Test: PSP Audioware oldTimer

Der oldTimer von PSP ist ein Vintage Compressor/Limiter. Seine Besonderheit ist der M/S-Modus: Die getrennte Bearbeitung von Mittel- und Seitensignal macht ihn auch für das Mastering interessant.

Hinweis: Dieser Test beinhaltet Anschnitte mit allgemeinem Hintergrundwissen. Wer sich mit der Wirkungsweise von Kompressoren auskennt, kann die in kursiver Schrift abgesetzten Kapitel überspringen.

Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber ist der oldTimer keine Emulation einer realen Hardware – dennoch orientiert er sich am Aufbau und auch am Klang legendärer Kompressoren.

Er bietet grundlegend eine sanfte Kompression. Durch eine Röhrenemulation, die dosierbar angefahren werden kann, gewinnt der Klang an Wärme. Mit einer Ratio von bis zu 10:1 sind zugleich auch rhythmische, pumpende Kompressionen sowie drastische Einsätze bis in den Bereich des Limitings möglich. Einen Brickwall Limiter kann er freilich nicht ersetzen, soll er auch nicht.

Sein Einsatzgebiet ist breit gefächert: Für Instrumente, Gruppen und nicht zuletzt beim Mastering kann er verwendet werden. Für Letzteres bietet sich die M/S-Option an. Da in der Mitte meist Gesang, Bass, Bassdrum, Snare und Solo-Instrumente platziert sind, kann man diesen mehr Druck verleihen, ohne dass dabei Flächen, lang ausklingende Becken und Hall im Seitensignal in ihrer Dynamik beeinträchtigt werden. Daneben kann der oldTimer nur den linken oder rechten Kanal bearbeiten und funktioniert natürlich auch im herkömmlichen Stereo-Modus.

Der oldTimer bietet allerdings im M/S-Betrieb keine doppelte Ausstattung mit Reglern. Er bearbeitet entweder das Mittel- oder das Seitensignal. Will man beide komprimieren, so platziert man zwei oldTimer-Instanzen hintereinander und schaltet die eine auf „S“, die andere auf „M“. Über die Dry/Wet-Regler lässt sich dabei die Gewichtung des Mittel- und Seitensignals verändern. Will man den Sound breiter machen, mischt man das Seitensignal lauter.

Eine zu starke Betonung des Seitensignals kann allerdings zu Phasenauslöschungen führen, die bei der Mono-Wiedergabe einen verwaschenen Klang bewirken. Ein nachgeschalteter Korrelationsgradmesser wie etwa bx_control V2 oder ein Analyzer, der Phasenauslöschungen anzeigt, wie der Waves PAZ Position Stereo, kann dabei helfen, eine Abweichung von der Mono-Kompatibilität und Phasenauslöschungen aufzudecken.

 

Im Preis enthalten sind zwei Plug-ins: oldTimer und oldTimer ME.

 

OldTimer ME

Wie auf der Abbildung oben zu sehen, bietet der oldTimer ME eine ganze Reihe von Bedienelementen:

Attack/Release

Das Attack/Release-Verhalten kann selbstregulierend im Auto-Modus betrieben werden. Will man eine individuelle Feinabstimmung vornehmen, so stellt man die Werte für Attack und Release von Fast bis Slow ein. Angaben in Millisekunden gibt es nicht, auch nicht im englischsprachigen Manual.

Stellt man Attack auf Fast, so werden auch die Transienten weitgehend erfasst. Mit schnellem Attack, schnellem Release und entsprechend hoher Ratio erreicht man ein Limiting für perkussives Material. Will man Transienten durchlassen, sollte man Attack mindestens auf 1 stellen.

In den meisten Fällen fährt man gut, wenn man die Faustregel befolgt, nach der die Releasetime etwa beim Doppelten bis Dreifachen der Attacktime liegen sollte. Ausnahmen bestätigen die Regel: Will man etwa speziell die Hits von Drums bearbeiten und das Sustain hervorheben, benötigt man eine schnelle Attack- und Releasezeit.

 

Die Regler arbeiten nicht stufenlos, sondern in Schritten, wobei auch Einstellungen zwischen den abgebildeten Werten möglich ist, also 1,5 oder 2,5. Damit ist die Auflösung ausreichend für eine Feinabstimmung.

