Test: Spectrasonics Trilian

Einleitung

In diesem Test schauen wir uns einen weiteren Klassiker unter den Sample-Libraries an. Trilian von Spectrasonics ist seit seiner Veröffentlichung im Jahre 2009 der Standard, wenn es um virtuelle Bässe geht. Abgedeckt wird das ganze Bass-Spektrum von Kontra-Bässen über E-Bässe bis hin zu Synth- Bass-Klängen.

Recording und Studiotechnik

Download, Installation & Autorisierung

Das Produkt wird auf einer Festplatte von deutschen Händlern angeboten. Dort sind die Konditionen teilweise sehr günstig. Alternativ, wenngleich schon alleine wegen der Datenmenge weniger empfehlenswert, geht es auch via Download. Das funktioniert dann wie folgt:

Nach dem Kauf erhält man einen Download-Link und die Seriennummer.

Der Download-Manager mit 1,6 MB führt den Download aus. Nach dem Starten dieser exe-Datei kann man den Speicherort für den 34 GB-Download frei wählen (Bestitz man mehrer Instrumente von Spectrasonics, müssen diese alle im gleichen STEAM-Ordner gespeichert werden).

Da der Download in der Regel mehrere Stunden dauert, kann er dankenswerterweise unterbrochen und später wieder aufgenommen werden.

Die Registrierung mit Challenge-and-Response-Code ist über die Spectrasonics-Website schnell und unkompliziert erledigt.

Die Lizenzpolitik von Spectrasonics ist sehr fair: Es ist eine personengebundene Lizenz. Der Lizenznehmer kann Trilian gleichzeitig auf beliebig vielen eigenen Computern installieren, solange ausschließlich der Lizenznehmer an ihnen arbeitet, z. B Studio-Computer, Backup-Computer, Laptop, Live-Performance-Computer & Live-Backup-Computer.

Nicht erlaubt ist die Installation auf dem Computer eines Freundes, selbst wenn beide zusammenarbeiten. Außerdem darf Trilian nicht vermietet werden (z. B. wenn man als Studio-Inhaber eine Trilian-Lizenz hat, die aufzunehmende Band aber nicht). Der Lizenznehmer darf Trilian bei allen Projekten nutzen, an denen er selbst als Musiker beteiligt ist.

Licensing FAQs

Übersicht & Aufbau von Trilian

Das ‚Tri‘ in Trilian und in seinem Vorgänger Trilogy bezieht sich auf die Tatsache, dass Trilian eigentlich nicht ein Instrument ist, sondern drei Instrumente in einem. Folgende Instrumente werden abgedeckt, und zwar jeweils jeweils reichlich:

  • Akustik-Bass
  • E-Bass
  • Synth-Bass

Die Hauptansicht eines Instrumentes ist sehr übersichtlich gestaltet:

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Spectrasonics hatte bei der Kreation von Trilian gleich mehrere Schwerpunkte:

  • Realismus
  • einfache Bedienung
  • tiefgehende Klangbearbeitungsmöglichkeiten

Die weitergehenden Editiermöglichkeiten sind auf einer Extra-Tab namens EDIT untergebracht:

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Geboten wird bei Trilian aber nicht nur Masse, sondern auch Klasse.

Wie wir gleich noch hören werden, klingen die Instrumente extrem realistisch. Dieser Realismus wird erreicht durch:

  • eine Vielzahl von Spieltechniken (inklusive automatischem Legato (bei Tonüberlappungen von Halbton- und Ganztonschritten))
  • zahlreiche Velocity-Layers
  • Round Robins (alternierende Samples für den gleichen Ton in gleicher Lautstärke, um den gefürchteten Machine-Gun-Sound zu verhindern).
  • Release-Samples (Geräusche beim Beenden eines Tons)

Neben dem Realismus der Instrumente ist der nutzerfreundliche und einfach zu verstehende Aufbau von Trilian eine seiner ganz großen Stärken: Seine ganze Komplexität und Tiefe der Klangbeeinflussung zeigt er nur bei Bedarf (versteckt hinter den kleinen Lupen-Symbolen, auf die der Nutzer an vielen Stellen in Trilian trifft).

