Test: Spectrasonics Keyscape Teil 4
Der Live-Modus
Hier geht es darum, verschiedene Patches als Layer übereinanderzulegen und sie über MIDI-Controller, Trigger-Pads eines externen Keyboards oder über Key-Switches abzurufen. Wie schon beim Stack-Mode können, das sollte klar sein, Keyscape- und Omnisphere (und Trilian-) Instrumente beliebig miteinander kombiniert werden.
Wie der Name schon sagt, ist dieser Modus speziell für eine Live-Performance interessant, wenn es um eine rasches Umschalten zwischen verschiedenen Sounds geht. Der Live Mode kann aber auch für ein intuitives Arrangieren im Studio genutzt werden. Im Live-Mode werden alle acht Patches über den selben MIDI-Kanal angesprochen.
Spectrasonics Omnisphere (und Keyscape auch) erwiesen sich während unserer Tests als recht stabil und nicht absturzgefährdet, sodass man hier – einen leistungsfähigen Rechner vorausgesetzt – in die Vollen gehen kann.
Eine umfangreiche Konfiguration mit mehreren Patches kann einiges an Rechenleistung einfordern (wie wir oben schon gesehen haben). Da Omnisphere 2 nicht über Multi-Threading verfügt, ist – soweit der Sequencer die Verteilung der Berechnung auf mehrere Kerne nicht übernimmt – die Geschwindigkeit des Prozessors wichtiger als die Anzahl der Kerne (diese wird natürlich relevant, wenn man weitere Instrumente und externe Effekte hinzuziehen möchte).
Für einen ökonomischen Umgang mit der Rechenleistung ist es von Vorteil, wenn Effekte über die vier AUX-Racks des Multis eingesetzt werden und man nicht etwa mehrfach verwendete Effekte in die Layer-Slots der Omnisphere-Instrumente lädt. Vor allem rechenintensive Module wie beispielsweise Hall können so ressourcenschonend verwendet werden.
Im Live-Mode spielt man zwar alle Patches auf dem selben MIDI-Kanal, das bedeutet jedoch nicht, dass alle geladenen Sounds gleichzeitig getriggert werden. Man kann zwischen den Patches auf verschiedene Arten wechseln. Eine Möglichkeit ergibt sich über einen Rechtsklick auf die Previous/Next-Taster, um den MIDI-Learndialog zu starten und anschließend per Controller zwischen den Parts zu wechseln.

Alternativ kann man diese auch mittels Key-Switch umschalten. Key Switches werden ebenfalls per Rechtsklick (dieses Mal auf das Namensfeld des Patches) und den Befehl Learn MIDI Note eingerichtet. Wählt man die Ansicht „Show Key Select“ (zentral unterhalb von Live Mode), so erscheinen links die zugewiesenen Key-Switch-Tasten (in der Abbildung C-1, D-1, E-1 und F-1):

Dort finden sich auch Mute- und Solo-Felder sowie ein Mini-Lautstärkeregler (alle per Rechtsklick den bereits bekannten Steuerungsoptionen zuweisbar).
Der spielbare Bereich von Omnisphere 2 reicht bis in die tiefsten Lagen und deckt damit mehr als den Umfang einer 88er Tastatur ab. Sobald eine Taste eine Key-Switch-Funktion übernimmt, löst diese keinen Sound mehr aus.
Anders als bei den üblichen Key-Switch-Funktionen von Sample-Libraries, bietet der Live-Mode von Omnisphere 2 auch die Möglichkeit, mehrere Patches gleichzeitig aktiv zu schalten, sodass diese dann als Layer gespielt werden. Darüber hinaus bewirken Key-Switch-Befehle im Touch-Mode (einstellbar über die Settings-Seite des Live-Mode), dass das Spielen eines oder mehrerer Key-Switches alle zuvor aktiven Patches ausschaltet. Im Switch-Mode sind Patches wiederum so lange aktiv, wie die Key-Switch-Taste gehalten wird. So können reibungslos Layer zu- und wieder abgeschaltet werden.
Was für Key-Switches gilt, gilt auch für die Steuerung durch externe Spielhilfen, beispielsweise die Touch-Pads eines Controllerkeyboards.
Soundwechsel können auch als Program-Changes oder durch kontinuierliche Controller durchgeführt werden. Das Angebot an Alternativen zur Steuerung der Patches ist lückenlos.
Beim Wechsel eines Patches bricht der zuvor gespielte Klang nicht ab, sondern wird fortgeführt, klingt also beispielsweise aus oder läuft, soweit gewünscht und im Latch-Betrieb, als Arpeggio oder Rhythmus weiter. Letzteres betrifft allerdings nicht die Keyscape-Instrumente, die nicht vom Arpeggiator profitieren.
Im Dual-Keyboard-Mode ist es möglich, jeweils vier der acht Patches zwei Controllerkeyboards zuzuweisen und die Patches über zwei MIDI-Kanäle zu spielen.
Per Klicken und Ziehen können die Patches der acht Slots an eine andere Position verschoben werden, auch im DUAL-Keyboard-Mode von einem zum anderen Keyboard.
Unterm Strich bietet der Live-Mode eine elegante Möglichkeit, intuitiv mit acht Klängen umzugehen, Kombinationen und Klangabfolgen auszuprobieren – nicht nur Live, sondern auch im Studio, wo alleine mit der Funktionalität von Omnisphere 2 komplette Songs auf nur zwei MIDI-Spuren erstellt werden können.
Die Effekte
Keyscape profitiert auch von den Effekten in Omnisphere 2. Davon steht ein üppiges Arsenal mit teils außergewöhnlichen Kandidaten wie z.B. „Innerspace“ und „Resonators“ zur Verfügung. Auch das „Crying Wah“ dürfte für einige E-Piano-Sounds interessant sein, wenn es richtig funky werden soll.

Eine ausführliche Darstellung der Effekte mit Screenshots und Audiodemos finden Sie in unserem Test zu Omnisphere 2.
