Test: FXpansion Geist 2
Fazit
Ausgehend von einer virtuellen Rhythmusmaschine ist Geist 2 zu einem vollständigen Composer-Tool avanciert, welches auch autonom ohne Host-Sequencer genutzt werden kann, etwa um eine Live-Performance damit zu bestreiten.
Geist 2 bietet acht Engines, jede mit 24 Pattern à maximal 1024 Steps. Pro Engine können 64 Pads mit Hits, Sounds, Slices belegt werden – und jedes Pad noch einmal mit acht Layern, die anschlagsdynamisch, alternierend oder zufällig getriggert werden.
Komplexe Arrangements können im Song-Modus mit acht Spuren (= Engines) gefahren werden. Alternativ bietet sich ein freier Wechsel von Scenes für eine spannende Live-Performance an. Jede Scene beinhaltet dabei Pattern-Kombinationen der acht Engines.
Um Geist 2 mit Sounds zu füllen, bietet sich zunächst die im Lieferumfang enthaltene Library an, die Hits, Loops, Engines und sogar ganze Songs bietet. Auch eigene Sounds können als Samples oder in Form von Loops integriert und anschließend umfangreich bearbeitet werden. Loops werden auf Wunsch in Slices zerlegt und auf die Layer/Pads verteilt.
Klanggestaltung und Modulation wird bei Geist 2 groß geschrieben: Geist ist ein ausgewachsener Sampler: Im Sample-Editor kann man jedem Layer detailliert zu Leibe rücken, jetzt auch mit Zynaptiq-Algorithmen für das Time-Stretching. Im Pattern-Editor lassen sich Automationsspuren anlegen und jeder einzelne Step individualisieren – einschließlich Repeats (Buzz etc.), Panning, Tuning und vier dosierbaren Send-Effekten.
Eine umfangreiche Effektabteilung mit teils außergewöhnlichen, tief editierbaren Effekten steht auf mehreren Ebenen zur Verfügung: auf Layer- und Pad-Ebene sowie als Send-Effekte.
Das TransMod-System erlaubt die Modulation praktisch aller Parameter über teils außergewöhnliche Modulatoren, wie etwa dem Bouncing-Ball oder einem Mini-Sequencer, der im Drunken-Modus zwischendurch auch mal rückwärts läuft. Auch externe Controller können umfangreich eingebunden werden. Über MIDI-Learn lassen sich mit Hilfe von Makros mehrere Parameter über einen Controller steuern.
Erfreulich ist, dass man trotz dieser umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten schon nach relativ kurzer Einarbeitungszeit zurechtkommt und so schnell nicht den Überblick verliert. Das Experimentieren macht auch deshalb viel Spaß, weil man eigene Samples einbringen und Vieles bei laufendem Playback ausprobieren kann. Geist 2 erweist sich dabei als vorbildlich stabil. Bei unserem intensiven Test gab es nur einen nicht reproduzierbaren Absturz.
Die CPU-Leistungseinforderung ist unterm Strich moderat. Solange man die teils rechenintensiven Effekte in vernünftigem Maß einsetzt, ist ein livetauglicher Echtzeit-Betrieb bei niedriger Latenz möglich.
Die Audioqualität spielt sich auf angenehm hohem Niveau ab. Das macht sich besonders bei den Effekten bemerkbar, die den Sound nicht vermatschen oder verwässern, sondern ihm neue Konturen oder eine eigenständige Charakteristik verleihen können.
Der Preis ist ausgesprochen günstig.
Testautor: Holger Obst

Plus:
- umfangreiche Ausstattung – vom Sampler/Slicer bis zum Song-Arranger
- anschlagsdynamische Layer auf Pad-Ebene
- Automationsspuren mit allerlei Extras
- außergewöhnliche, gut klingende Effekte
- umfangreiches, intuitiv bedienbares Modulationssystem mit teils extravaganten Modulatoren
- umfassende Steuerung über externe Controller möglich (MIDI-Learn)
- verständlicher, logischer Aufbau
- stabil trotz hoher Komplexität
- Scene-Modus für Live-Performance
- skalierbare Oberfläche
- fairer Preis
Minus:
–
Preis: 179.- EUR (UVP, Stand: Juni 2016)
Hersteller: FXpansion
Deutscher Vertrieb: Tomeso
