Test: Cableguys TimeShaper, WidthShaper und ShaperBox

 

Im Focus dieses Tests stehen der TimeShaper, der zyklische Zeit- und Tonhöhenmodulationen erlaubt – separat für drei Frequenzbänder – sowie der WidthShaper, der mit ähnlicher Ausstattung auf die Stereobreite Einfluss nimmt.

Beide Shaper werden im Rahmen der ShaperBox eingesetzt und können dort mit anderen Shapern aus dem Cableguys-Repertoire zu einer mächtigen Effektkette ausgebaut werden. Dieser Test beschäftigt sich am Rande daher auch mit den anderen Shapern, die bei einigen Audiodemos ebenfalls präsent sind.

Auf releasetime haben wir bereits den PanShaper und den FilterShaper 3 getestet. Auch der VolumeShaper, inzwischen in der Version 5 angekommen, kann in die ShaperBox geladen werden. Das Plug-in ShaperBox in den Formaten AU und VST 2 bietet jedoch nicht nur den Vorteil, dass man dort alle verfügbaren Shaper unter einem Dach hat, es gibt auch die Option, verschiedene Effektbearbeitungen über Keyswitches zu wechseln.

Um jegliche Missverständnisse auszuschließen: Im Lieferumfang des TimeShapers und des WidthShapers ist die ShaperBox enthalten, nicht die anderen Plug-ins. Es gibt jedoch ein um 35% ermäßigtes Bundle mit allen genannten Plug-ins. Bei einem überschaubaren Preis von 94.- EUR wäre das meine Empfehlung (Stand: April 2017).

 

 

Überblick

Multiband Stutter-, Reverse-, Scratch-, Tape-Stop und Glitch-Effekte verspricht Cableguys für den TimeShaper. Das klingt sehr nach Club und Dance und wirft sofort die Frage auf, ob der TimeShaper auch livetauglich ist. Gutes Pitch-Shifting und Time-Stretching kann durchaus rechenintensiv sein.

Wer aber abseits des Dance- und Club-Genres komponiert, sollte sich nun nicht gleich ausklinken, denn die Effekte taugen auch für Sound-Design, spannende Klangmodulationen für Neo-Ambient und – sorgsam dosiert – für alle Gelegenheiten, in denen ein Instrument interessanter gestaltet oder zwecks Hinhör-Effekt verfremdet werden soll. Wie wir noch hören werden, kann der TimeShaper auch verwendet werden, um die Abfolge von Hits innerhalb eines Drumbeats zu verändern. So kann man prinzipiell aus nur einem Loop eine Vielzahl von Variationen ableiten.

Der WidthShaper greift naturgemäß weit weniger drastisch und weniger verfremdend in das Audiosignal ein. Er ist daher mehr noch als der TimeShaper universell und genreübergreifend einsetzbar und kann dazu verwendet werden, alle möglichen Signale zu beleben. Raumgreifende Panorama-Modulationen gelingen besonders gut in Kombination mit dem PanShaper.

Die Modulationen erfolgen bei allen Shapern durch eine zeichenbare LFO-Kurve. Hierzu stehen Ankerpunkte in einem auf Temposynchronisation ausgerichteten Gitter sowie Zeichenwerkzeuge zur Verfügung. Diverse LFO-Presets mit einfachen bis komplexen Verlaufsformen erleichtern den Einstieg. Zudem gibt es eine Reihe von globalen Presets sowie eine Eintrittskarte zur Cableguys Community mit Preset-Sharing. Dazu am Ende des Tests mehr.

Über MIDI-Sidechain können die Effekte auch von einem Controllerkeyboard bzw. von einer Tastatur gesteuert werden, was besonders für eine Live-Performance interessant ist.

Zahlreiche Details runden den Einsatz ab und ermöglichen maßgeschneiderte Effekte. Dazu kommen wir im Praxisteil.

