Test: Celemony Melodyne 4 Studio

Bedienbarkeit

Bei solch exotischen und vielseitigen Funktionen besteht immer die Gefahr einer hohen Lernhürde und einer schwer in den Griff zu bekommenden Bedienung. Doch auch hier haben die Entwickler von Melodyne 4 mitgedacht und musikerfreundliche, praxisnahe Lösungen gefunden:

Ein automatischer Pegelausgleich sorgt dafür, dass auch extreme Veränderungen der Lautstärke von Teilspektren und Obertönen nicht zu unerwünschten Veränderungen der Gesamtlautstärke oder gar Verzerrungen führen. Zudem kann die Gesamtlautstärke manuell justiert werden (per Makeup-Gain).

Um Obertöne auszuwählen, kann man einen Selektionsrahmen ziehen; per Doppelklick werden Oktaven ausgewählt. Bei gehaltener Shift-Taste kann man nacheinander mehrere Obertöne auswählen und zu einer Selektion addieren. Mit der Alt-Taste können Feinjustierungen vorgenommen werden.

Raumresonanzen können ganz links vom Grundton bei Bedarf reduziert werden.

Beim gleichzeitigen Editieren mehrerer Spuren werden für die Emphasys- und Dynamic-Schieberegler Durchschnittswerte visualisiert, die eine gemeinsame Bearbeitung ohne Verlust der zuvor vorgenommenen individuellen Ausgangspositionen erlaubt.

Ein Zufallsgenerator erzeugt bei Bedarf mit einem Klick neue Lautstärkeverteilungen der Obertöne. Bei experimentellem Arbeiten klickt man einfach so lange auf das zugehörige Icon, bis sich eine geeignete Ausgangslage für individuelle Ausarbeitungen ergibt. Lange dauert das nicht.

Alternativ kann man das Spektrum auf Minimum setzen und damit den Klang erst einmal komplett ausschalten. Anschließend beginnt man mit dem Anheben von Teilspektren oder Teiltönen und bastelt sich Schritt für Schritt seinen Wunschklang zusammen.

Per Copy & Paste lassen sich auch Spektren zwischen verschiedenen Tracks übertragen.

Im unteren Bereich stehen Makros mit Slidern zur Verfügung:

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  • Der erste Schieberegler verstärkt obere Obertöne (bzw. Teilspektren beim EQ) stärker als untere und eignet sich dafür, den Klang heller und transparenter oder – in der entgegengesetzten Richtung – gedämpft zu gestalten, so als klänge er durch einen Vorhang hindurch.
  • Der zweite Slider verstärkt oder vermindert die Lautstärkeunterschiede zwischen den Obertönen (bzw. zwischen den Teilspektren). Mit ihm lässt sich die Kontur des Klanges schärfen oder weicher zeichnen.
  • Der Odd/Even-Slider verstärkt ungerade und gerade Obertöne separat. Beim EQ dient dieser Slider dazu, Frequenzbereiche, die nicht zur Tonart passen, herunter zu regeln oder diese zu verstärken.
  • Der vierte Slider, Comb, fräst Lücken in das Obertonspektrum bzw. dünnt die Noten dem Quintenzirkel entsprechend und mit wählbarem Grundton aus. Bei Rechtsanschlag werden nur noch Oktaven hörbar.

Hinzu kommen zwei Resynthese-Regler, die sich eignen, um stark verfremdete, synthetisch wirkende Klänge zu erzeugen. Fährt man den Magnitude-Slider, ebenfalls in der Fußleiste, auf Rechtsanschlag, bleiben die Pegel aller Teilspektren und Harmonics statisch, vergleichbar mit dem Ausgang eines Oszillatormoduls bei einem Synthesizer.

Der zweite Slider, Phasis, synchronisiert die Phasenlage der Obertöne.

Zusammen mit entsprechend geformten Hüllkurven ergibt sich ein vollständig neuer Klang, weitab vom Original.