Test: Toontrack Progressive EZX und Progressive Foundry SDX

Die beiden Erweiterungs-Pakete für Toontracks virtuelle Drummer bedienen härtere Gangarten des Rock. Als Fundus einer Vielzahl von Einzelinstrumenten, vor allem Becken, kann man sie jedoch genreübergreifend einsetzen.

Progressive EZX ist eine Erweiterung für den EZdrummer 2 und stellt eine Auswahl der großen SDX-Library dar. Progressive EZX wiegt insgesamt 3,2 GB, ist natürlich auch für einen kleineren Betrag zu haben als die große Lösung und profitiert von dem Kreativ-Tool für Groove Arrangements der EZdrummer Engine, welches vor allem Nicht-Schlagzeuger tatkräftig bei der Erschaffung echt wirkender Grooves unterstützt und aus unserer Sicht die derzeit beste Lösung auf diesem Gebiet ist. Eine Auswahl an Grooves ist an Bord. Hier die Links zu Test und Tutorial von EZdrummer 2.

Recording und Studiotechnik

Das SDX Expansion-Pack für den Superior Drummer, Toontracks Drum-Flaggschiff, ist mit 58,5 GB ein Schwergewicht. Neben der üppigen Ausstattung mit Velocity-Layern und Round Robins erlaubt die Superior Engine mehr Feinschliff an den einzelnen Instrumenten.

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Zum Lieferumfang gehören auch hier nicht nur verschiedene Drum-Kits und Mixereinstellungen, sondern auch Grooves. Aufgenommen wurden beide Libraries in den Sing Sing Studios, Melbourne, über eine Neve-Konsole, eingetrommelt von Steve Judd.

Wir starten mit Progressive EZX für den EZdrummer:

Geboten werden drei komplette Kits, zahlreiche Becken (Ride, Crash, Splash, China) sowie 14 produktionsfertige Presets mit einer Kombination aus Drums und Mixereinstellung.

Zu den Kits von Ludwig, DW und Pearl in verschiedenen Abmischungen und Kombinationen von Einzelinstrumenten ein Überblick:

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Das Blech ist mit Hi-Hats und Becken aller Art der Hersteller Zildjan, Paiste und Sabian vertreten.

Es steht eine große Auswahl an Instrumenten zur Verfügung, und natürlich kann man sich auch sein eigenes Kit zusammenstellen, die Trommeln abmischen und stimmen sowie die Mikrofonierung anpassen. Nähere Angaben zu den Möglichkeiten der Engine finden Sie in dem oben erwähnten Test und Tutorial.

Wir werfen einen Blick auf die Bassdrums:

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Sie sind unterschiedlich gestimmt, alle drei jedoch wuchtig. Den sattesten Klang hat die Pearl Masters Extra mit 18 x 22 Zoll, hier zusammen mit einer Mapex Marble Black Panther Snare und einer Paiste Hi-Hat:

 

Benutzt habe ich das Kit Default DW. Der Beat stammt aus der inbegriffenen Groove-Library:

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Die Grooves stammen übrigens nicht von Steve Judd (der war nur bei den Aufnahmen der Samples beteiligt), sondern von Brody Simpson (Antistatic).

Das Crunchy Kit hört sich schon ganz anders an (Snare: Metro Jarrah Ply, Bassdrum: DW Collector´s Maple, Hi-Hat: Zildjan A Custom mastersound/Sabian AAX).

 

Ein Blick in das Mixer-Menü zeigt, dass über den Crunch-Kanal angezerrte Sounds beigemischt werden.

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Die drei grünen Regler „Send to Snap“ bewirken, dass der Anschlag der Snare, also die Transienten, betont werden. Diese werden über den Snap-Kanal beigemischt.

Das Kit „Default Ludwig“ beinhaltet die Ludwig Bassdrum, die etwas weniger rund, dafür knalliger und heller klingt.