 

CPU-Last und Formate

Der Anspruch an Rechenleistung ist variabel und hängt davon ab, welche Module in die ShaperBox geladen werden. Auf unserem Testsystem traten Spitzenwerte von tolerierbaren 10 bis 12% auf, wenn alle Shaper am Start waren und der TimeShaper mit unterschiedlichen LFOs drei Frequenzbereiche simultan bearbeitete. Der TimeShaper erwies sich dabei als rechenintensivstes Modul mit rund 7% CPU-Last. Grundlage für diese Messung war ein Cubase Pro 9 – Projekt mit geringer Latenz (unter 7ms) und einer Puffergröße von 128 Samples auf einem PC mit Windows 8.1 (Haswell Extreme Workstation von DA-X) im Verbund mit einem RME Fireface 801. Auf einem schwächer ausgerüsteten Laptop und mit einem USB-Audiointerface mit langsameren Treibern können schnell auch doppelt so hohe Werte zustande kommen. Dennoch ist die ShaperBox ohne Zweifel livetauglich bzw. auch während der Einspielphase verwendbar.

Da die meisten Hosts kein Multithreading beherrschen, wird die Berechnung auf einem Kern durchgeführt. Mehrere Instanzen erhöhen die CPU-Last nicht bedeutend, da dann die Instanzen auf mehrere Kerne verteilt werden. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Multi Prozessor-Systeme – Was nützen die vielen Kerne wirklich?“

Pro-Tools – User gehen leer aus, und was die Freude für VST-User ein wenig eintrübt, ist die Tatsache, dass keine VST3-Version vorhanden ist. Das bedeutet, dass die ShaperBox auch in Denkpausen (also bei laufendem Playback ohne eingehende Audiosignale) noch CPU-Leistung einfordert. Erst im Bypass-Betrieb beansprucht das VST2-Plug-in den Prozessor nicht mehr.

 

Die Details in der Praxis

Wir starten mit dem TimeShaper. Um dessen Möglichkeiten am besten zu demonstrieren, gehen wir direkt zum Praxisteil über.

Im Hintergrund wird die Wellenform des Audiosignals eingeblendet, und zwar auch dessen Veränderung durch den Eingriff des Time-Shapings. Dieses ist nämlich z.B. in der Lage, Hits hinzuzufügen oder zu dehnen. Je nach Verlaufsform können Stotter-Effekte (Repetitionen), Pitch- und Glitch-Effekte einschließlich Tape-Stop und Reverse-Effekte sowie Mischformen realisiert werden. Repetitionen, die durch Stotter-Effekte bei langsamem LFO-Tempo entstehen, erscheinen dann als neue Hits im Wellenformdisplay.

Man kann die LFO-Kurve durch das Setzen und Ziehen von Ankerpunkten malen. Eine Kurve kann exponentiell oder logarithmisch geformt werden. Es stehen aber auch Zeichenwerkzeuge zur Verfügung, etwa für eckige Verläufe, die abrupte Tonhöhenveränderungen, Stotter- und Buzz-Effekte und keine Glitches produzieren.

Per Rechtsklick in das Welleformdisplay öffnet sich dieses sehr nützliche Aufklappmenü:

Abgesehen von alternativen Zeichnungs-Modi ist die Copy/Paste-Funktion wichtig. Mit ihr lassen sich LFO-Kurven nicht nur innerhalb eines Shapers, sondern in der ShaperBox auch zwischen den Modulen übertragen. So lassen sich beispielsweise TimeShaper-Effekte mit Panorama-Wechseln kombinieren, wenn man die Kurven in den PanShaper lädt.

Wir starten mit einem einfachen Beat. Zunächst stehen jedoch ein paar Vorbereitungen an:

Im Bild oben sind drei Frequenzbänder in Betrieb. Wir fangen mit einem Frequenzband an, das sich über die Dreiecks-Anfasser bequem einrichten lässt. Ein Offset für den LFO lässt sich ebenfalls einstellen:

TimeShaper arbeitet per default temposynchron. Für die Länge eines Durchgangs steht dieses Aufklappmenü bereit:

Diese Einstellungen können für alle drei Frequenzbänder individuell festgelegt werden.