 

Die stufenweise Einstellung von Parametern bei Kompressoren lässt eigentlich darauf schließen, dass es sich um eine Emulation von Hardware handelt, die ebenfalls über feste Schalterpositionen verfügt. Viele Hardware-Kompressoren (aber auch Equalizer), besonders solche, die für das Mastering gedacht sind, arbeiten mit festen Reglerpositionen, damit im Stereo-Betrieb mit zwei identisch ausgestatteten Kanälen exakt die selben Werte eingestellt werden können. Eine Interpolation von Zwischenwerten wird bei Emulationen solcher Hardware in der Regel weggelassen, da diese vom originalgetreuen Klang, Regelverhalten und Bedienkonzept wegführt.

Ratio

Hier findet man zunächst Feineinstellungen von 1:1 bis 1,5 zu 1, wiederum mit festen Positionen. Die Feinabstufung ist hier auch ohne Zwischenwerte mehr als ausreichend.

Hinweis: PSP dreht hier die Werte um. Üblicherweise wird eine Kompression um die Hälfte als Ratio mit 2:1 und nicht 1:2 abgegeben. Ich übernehme in diesem Test trotzdem die Darstellungsweise von PSP.

Die niedrigen Werte bewirken eine sanfte Kompression, wie man sie vor allem bei der Arbeit an der Summe oder beim Mastering verwendet. Ab einer Ratio von 2:1 reagiert der Kompressor mit einer Old-School Soft-Knee-Charakteristik, die Peaks, also schnelle Transienten durchlässt. Für die Soft-Knee Charakteristik gibt es keinen Regler. Sie findet unter der Oberfläche statt.

Soft Knee bewirkt, dass die Kompression bereits vor Erreichen des Thresholds beginnt und die Ratio von 1:1 aufwärts hochgefahren wird. Liegt der Threshold beispielsweise bei –20 dB und die Ratio bei 5:1, so greift die Kompression bereits bei einem Pegel von etwa –30 dB mit einer Ratio von 1,1 :1 und bei -25 dB mit einer Ratio von 2,5:1. Einige Kompressoren verdeutlichen die Soft-Knee-Schaltung anhand einer Kurvengrafik, wie etwa u-he Presswerk:

Hard Knee, hohe Ratio:

Soft Knee, hohe Ratio:

 

Bei einer Ratio von 2:1 wird der Pegel oberhalb des Thresholds halbiert. Amplituden, die beispielsweise um + 10 dB oberhalb des Thresholds liegen, werden auf + 5 dB heruntergefahren; bei einer Ratio von 10 würden sie nur noch um + 1 dB oberhalb des Thresholds liegen.

Der Sound wird durch die Kompression also leiser. Jeder weiß nun, dass Kompressoren dafür benutzt werden, Druck zu machen und den Sound laut werden zu lassen. Das erreicht man durch Make-up-Gain, eine anschließende Verstärkung. Da der Pegel oberhalb des Thresholds bei hohen Ratios mehr oder weniger plattgebügelt ist, kann man nun insgesamt mehr aufdrehen, ohne dass es zum Clipping kommt. Sollte der Kompressor die Transienten, also die ultraschnellen Attacks (beispielsweise bei der Snare) nicht erfassen, setzt man zusätzlich noch einen Brickwall-Limiter ein, der alle Peaks abfängt.

Die Kompression bringt es auch mit sich, dass leise Anteile in der Relation zu den markanten Anschlägen und Hits deutlich hinzugewinnen. Die Kompression geht damit auch zu Lasten der Tiefe, Transparenz und Offenheit einer Abmischung. Damit kein flacher Soundbrei mit einem platten, jeglicher Dynamik beraubten Klang entsteht, kommt es darauf an, dass der Kompressor musikalisch arbeitet, mit der Musik geht und so in die Musik eingreift, dass deren Charakter erhalten bleibt.

Das ist der Grund, weshalb zu Recht so viel Wind um die Qualität der Kompressoren gemacht wird. Lösungen sind beispielsweise programmabhängige Kompressoren mit einem Feedback-Weg: Das komprimierte Signal wird zurück in den Detektionsweg des Kompressors geführt, der damit dynamisch auf das Ergebnis der eigenen Kompression reagiert. Auch eine M/S-Kompression kann dazu beitragen, dass das Gesamtsignal lebendig bleibt. Eine Röhre bringt nicht nur Wärme, sondern durch die Belebung des Obertonspektrums auch mehr Tiefe in den Klang. Ein anderes Mittel ist das Beimischen des Originalsignals über Parallel-Kompression (via Mix-Regler oder ein Duo aus Dry und Wet).

Womit wir wieder bei unserem Testkandidaten sind, der einige dieser Optionen bereitstellt.

