mit dem bereits bekannten Sample-Management zu tun haben. Die grün eingefärbten Tasten im rechten oberen Bereich der Klaviatur dienen übrigens dem Transponieren um Halbtonschritte.

Bei den auf Vokalen basierten Melodien flechtet Joseph Trumbo auch den ein oder anderen Konsonanten ein, was die Darbietungen etwas mehr in Richtung Phantasielyrik bringt und kleine Akzente setzt. Damit eignen sich die Vowel-Phrasen gut zur Kombination mit den Wortgesängen der Sustain-Patches oder den lyrischen Phrasen.

 

An die Originaltempi muss man sich dank Kontakts Time Machine Pro nicht zwingend halten; wie gehabt erlaubt das Vibrato allerdings keine extremen Abweichungen. Daher sind die beiden Alternativen (80 und 120 BPM) sinnvoll und eröffnen einen sehr breiten Anwendungsrahmen.

 

Phrases Vowels Forte

Die in Forte vorgetragenen Verse verfügen über ein sehr dominantes Vibrato. welches Leidenschaft, und Dramatik signalisiert.

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Joseph Trumbo verzichtet hier auf die Einbindung von Konsonanten und bleibt in der Regel bei einem Vokal pro Sample. Das Originaltempo dürfte bei etwa 120 BPM liegen.

 

Phrases Whistle

Schließlich gibt es noch die gepfiffenen Phrasen, welche ich bereits bei einem früheren Audiodemo eingesetzt habe.

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Das kleine Pfeifkonzert hat durchaus kreative Momente:

 

Eine langgezogene, getragene Melodie, wie man sie etwa aus Western kennt, sollte mit externer Pitch-Time-Software problemlos realisierbar sein. Hierzu reicht es, sich ein paar Fragmente herauszugreifen und zu transponieren.

Beschwingte und lustige, improvisiert klingende Tonfolgen lassen sich auch mit den internen Mitteln erzeugen, und zwar durch den Einsatz des Step-Sequencers. Im folgenden Audiodemo habe ich eine solche Anwendung skizziert. Aus dem FX-Rack habe ich mittels Kompressor den Klang etwas verdichtet, das Distortion-Modul mit Tape-Sättigung zur leichten Schärfung hinzugenommen und den Reverb in der Werkseinstellung verwendet (wie bei den meisten Audiodemos dieses Testberichts).

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Hinzu kommt nur noch ein externes, temposynchrones Delay (Waves H-Delay im Ping-Pong-Modus). Das interne Echo lässt sich nämlich nicht zum Tempo synchronisieren. Den Rhythmus kennen Sie bereits aus einem vorangegangenen Audiodemo.

 

Vocal Effects

Hier findet sich zunächst die umfangreichste und lückenloseste Sammlung an Atemgeräuschen, die mir bislang begegnet ist …

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… gefolgt von Räuspern, Lachen und einer Batterie kerniger Rülpser – wofür man diese wohl (außerhalb von Kneipenszenen in derb-komischen Filmen) verwenden kann?

Kann man auch gleichzeitig rülpsen und sprechen, Herr Trumbo?

 

Aber ohne Rülpsen gelingt das Sprechen doch besser, oder?

 

Hat´s denn geschmeckt?

 

Das interpretieren wir mal als Zustimmung. Sie wirken ein wenig schläfrig, Mr. Trumbo.

 

War vielleicht doch ein Bierchen zuviel.

Auch an Geflüstertem mangelt es nicht. Dabei sind auch diskret-abgedrehte Anwendungen möglich, etwa eine vokale Rauschkulisse: Die Polysustains sind geloopt, und zwar in dem Bereich, in dem unser Protagonist zeigt, dass er einen langen Atem hat. Um die Atmosphäre zu verdichten und den Klang zu modulieren, habe ich das Plug-in Evolution von INA/GRM hinzugenommen, welches vor allem in der zweiten Hälfte des Audiodemos zum Einsatz kommt. Außerdem ist wieder das Waves H-Delay mit dabei. Der Beat kommt von Stylus RMX.