Es geht natürlich auch frei vom Host-Tempo in Hertz und diversen anderen Modi, die MIDI-Sidechain verwenden: Man steuert den LFO dann über einen eigenen MIDI-Track. Hier gibt es neben Tempowechseln per Tastendruck auch Tempomodulationen des LFOs über die Notenhöhe oder ein Triggern des Effektes mittels Note On. Außerdem können diverse Snapshots über Keyswitches getriggert werden – darauf kommen wir noch zurück. Wer also Wechsel der Modulation für eine individuelle Dramaturgie oder Ad-Hoc-Effekte bei der Performance verwenden will, findet bei der Steuerung via MIDI-Sidechain viele Optionen. Das Einzige, was man sich als Ergänzung noch vorstellen könnte, wäre eine Steuerung der LFO-Geschwindigkeit über das Modulationsrad oder einen anderen kontinuierlichen Controller und ein alternativer Wechsel der Snapshots über Trigger-Buttons, wie sie die meisten Controllerkeyboards bieten.

Abseits der Live-Performance ist natürlich auch eine umfangreiche Automation möglich.

Wir bleiben zunächst beim Standardbetrieb und stellen den LFO temposynchron auf 4 Takte. Solange ist nämlich ein Durchgang unseres einfachen Beats (von drumasonic 2, Test folgt in den nächsten Wochen).

Zunächst zum Originalbeat:

 

Mit Time-Shaper und diesem LFO:

 

Über den globalen Mix-Regler ist auch Parallel-Processing möglich. Dieser findet sich als reiner Werteeintrag unter „Master Mix“ rechts unten im GUI. Damit werden alle aktiven Shaper der ShaperBox geregelt. Eine Beimischung des Originalsignals hilft, wenn der Effekt lediglich zusätzliche Hits (im Falle des TimeShapers) produzieren, den Originalsound aber nicht zerlegen soll. Komfortablerweise gibt es darüber hinaus pro Frequenzband einen individuellen Mix-Regler. Höhen, Bässe und Mitten können also unterschiedlich stark und mit unterschiedlichen LFOs verändert werden. Hier habe ich den Originalsound beigemischt:

 

Hier habe ich bei einem anderen Beat (aus Spectrasonics Stylus RMX) den TimeShaper per Mix-Regler zeitweise für Rückwärts-Effekte eingeblendet.

 

Arbeitet man mit drei Frequenzbändern, können die Mix-Regler der Bänder auch verlinkt werden, und zwar bei Bedarf nicht nur alle drei, sondern auch lediglich zwei. Verlinkte Mix-Regler erhalten automatisch den selben Wert.

Damit die Zeitvariationen auch temposynchron verlaufen, setzt man die Punkte auf die Tempo-Linien im Gitternetz. Dazu gibt es ein Magnet-Werkzeug. Links wird angezeigt, wie weit die Zeitvariation in den Ablauf eingreift:

Zieht man die Linie bei unseren Einstellungen ganz nach unten, wird also der Sound, der sich am Ende des Zeitfensters abspielt, herangezogen.

Eckige Verläufe der LFO-Kurve bewirken wie schon erwähnt keine Glitch-Effekte, sondern zusätzliche Schläge, Pseudo-Flames, -Wirbel, -Ghost-Notes oder Repetitionen – vorausgesetzt, man platziert Kurvenvariationen an den richtigen Stellen und richtig dosiert. Die Denkmaschine muss man dafür nicht unbedingt anwerfen: Es geht bei laufendem Playback auch nach dem Try-And-Error-Verfahren leicht von der Hand.