 

Compression

Wer vergeblich nach einem Threshold-Regler gesucht hat, wird bei Compression fündig:

Dieser Regler senkt nämlich den Schwellenwert für den Pegel, oberhalb dessen das Signal komprimiert werden soll. Klassische Threshold-Regler verstärken die Kompression per Linksdrehung. Beim oldTimer geht es in die andere Richtung: Mit zunehmender Rechtsdrehung greift die Kompression stärker in den Klang ein. Abhängig von der Ratio kann eine Absenkung um bis zu -30 dB erzielt werden (so steht es im Handbuch).

Das Gain Reduction Meter …

… gibt Auskunft darüber, wie stark der Pegel reduziert wird. Auch in der Fast-Einstellung von Attack und Release und einem Drumbeat fängt es nicht nervös an zu zappeln, sondern reagiert adäquat schnell und kann gut abgelesen werden.

Will man den Pegel wieder auf das Niveau des Originalsignals anheben, stellt man den Make-up Regler auf den Wert der maximalen Auslenkung des GR-Meters. Die Werte stellen hier also anders als bei Compression oder Attack und Release physikalische Einheiten, nämlich dB dar. Bis zu +30 dB reicht die Anpassung, was mit der maximalen Pegelreduzierung übereinstimmt. Einen Schalter für eine automatische Anpassung des Ausgangs- zum Eingangssignal gibt es allerdings nicht.

 

Tipp: Wenn Sie die Qualität eines Kompressors beurteilen wollen, sollten Sie darauf achten, dass das komprimierte Signal genauso laut wie das unkomprimierte ist. Wenn Sie auf Bypass klicken, darf es nicht spürbar leiser werden. Laute Signale klingen immer besser als leisere – was auch der Grund für den Loudness-War ist. Was der Kompressor wirklich leistet, können Sie aber viel besser beurteilen, wenn sie einen A/B-Vergleich auf Augenhöhe anstellen. Klingt das Instrument oder der Mix mit Kompressor dann immer noch kräftiger und zugleich ausreichend differenziert? Oder verliert das Signal an Tiefe und klingt eher etwas platt oder gar mulmig?

Parallel Processing mit Dry und Wet

Anstelle eines Mix-Reglers verfügt oldTimer über separate Pegelregler für das unbearbeitete und das komprimierte Signal. Links der neutralen Null wird der Pegel reduziert, rechts davon angehoben.

Zusammen mit Make-up Gain hat man sicher genug Kontrolle über die Lautstärke. Der Dry-Regler endet bei -24 dB und lässt in dieser Position immer noch Originalsound durch. Soll das unterbleiben, klickt man einfach auf den Schriftzug „Dry“ und hat dann nur noch das komprimierte Signal.

Vorverstärkung und Röhre

In der Position „off“ wird der oldTimer komplett auf Bypass geschaltet. „Clear“ bewirkt einen transparenteren Klang ohne Röhre, „Valve“ schaltet den Röhrenalgorithmus ein. Low, Mid und High (mit Zwischenpositionen) definieren, wie stark die Röhre angefahren wird. In der Stellung „Low“ erhält man einen dezent warmen Klang, in „Mid“ einen deutlichen Sättigungseffekt und in „High“ einen angezerrten Klang, der dann stark in Richtung Retro/Lo-Fi tendiert. Die Bedienung dieser Feinabstimmung erfordert Millimeterarbeit, da der Regler sehr klein ausgefallen und das Interface nicht skalierbar ist.

Sidechain

Hier definiert man ein Sidechain-Filter (mit High Pass Charakteristik) für den Detektionsweg. Das Filter greift also nicht wie ein Equalizer in den Klang ein, sondern dient lediglich dazu, die Reaktion des Kompressors auf einen Teil des Frequenzspektrums zu beschränken. Die Werte von 30 bis 600 Hz stellen feste Positionen (mit Zwischenpositionen) dar. Komplett ausschalten lässt sich das Sidechain-Filter nicht. Beim Minimalwert 30 werden Subbässe unterhalb von 30 Hz nicht mehr vom Kompressor erkannt, was bewirkt, dass diese spektralen Anteile keine Kompression auslösen – das ist eigentlich immer sinnvoll, weshalb der fehlende Bypass des Sidechain-Filters auch kein Mangel ist.

Komprimiert man beispielsweise einen Mix oder eine Schlagzeuggruppe und stellt fest, dass die Bassdrum den Kompressor unerwünscht zum Pumpen bringt, so stellt man das Sidechain Filter auf 100 oder 250 Hz, um eine ausgewogeneres Regelverhalten zu erreichen.