 

Ambiences und Effektklänge

Speziell für Filmmusik, Ambience oder – weniger spezifisch – als breit angelegter Hintergrundklang bieten sich vier weitere Patches an. Hier exemplarisch der Screenshot zu Etherniance:

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Für die Klänge wurden Gesangsaufnahmen von Joseph Trumbo stark bearbeitet und verfremdet.

 

Dabei sind geschmackvolle, zum übrigen Inhalt der Library passende Flächenklänge entstanden, welche über eine 88er Klaviatur transponiert vorliegen. Um in die Klänge einzugreifen, bieten sich die Regler Swell (Dynamikmodulation), Attack und Release an. Die beiden letzteren Parameter ermöglichen ein sanftes Einschwingen oder ein beinahe eine Minute dauerndes Ausklingen.

Damit es im monophonen Legato-Modus bei gebundenem Spiel zu sanften Tonhöhenübergängen kommt, sind höhere Werte des Attack-Reglers (also ein langsames Einschwingen) empfehlenswert. Der Legato-Speed-Regler alleine schafft es (bei schnellem Attack) nicht, fließende Übergänge zu gewährleisten.

Hier eine Kombination aus der kleinen Erzählung „In a World“ (zu finden im Patch Vocal Effects) und der Ambience Rhombience. Zum Einsatz kommt das Delay des internen Effektracks und der Faltungshall.

 

Die Patches Subwoofer und Xe Kwitzaderax bieten minutenlange an Maschinenparks erninnernde Geräuschkulissen (hier klingt es definitiv nicht mehr nach der ursprünglichen Gesangsaufnahme) sowie eine breite Auswahl ausladender Ambience-Kompositionen, die man filmmusikalisch (Sci-Fi, Mystery) sofort einsetzen kann.

 

Bedienung, Systemlast, Bugs

Die Library lässt sich intuitiv bedienen. Wer sich mit Kontakt-Sample-Libraries der jüngeren Generation auskennt, wird kaum einen Blick in das Handbuch werfen müssen. Dieses ist dennoch lesenswert und bietet viele Hintergrundinformationen einschließlich Bebilderung und eine Übersetzung einiger Phrasen aus dem Französischen und Latein ins Englische.

Die Library ist für die kompositorische Arbeit im Studio prädestiniert. Wer die Vokal-Patches als Kammerchor live spielen möchte, kann dies auch über die Standalone-Version der Vollversion von Kontakt 5 realisieren, auch bei der dann erforderlichen niedrigen Latenz. Lediglich die Ausrüstung mit Arbeitsspeicher sollte nicht zu knapp bemessen sein. Das Patch Legato Master beansprucht mehr als 1,6 GB, wenn man beide Mikrofonpositionen zwecks Dopplung gleichzeitig nutzen möchte.

Dort, wo es darauf ankommt, arbeitet das Skript absolut zuverlässig. Das schließt die Crossfades zwischen Phrasen, die beliebig spielbaren Notenübergänge bei Polysustains und sämtliche Legato-Funktionen mit ein. In einigen Punkten gewährleistet das Skript musikalisch sinnvolle Funktionen, die man bei Mitbewerbern vermisst.

Kleinere Unzulänglichkeiten, wie etwa die Tatsache, dass ein Sample-Offset nur für alle Samples eines Patches gemeinsam vorgenommen werden kann, die Dysfunktion des Knob-Follow-Modus des Step-Sequencers oder dessen fehlende Reset-Funktion spielen eine untergeordnete Rolle und schränken die Nutzung der Library kaum ein, sodass die Auflistung dieser kleinen Fehler am Ende des Testberichts unter Minus-Punkte eine unangemessene Gewichtung erfahren würde.

 

Audioqualität

Die Audioqualität ist durchweg erlesen. Auch schwierige Aufnahmen wie leises Summen, Geflüstertes, Atemgeräusche oder gepfiffene Melodien sind auf hohem Niveau gemeistert worden. Störendes Rauschen oder Übersteuerungen sind trotz des großen Dynamikumfanges der Phrasen nicht anzutreffen.

