Test: SPL Transpressor

Wenn es um hochwertige Studiokomponenten geht, stehen die Produkte von SPL weltweit ganz oben in der Gunst der Profis. Der SPL Transient Designer erschloß Ende der 90er Jahre Neuland im Bereich der Dynamikbearbeitung. Das Konzept wurde inzwischen vielfach kopiert. Mit dem Transpressor ist seit einigen Monaten eine Weiterentwicklung erhältlich, welche die Funktionalität des Transient Designers und eines Kompressors in einem Gerät vereint. Die Kompressorschaltung wurde weitgehend aus dem SPL Frontliner entnommen. Wir haben uns den Edeleinschub für das Studiorack genauer angesehen.

SPL Transpressor

Kompressor – Transient Designer – Transpressor, eine kurze Begriffsklärung

Vor der Einführung des Transient Designers standen für eine Dynamikbearbeitung des Signals in erster Linie Kompressoren zur Verfügung. Ein Kompressor verringert die Lautstärke eines Signals, sobald es eine bestimmte Schwelle (Threshold, in dB) überschreitet. Die Verringerung der Lautstärke stellt man über den Parameter Ratio ein. Die Ratio, also die Stärke der Kompression ist von Kompressor zu Kompressor verschieden und beschreibt das Verhältnis der Originallautstärke zur Ziellautstärke. Die Ratio liegt potenziell zwischen 1 : 1 (keine Kompression) und 1 : unendlich (maximale Kompression). Eine Ratio von 1 : 4 reduziert die Lautstärke oberhalb des Thresholds auf ein Viertel, bei einer Ratio von 1 : unendlich werden alle Amplituden oberhalb des Thresholds glatt gebügelt, man spricht von Limiting. Hebt man nach der Kompression die Gesamtlaustärke wieder an, klingt das Signal insgesamt lauter, kompakter und voller. Zu Lasten der Dynamik werden die leisen Signalanteile angehoben. Die Regelzeiten der Kompression werden durch Attack und Release bestimmt.

Die Geschwindigkeit, mit der ein Kompressor reagiert, ist neben der Ratio der zweite maßgebliche Parameter, der die Charakteristik eines Kompressors ausmacht. Bei einem langsamen Attack werden Pegelspitzen, die beim Einschwingen eines Signals auftreten, noch nicht komprimiert. So kann man auch mit einem Kompressor bereits eine Snare knalliger machen: Das Attack bleibt, die Lautstärke des komprimierten Restsignals passt man mit dem Gain-Regler des Kompressors an. Längere Release-Werte können benutzt werden, um den Raumanteil in der Ausschwingphase des Signals ebenfalls zu komprimieren (auch wenn der Threshold inzwischen wieder unterschritten ist).

Das Problem bei dieser Dynamikbearbeitung ergibt sich daraus, dass diese immer pegelabhängig ist. Leise Attacks können mit dieser Methode nicht herausgearbeitet werden. Laute Passagen hingegen können zu einer unerwünscht starken Kompression führen. Zum Zweiten sind die Regelzeiten vieler Kompressoren (Opto-, Röhrenkompressor) zu langsam, um eine detaillierte Bearbeitung der ersten 5-30 ms der Attackphase (in der die Transienten auftreten) zu erlauben.

Der Transienten Designer setzt genau da an, wo die Kompressoren nicht mehr greifen: Er erkennt Transienten pegelunabhängig, indem er dem Pegelverlauf des Signals folgt – unabhängig von dessen absoluter Lautstärke. Er hat also keine Probleme mit lauten und leisen Passagen, sondern schärft und präzisiert den Klang unabhängig vom Volumen. Eine Transientenbearbeitung führt auch nicht zur starken Veränderung der Gesamtlautstärke. Transienten lassen sich nicht nur anheben, sondern auch absenken (wenn man den Sound weicher machen oder die betreffenden Instrumente besser in den Mix einbetten bzw. in den Hintergrund schieben will). Mit dem zweiten Regler „Sustain“ wirkt man auf die Abklingphase des Signals ein. Eine Verringerung bewirkt einen trockeneren Sound, eine Erhöhung macht den Klang breiter und betont – soweit vorhanden – Raumanteile.

Der Transienten Designer ist ein heute ein unverzichtbares Werkzeug, das jedoch keinen Kompressor ersetzt – vice versa. Beide Komponenten werden im Studio in Reihe eingesetzt. Was liegt da näher, als sie in einem Gerät zu vereinen? Unser Testkandidat stellt genau diese Synthese – oder besser: Symbiose, dar.

