Test: Spectrasonics Keyscape – Teil 2
Geht man der Reihe nach, so folgt dem Dulcitone das Toy Piano.

Es ist nicht das Einzige in der Sammlung. Dem Aussehen nach muss es sich hier ebenfalls um ein altes Instrument handeln. Spielzeugklaviere haben ihren Ursprung in Deutschland um 1800. Holzhämmer schlugen auf gestimmte Glasblöcke. Um 1870 entwickelte Albert Schönhut stimmstabile und solide Metallplättchen, klanglich mit der Nähe zu einem Glockenspiel. Gesampelt wurde ein Schönhut Gockenspiel Toy Piano, welches kurz nach der Jahrhundertwende, also in den frühen 1900er Jahren entstand. Auch hier wurde das Instrument mit einem Mono-, einem Stereo und einem Raummikrofon aufgenommen. Komponisten wie John Cage und George Crumb brachten das Schönhut Spielzeugklavier auf die Bühne. Jährlich findet an der Universität von San Diego ein Spielzeugklavier-Festival statt. Die Firma Schönhut produziert noch heute Spielzeugklaviere.
Unter Mix, Timbre und Performance finden sich die bereits bekannten Parameter, die auch eine abswechslungsreiche Echtzeit-Performace ermöglichen oder in der Nachbearbeitung variierende Klangnuancen ins Spiel bringen. Wer also in die Fußstapfen von Jon Cage treten möchte oder vielleicht ganz eigene Ideen im Sinn hat, darf sich freuen, dass dieses Toy Piano deutlich handlicher und auch billiger ist als das Original, ohne dabei an Reiz einzubüßen. Im folgenden Audiodemo habe ich den Color Shift – Regler langsam von der Rechts- zur Linksposition und wieder zurück gedreht. Bei den letzten Noten habe ich die Transienten von Maximum auf Minimum reduziert.
Wunderbar antik und nach alter Aufnahme klingt das Toy Piano – Glock Vinyl.

Hier trifft man unter anderem auf eine Lo-Fi-Abteilung, die Schallplatten simuliert – nahe an Schelllackplatten.
Das Toy Piano – Saucer Bell …

.. ist das nächste Modell.
Es handelt sich um ein Jaymar Standklavier von 1930. Hier werden Metallstangen mit Balkelit-Hämmern angeschlagen. Balkelit ist ein Hartkunststoff, der 1909 entwickelt und beispielsweise für Telefone oder Lichtschalter verwendet wurde. Auch der Volksempfänger hatte ein Balkelitgehäuse (Quelle: Wikipedia). Bei späteren Modellen wurden tellerförmige Mini-Gongs angeschlagen, die einen Klang, ähnlich dem Geläut einer Wohnzimmer-Standuhr erzeugen (diese Aussage betrifft jetzt wieder das Standklavier, nicht den Volksempfänger).
Die Nebengeräusche der Mechanik sind das Salz in der Suppe. Auch hier gibt es wieder Retro-Versionen. Sehr geheimnisvoll klingt die Underwater-Variante, bei der man sich in der Tat Aufnahmen aus der Tiefsee sehr gut vorstellen kann.
Das Instrument ist sehr leise. Eine Anhebung des Pegels gelingt jedoch ohne störendes Rauschen.