Preset Management

In der schmalen Fußleiste gelangt man zu Bänken und einzelnen Presets. Über die roten Pfeile speichert man diese, über die grünen lädt man sie. Allerdings muss man hierfür umständlich durch die Ordnerhierarchie des Rechners navigieren. Mittig öffnet mal die Presets der aktuell geladenen Bank. Hier stehen die Presets direkt bereit – ohne umständliche Navigation. Und ehrlich gesagt: Eine Bank wird in der Praxis auch ausreichen. Rechts davon kann zwischen zwei Konfigurationen gewechselt werden, sodass man zwei alternative Einstellungen ohne Umwege miteinander vergleichen kann. A und B sind Teil eines Presets und werden mit diesem auch abgespeichert.

Ergänzendes

Klickt man auf den Schriftzug PSP oldTimer, so erscheint ein Fenster, in dem unter anderem die aktuelle Version und der Lizenzinhaber angezeigt werden.

Das Plug-in wird über den persönlichen Account freigeschaltet. Dort liegt auch immer ein Download bereit, falls das Plug-in erneut installiert werden muss.

 

PSP oldTimer

Im Paket enthalten ist eine zweite Version von oldTimer, die noch einfacher zu bedienen ist.

Time regelt gemeinsam die Attack- und die Releasetime. Der Mini-Regler neben Time gibt Rätsel auf, solange man nicht ins Handbuch schaut. Er kontrolliert das Verhältnis zwischen der Attack- und der Relesetime.

Die Stärke der Röhrensättigung wird nun ebenfalls durch einen Mini-Regler eingestellt. Der M/S- und der getrennte Links/Rechts-Betrieb bleiben hier außen vor, ebenfalls Paralellprocessing und das Sidechain-Filter.

Meiner Ansicht nach stellt auch die große Version keine wirkliche Herausforderung an die Bedienung dar. Ganz überflüssig ist die kleine Ausgabe dennoch nicht; man wird durch die anders gestalteten Bedienelemente auch etwas andere Ergebnisse erreichen. Was den Klang des oldTimers betrifft, also die verwendeten Algorithmen für die Kompression und die virtuelle Röhre gibt es allerdings keinen Unterschied. Auch was die CPU-Last betrifft, konnte ich keine nennenswerten Abweichungen feststelen: Beide Plg-ins erweisen sich als äußerst genügsam und können mit mehreren Instanzen auch live, bei niedrigen Latenzen und kleinen Zeitfensters, die man dem Rechner für seine Arbeit lässt, eingesetzt werden.

 

Anwendungsbeispiele und Audiodemos

Zunächst habe ich einen Beat aus Toontracks EZdrummer 2 geladen (EZX Progressive, Originalkit). Die Drums werden hier mit allen Mikrofonen so wiedergegeben, wie sie aufgenommen sind (EZdrummer bietet Pro Kit eine ganze Reihe von Alternativen mit unterschiedlichem Klangcharakter).

Wie beginnen im Stereo-Modus

Zunächst das Original:

 

Der oldTimer mit schnellem Attack und Release, Ratio 5:1, ohne Röhre, wet:

 

Ja, so sollte man es nicht machen. Extreme Einstellungen können sich aber als brauchbar erweisen, wenn man das Originalsignal beimischt:

 

Hier habe ich das Preset „Big Drums 1“ modifiziert:

 

oldTimer zieht das Sustain der Snare schön hoch, die dadurch voller und präsenter wirkt.

Der Klang ist definitiv Vintage. Der Name oldTimer passt.

Hier mit der Röhre in Maximalstellung („hi“): Die Bassdrum bekommt am meisten von der Sättigung mit:

 

Ein weiterer Beat, dieses Mal EZdrummer EZX Pop; zunächst das Original:

 

Nun mit diesen Einstellungen (ohne Röhre, Attack- und Releasezeiten eher langsam):

 

Mit dezentem Einsatz der Röhre und schnelleren Attack und Release:

 

Bassdrum und Snare klingen augesprochen satt, jedoch immer noch natürlich und ohne Übertreibung.

Ein Beat aus dem Repertoire von Rob Papen Punch:

 

Jetzt mit oldTimer in dieser Konfiguration:

 

Im M/S-Modus und mit zwei Instanzen:

 

Es kommt ein Bass aus Rob Papen SubBoomBass hinzu:

 

Dem Bass spendieren wir auch einen oldTimer:

 

Der Bass gewinnt deutlich an Gewicht.