Der unerfahrene Nutzer und alle, die lieber spielen, aufnehmen und Songs schreiben als an Reglern rumzuschrauben, werden mit einer einfachen Bedienung und gelungenen werksseitigen Voreinstellungen beglückt. Dadurch ist es möglich, die Instrumente ohne weitere Voreinstellungen zu spielen und dabei äußerst realistisch zu klingen. Der Sound-Tüftler hingegen freut sich über tiefgreifende Möglichkeiten der Klangbeeinflussung.

Die einfache Bedienung wird durch den sehr durchdachten Aufbau von Trilian ermöglicht:

Jedes Patch hat 4 Ansichten / Tabs:

  • Main
  • Edit
  • FX
  • Arp

Einzelne Patches bestehen aus ein oder zwei Layern, wobei jedem Layer ein sogenanntes ‚Sound-Source‘ zugeordnet wird, das unabhängig vom anderen Layer mit Effekten, Envelope-Filtern etc. bearbeitet werden kann. Ein ‚Soundsources‘ ist ein Multisample, das zum Beispiel mit Velocity-Switches ausgestattet sind. Ein sehr lauter Anschlag triggert dann vielleicht eine dirty Note mit Scheppern oder einen Slide in den Ton. Durch das Einfügen solcher Nuancen im richtigen Moment erzeugt Trilian auch ohne weitere Bearbeitung schon einen ungemein realistischen Klang.

Ein sogenanntes Multi besteht aus bis zu 8 Patches, wobei jedes individuelle Patch Einstellungen für Lautstärke, Pan, MIDI usw. hat. In die 8 Slots dieses Multis lädt man beispielsweise 8 Artikulationen desselben Instruments, die dann jeweils per Keyswitch in der unteren Oktave des Keyboards aktiviert werden. Selbstverständlich gibt es für die verschiedenen Instrumente wieder zahlreiche Presets, die die 8 Slots schon sinnvoll belegen, so dass der Nutzer dies nicht selbst machen muss. Hier die ansicht des Mulit-Browsers. Die Such-Funktion des MULTI-Browsers ist äußerst hilfreich bei der Anzahl der Instrumente, die Trilian bietet. Man kann nach Kategorie, Tag, Name etc. suchen.

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Auch die Multis haben 4 Ansichten / Tabs:

  • Mixer
  • FX
  • Live
  • Stack

Die 8 Slots sehen dann in der Praxis zum Beispiel so aus (Ansicht LIVE-Tab):

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Der LIVE-Modus hat vielfältige Einstellmöglichkeiten, so dass er ganz an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden kann. Die Wahl der des Patches (also meist der Artikulation) erfolgt durch Keyswitches, MIDI-CC oder sogar Mausklick. Die Wahl kann in drei Modi erfolgen: Switch, Latch oder Momentary.

Die Standard-Konfiguration eines Multis sieht folgendermaßen aus: Patch 1 ist die Standardartikulation. Die weiteren Patches mit anderen Artikulationen werden z. B. durch Keyswitches vorübergehend aktiviert. Sobald man den Keyswitch wieder loslässt, springt Trilian zur Standardartikulation in Slot 1 zurück. Das ist praxisgerecht und erleichtert das Einspielen ungemein.

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Das FX-Tab des MULTI ähnelt sehr dem des FX-Tabs eines Patches, allerdings kann man die im MULTI-FX-Tab geladenen Effekte für alle Patches nutzen.

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Beim MIXER-Tab kommen dann noch ein paar Regelmöglichkeiten hinzu.

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Durch einen Mausklick auf den Ordner eines der 8 Slots öffnet man übrigens den Patch-Browser, so dass man einzelne Slots jederzeit ganz einfach mit anderen Samples befüllen kann:

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Wie ich schon beim MULTI-Browser geschrieben habe: Die Such-Funktion des Patch-Browsers ist äußerst hilfreich bei der Anzahl der Instrumente, die Trilian bietet. Man kann nach Kategorie, Tag, Name etc. suchen.

