Test: Celemony Melodyne 4 Studio
Fazit
Celemony hat mit Melodyne 4 erneut Neuland bei der Klangbearbeitung betreten. Ging es bisher vornehmlich darum, monofones und polyfones Audiomaterial verschiedenster Klangquellen in Timing und Tonhöhe bis in die letzten Feinheiten und unter Einschluss der Formanten zu bearbeiten, so ist nun mit dem Sound Editor ein leistungsstarker Klangdesigner mit an Bord, der völlig neue Möglichkeiten eröffnet.
Eine derart differenzierte Bearbeitung des Obertonspektrums, die anhand innovativer Makro-Parameter auch noch leicht von der Hand geht, ist eine Weltneuheit. Zusammen mit dem hoch auflösenden Equalizer, der ebenfalls über Spezialfunktionen wie das Anheben/Absenken von durch die Tonart definierten Frequenzbereichen verfügt, präsentiert Melodyn 4 ein Klanglabor der Extraklasse, mit dem man in der Lage ist, bislang Ungehörtes zu produzieren.
Doch dem nicht genug: Mit drei Hüllkurven für den Verlauf der spektralen Transformation, der Formanten und der Lautstärke pro Note plus Resynthese-Operation lassen sich auch stark verfremdete Klänge erzeugen und aus herkömmlichen Instrumenten phantasievolle Klänge hervorzaubern, wie es bislang nicht möglich war.
Der Sound Editor kann sowohl dazu verwendet werden, den Charakter eines Instruments zu schärfen und herauszuarbeiten (wie ich anhand der akustischen Gitarre gezeigt hat, die per Synth-Modul einen akzentuierten, dabei äußerst natürlich klingenden Anschlag erhalten hat) als auch ein Alien-Instrumentarium generieren (wie ich anhand der Drums exemplarisch gezeigt habe). Das Terrain für Klangdesigner und Komponisten ist sehr weit gesteckt und dürfte manche Inspiration und manches Werk hervorbringen, das ohne melodyne 4 nie entstanden wäre.
Dass die einzelnen Parameter des Sound Editors nicht automatisierbar sind, fällt kaum ins Gewicht: Sie wirken sich sowieso für jede Note anders aus, sodass ein lebendiger Gesamtklang entsteht.
Abgesehen von diesen spektakulären Neuerungen ist es eine wahre Freude, nun wieder mit der Studio-Version mehrspurig und spurenübergreifend im Host-Sequencer unterwegs sein zu können. Das ist deutlich komfortabler und auch effektiver als mit mehreren Instanzen von Melodyne-Editor.
Mit den beiden neuen Algorithmen für die Analyse mehrstimmigen Materials gelingt die Arbeit noch artefaktfreier als zuvor.
Mit der flexiblen Handhabung der Tempoerkennung der Standalone-Version ist es nun möglich, Instrumentenspuren nach einer Refernezspur stufenlos zu quantisieren, deren Tempoverlauf wiederum genaustens und komfortabel editiert werden kann.
Erfreulich ist auch, dass Melodyne 4 Studio auf unserem Testsystem absolut stabil lief. Das ist bei solch umfangreichen und teils rechenintensiven Programmen keine Selbstverständlichkeit. Die CPU-Last hält sich auch bei der Bearbeitung mehrerer Spuren in vertretbaren Grenzen. Man wird Melodyne sowieso nicht live und mit niedrigen Latenzen benutzen.
Die verschiedenen Paketgrößen der Melodyne-Produktfamilie machen es möglich, die Investitionen am persönlichen Bedarf auszurichten. Ein faires Verhältnis zwischen Preis und Leistung kann ich allen Produkten bescheinigen.
Testautor: Holger Obst

Plus:
- fünf Analyse-Algorithmen für alle denkbaren Anwendungszwecke
- weitgehend artefaktfreie Wiedergabe selbst bei extremem Timestretching und Pitch-Shifting
- spurenübergreifendes Editieren möglich
- gut organisierte Ein-Fenster-Lösung (skalierbar)
- differenzierte Bearbeitung von Obertonspektren
- innovativer Klangdesigner
- Erzeugung bislang ungehörter Klangfarben
- faires Preis-Leistungs-Verhältnis
Minus:
–
Preise (UVP):
- Melodyne 4 Studio: 699.- EUR
- Melodyne 4 Editor: 399.- EUR
- Melodyne 4 assistant: 249.- EUR
- Melodyne 4 essential: 99.- EUR
System:
- Windows: ab Windows 7
- Mac: OSX 10.6.8, 10.9.5 aufwärts
- 32 (RTAS) und 64 Bit
- Formate: VST, AU, RTAS, AAXnative, ARA, Rewire
- Host: Genaue Angaben zu unterstützten Hosts finden Sie auf der Herstellerseite (z.B. Cubase: ab 8.0.1, 64 Bit, Nuendo ab 7, 64 Bit)
Hersteller: Celemony