Äußere Merkmale

Der einkanalige Transpressor ist als 1-Zoll-Rackeinschub ausgeführt. Über ein Ethernet-Kabel lässt sich ein zweites Gerät anschließen und im Link-Modus über das erste steuern. Mit 3,8 kg zählt der Transpressor nicht zu den Leichtgewichten, was auf ein dicht besiedeltes Innenleben der Hardware schließen lässt. Das Gerät ist hochwertig und gleichermaßen robust verarbeitet. Die silbern glänzende Frontpartie vermittelt Noblesse. Alle Regler sind großzügig dimensioniert und laufen butterweich. Attack-, Sustain- und Mix-Regler rasten in der neutralen Position sanft ein. Über Kippschalter erreicht man den Sidechain- und den Filterbetrieb (Näheres dazu weiter unten). Zwei 9-Segment-LED-Ketten zeigen die Stärke der Kompression (Gain-Reduction) und die Ausgangslautstärke an. Oberhalb derer befinden sich zwei Signal-LEDs als Einschaltkontrolle des Geräts sowie als Anzeige dafür, dass ein Signal am Eingang anliegt (ab –20dBu) – eine hilfreiche Kontrolle der Verkabelung. Vier schwarze Buttons …

SPL Transpressor

… dienen dem Ein- und Ausschalten der beiden internen Module Transient Designer und Kompressor, dem Aktivieren des Link-Betriebs bei Verwendung zweier Transpressoren sowie dem Umschalten der seriellen Reihenfolge (Transient-Designer vor oder hinter dem Kompressor). Per Auto-Schalter wechselt man vom manuellen zum halb automatischen Modus (s. u.). Alle Taster sind mit einer Aktivitäts-LED ausgestattet.

Rückwärtig finden sich Eingänge …

SPL Transpressor

… als symmetrische XLR- und Klinkenbuchsen, für das Sidechain-Signal als unsymmetrische Klinkenbuchse, der Ethernet-Port sowie doppelte symmetrische XLR- und ein alternativer symmetrischer Klinkenstecker-Ausgang. Der Eingangspegel kann zwischen +4dBu und –10dbV umgeschaltet werden.

Auch der Power-Schalter ist rückwärtig angebracht. Dies hat zum einen den Vorteil kurzer Kabelwege und entsprechend geringer Probleme mit Einstreuungen, zum anderen eine großzügigere Dimensionierung der frontseitigen Bedienelemente, da hier kein Platz für den On/Off-Switch eingeräumt werden muss. Beim Rackeinbau lässt sich das Gerät (auch zusammen mit anderen im Verbund) problemlos über eine Mehrfachsteckerleiste ein- und ausschalten.

Als Besonderheit findet im Transpressor eine Doppel-VCA-Schaltung (daher die Bezeichnung „Twin Core“) sowohl für den Kompressor als auch für den Transient Designer Verwendung. Diese Schaltung ermöglicht es, unerwünschte Artefakte wie Klick- oder Plopp-Geräusche erheblich zu verringern und die Verzerrungswerte zu verbessern.

Bei der Konstruktion des Kompressors wurden Operationsverstärker aus der Messtechnik verwendet, die eine sehr präzise Regelung ermöglichen. Ein spezielles Platinen-Layout minimiert äußere Störeinwirkungen (Einstreuungen über die Masseleiter) auf ein Minimum. Das Resultat ist ein extrem sauberer, musikalischer Klang.

Ein Ground-Lift-Schalter trennt die interne Masseführung von der Gehäusemasse und schützt vor Netzbrummen in schwierigen Situationen, wenn beispielsweise andere Geräte mit unterschiedlichem Erdpotenzial angeschlossen werden.

Der Frequenzgang des Transpressors liegt zwischen 10 und 200 kHz. Er weist einen Klirrfaktor von 0,004 – 0,005 % auf (bei 1 kHz, 0 dBu Eingangspegel), erreicht eine Dynamik von 112,5 dB und ist quasi rauschfrei – was man nicht von jedem Hardware-Kompressor behaupten kann.