Und im STACK-Tab kann man die bis zu 8 Patches verschiedenen Keyboard-Zonen, Velocity-Werten oder MIDI-CCs zuordnen. Hier sind auch Überlappungen und Überblendungen möglich. So lässt sich das Übereinanderlegen oder Überblenden von Patches einfach bewerkstelligen. Dazu werden die 8 Patches bestimmten Tastatur-, Velocity- oder Controller-Bereichen zugeordnet. Man könnte jetzt zum Beispiel Klänge kreieren, die bei hartem Anschlag einen 2. Klang hinzufügen oder zunehmend dreckiger klingen. Die grafische Darstellung erlaubt eine intuitive Erstellung solcher Stacks.

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Aber wie gesagt: Solche tiefergehenden Feinheiten sind absolut optional: Um zum Beispiel einen realistischen Kontrabass zu spielen, spricht nichts dagegen, einfach ein entsprechendes Multi zu laden und nur auf dem Main-Tab mit seinen patch-spezifischen Regler zu bleiben. Die wichtigsten Regler wie Lautstärkeverhältnis zwischen Tonabnehmer und Mikrofon, der Regler für die Lautstärke der Nebengeräusche (Release-Samples) und ein paar weitere Einstellmöglichkeiten finden sich hier, der Rest wird durch die großartige Programmierung automatisch erledigt. Besondere Spieltechniken / Artikulationen wie Slides oder Dead Notes können je nach Vorliebe des Nutzers auf unterschiedlichste Arten getriggert werden (z. B. durch Keyswitch, MIDI-Controller (Buttons, Fader, Dreh-Regler, Sustain-Pedal …), MIDI-Kanal und verschiedene Modes wie Toggle, Latch oder Momentary), man kann das aber auch wie von zahlreichen Libraries gewohnt einfach über ein paar Keyswitches machen. Wechselt man zu einer anderen Artikulation, klingen die vorher angeschlagenen Töne übrigens weiter, bis man die entsprechende Keyboard-Taste loslässt, sie werden also nicht automatisch abgeschnitten. Sehr gut!

Für eine tiefergehende Klangbearbeitung bietet Trilian eine Vielzahl von Effekten wie EQ, Kompressor, Delay und Amp Simulator.

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Auch bei den Effekten gibt es wieder zahlreiche Presets:

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Kurz gesagt ist Trilian wie ein Streifzug durch die Geschichte der Bass-Klänge: Von Kontrabass über legendäre elektrische Bässe bis hin zu Synth-Bass-Klängen. Und neben den Klassikern (wie Fender Precision, Fender Jazzbass, Musicman Bongo, Beatles-Bass) gibt es noch zahllose Raritäten (z. B. Chapman Stick und sehr seltene Synthesizer) zu entdecken. Allein das Browsen durch die Presets ist eine Entdeckungsreise und Inspirationsquelle mit riesigem Spaßfaktor. 🙂

Praxis & Soundbeispiele

Zuerst demonstriere ich, welche großartigen Klänge man ohne weitere Einarbeitung und Klangbearbeitung von Trilian bekommt.

Beginnen wir mit dem Kontrabass (Trilian Upright 1), einfach ein Basslauf auf dem Keyboard ohne irgendwelche Artikulationen per Keyswitches gespielt:

 

Ja wie geil ist das denn? Besonders die unterschiedlichen Release-Samples am Ende sind der Hammer. Das klingt und fühlt sich an, als würde ich mit meiner Tatstatur einen richtigen Kontrabass spielen. Ich kann fast das Holz riechen.

Probieren wir mal E-Bass, wieder ohne irgendwelche Artikulationen per Keyswitches:

 

Aber gut, gehen wir mal ins Detail. Denselben Ton mit derselben Lautstärke zu spielen, das war lange Zeit der Todesstoß für Sample-Libraries. Natürlich verfügt Trilian über Round Robins, also jeweils mehrere Samples für Töne derselben Lautstärke und Tonhöhe, die sich jeweils mnimal unterscheiden (wie bei einem „echten“ Instrument).