Zum Schluss noch ein Mix aus Ueberschall Deep House:

 

Mit oldTimer in dieser Einstellung:

 

Der Mix gewinnt an Tiefe und Ausdruckskraft, ohne dass die Kompression deutlich auffallen würde.

Noch eine M/S-Variante:

 

Das Panorama öffnet sich, der Klang gewinnt deutlich an Lebendigkeit, die Instrumente sind besser lokalisierbar. Der PAZ-Analyser von Waves weist geringfügig e Phasenauslöschungen auf.

 

Fazit

PSP Audioware präsentiert mit dem oldTimer einen Kompressor, der einfach zu bedienen ist und dennoch Vieles zu bieten hat: Neben M/S- und Parallelprocessing sind eine dosierbare Röhrensättigung und ein Sidechain-Filter an Bord.

Der warme und musikalische Klang kann sich hören lassen: oldTimer klingt nach Vintage auf hohem Niveau. PSP steht für Professional Audio Projects. Der oldTimer mit seinem exzellenten runden und sauberen Klang macht diesem Namen alle Ehre und muss sich nicht vor Emulationen namhafter Hersteller verstecken.

Die Kompressionsstärken reichen von subtil bis zum Limiting, die Attack- und Releasezeiten ermöglichen ein drastisches Eingreifen einschließlich der Bearbeitung von Transienten bei Drums und Effekt-Kompressionen mit Pumpen und reichen auf der anderen Seite bis zu subtilen, zurückhaltenden Kompressionen, etwa für eine abschließende Bearbeitung von Gesang, sinfonische Streicher und Bläser bei der Filmmusik oder für das Mastering. Letztere Anwendung profitiert neben der getrennten Bearbeitung von Mittel- und Seitensignal auch von den fein abgestuften, niedrigen Ratios zwischen 1,1:1 und 1,5:1.

Im M/S-Modus kann man dem Klang mehr Tiefe, Offenheit und Leben einhauchen, ohne dass der Kompressionseffekt sich unangenehm bemerkbar machen würde. Dadurch kann man beim Mastering den oldTimer gut in Kombination mit einem zweiten, etwas härter zugreifenden Multiband-Kompressor oder Multiband-Maximizer verwenden.

Bei abgeschalteter Röhre ist der Sound immer noch organisch aber sehr transparent. Nimmt man die Röhre hinzu, wird es deftiger. Vor allem Transienten der Bassdrum und der Snare erhalten dann eine Extraportion Biss – aber tendenziell eher auf die warme, unaufdringliche Art. Bässe beginnen zu knurren, Gitarren treten hervor und werden dominanter.

Trotz der in der Maximalstellung des Kompressionsreglers starken Bearbeitung bis in den Grenzbereich des Limitings eignet sich der oldTimer weniger für den Loudness War. Dafür ist er vom Grundcharakter her zu sanft.

Die Stabilität lässt nichts zu wünschen übrig; die Bedienung ist schnell erlernt, auch ohne einen Blick ins Handbuch zu werfen. Die einzige Ausnahme ist der Bypass des Dry-Reglers (durch Klicken auf den Schriftzug „Dry“). Das muss man erst einmal herausfinden. Die CPU-Last ist ausgesprochen niedrig.

Der PSP oldTimer gehört ohne Zweifel zur Oberliga der Vintage-Kompressoren und ist als Kompressor mit M/S-Technologie zu diesem Preis sehr günstig. Ein Antesten der Demo-Version ist auch für Anwender interessant, die bereits die ein oder anderer Emulation eines Vintage-Kompressors im Repertoire haben.

Testautor: Holger Obst.

Plus:

  • warmer, organischer Vintage-Sound
  • zuschaltbare und dosierbare Röhren-Simulation
  • Sidechain-Filter
  • M/S und L/R-Modus
  • einfach zu bedienen
  • Unterstützung älterer Betriebssysteme
  • fairer Preis

Minus:

  • einige Bedienelemente sind etwas klein ausgefallen
  • kein externes Sidechaining

Preis: 99.- US Dollar (möglicherweise zzgl. USt.)

System (nach Angaben des Herstellers):

  • Windows: ab XP bis 7 (unter Windows 8.1, Cubase 9 Pro, funktionierte die VST Version einwandfrei)
  • Mac: ab OSX 10.5 (für ältere Betriebssysteme stehen ältere Versionen des oldTimer über den Support bereit)
  • Formate: VST 2.4, AU, RTAS, AAX
  • 32 und 64 Bit
  • unterstützt Projekte mit bis 192 kHz Samplerate

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