Test: Steinberg Groove Agent 4

Installation

Voraussetzung für die Nutzung von Groove Agent ist ein Steinberg USB eLicenser Dongle. Dieser ist im Preis von Groove Agent 4 nicht enthalten, muss also zusätzlich erworben werden, soweit er noch nicht vorhanden ist.

Die Installation erfolgt mit Hilfe des physikalischen Datenträgers automatisch per Setup-Dialog. Dies gilt auch für den Download auf dem Mac mit OSX 10.8 aufwärts und dem PC mit Windows 8. Windows 7 – User benötigen eine kostenlose kleine Freeware, die in der Lage ist, den obligatorischen Brenndialog für iso-Dateien zu umgehen. Zu dieser Freeware erhält man von Steinberg einen Link.

Bevor man Groove Agent 4 nutzen kann, muss noch die Aktivierung per Code durchgeführt werden. Dazu startet man das eLicenser Control Center, klickt auf „Aktivierungscode eingeben“ und wählt den Dongle als Speicherplatz für die Lizenz, die anschließend heruntergeladen wird.

Groove Agent 4 gibt es in den Formaten AU und VST 2.4 sowie VST 3.

Das Laden von Kitts

Die vier Agents können über die MediaBay (Cubase), den Browser, den Taster Load-Kit (rechts neben dem Namen des Kits im Kit-Slot) oder per Rechtsklick auf das Miniaturbild des Agent-Slots und dann im Aufklappmenü geladen werden. Neben diesen vielfältigen Zugriffsmöglichkeiten auf den Inhalt erleichtert eine komfortable Suchfunktion (nach Kit-Namen), Filter für Werks- und User-Kits, Ratings, sowie Attribute/Kategorien des Browsers das Auffinden des gewünschten Kits.

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Bevor es losgeht, sei darauf hingewiesen, dass Groove Agent 4 nicht nur eine Fülle von Ausstattungen bietet, sondern auch von der CPU – je nach Einsatz von Agents und Effekten – einiges einfordert. Eine Schlagzeugorgie mit vier Agents, die alle gleichzeitig trommeln, dürfte nicht nur musikalisch grenzwertig sein, sondern reizt selbst eine schnelle CPU aus. Für die erste Erkundungstour bleibt es übersichtlicher und ressourcenschonender, wenn man vorerst nur einen Agent lädt. Dann kann man auch problemlos mit niedrigen Latenzen (und entsprechend niedriger Puffergröße) arbeiten, ohne dass es zu Audioaussetzern kommt. Den vier Agents sind per default auch die ersten vier MIDI-Kanäle zugeordnet.

Der Acoustic Agent

Zu den drei Drum-Kits zählt

  • ein Vintage-Set mit Ludwig Fab Four Kick, Snare, Toms sowie Zildjan Hi-Hat, Ride, China und Crash-Becken. Altenativ steht eine Premier Snare zur Verfügung.
  • Ein Yamaha-Set mit Oak Custom Toms und Kickdrum, Marple Snare, alternativer Ludwig-Snare und Zildjan Hi-Hat, Ride Crash-Becken sowie einem Ufip 18-Zoll China Becken und
  • ein Pearl Rock Drum-Kit mit alternativer Yamaha Snare sowie Ufip Hi-Hat, Ride- und Crash-Becken und einem Wuhan 18-Zoll China Becken.

Allen drei Kits gemeinsam ist ein lupenreiner Klang, der in dem Sinne neutral ist, dass man ihn in verschiedene Richtungen formen kann. Dazu gibt es ein großes Arsenal innerhalb von Groove Agent, wie wir später noch sehen werden.