Probieren wir das doch mal mit dem Kontrabass aus (Trilian Upright 1):

 

Und dasselbe Beispiel nochmal mit einem elektrischen Bass (Rock P-Bass):

 

Ein weiteres Merkmal einer guten Sample-Library ist die Anzahl der Velocity-Layer, also in wievielen Lautstärken die einzelnen Töne jeweils aufgenommen wurden. Zuerst hören wir uns wieder den Kontrabass an (Trilian Upright 2), wobei ich einerseits mit der frei konfigurierbaren Lite-Funktion (siehe unten) sämtliche Round Robins entfernt habe und zweitens nur die Artikulation clean gewählt habe, so dass wir uns ganz auf die Velocity-Layer konzentrieren können:

 

Die Anzahl der Velocity-Layer ist recht übersichtlich, insbesondere im unteren Velocitybereich.

Dasselbe hören wir uns jetzt mit sämtlichen Round Robins und allen (automatischen) Artikulationen an, also das volle Patch ohne irgendeine Beschränkung:

 

Mit den Round Robins klingt das richtig authentisch.

Jetzt hören wir uns dieselben beiden Beispiele mit dem E-Bass-Patch Clean Fender Jazz Bass an.

Wir beginnen wieder ohne Round Robins:

 

Und jetzt das volle Patch ohne irgendeine Beschränkung:

 

Der Verzierungs-Slide beim letzten Ton wird übrigens bei den höchsten Velocity-Werten manchmal automatisch ausgelöst.

Da in den unteren Velocity-Werten ohnehin nicht viel passiert, könnte man beim MIDI-Controller eventuell einen Minimum-Velocity-Wert eingeben, so dass man die Anschlagsstärke für die vorhandenen Velocity-Layer noch feiner dosieren kann.

Schauen wir mal, was Trilian noch so drauf hat, und hören uns denselben Ton mit allen Artikulationen an (jede Artikulation wird viermal gespielt, um die verschiedenen Round Robins zu demonstrieren):

 

Wo wir gerade beim Thema Round Robins sind: Die Reihenfolge der 4 Round Robins kann vom Nutzer festgelegt werden: Jedesmal alle 4 in derselben Reihenfolge, jeweils zufällig alle 4 durcheinander, oder komplett zufällig.

Als nächstes hören wir einen Groove mit verschiedenen Artikulationen des Kontrabasses, bei dem ich ein ganz reduziertes Schlagzeug mit Besen in den Hintergrund gelegt habe.

 

Eine Library mit so umfangreich gesampelten Instrumenten fordert natürlich eine Menge RAM. Wenn man einmal RAM sparen muss, gibt es die Sample-Thinning-Option. Diese lässt den Nutzer Lite-Version eines Patches laden. Dabei hat man die Wahl, ob man

  • die Round Robins einschränkt (keine, maximal 2, maximal 3, maximal 4, unbeschränkt)
  • nur bestimmte Velocity-Werte in den RAM lädt (stufenlos von 1 bis 128 wählbar)
  • ob man die Legato-Samples weglässt oder nicht
  • und man kann Trilian sogar die Töne vorgeben, die im Song gespielt werden, so dass nur deren Samples geladen werden

Alle diese Optionen können beliebig miteinander kombiniert werden.

Diese Lite-Einstellung kann auch gespeichert werden, so dass sie auch bei einem Wechsel zu einem Patch nicht wieder neu eingegeben werden müssen.

Durchdachte Funktionen wie diese sind der Grund, dass die Arbeit mit Trilian so einen Spaß macht!

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Arpeggiator

Mit dem in Trilian integrierten Arpeggiator lassen sich ganz einfach Pattern erstellen: Per Mausklick lassen sich die einzelnen 16tel-Steps an- & ausklicken, die Lautstärke wird über die Länge der Balken mit der Maus geregelt und mit der SHIFT-Taste kann die Länge der Töne mit der Maus justiert werden. Die Pattern – mit einer Länge von bis zu 32 Steps – können gespeichert und geladen werden. Die aus dem Stylus RMX bekannte Groove-Lock-Funktion ist auch in Trilian enthalten. Man kann per Drag-n-Drop MIDI-Files in den Arpeggiator schieben und das Pattern dann mit regelbarer Intensität an den Groove des MIDI-Files anpassen. Die Pattern laufen synchron zum Host.