Man kann den Rhythmus mit TimeShaper also um zusätzliche Hits ergänzen. In Kombination mit dem Volume-Shaper als zweites Modul sind dabei sogar Lautstärkeanpassungen möglich. Will man Repetitionen oder Stotter-Effekte dynamisch gestalten, bietet es sich an, die TimeShaper Kurve in den VolumeShaper zu kopieren und hier nach Bedarf anzupassen.

 

Hier waren zwei verschiedene Patterns von drumasonic im Spiel.

Man kann aber auch aus einem Pattern zwei Varianten erzeugen und zwischen beiden nach Belieben wechseln. Dazu speichert man das erste Pattern zweifach ab …

… und nimmt bei der Kopie Variationen vor. Anschließend speichert man dort erneut ab.

Hier habe ich zwei Zufallswellenformen erzeugt und zwischen den drei LFOs per Automation gewechselt:

 

An Bord sind auch einige Hundert Presets, die über eine optionale Direkt-Verbindung mit der Cableguys Community noch erweitert werden können. Die Namensgebung der Werks-Presets lässt für die schnelle Orientierung Rückschlüsse auf die Art des Effektes zu.

Es gibt Effektpresets, bei denen alle Shaper beteiligt sind, aber auch (per Filter auswählbar) Presets, die lediglich den TimeShaper (oder einen anderen Shaper) einsetzen. Per default und ohne Nachladen via Community stehen 35 TimeShaper Presets bereit. Zudem gibt es neben der Suche nach Presets bestimmter Autoren auch eine Favoriten-Funktion. Hier hören Sie das Preset Rhythmer 2 von Herrn Mehlberg, welches verschiedene LFOs für drei Frequenzbereiche verwendet:

 

Herr Mehlberg, amtlicher Sound-Designer des Hauses Cableguys, hat recht viele inspirierende Presets beigesteuert. Reverse Bass, ebenfalls von Mehlberg:

 

LFO-Vorlagen

Bevor man selbst Hand anlegt und Ankerpunkte im Gitternetz verschiebt, bieten sich fertige Wellenformen für die LFOs an: Unter Stutter 1 und 2, Scratch, Tape, Pitch, Reverse und Pattern 1 und 2 finden sich jeweils neun Vorlagen, insgesamt also 72.

Hier die Auswahl von Stutter 1:

Anhand der Mini-Icons erkennt man schon den jeweiligen Verlauf: Stutter arbeitet mit eckigen Kurven, also ohne Glitch-Effekte. Scratch simuliert Vor- und Rückwärtsabläufe, dazu ein Beispiel:

Ein Originalbeat mit Punch von Rob Papen:

 

Mit einem Scratch-Effekt (nur ein Frequenzband):

 

Die Tape-Presets simulieren ein Verlangsamen und Beschleunigen der Bandgeschwindigkeit:

 

Pitch liefert verrückte Tonhöhenmodulationen:

 

Reverse bietet Rückwärts-Effekte durch moderate, abwärts gerichtete Sägezähne in der LFO-Verlaufsform, an deren Ende der Verlauf senkrecht auf den Ursprungswert zurückschnellt

 

Pattern 1 und 2 liefern Kombinationen aus Stotter-, Pitch-, Reverse- und Glitch-Effekten:

 

Auf welche Weise der TimeShaper das Signal in der Tonhöhe- und im zeitlichen Verlauf moduliert, hängt also von der Auslenkung der LFO-Kurve und deren Form ab. Legt man sofort mit allzu wilden Verlaufsformen los, auch noch für alle drei Frequenzbänder unterschiedlich, so erhält man Klangsalat. Besser ist es, man tastet sich Schritt für Schritt mit zunächst sparsamen Dosierungen vor.

Das Experimentieren macht Spaß und gebiert manch speicherwürdiges Zwischenergebnis. Dass man nach etwas Einarbeitungszeit außergewöhnlich packende, extravagante und musikalisch sinnvolle Effekte erzielen kann, zeigen die Presets aus der Library.