Der Transienten Designer

 

Abgesehen von der internen Doppel- VCA-Schaltung handelt es sich hier um das klassische SPL-Tool zur Schärfung der Klangkonturen. Geeignete Kandidaten für eine Bearbeitung sind alle perkussiven Instrumente. Dazu zählen neben Drums und Percussion auch Instrumente mit einer starken Betonung des Attacks, allen voran Gitarren und andere Zupfinstrumente. Die menschliche Klangwahrnehmung fokussiert sich unbewusst auf die Attackphase eines jeden Instruments. Ein Instrument wird schneller erkannt, eindeutiger zugeordnet und wirkt präziser, näher, intimer, wenn die Transienten deutlich wahrgenommen werden. Will man also ein Instrument im Mix nach vorne rücken und in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit stellen, ist eine Transientenbearbeitung die erste Wahl.

Mit Hilfe des Transienten Designers lässt sich die Attackphase um bis zu 15 dB anheben oder absenken. Der zweite Regler „Sustain“ verlängert oder verkürzt den Ausschwingvorgang, indem das Signal um bis zu 24dB verstärkt oder abgesenkt wird. So lässt sich dem eingehenden Signal quasi eine neue Hüllkurve mit besonderer Berücksichtigung der ersten Millisekunden aufprägen und der Sound neu zeichnen, „designen“. Der Transient Designer ist damit nicht nur für eine korrigierende Feinarbeit am Mix eine gute Wahl, sondern darüber hinaus auch ein Kreativwerkzeug.

Im ersten Audiodemo ist für die Snare nur der Attackregler des Transpressor im Einsatz. Die Bass-Drum ist nicht bearbeitet. Zu Beginn von Takt 3 habe ich den Transient Designer eingeschaltet. Der Attackregler steht hier auf –15 dB, das Attack der Snare wird weicher. Anschließend habe ich den bis zur Maximalstellung langsam nach rechts gedreht. Bei Takt 5 wird die neutrale Position durchlaufen.

 

Ab 10 dB Transienten-Anhebung wird das Attack der Snare sehr deutlich, der Punch nimmt dramatisch zu und das Instrument rückt deutlich in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Im folgenden Demo habe ich bei einem Attack von +10 dB den Sustain-Regler des Transient Designers von –24 dB auf +24 dB gedreht.

 

Die Ausklingphase mit dem Rascheln des Snare-Teppichs gewinnt zunehmend an Präsenz.

Die beiden folgenden Audiodemos zeigen eine Gitarrenbearbeitung. Zunächst der unbeeinflusste Mix …

 

… dann mit Transpressor. Hier habe ich auch den Twin Core Kompressor mit eingebunden und vor den Transient Designer geroutet. Der Kompressor lässt die Attackphase durch (Attack 70 ms) und arbeitet mit einer Ratio von 1:3,5 und einer Release-Time von etwa 170 ms. Richtig knackig wird das Attack durch den Transient Designer (+7 dB). Den Sustain Regler habe ich mit +20 dB weit aufgedreht; er verstärkt nochmals die Kompressionshüllkurve in der Ausklingphase.

 

Das Picking der Gitarrensaiten kann man weiter variieren, indem man den Kompressor benutzt, um zunächst das Attack stark zu betonen und dann den Transienten Designer einsetzt, um es wieder abzuschwächen. Differenzen zwischen den Regelzeiten der Attacks von Transient Designer und Kompressor ermöglichen eine sehr detaillierte Gestaltung der Einschwingphase eines Signals.

 

Der Twin Core Kompressor

SPL Transpressor

Womit wir bereits beim Twin Core Kompressor angekommen wären, dessen Name sich aus der doppelten VCA-Bestückung ableitet. Der Threshold weist mit 21 bis –58 dBu einen Regelbereich aus, der in jedem Anwendungsfall ausreichen sollte. Ebenso verhält es sich mit dem Attackregler. Mit 0,1 Millisekunden gehört dieser Kompressor zu den schnellsten Hardware-Kompressoren. Die Attackzeit lässt sich stufenlos bis zu einer Sekunde erhöhen. Die Release-Zeit reicht von 30 Millisekunden bis zu 2 Sekunden. Der Auto-Modus hilft bei Einstellschwierigkeiten oder wenn es schnell gehen soll. Dabei analysiert der Transpressor die mittlere Lautstärke des eingehenden Signals und versucht, ausgehend von den manuell eingestellten Werten, ein ausgewogenes Kompressionsverhalten zu erwirken. Manuelle Einstellungen werden mit den automatisch ermittelten Werten interpoliert. Er eignet sich gut, wenn die Kompression dezent und nicht als Effekt hörbar sein soll.