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Probieren wir den Arpeggiator doch mal in der Praxis aus. Dazu habe ich einfach die ‚Clock‘ auf 8tel gestellt, abwechselnd etwas höhere und etwas niedrigere Balken eingegeben (die Zählzeiten ‚2‘ und ‚4‘ sind eine Winzigkeit mehr betont als die Zählzeiten ‚1‘ und ‚3‘). Den ‚Trigger‘ habe ich auf ‚Songposition‘ gestellt, damit der Arpeggiator Takt-synchron mit dem Drum-Pattern läuft. So klingt es, wenn man einfach ganze Noten spielt:

 

Anmerkungen / Tipps zum Arpeggiator:

  • Am Besten schlägt man den enstprechenden Ton kurz vor der gewünschten Zählzeit an. Durch die Trigger-Auswahl ‚Songposition‘ wird das Arpeggio ja zur DAW synchronisiert (wie unter ‚Clock‘ eingestellt zur Achtelnote).
  • Lässt man die Töne etwas überlappen, ist das kein Problem (den Ton in Takt 3 habe ich etwas länger ausgehalten, so dass er noch einen kurzen Moment in Takt 4 hereinragt). Man darf allerdings nicht bis zumStartpunkt des nächsten Notenwertes (in diesem Fall 8tel) aushalten, denn dann wird wieder der erste Ton vom Arpeggiator gespielt.
  • Schlägt man einen Ton jedoch zu spät an, fehlt die erste Achtelnote (siehe Takt 5).

Das klingt noch nicht perfekt zusammen. Jetzt kommt die Funktion ‚Groove-Lock‘ ins Spiel. Per Drag’n’Drop ziehe ich das MIDI-Pattern in das dafür vorgesehene Feld des Arpeggiators. ‚Strength‘ ist auf 100% eingestellt.

 

Ein unerwartetes aber interessantes Ergebnis. Jetzt schiebe ich den Groove-Lock-Schieberegler ungefähr in die Mitte (Linksanschlag ist übrigens 50%).

 

Mit wenigen Mausklicks kommt man hier also zu interessanten und brauchbaren Ergebnissen. Natürlich müsste man dem durch den Arpeggiator neu gefundenen Bassgroove noch etwas Finetuning verpassen, aber ich denke, es ist ersichtlich, was man mit dem Arpeggiator alles anstellen kann. Selbstverständlich lassen sich mich dem Arpeggiator auch ganz andere Dinge anstellen, indem man zusätzlich noch verschiedene Optionen aus dem Menü ‚MODE‘ ausprobiert, mehrere Oktaven aktiviert etc.

Jetzt versuche ich mal, Trilian zum Shuffeln zu bringen. Dazu habe ich den ‚Retro 60s‘-Bass gewählt, eine neue Schlagzeugspur kreiert, die ich wieder per Drag’n’Drop in Trilians Arpeggiator gezogen habe. Auf dem Keyboard spiele ich Viertelnoten, der Arpeggiator macht daraus Achtelnoten, Groovelock synchronisiert sie zum Schlagzeug.. Das klingt dann so.

 

Nicht schlecht, aber noch cooler wäre es, wenn die Bassnoten etwas kürzer gespielt würden. Dazu ziehe ich den ‚Length‘-Regler etwas runter. Jetzt klingt es so:

 

Jetzt probiere ich mal, nur die Töne auf den Zählzeiten kurz spielen zu lassen, die Offbeats sollen ausgespielt werden. Da muss ich manuell Hand anlegen und jeden zweiten Ton kürzen. Jetzt klingt es so:

 

Ehrlich gesagt ist fast kein Unterschied zu hören, das hat der Length-Regler eigentlich genauso gut gemacht.

 

Rockabilly-Slap-Bass?

Was Trilian nicht 100% authentisch hinbekommt, ist der Rockabilly-Slap-Bass. Mir ist allerdings auch keine Kontrabass-Library bekannt, die das kann.

Bei dieser Stilistik wird die Saite nicht einfach nur angeschlagen, sondern hochgezogen und dann so losgelassen, dass sie auf’s Griffbrett knallt. Diese Artikulation gibt es in Trilian nicht (wie gesagt aber meines Wissens auch in keiner anderen Kontrabass-Library).