Das Vintage Kit klingt etwas wärmer als das sehr präzise und amerikanisch wirkende Studio-Kit. Das Rock-Kit bringt erwartungsgemäß mehr Druck und Dominanz mit. Die Ausstattung mit anschlagsdynamisch gestaffelten Samples (Velocity Layer) ist gut und lässt ein differenziertes Spiel zu. Dem Höreindruck nach kommen zumindest teilweise auch Round-Robin-Samples zum Einsatz. Die Snares hören sich so an, als seien die leiseren Schläge mehr zum Rand hin platziert. Mit höherer Dynamik „wandert“ der Stick dann mehr zur Mitte, der Klang wird voller. Insgesamt ergeben sich bei dynamischem Spiel natürlich wirkende Variationen in der Klangfarbe. Die Becken klingen (bei Bedarf) sekundenlang mit transparenter Wiedergabe der Schwingungen aus. Besondere Beachtung wurde der Hi-Hat geschenkt, die neben der Pedal- und Tip- Spielweise gleich in sechs unterschiedlich offenen Versionen vorliegt. Dreht man die Raum- und Overhead-Mikros zurück, liegen die Instrumente absolut trocken vor und können bei bedarf mit anderen internen oder externen Raumsimulatoren oder weiteren Effekten bearbeitet werden, ohne dass sich räumliche Signalanteile überlagern und ein verwischter Raum-Mischklang entsteht.

Wir starten mit dem Acoustic Agent Kit „Attitude“ aus der Sparte Rock und laden es gleich zusammen mit Pattern per Rechtsklick auf den ersten Slot.

Im Edit-Menü kann man nun nacheinander die ansprechend grafisch dargestellten Instrumente anklicken und für jedes einzelne eine Reihe von Parametern einstellen. Die virtuelle Tastatur erscheint nach Klick auf das kleine Keyboard-Icon oben rechts, gleich über der Schaltfläche für den 24-Bit-Modus. Wer mit Ressourcen schonend umgehen muss, kann hier alternativ in den 16-Bit-Modus wechseln.

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Um die Instrumente einzustellen, lässt man am besten ein Pattern durchlaufen. Das Main-Pattern startet per default automatisch, wenn man auf den Play-Button von Groove-Agent klickt. Neben einigen Main-Pattern für Strophe und Refrain gibt es noch Intros, Fills und Endings.

Mit Ausnahme der Claps kann für alle Instrumente die Lautstärke der Raum- und Overhead-Mikrofone eingestellt werden. Daneben gibt es einige instrumentenspezifische Spezialfunktionen. Snare und Bass-Drum können per A/B-Wahltaster gegen ein Alternativmodell ausgewechselt werden. Außerdem sind sie, ebenso wie alle Toms mit Reglern für die Übersprechung der Mikrofone ausgestattet. Separate Top- und Bottom-Mikros gibt es bei der Snare allerdings nicht. Alle Trommeln können gestimmt werden (Tune) und bieten eine AHD-Hüllkurve (Attack, Hold, Decay). Das Tuning funktioniert gut. Mancher Mitbewerber hat hier seine Probleme, da sich die Transienten vor allem beim Transponieren in tiefere Lagen  verschieben. Das führt schnell zu einem etwas undifferenzierten bis matschigen Klang. Nicht so beim Groove Agent 4: Auch tief gestimmte Trommeln bleiben knackig und prägnant.

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Bei der Hi-Hat lässt sich die Lautstärke für drei Spielweisen sowie die Öffnung stufenlos einstellen.

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Und nicht nur das: Über das Modulationsrad oder per Fußpedal ist die Öffnung der Hi-Hat fließend kontrollierbar. So lassen sich mit einer einfachen Controllerbewegung Spielnuancen einflechten oder Steigerungen gestalten.

Im folgenden Sound-Beispiel habe ich diese Hi-Hat-Modulation eingesetzt.

 

Für die Becken (sowohl Crash als auch Ride) gibt es einen Choke-Taster. Dieser bewirkt, dass das betreffende Edelblech gestoppt wird, so wie geübte Schlagzeuger das in Windeseile fertigbringen, indem sie das Becken kurz mit der Hand festhalten. Sehr schön ist, dass das Sample hier nicht einfach abbricht, sondern (dem Höreindruck nach) ein Choke-Releasesample angehängt wird. Die Choke-Funktion wird wahlweise über Aftertouch oder per Note-Off ausgelöst (Tastaturen mit Aftertouch finden sich in den letzten Jahren immer seltener, sodass die Note-Off-Option eine gute Einrichtung ist). Beim ersten Ausprobieren der Choke-Funktion mit dem Ride-Becken kann unter Umständen Verwirrung stiften, dass diese mit der Bell- und Standard-Spielweise nicht funktioniert, sondern nur für die Edge-Spielweise (Kantenschläge) eingerichtet ist (so wie im richtigen Drummerleben).