Hier ein Beat aus der guten alten Stylus RMX-Library „Metamorphosis“, zunächst ohne Bearbeitung:

 

Mit einer Eigenkreation für den Time-Shaper, für die ich unterschiedliche Wellenformvorlagen für Bässe, Mitten und Höhen verwendet habe:

 

Solche Hi-Hat-Figuren kann man kaum von Hand einspielen. Für die Klangveredelung habe ich hinter dem TimeShaper noch die Black Box Analog Design HG-2 und u-he Presswerk verwendet (zu beiden Produkten finden Sie auf releasetime ebenfalls Tests).

Hier kommen noch ein Bass und ein Synthie-Pad hinzu, beide von Cableguys Curve, einem 3-Oszillator-Synthesizer mit zeichenbaren Wellenformen, Multimode-Filter und umfangreicher Modulationsmatrix:

 

Das Pad wirkt etwas deplatziert. Mit der ShaperBox und den Modulen Filter, Pan, Width und Volume wird es rhythmisiert und bewegt sich im Raum:

 

Das klingt doch schon viel besser. Neben der ShaperBox kamen noch die Black Box Analog Design bei allen Instrumenten und Presswerk bei den Drums und beim Synthie zum Einsatz.

 

Der WidthShaper

Dieses Modul der ShaperBox widmet sich der Modulation der Stereobreite. Sicher ist der TimeShaper mit seiner Ausstattung einzigartig unter den Pitch-Time-Effekten, doch auf den WidthShaper trifft dies noch mehr zu: Mir fällt jedenfalls kein Mitbewerber ein, der sich auch nur annähernd so differenziert dem Eingriff in die Stereobreite widmet.

Wie bereits erwähnt, folgt der WidthShaper der selben Basis-Architektur, die auch bei allen anderen Shapern verwendet wird: Drei Frequenzbänder werden separat mit unterschiedlichen LFOs moduliert. Dafür gibt es shaperspezifische Presets, 54 an der Zahl, nämlich jeweils neun in den Kategorien Basic, Accent 1 und 2, Rhythm 1 und 2 sowie Creative.

Die Modulationsbreite reicht von Mono bis zu 200% der herkömmlichen Stereobreite und ist natürlich zum Tempo in unterschiedlichen Notenwerten synchronisierbar oder auch frei oder über MIDI-Eingaben regelbar. Das kenne wir schon vom TimeShaper.

Sprunghafte Modulationen, also weit ausladende, eckige Verläufe, erzeugen rhythmische Bewegungen, sanfte Kurven eignen sich zur Modulation von Pads und zur Schaffung von Klangevolutionen – vor allem, wenn man noch den FilterShaper hinzunimmt.

Hier eine Klangtextur aus Spectrasonics Omnisphere 2:

 

Der WidthShaper mit dem Preset Width Flutter (vom Cableguys-Gründer Jakob Rang) fügt dem Klang eine schöne Fragilität und zusätzliche Bewegungen im Panorama hinzu:

 

Hebt man den Link für die Synchronisation der Frequenzbänder auf, so kann man für Bässe, Mitten und Höhen unterschiedliche Geschwindigkeiten einstellen. Der WidthShaper eignet sich damit auch sehr gut, um einem Beat zusätzliches Leben einzuhauchen.

Hier ein Groove aus Stylus RMX, Liquid Grooves:

 

Mit dem WidthShaper:

 

Eine Kombination aus WidthShaper und TimeShaper:

 

Wir nehmen noch eine Stimme aus Best Service Ethno World 6 hinzu:

 

Wer glaubt, die ShaperBox sei nur etwas für Beats und Sequenzen, liegt falsch: Man kann auch Vocals sehr schön mit den Cableguys-Effekten bearbeiten. Im nächsten Audiodemo kommen der TimeShaper im Stutter-Modus hinzu (er erzeugt hier Pseudo-Echos beim Gesang, wenn man das Originalsignal beimischt), PanShaper und WidthShaper bewirken Panorama-Wanderungen der Stimme.