Noch markanter ist der Klang der Offbeats, bei denen man die Saiten mit der flachen Hand oder dem Daumen auf’s Griffbrett schlägt. Dabei erklingt kein Ton, sondern nur ein Klack-Geräusch. Hierfür eignet sich die Trilian-Artikulation ‚Thumb‘.

Hier habe ich einen Walking-Bass aufgenommen und auf den Offbeats die Thumb-Artikulation gespielt. (Das klappt nicht in Echtzeit, sondern wurde in Kleinarbeit mit der Maus gemacht, siehe Anmerkungen unten).

 

Da mit dem Schlag auf die Saiten normalerweise auch alle Töne abgestoppt werden, habe ich das gerade gehörte Beispiel etwas nachbearbeitet. Ich habe die Überlappungen der Töne gelöscht (das funktioniert in den meisten DAWs auch automatisiert), so dass der Ton jeweils mit dem Slap endet. Das klingt dann so:

 

Man muss wissen, dass die Slap-Artikulation etwas anders funktioniert als die meisten anderen: Die einzelnen Slap-Samples sind bestimmten Tonhöhen zugeordnet. Es gibt hier keine Round Robins und auch keine Velocity-Layer. Wenn man denselben Ton mit unterschiedlichen Velocities abspielt, wird dasselbe Sample mit ganz geringfügig unterschiedlichen Lautstärken abgespielt.

Das hat Vor- und Nachteile: Positiv ist, dass man sich durch die Wahl der Taste genau aussuchen kann, welches Slap-Sample gespielt wird. Teilweise klingen diese nämlich sehr unterschiedlich. Und auch in der Realität sind die Lautstärkeunterschiede nur minimal (man schlägt die Saiten ja nicht ganz zart auf’s Griffbrett). Der Nachteil ist allerdings, dass man diese Slap-Bass-Artikulation kaum in Echtzeit spielen kann. Man könnte die Slap-Artikulation statt mit Keyswitch zwar im STACK-Mode mit Velocity-Switch auslösen, aber das Spielen des Walking Basses mit der linken und das Slappen mit der rechten Hand gestaltet sich recht schwierig, wenn man dazu ständig die Slap-Taste wechseln muss.

Idee für das nächste Trilian-Update: Die höchste Taste dem Slap zuordnen, die dann die ganzen Slap-Samples per Round Robin abwechselnd triggert (bei niedriger Velocity die dumpfen Samples und bei hoher Velocity die Klack-Samples). Dann kann man mit der linken Hand den Walking Bass spielen und mit der rechten Hand die Offbeat-Slaps auf einer Taste.

Ich habe das so gelöst, dass ich einfach immer dasselbe Sample mit der rechten Hand gespielt habe und diese Töne dann nachher mit der Maus auf andere Tonhöhen rauf- bzw. runtergeschoben habe.

Mit etwas Mühe und Zeitaufwand kommt man mit Trilian dem Rockabilly-Slap-Bass also recht nahe. Allerdings ist das live und in Echtzeit nicht umzusetzen.

Legato-Spiel (nicht Hammer-Ons, sondern Achtel ohne hörbare Pausen)

Auf einer Keyboard-Tastatur ist es kaum möglich, denselben Ton mehrmals nahtlos hintereinander zu spielen, da die Taste erst in die Ausgangsposition zurückspringen muss. Dies ist aber beim Basspielen möglich und auch des Öfteren notwendig, z. B. bei Rockachteln auf dem Grundton oder bei einem geshuffelten Blues-Walking-Bass, bei dem jeder Ton zweimal gespielt wird.

Bei Trilian gibt es zwei Arten, diese Keyboard-untypische Bass-Phrasierung zu erreichen:

  • Man lädt das Patch ‚True Staccato‘. Hier findet man dieselben Noten 3 Oktaven höher (unten als mit der Artikulation Sustain, oben mit der Artikulation Staccato). Diese spielt man dann mit zwei Händen. Je nachdem, welche Hand man zuerst spielt, kann man so unterschiedliche Basst-ypische Artikulationen erzeugen (lang-kurz bzw. Kurz-lang).