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Hier ein Audiodemo mit gestoppten Becken:

 

Die Claps liegen in drei Größen vor: Ein einsamer Klatscher, eine kleine und eine große Gruppe. Allerdings sind sie im Gegensatz zu den Spielweisen der Hi-Hat oder Becken nicht auf drei Tasten verteilt, sondern nur via Umschalter auswählbar.

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Abgesehen von den Gestaltungsmöglichkeiten der Instrumente gibt es für den Acoustic Agent noch einen ausgewachsenen Mixer:

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Über den Mixer kann man alle Instrumente und Mikrofone einem der 16 Stereo-Ausgänge zuweisen, wenn man eine umfangreiche Nachbearbeitung mit den Mitteln des Host-Sequenzers durchführen will. Der interne Mixer hat aber auch viel zu bieten: Pro Instrument und Mikrofon gibt es neben der Standardausstattung mit Lautstärkefader, Panoramaregler, Solo- und Mute-Taster vier Aux-Wege für Effekte sowie im unteren Bereich pro Kanal vier feste Insert-Effekte, nämlich Equalizer, Kompressor, Bandsättigung und Envelope Shaper. Die Reihenfolge der seriell geschalteten Inserts kann durch Klicken und Ziehen verändert werden. Mal schauen, was man aus dem folgenden Beat machen kann.

 

Die Insert-Effekte sind relativ einfach gehalten, verfehlen aber ihre Wirkung nicht. Hier der Kompressor:

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Zusammen mit dem Envelope-Shaper, der verwendet werden kann, um die Transienten abzuschwächen oder zu betonen, hat man schon eine recht gute Kontrolle über den Klangcharakter einer Kick-Drum oder Snare.

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Die Bandsättigung …

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… produziert mehr Wärme, aber auch Kompaktheit des Klanges und Durchsetzungsvermögen.

Und dann gibt es noch den vollparametrischen Vierband-Equalizer:

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Ein lebendigeres Spiel, soweit das erforderlich erscheint, ist leicht möglich, indem man beispielsweise beim Envelope-Shaper den Lenght Regler der Snare und den Release-Regler des Beckens fließend verändert. Diese Reglerbewegung kann via Rechtsklick und MIDI-Lerndialog über ein externes Controllerkeyboard erfolgen oder per Automationsspur im Host-Sequenzer. Die Modulation der genanten Parameter erzeugt beim Ride-Becken den Eindruck etwas ungleichmäßiger Anschläge:


 

Über die vier AUX-Wege können je vier weitere Effekte eingebunden und über die AUX-Regler der Instrumentenkanäle des Mischpults für jedes Instrument dosiert angefahren werden. Nicht zuletzt finden sich im Master-Ausgang nochmals vier Insert-Effekte mit der selben Auswahl: Die Palette ist groß und umfasst neben diversen Kompressoren, Equalizern, Verzerrern, Band- und Röhrensimulatoren und Zeitverzögerungseffekten auch Exoten wie einen Ringmodulator, Frequency Shifter oder Step-Flanger. Die Auswahl an Steuerparametern ist großzügig. Mit dem Ringmodulator kann man jedes akustisches Instrument völlig verfremden. Hier greift ein LFO mit unterschiedlichen Wellenformen ein, der den Klang gehörig umkrempelt und beispielsweise ein Akustik-Drumset wie eine defekte Beatbox klingen lässt.

Hier zunächst das unbearbeitete Drumkit:

 

Und nun mit einem Ringmodulator (welcher immer einen Envelope-Follower im Beipack hat) …

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… und, um dem Lo-Fi-Charakter die Krone aufzusetzen mit einem Verzerrer-Modul

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Vom Groove-Styling zu kompletten Arrangements

Wechselt man vom Instrument- in den Pattern-Modus, erscheinen links die farbig voneinander abgesetzten Trigger-Pads, die mit Grooves gefüllt werden können. Hat man ein Kit einschließlich Pattern geladen, sind hier bereits alle Trigger-Pads belegt.

Man kann diese nun ganz herkömmlich über die Tastatur oder externe Pads abfeuern und in das Arrangement einbinden.

Bleibt man links im Pattern-Modus und rechts im Edit-Modus …

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… und hier wiederum im Karteireiter „Agent“, hat man über Style Library Zugriff auf die üppig gefüllte, kategorisierte Groove-Bibliothek von Groove-Agent 4.