Des Weiteren gibt es zwei Sidechain-Funktionen, die per Kippschalter wählbar sind (wie oben bereits erwähnt). Im internen Sidechain-Weg liegen drei Filter, die das Frequenzspektrum, auf das die Kompression (durch den Detektor) reagiert, einschränken: Über zwei Tiefpassfilter bei (100 und 540 Hertz und mit einer Flankensteilheit von 18 dB/Oktave) werden höherfrequente Anteile für den Detektor quasi unhörbar. Der Kompressor wird aktiv, wenn der Threshold im Bassbereich bzw. in den Bässen und unteren Mitten überschritten wird. Zum Dritten gibt es ein Kombi-Bandpassfilter mit 12 dB/Oktave bei 800 Hertz und 3,1 kHz. – geeignet, wenn der Kompressor auf die Amplitude mittiger Signale reagieren soll.

Einsatzmöglichkeiten des Transpressors

Der Transpressor bietet vielfältige Möglichkeiten, um in die Dynamik eines Signals einzugreifen. Sein Schwerpunkt liegt in der Bearbeitung von Einzelsignalen, denn hier wird die Dynamik des Originals vom Detektor eindeutig erkannt und kann minutiös modelliert werden. Mit dezenten Einstellungen lassen sich aber auch Gruppensignale mit dem Transienten Designer auffrischen, wenn sie zu matt klingen oder in der Schärfe reduzieren, wenn sie zu dominant sind. Auch beim Mastering ist es möglich, den Mix etwas knalliger, direkter oder auch etwas trockener zu machen. Bei Gruppen und Summensignalen ist zu berücksichtigen, dass Attacks mehrerer Instrumente übereinander liegen können und vom Detektor nicht differenziert werden.

Kommen wir zu einer Auswahl von Einsatzzwecken, für die der Transpressor spezialisiert ist:

Schlagzeug und Percussion

Durch eine Betonung oder Abschwächung der Attackphase können einzelne Schlaginstrumente nach vorne gerückt werden, während andere in den Hintergrund treten. Es ergibt sich eine differenzierte Tiefenstaffelung. Drum-Sounds mit zu hohem Raumanteil können durch negative Sustain-Regler-Werte trockener und damit der Gesamtklang durchsichtiger gestaltet werden.

Die Bearbeitung des Ausschwingverhaltens von Trommelfellen oder Becken ermöglicht den Effekt, wie man sie auch durch eine physikalische Abdämpfung erreichen kann. Durch die Option der nachträglichen Korrektur bleibt man bei der Arbeit flexibler und ist nicht mehr so sehr auf eine optimale Mikrofonierung und ein ideales, vorausschauendes Präparieren von Fellen und Becken angewiesen.

Betont man mit einer geeigneten Einstellung von Attack- und Sustainphase den gewünschten Klanganteil und hebt diesen aus dem Kontext der Aufnahme heraus, ergeben sich bessere Geräuschspannungsabstände zu den Passagen, die man sonst mit einem Gate hätte unterdrücken müssen.

Die nächsten beiden Audiodemos zeigen wieder einen Drum-Beat im Dry/Wet-Vergleich, der aus den beiden schon bekannten Spuren für Snare und Kick-Drum sowie einem Percussion-Loop besteht. Es ging mir darum, den Klang insgesamt lebendiger zu machen und die Snare effektvoll zu betonen. Dazu habe ich die drei Spuren getrennt bearbeitet.

Erst dry

 

Dann wet

 

Gitarre & Bass

Wie im obigen Audiodemo bereits gezeigt, eignet sich der Transpressor dazu, die charakteristische Attackphase aller gezupften Instrumente bis ins Detail auszuarbeiten: Was bei den Drums der Punch ist, ist bei der Gitarre das Anschlagsgeräusch beim Picking. Die Nebengeräusche in den ersten Millisekunden machen den Sound lebendig und können mit dem Transpressor wie durch eine akustische Zoom-Funktion hervorgehoben werden. Hat der Gitarrist eine brüllende Soundwand eingespielt, die, nüchtern betrachtet, kaum dynamisch ist und eher undeutlich bis matschig klingt, gewinnt sie mit einer Betonung des Attacks und einer Abschwächung des Sustains wieder an Kontur. Gleiches gilt für alle überkomprimierten Signale.

Auch ein etwas müde wirkender Bass, der im Mix eher als moduliertes Brummen wahrgenommen wird, erlebt mit einer Abschwächung des Sustains und einer Anhebung der Transienten eine ungeahnte Renaissance.