  • Mit dem Sustain-Pedal kann man die Töne auch nahtlos aneinanderbinden. Praktischerweise sind die Werkseinstellungen für das Sustainpedal auch schon für alle Patches entsprechend programmiert, nämlich auf Mode 2. In diesem Mode ist Trilian bei gedrücktem Sustain-Pedal monophon. Der letzte Ton wird also immer gestoppt, wenn der nächste gespielt wird. So wird ohne weiteren Aufwand seitens des Nutzers effektiv verhindert, das Töne ungewollt ineinander matschen. Sehr gut gelöst!

Kritikpunkte

Mir ist nur eine Sache aufgefallen, die ich vermisse:

Die Samples für Artikulationen mit Slide-Up und Slide-Down am Ende des Tones klingen großartig, allerdings habe ich keine Möglichkeit gefunden, den Beginn des Slides zu steuern. Man kann einen beliebigen Ton spielen ODER ein Sample, dass nach einem kurzen Moment nach oben oder nach unten rutscht. Man kann aber nicht einen Ton beliebig lange halten und dann zum gewünschten Zeitpunkt mit dem Slide beginnen. Verbesserungsvorschlag für das nächste Update: Zum Beispiel mit dem Mod-Wheel nach oben / unten einen Slide nach oben / unten auslösen können. Dazu müsste vermutlich einfach das Ende des normalen Tons und der Attack des Slide-Tons abgeschnitten werden und ein ganz schnelles Überblenden zwischen den beiden Tönen hinzugefügt werden. Das sollte mit den vorhandenen großartigen Samples machbar sein – mit den Release-Samples macht Trilian das ja schon. Wie man das perfekt umsetzen kann, hat z. B. Native Instruments bei den Session Horns Pro gezeigt. Spectrasonics fand die Anregung interessant und überlegt, das eventuell in einem zukünftigen Update umzusetzen.

Synth-Bass

Neben den akustischen und elektrischen Bässen beinhaltet Trilian auch eine riesige Anzahl Synth-Bässe. Neben zahlreichen Klassikern (Moog, Prophet, Roland Jupiter 8 …) sind auch hier wieder einige Raritäten zu entdecken (Cjewman, Metasonix Assblaster – ein großartiger Name für ein Instrument, oder? 😉

Sämtliche Sounds des beliebten Trilian-Vorgängers Trilogy sind auch enthalten. Und natürlich gibt es auch für die Synth-Klänge in Trilian weitreichende Editiermöglichkeiten.

Allein die Synth-Bass-Abteilung würde einen eigenen Testbericht mit gleichem Umfang wie dieser Test rechtfertigen. Als Bluesmusiker und Retro-Liebhaber bin ich weder Freund von noch Fachmann für Synth-Klänge, deshalb halte ich mich in diesem Bereich vornehm zurück und zeige hier nur ein paar Presets, die mich besonders angesprochen haben. Diese werden mit dem jeweils mitgelieferten Groove des Arpeggiators abgespielt werden. Ich habe jeweils dieselben Töne gespielt: Zwei Takte ganze Note, dann einen Achtellauf und zum Abschluss noch eine ganze Note. Dadurch kann man jeweils hören, was einerseits passiert, wenn man einen Ton hält und den Arpeggiator und die Effekte arbeiten lässt und wie es andererseits klingt, wenn man einen Melodie spielt.

Preset Atlas Sphere:

 

Preset Bass Station Classic Pulse:

 

Preset Checkerboard:

 

Preset Complexus 16ths:

 

Preset SH-101 Harpsi Arpsi:

 

Preset In The Year 2016 Hash:

 

Preset Loop ID 303:

 

Preset Electric Trooper Boys:

 

Dies ist nur eine kleine Auswahl, es gibt in Trilian hunderte von Synth-Bass-Sounds. Das Info-Fenster gibt jeweils interessante Auskünfte über den verwendeten Synth, und mit den Effekten lassen sich die Klänge jeweils noch drastisch verbiegen. Und auch der Arpeggiator ist wie oben gezeigt auch sehr flexibel zu programmieren.

Sonstiges

So ziemlich alle Regler von Trilian verfügen über MIDI-Learn und Host-Automation.

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Die sehr detaillierte Bedienungsanleitung ist direkt im Instrument aufrufbar. Es gibt sie nur in englischer Sprache.