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Anstatt nun eine Reihe von passenden Pattern zusammen zu stellen, kann man aber auch mit einigem Komfort und kinderleicht selbst kreativ werden.

Am besten lädt man hierzu ein Kit ohne Pattern. Ich habe mich für das Acoutic Agent Rock Kit „Love Letters“ entschieden und in das erste Pad für Verse/Chorus (Gis-1) das Pattern Disco Pop 1 geladen.

 

Anschließend habe ich bei gedrückter Alt-Taste diesen Beat auf das benachbarte Pad (A-1) gezogen, um dort eine Variation zu erstellen. Dies geht beim Acoustic Agent nämlich wunderbar intuitiv im Edit-Modus, Karteireiter Agent, unter Performance:

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Durch Bewegung des Anfassers im X/Y-Feld Intensity/Complexity kann man den Beat spielend voller gestalten oder ausdünnen (X-Achse) und die Dynamik von dezentem Trommeln bis hin zu kräftigen Hits variieren (Y-Achse). Das Erzeugen fließender Steigerungen bzw. Spannungskurven ist damit ein Kinderspiel, denn neben der Möglichkeit, nun unterschiedliche Varianten desselben Patterns zu erzeugen, kann man über MIDI-Learn oder per Automationsspur die X/Y-Position auch im Host-Sequenzer aufzeichnen. 16 Komplexitätsstufen stehen zur Verfügung. Bei den letzten Stufen wechselt der Drummer von der Hi-Hat zum Becken. Zudem gibt es mehrere Option, Akzente einzubauen – beispielsweise am Taktanfang oder zusätzlich auf das dritte Viertel. Groove Agent 4 variiert dann eigenständig die Komplexität, damit diese akzentuierten Stellen hervorgehoben werden. Als weitere Option können Fills oder Breaks für alle 2, 4, 8, 12 oder 16 Takte bestimmt werden – auch das erledigt der Agent dann automatisch. Und als weiteres Feature können die Spielweisen von Hi-Hat, Crash- und Ride-Becken festgelegt werden, z. B. alle, nur Tip (von oben) oder shrank (schräg und damit etwas scheppernd) für die Hi-Hat.

Hier ein Audiodemo mit einer kontinuierlichen Fahrt durch die Komplexitätsstufen, Betonung auf 1 und 3 sowie Fill alle 2 Takte.

 

Im Performance-Fenster lässt sich außerdem noch ein Half-Time-Beat (mit halbierter Anzahl der Snare-Schläge) erzeugen und über das Drehrad zwischen verschiedenen Songabschnitten (Intro, Main, Fill, Break, Ending) wechseln. Die oben beschriebenen Funktionen (Komplexität etc.) stehen für alle Arten von Pattern zur Verfügung.

Mit einer Mischung aus den beiden Ansätzen, nämlich

  • dem „statischen“ Erzeugen von Pattern-Varianten via copy/paste (bzw. Alt + Ziehen) und
  • dem „dynamischen“ Automatisieren der Komplexität/Intensität lässt sich nach ein wenig Übung im Handumdrehen ein variantenreiches, grooviges Drumarrangement zusammenstellen.

Um ein Arrangement im Host Sequencer aufzunehmen, bietet sich zum Einen die herkömmliche Methode des Triggerns von Pattern über das Keyboard oder über Drum-Pads an. Will man jedoch im Host Änderungen an den Pattern vornehmen, ist eine andere Lösung angezeigt: Man zieht einfach vom Groove-Agent-Pad aus das Pattern in die MIDI-Spur des Sequenzers. Dort kann man nun jeden einzelnen Schlag editieren. Genauso geht es auch in die andere Richtung: Bearbeitete Pads können vom Host-Sequenzer aus zurück auf ein Pad in Groove-Agent 4 gezogen und anschließend in der Library abgespeichert werden. Perfekt.

Wer ein Arrangement entwerfen oder Groove Agent 4 für Übungszwecke als flexiblen Begleitautomaten verwenden will, kann im Jam-Mode durch das einfache Anklicken einer Reihenfolge von Intro-, Main-, Fill-, Break und Ending-Pattern-Pads einen Ablauf zusammenstellen und dabei sogar noch in die Komplexität einzelner Pattern eingreifen (wie oben beschrieben).