Die volle und ausdrucksstarke Stimme des Protagonisten wurde detailreich, transparent, nah und intim abgebildet. Schaltet man den allgegenwärtigen (aber in den meisten Fällen nicht störenden) Hall des FX-Racks aus, so liegen trockene Samples vor, die man bestens mit externen Effekten wie Raumsimulatoren oder Echos weiter in Szene setzen oder mittels Pitch-Time-Software à la Melodyne weitgehend artefaktfrei bearbeiten kann.

Bei mehr als 10.000 Samples bleibt es nicht aus, dass vereinzelt kleine Fehler auftreten. So ist mir ein Sample aufgefallen, welches am Ende unsauber geschnitten ist, wodurch die Phrase mit einem kleinen Klick endet. Auch sind an einigen wenigen Stellen Nebengeräusche zu hören, die überwiegend vom Sänger selbst stammen. Dabei handelt es sich um minimales Artikulations-Beiwerk wie winzige Zungenschnalzer, die auch der beste Sänger nicht vermeiden kann.

 

Fazit

Soundiron Voice of Rapture – The Bass setzt das umfangreiche Repertoire des klassisch ausgebildeten Basses Joseph Trumbo eindrucksvoll und in erlesener Audioqualität in Szene. Seine Stimme beherrscht das gesamte Spektrum von sanft und lieblich bis zu dominant und leidenschaftlich. Mit einem Tonumfang von anderthalb Oktaven reicht dieser Bass bis in die Stimmlage eines Tenors hinein.

Die auf der Vollversion von Native Instruments Kontakt 5 basierende Gesangslibrary bietet echte Vokal-Legato-Patches, sogenannte Polysustains, bei denen man innerhalb eines Wortes fließende Tonhöhenübergänge einspielen kann, eine große Auswahl temposynchroner Phrasen, unter anderem auf Latein und Französisch, Staccato-Artikulationen sowie zahlreiche ungewöhnliche Gesangseffekte einschließlich gepfiffener Melodien und Ambience-Flächenklängen.

Mit zwei im Panorama platzierbaren und mischbaren Mikrofonpositionen erreicht man einen breiten, raumfüllenden Klang, der auf eine externe Dopplung verzichten kann. Schaltet man den internen Faltungshall aus, so arbeitet man mit trockenen Samples, die bestens für den Einsatz externer Effekte oder für die Bearbeitung mit spezialisierter Pitch-Time-Software à la Melodyne sind. Alleine die temposynchronen Phrasen mit etwa einer Stunde Audiomaterial reichen für die Produktion mehrerer Alben.

Die Bedienung erschließt sich schnell und gestaltet sich intuitiv. Die Gestaltung der Oberfläche ist benutzerfreundlich und durchdacht.

Die Library eignet sich für die Filmmusik und artverwandte Genres, darüber hinaus für Pop-Produktionen und experimentell ausgerichtete Kompositionen.

Auch zum regulären Preis ist diese Library ausgesprochen günstig und eine klare Kaufempfehlung für jeden, der mit einem ausdrucksstarken Bass-Vokalisten klassischer Prägung die Grenzen herkömmlicher Sample-Libraries überschreiten und musikalisches Neuland entdecken möchte.

Top Product Award

Best Value Award

Holger Obst

 

Plus

  • Ausdrucksstarke Stimme mit großem, vielseitigen Repertoire
  • Echte Legato-Samples
  • Großes Angebot temposynchroner Phrasen
  • Exzellente Audioqualität
  • Zwei Mikrofonpositionen für natürliches Doppeln der Stimme
  • Polyfone Sustains mit ausgefeiltem Legato-Modus (Silbenverfolgung und Release-Samples)
  • Step-Sequencer und Vocal-Effect-Patches für experimentelle Anwendungen
  • Günstiger Preis

Minus

Regulärer Preis: 119.- US$

 

Systemvoraussetzungen

  • Kontakt 5.1 Vollversion
  • Mac ab OSX 10.7, und PC ab Windows 7
  • Formate: Standalone, AU, VST, AAX in 32 und 64 Bit, RTAS

Hersteller

Soundiron

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