Auf der Website von Spectrasonics gibt es übrigens zahlreiche interessante Demo-Videos, auf denen man Trilian erklärt bekommt oder im Kontext hören kann.

Sehr gute Lehr-Videos von Spezialisten bekommt man hier:

Die Spieldauer beträgt jeweils fast 4 Stunden, der Preis liegt bei 30,- USD bzw. 40 ,-USD.

Für Home-Recordler, die nicht über nennenswerte Keyboard-Kenntnisse verfügen, wäre ein integrierter MIDI-File-Player mit einer Sammlung toller MIDI-Grooves wünschenswert (ähnlich wie bei Toontrack EZkeys, so wie es bei den Drum-Sampler sämtlicher Hersteller mittlerweile Standard ist). Das würde die Zielgruppe dieser tollen Library noch um die große Gruppe der Nicht-Keyboarder erweitern. Man kann die meisten DAWs aber so einrichten kann, dass die Sounds eines VST-Instrumentes mit dem MIDI-Out eines anderen abgespielt werden können. Bei entsprechendem Bedarf nach einer MIDI-File-Sammlung & -Player muss man sich eine solche Software eben noch hinzukaufen.

Fazit

Klare Ansage: Auch im Jahre 2016 ist Trilian immer noch das Maß aller Dinge unter den Bass-Libraries.

Unabhängig von Stilistik und gewünschtem Bass-Instrument (A-Bass, E-Bass oder Synth) ist Trilian eine umfassende und klanglich herausragende Lösung. (Na gut, eine Tuba fehlt … ;-)).

Trilian ermöglicht einen verblüffend nuancierten und realistischen Klang. Es ist schwierig, mit diesem PlugIn steril klingende Bass-Parts zu erzeugen. Und der Spagat zwischen intuitiv-bedienbaren Instrument und tiefgreifenden Klang-Bearbeitungen ist mehr als gelungen: Einerseits kann man einfach mit den Presets losspielen, aufnehmen und Songs schreiben. Andererseits freut sich der Sound-Tüftler über tiefgreifende Möglichkeiten der Klangbeeinflussung.

Die Rundumversorgung in Sachen Bass bekommt man zum Preis eines Billig-E-Basses aus Fernost-Fertigung (ca. 220,- €). In Anbetracht der gebotenen Klang-Qualität, der Vielzahl an erstklassigen Instrumenten und der Anwenderfreundlichkeit ist dies ein sehr fairer Preis.

Plus

  • Qualität der Samples
  • große Anzahl an Artikulationen
  • Vielzahl an Instrumenten für alle möglichen Stilrichtungen
  • einfache Bedienung
  • tiefgehende Editiermöglichkeiten
  • umfangreich editierbarer LIVE-Mode
  • Sample-Thinning-Option, um den RAM-Bedarf zu kontrollieren
  • zahlreiche Effekte integriert, viele davon in guter Qualität
  • Arpeggiator mit Groove-Lock

Minus

  • Die Länge des Tons vor der Artikulation SlideUp und SlideDown kann nicht gesteuert werden, so dass man nicht einen Ton halten und dann im gewünschten Moment den Slide auslösen kann.

Top Product Award

Preis (Stand Januar 2016)

  • ca. 220,- € (deutsche Musikfachgeschäfte) / 299,- USD (Spectrasonics Website)
  • Upgrade von Trilogy 99,- USD

System-Voraussetzungen

Allgemein

  • Mind. 2.0 Ghz
  • 4GB RAM minimum, 8GB empfohlen
  • 40GB Platz auf der festplatte

Mac

  • OSX 10.8 Mountain Lion oder höher
  • Intel dual core processor oder höher
  • AU, VST 2.4 oder höher, RTAS or AAX kompatible Host Software
  • Audio Unit plugin braucht Host mit Unterstützung für „Cocoa“ basierte Plugins
  • Native 64-bit and 32-bit OSX
  • 6GB of RAM oder mehr wenn der Sample File Server genutzt wird

Windows

  • Microsoft Windows 7 oder neuer
  • VST 2.4 oder höher, RTAS oder AAX compatible Host Software
  • Native 64-bit and 32-bit on Windows

Zur Produktseite bei Music Store Köln

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