Der Beat Agent

Wenn es um clubtaugliche Beats aller Couleur geht, kommt der Beat Agent zum Zuge. Vertreten sind alle Genres, die sich seit den 80er Jahren entwickelt haben, beispielsweise Minimal, Techno, Electro House, Hip-Hop, Dark Ambient, Rap, Dubstep, Chart Dance, Industrial, Drum´n´Bass. Dabei werden, ebenso wie beim Acoustic Agent, komplette Arrangements zu den jeweiligen Genres geladen. Die reinen Beatmachine-Sounds werden ergänzt durch Synthie-Klänge wie Bass, Pads & Sweeps oder Athmos. Über die Pads triggert man neben den einzelnen Song-Abschnitten (Intro, Strophe, Refrain, Fills, Breaks und Endings) auch einzelne Instrumente.

Hier eine per Drag & Drop in Cubase 7 rasch zusammengestellte Variation der Trip-Hop-Vorlage „Orpheus“:

 

Anstelle einer Bearbeitung im Host bietet der Beat Agent einen eigenen Drum-Editor, in dem einzelne Schläge samt Controllerspur bearbeitet werden können:

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Auch detaillierte Eingriffe in die einzelnen Samples (oder Loops) sind möglich. Dazu wechselt man im Pad-Bereich zum Instrument-Modus. Rechts öffnet sich ein Sample-Editor mit den Menüpunkten Main, Pitch, Filter, Amp, Sample, Slice und MIDI FX.

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Hier bleiben keine Wünsche offen. Im Main-Menü bestimmt man grundlegende Sample-Eigenschaften wie die Tonhöhe, das Panorama, die Wahl des Filters oder den Mixer-Bus.

Im Pitch-Menü kann man beispielsweise den Tonhöhenverlauf per Kurve einzeichnen. Darüber hinaus ist es möglich, ein Sample transponiert über einen Tastaturbereich bzw. auf unterschiedliche Pads zu verteilen. Diese Arbeitsweise ist insbesondere für tonale Samples wie Basstöne oder Vocal-Fragmente interessant.

Das Filter-Menü verfügt ebenfalls über eine Hüllkurve. Vom Amp-Menü (ebenfalls mit Hüllkurve) geht es bei Bedarf per Send-Regler zu den vier AUX-Wegen mit den bereits vom Acoustic Agent bekannten Insert-Effekten.
Im Sample-Menü sind per Audio-Warp extreme Verfremdungen durch eine wahlweise taktsynchrone Dehnung oder Stauchung der Samples einschließlich Formantenkorrektur möglich. Damit lassen sich selbst aus einer harmlosen Beatbox wahrlich geisterhafte Klänge zaubern:

 

Das schräge Maschinengeräusch stammt von einer geschlossenen Hi-Hat:

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Das Menü Slice dient der Bearbeitung von Audioloops. Geladen werden kann hier auch externes Material in allen üblichen Formaten einschließlich rex. Über den Befehl „create slices“ werden die Audioloops in einzelne Hits zerlegt. Die Empfindlichkeit für die Aufteilung des Loops in einzelne Fragmente ist einstellbar – somit kann man auch auf die Anzahl der Slices Einfluss nehmen. Dabei kann das Generieren von Slices über verschiedene Modi wie Transienten, Grid (Beatraster), Transienten und Grid oder manuell sowie über den Threshold und eine Minimallänge genau den spezifischen Anforderungen angepasst werden. Die einzelnen Slices werden dann auf die freien Instrumenten-Pads verteilt und können nun einzeln getriggert, zu neuen Grooves zusammengebaut und mit dem ganzen Arsenal der Bearbeitungsmöglichkeiten des Edit-Menüs zuzüglich Mixer und Effekten gestaltet werden.

Der Percussion-Agent

Geboten wird das gesamte Spektrum klassischer Percussion, wie sie im Pop, Jazz oder Rock eingesetzt wird. Unter anderem trifft man auf Timbales, Bongos, Congas, ein Windspiel, diverse Rasseln, Snaps & Claps, Claves, Holzblock und Kuhglocke.

Das Percussion-Ensemble schließt dabei nahtlos an die hohe Klangqualität des Acoutic Agent an: Alle Instrumente klingen natürlich, sind sehr sauber, detailreich und hoch auflösend aufgenommen.