 

Dazu noch der IK Multimedia MODO Bass, welchem ich mittels TimeShaper ein paar dezente synthetische Glitches hinzugefügt habe:

 

Das Ganze noch einmal zum Vergleich ohne die Shaper:

 

Im direkten Vergleich wirkt das regelrecht langweilig und flach.

 

Ergänzendes

Ein Manual gibt es zwar nicht, dafür kommt man aber vom Plug-in aus direkt zur Herstellerseite, wo es aktuell zwei Tutorials für den TimeShaper gibt.

Was bei der Arbeit hilft, sind zudem Tool-Tipps, die in einer Infozeile und nicht mitten im Interface eingeblendet werden, den Blick auf die Bedienelemente also nicht verstellen.

Hilfreich ist auch das multiple Undo/Redo für Parameterveränderungen. Hat man sich mal in eine Sackgasse manövriert, findet man schnell wieder heraus. Lediglich das Laden kompletter neuer Presets oder das Löschen von Modulen (bzw. Shapern) aus der internen Effektkette kann nicht rückgängig gemacht werden.

Beim Anwählen von Snapshots muss man etwas aufpassen, dass man nicht versehentlich auf den Save-Button klickt, der sich unmittelbar unterhalb der kleinen Icons befindet. Hat man einen Snapshot überschrieben, lässt sich das per Undo nicht korrigieren. Beim Auswählen der MIDI-Steuergeräte (externe Synthesizer und Controllerkeyboards) erhielt ich auf meinem Testsystem mehrfach die irritierende Meldung, dass das entsprechende Gerät nicht zugewiesen werden könne. Im generellen DAW-Modus funktionierte es hingegen.

Fehlt es einmal an Inspiration oder der Bereitschaft für Detailarbeiten, steht ein Zufallsgenerator bereit, der LFO-Verlaufsformen würfelt.

Man kann zwar innerhalb der ShaperBox Presets laden, in denen nur einer der Shaper eine Rolle spielt, doch dadurch wird immer die gesamte Modulkette gelöscht, da es sich hier um globale Presets handelt. Auf Modulebene gibt es hingegen keinen Preset-Browser. Will man also in einem Trio aus TimeShaper, PanShaper und VolumeShaper nur das Preset des VolumeShaper wechseln, geht das nicht. Hier muss man selbst Hand anlegen.

Per Klicken und Ziehen kann man die Platzierung der Module innerhalb der seriellen Effektkette wechseln.

Das Interface ist angenehm skaliert. Alle Beschriftungen und Bedienelemente sind gut erkennbar und nicht unnötig winzig. Eine Skalierung des gesamten Interfaces der ShaperBox gibt es nicht, wohl aber eine Vergrößerung der Spectralansicht …

… oder der Wellenformansicht mit eingezeichnetem LFO.

Um die Wirkung der Modulation auf ein bestimmtes Band genau heraushören zu können, kann man dieses auch auf Solo schalten. Den Solo-Betrieb kann man zudem für Lo-Fi-Effekte wie Telefonsound und anderes mehr zweckentfremden.

Die Bänder können mit einer Flankensteilheit von 6 oder 12 dB getrennt werden.

Klickt man auf das Cableguys-Logo, so öffnet sich ein Fenster mit einer Erklärung zu Standard-Tastaturbefehlen wie Doppelklick, Rechtsklick, Shift-Click.

Außerdem ist hier (oben nicht abgebildet) der Lizenznehmer mit seiner E-Mail-Adresse eingetragen.