Modellieren des Stereopanoramas

Beim Einsatz von zwei Transpressoren für den linken und rechten Kanal und unterschiedlichen Einstellungen (also bei Verzicht auf den Link-Modus) können alle Soloinstrumente in doppelter Charakteristik auftreten und wirken dadurch lebendiger und facettenreicher. Dieses Prinzip lässt sich auch für Hallprogramme anwenden, indem man die frühen Reflexionen und die Hallfahne für beide Seiten unterschiedlich moduliert.

Kann man den Sound des Transpressor mit Plug-ins simulieren?

Der Transpressor ist gemessen an anderem Edel-Equipment geradezu günstig, immerhin geht es hier um einen ausgewachsenen Doppel-VCA-Kompressor mit Sidechain-Funktion, Parallelprocessing und Transient Designer unter einem Dach. Dennoch wird sich mancher die Frage stellen, ob es nicht auch ohne Hardware geht. Schließlich gibt es seit einiger Zeit eine durchweg gelungene Emulation des Transient Designers aus dem Hause SPL selbst. Nimmt man sich den Transient Designer alleine vor, ist in der Tat nur ein geringer Unterschied zu hören. Die Hardware zeichnet den Klang etwas weicher, runder, ein wenig musikalischer als die Software-Emulation, die ein Quäntchen derber und härter wirkt. Es handelt sich hier aber um Nuancen – für den einen unerheblich, für den anderen genau der Unterschied, der den High-End-Klang am Ende ausmacht.

Nun kommt beim Transpressor aber noch der Twin Core Compressor hinzu, der in der Tat wunderbar mit dem Transient Designer harmoniert. Da ist es erst einmal nicht so einfach, einen geeigneten Ersatz zu finden, bitte mit den genannten Optionen wie externer Sidechain-Funktion, Sidechain-Filter, und Parallelprocessing. Trotz einer umfangreichen Sammlung an Plug-ins dieser Gattung habe ich auf meinem Rechner nichts gefunden, was diese Funktionen in petto hat. Also habe ich verschiedene Kompromiss-Kombinationen ausprobiert. Die auf Retro-Sound getrimmten Emulationen, insbesondere die der virtuellen Röhren Modelle, erwiesen sich für die Zusammenarbeit mit dem Transient Designer als wenig geeignet. Ein Modellieren des Attacks wie in den Audiodemos oben zu hören, gelang nicht. Mit dem Elysia Mpressor kam ich der Sache dann schon ein gutes Stück näher. Der Mpressor passt von den Regelbereichen der Parameter sowie soundmäßig gut zum virtuellen Transient Designer. Nach einer ganzen Weile des Experimentierens klang es dann auch tatsächlich ähnlich, jedoch nicht identisch und definitiv weiter vom Original entfernt als der oben beschrieben Unterschied zwischen echtem und virtuellem Transient Designer. Ergebnis: Das, was den Transpressor auszeichnet, nämlich das rasche und völlig unkomplizierte Modellieren der Dynamik mit erstklassigen, lebendig klingenden und hoch auflösenden Ergebnissen, ist auch mit einigen Mühen auf Softwareebene nicht vollständig erreichbar.

Fazit

Der Transpressor liefert einen rauschfreien, hoch auflösenden, präzisen und dennoch angenehm weichen und musikalischen Klang. Er eignet sich sowohl für Dynamikkorrekturen als auch für Klangdesign und erweist sich als Wundermittel, wenn es darum geht, schlappe Drums, mulmige Bässe oder schwächelnde Mikrofonierungen auf ein zeitgemäß hohes akustisches Niveau zu heben. Er hilft bei der Tiefenstaffelung und macht den Sound lebendig und transparent.

Die Optionen des zurzeit sehr angesagten Parallelprocessings und die doppelte Sidechain-Funktion (per Filter und extern) lassen keine Wünsche offen, sodass man den Transpressor als Multifunktionswerkzeug erster Güte bezeichnen kann.

Durch die Dual-VCA-Technik, die auch für den Transient Designer eingesetzt wird, ist im Transpressor die neueste, weiter entwickelte Ausgabe des Transient Designers an Bord, die eine präzise und Artefakt freie Klangbearbeitung ermöglicht, und die es in keiner anderen Hardware oder als Emulation gibt. Die Verarbeitung ist absolut hochwertig, das Design gelungen.

Holger Obst

Preis

  • ca. 1.100 Euro Straßenpreis

Hersteller

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