Auch hier stimmt die Ausstattung mit dynamisch gestaffelten Samples – und dem Höreindruck nach sind auch Round-Robin-Samples am Werk (im Klang voneinander leicht abweichende Samples, die bei Wiederholung der selben Anschlagsdynamik im Wechsel abgespielt werden, um einen eintönigen Verlauf zu vermeiden).

Bezüglich der Gestaltungsmöglichkeiten führt uns der Weg wieder zurück zu den Bearbeitungsmöglichkeiten, die der Acoustic Agent bietet. Der Percussion-Agent benutzt diese in leicht abgewandelter Form. Auch hier verfügen die Instrumente, mehr als 20 an der Zahl, über spezifische Parameterregler, wie etwa die Lautstärke der Raummikrofone, die Tonhöhe (Tune) und eine Hüllkurve.

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Für die meisten Instrumente stehen eine ganze Reihe von alternativen Spielweisen bereit, welche über die Tasten bzw. Pads verteilt vorliegen, hier am Beispiel des Tamburins:

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Auch der Percussion-Agent verfügt über eine große Auswahl an Pattern. Diese teilen sich per default in acht Grooves und acht Phrasen einzelner Instrumente auf.

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Anders als beim Acoustic-Agent kann innerhalb eines Grooves jedoch die Komplexität der einzelnen Instrumente separat und in fünf Stufen verändert werden. Das schafft die Möglichkeit sehr detaillierter Eingriffe in den Beat des Ensembles: Man kopiert einfach einen Groove auf mehrere Pads und verändert bei den Kopien die Komplexität, Intensität oder sogar den Groove-Offset (also eine Verschiebung des Startpunkts der Phrase). Zudem kann das Tempo pro Instrument halbiert oder verdoppelt und ein Swing-Faktor eingestellt werden.

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Im folgenden Audiodemo hören Sie erst vier Takte des Preset-Grooves, dann vier Takte, in denen die Timbales durch Erhöhung des Komplexitätswertes in den Vordergrund rücken:

 

Audioqualität und Ausdruckskraft der Samples

Groove Agent 4 liefert – zumindest im 24-Bit-Betrieb eine Audioqualität, an der nicht der geringste Makel ist. Alle Instrumente sind sauber aufgenommen. Der Klang ist transparent und von allererster Qualität. Die akustischen Schlaginstrumente klingen ausgesprochen natürlich und transportieren die erstklassige Ausstattung mit Mikrofonen, Aufnahmeräumen und Tontechnik-Know-How fertig produziert in den heimischen Rechner. Für einen lebendigen Klang sorgen

  • eine sehr gute Dynamik mit einer guten Staffelung von Velocity-Layern
  • sowie – dem Höreindruck nach – Round-Robin-Samples, die zusätzlich für Abwechslung sorgen
  • Hinzu kommt die umfassende Ausstattung mit Spielweisen, die keine Wünsche offen lässt

Die Drums des Beat-Agent überzeugen durch eine enorme Bandbreite quer über alle legendären und gängigen Beat-Machines hinweg und einen Sample-Editor mit Vollausstattung.

Marktumfeld

Das Umfeld, in dem sich Groove Agent bewegt, ist nicht gerade dünn besiedelt. Hier gibt es einige Mitbewerber, die sich teils auf eine intuitive, leicht beherrschbare Bedienung zur Erstellung lebendiger Grooves spezialisiert haben, während andere mit extremen feinen anschlagsdynamischen Auflösungen werben und/oder ebenfalls eine gut ausgestattete Produktionsumgebung beinhalten. Librarygrößen reichen bis in den dreistelligen Gigabyte-Bereich.

Groove Agent 4 positioniert sich hier recht gut und punktet mit einem Komplettpaket akustischen und elektronischen Schlagwerks. Die meisten anderen Drum-Spezialisten bieten keine derart breit aufgestellte Standard-Ausstattung und müssen mit Zusatzpaketen aufgerüstet werden. Der Acoustic- und der Percussion Agent warten zudem mit einem einfach zu bedienenden Style Creator auf, der musikalisch überzeugende Steigerungen, Wechsel und nicht zuletzt das Erstellen eigener Rhythmen leicht macht. Der Beat Agent wiederum beinhaltet einen Sample Editor, der keine Wünsche offenlässt. Unterm Strich begegnen sich die Mitbewerber auf Augenhöhe. Die persönliche Wahl hängt damit von den individuellen Ansprüchen ab. Um tiefer durchzublicken ist immer eine eigene Entdeckungsreise gut – und hierfür empfiehlt sich die Demo-Version von Groove Agent 4.