 

Die Cableguys-Community

Über dieses Aufklappmenü …

… erweitert man die Palette per Online Preset Library / Sync. Aktuell kommen auf diesem Wege rund 110 weitere Presets hinzu. Damit alle angezeigt werden, sollte man bei Filter von „Approved“ zu „All“ wechseln.

Eigene Presets lassen sich, wenn man das möchte, mit komplettem Profil einschließlich Webseite und Soundcloud-Page hochladen. Dazu schaltet man das Männchen-Icon direkt links neben dem Papierkorb von der Darstellung einer auf zwei Personen um.

Beim nächsten Synchronisieren wird das Preset dann der Community zur Verfügung gestellt.

 

Fazit

Die Cableguys ShaperBox ist ein eigenständiges Effekte-Klanglabor nicht nur für Dance und Club-Genres. Mit dem TimeShaper sind bis ins Detail maßgeschneiderte Stotter-, Glitch-, Pitch-Shifter und Rückwärts-Effekte möglich, per MIDI-Steuerung auch als spannende Stilmittel in einer Live-Performance. Der WidthShaper ist ein einzigartiges Tool zur Steuerung der Stereobreite.

Zeichenbare LFOs für eine temposynchrone Modulation, separat für drei Frequenzbänder, sind das Markenzeichen der Plug-ins. Zahlreiche Details, von Zeichenwerkzeugen bis zu Parallel-Processing machen den professionellen Status dieser Tools aus.

Die Einsatzgebiete unserer beiden Testkandidaten reichen von groovigen Effekten für EDM bis zu Gesangseffekten. Zusammen mit den anderen Shapern (PanShaper, VolumeShaper, FilterShaper) erhält man ein Kreativwerkzeug mit enormem Leistungspotenzial und in exzellenter Audioqualität.

Die Bedienung ist relativ schnell erlernt, da die Architektur übersichtlich und logisch ist. Tool-Tipps und Tutorial-Videos helfen beim Einstieg. Eine Reihe von inspirierenden Presets zeigen, was alles möglich ist.

Äußerst erfreulich ist auch der mehr als moderate Preis: Wer noch nicht zugeschlagen hat, sollte gleich das ganze Bundle per Demo-Version testen. Im Plug-in ShaperBox lassen sich dann alle Shaper als serielle Effektkette kombinieren: Da sich LFO-Kurven von einem Shaper auf einen anderen übertragen lassen, sind interessante Synchronisationen unterschiedlicher Modulationen möglich.

Einziger Wermutstropfen ist die fehlende AAX-Version. Auch ein VST3 neben dem VST 2-Format wäre wünschenswert.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • eigenständiges Multiband-Time/Pitch- und Width-Shaping
  • zeichenbare Stotter/Pitch/Reverse-Effekte einschließlich Tape-Stopp auf Knopfdruck (TimeShaper)
  • durchdachte Bedienung
  • inspirierende Presets
  • MIDI-Sidechaining
  • Parallel-Processing pro Band/Shaper und global
  • exzellente Audioqualität
  • Copy/Paste von gezeichneten LFOs zwischen den Modulen (ShaperBox)
  • Preset-Erweiterung über Cableguys-Community
  • sehr kundenfreundlicher Preis

Minus:

  • kein AAX- und VST3-Format

Preise:

  • TimeShaper: 44.- EUR
  • WidthShaper: 24.- EUR
  • VolumeShaper 5: 34.- EUR
  • PanShaper 2: 34.- EUR
  • FilterShaper Core: 34.- EUR
  • ShaperBox Bundle: 99.- EUR
  • FilterShaper 3 (außerhalb des ShaperBix Bundles): 74.- EUR
  • PanCake 2: Freeware
  • Curve 2: 129.- EUR
  • MIDIShaper: 29.- EUR
  • Cableguys Bundle: 179.- EUR

System (ShaperBox):

  • PC: ab Win 7
  • Mac: ab OSX 10.8
  • Formate: VST2, AU
  • 32 und 64 Bit

Hersteller: Cableguys

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