Fazit

Steinberg hat Groove Agent 4 zu recht die Bezeichnung „Beat Workstation“ verliehen. Mit mehr als 22.000 Samples verfügt der Groove Agent über ein großes Repertoire an vorzüglich aufgenommenem Klangmaterial. Vom akustischen Drummer über ein vielköpfiges Percussion-Ensemble bis zu einer umfassend angelegten Palette an Drum-Machine-Sounds bleiben kaum Wünsche offen. Die akustischen Instrumente überzeugen mit abwechslungsreichem, natürlichem Spiel und guter dynamischer Auflösung. Für die meisten Instrumente werden mehrere Spielweisen angeboten.

Eigene Grooves und Arrangements lassen sich nach kurzer Lernphase schnell und überzeugend erstellen. Dafür sorgt der Style-Player: Mit wenigen Klicks kann die Komplexität, die Intensität sowie der Reichtum an akzentuierten Schlägen für jedes Pattern definiert werden. Beim Percussion-Agent lässt sich sogar die Komplexitätsstufe für jedes einzelne Instrument eines Patterns definieren.

Wer nicht selbst basteln möchte, findet unter rund 3.800 Grooves mit Sicherheit einen inspirierenden Beat. Sehr elegant gelingt auch die Kommunikation mit dem Host-Sequenzer. Unter Cubase 7 kann man per Drag & Drop MIDI-Pattern vom Pad des Groove-Agent in den Track des Sequenzers ziehen, dort bearbeiten und wieder zurück auf ein Pad des virtuellen Drummers ziehen.

Weitere Highlights sind der Sample-Editor des Beat-Agent mit Funktionen wie Audio-Warp (zur Dehnung/Stauchung) mit Formantenregler, ein Slicer, der einen Loop bei Bedarf in einzelne Hits zerlegt, welche Groove-Agent 4 per Classifier kategorisiert (Bassdrum, Snare, Hi-Hat) und auf die Pads als neue Einzelinstrumente verteilt.

Über einen mit Effekten gut ausgestatteten Mixer kann der Sound weit reichend geformt werden. Per Kompressor und automatisierbarem Envelope-Shaper kann man beispielsweise überzeugend klingende Varianten in der Klangfarbe einer Snare erzeugen, die kleine Unregelmäßigkeiten im Anschlag des Fells simulieren. Die Effektabteilung, unter anderem mit Ringmodulator und Verzerrer kann aber auch dazu verwendet werden, experimentell bis destruktiv in die Klänge einzugreifen: Abseits des edlen Hi-End-Klangs der Originalsamples ist von einer kaputten Vintage-Beatbox bis zu einem Maschinenpark-Neo-Industrial-Style alles drin.

In einem nicht gerade dünn besiedelten Marktsegment empfiehlt sich Groove-Agent 4 als Workstation mit breit aufgestelltem Instrumenten- und Rhythmusangebot sowie ausgefuchsten Spezialfunktionen. Der Preis ist günstig.

Alle Details und Möglichkeiten zu entdecken, benötigt eine Weile. Das enorme Potential, welches Groove-Agent 4 in sich trägt, wird man nicht auf die Schnelle ausschöpfen können – Blicke ins (auch deutschsprachige) Handbuch sowie diverse Tutorial-Videos auf der Steinberg-Homepage helfen beim tieferen Einstieg.

Plus

  • Umfassende Ausstattung mit akustischen und elektonischen Drums und Percussion
  • Lebendiger, dynamischer Klang
  • Intuitiv bedienbarer Style-Player zum Erstellen eigener Phythmen
  • Audioloop-Slicer, Sample-Editor und Classifier
  • Drag & Drop – Kommunikation mit Cubase 7

Minus

Systemvoraussetzungen

  • Windows 7 aufwärts
  • Mac: ab OSX 10.8
  • VST 2.4; VST 3; AU
  • USB eLicenser nötig

Preis

  • 179.- EUR (Box oder Download)
  • Update von Groove Agent 2 oder 3: 99,99 EUR (nur Download)