Unter den mitgelieferten Grooves kommen die Toms vor allem bei den Fills zum Einsatz. Daher habe ich mit ein paar schnellen Handgriffen aus dem zuletzt verwendeten Groove ein Tom-dominiertes Pattern erstellt: Ich habe die Powerhand von der Snare auf das zweite Standtom verschoben und die anderen Tomschläge mit der Style-Engine erzeugt:

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Dreht man (im Edit Play Style – Modus) an dem Amount-Regler eines Instruments, so werden Schläge in definierbarer Anzahl hinzugefügt. Dabei verwendet die Engine einen Algorithmus, der das Spiel eines echten Schlagzeugers zugrunde legt. Unnatürliche Mehrfachschläge, für die man drei Hände bräuchte, werden so vermieden. Die Hi-Hat habe ich auf Pedalbetrieb umgestellt und einen Shaker aus der Percussionabteilung (oben rechts in der Abbildung) hinzugefügt.

 

Kompakt und energiegeladen klingt das Kit „Keep it Tight“:

 

Hier haben wir wieder die fette Peal Masters Extra (Bassdrum) und die Jarrah Ply (Snare) an Bord.

Den Klangcharakter bestimmt unter anderem eine Ambience eines sehr kleinen Raumes sowie ein kurzer Hall, der überwiegend aus frühen Reflexionen besteht. Die mitgelieferten Mixereinstellungen sind ebenso prägend wie geschmackvoll und stilsicher. Will man den Sound verändern, reicht es aus, die Lautstärkeverhältnisse von Direktmikrofonen und Effekten zu modifizieren. Die Direktabnahmen liefern übrigens angenehm trockene Klänge ohne dabei das Ausklingen der Felle und Becken abzuschneiden. Führt man sie über die Einzelausgänge der Engine in den Host, so kann man dort nach Lust und Laune externe Effekte einbinden.

Hier die Toms „nackt“, also über die Direktmikrofonierung, Einzelausgang und ohne weitere Bearbeitung.

 

Die Toms sind bereits im Panorama angeordnet, können bei EZdrummer nicht einzeln auf andere Positionen verschoben, wohl aber im gesamten Panorama durch einen linken und einen rechten Panoramaregler. So können Sie als Gruppe über die gesamte Stereobreite verteilt, im Extremfall auf einen Punkt konzentriert oder insgesamt mehr links oder rechts angeordnet werden.

Die Verlockung ist zu groß: Ich teste kurz die kürzlich vorgestellten Positive Grid – Kompressoren mit Toms und Bassdrum und füge noch eine Snare hinzu, die hier allerdings eher einen ornamentierenden Charakter übernimmt und nicht die Hauptrolle spielt.

 

Die Jarrah Ply Snare hat einen schönen, prägnanten Klang. Die Ludwig Stainless Steal Toms wirken ausgesprochen knackig. Voluminöser und mit „singendem“ Ausklingen der Felle präsentieren sich die DW-Toms, die richtig Dampf machen:

 

Etwas zurückhaltender und neutraler die Pearl-Toms:

 

Bevor wir zu den Becken kommen, testen wir die Samples auf Velocity-Layer und Round Robins. Dazu nehmen wir exemplarisch die Metro Jarrah Ply Snare.

Zunächst die Velocity-Layer:

 

Dem Höreindruck existieren mindestens fünf Velocity-Layer, die nicht ganz gleichmäßig verteilt sind: Im Bereich von Mezzoforte aufwärts kommen etwa vier Velocity Layer zum Einsatz, bei Pianissimo und Piano nur einer. Das kommt dem praktischen Gebrauch bei Hardrock entgegen. Die Ausstattung mit Round Robins sorgt zusätzlich für Abwechslung, sodass auch bei geringer Anschlagsstärke nicht der gefürchtete Machinegun-Effekt eintritt.

Hier der Test auf Round Robins bei statischer Velocity (Wert 100):

 

Es ist schwer auszumachen, ob drei oder vier Round Robins verwendet werden. Die alternierenden Wiederholungssamples wechseln nicht in einer sturen Abfolge, sondern randomisiert. Insgesamt klingt die Snare auch bei gleichbleibender Anschlagsstärke so, als würde der Drummer jedesmal mit leichten Abweichungen auf das Fell schlagen.

Für das günstige EZdrumer Expansion Pack mit seinem im Vergleich zur Ausstattung des Superior Drummers SDX begrenzten Samplepool ist diese dynamische Performance exzellent.

Zum edlen Blech:

Drei Hi-Hats sind an Bord …

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… und das mit einer großen Auswahl an Spielweisen: Diverse Kanten- und Mittelschläge, verschieden offen gespielte Varianten, offen und geschlossene Pedalstellungen. Ganz wie bei den großen Drum-Flaggschiffen.

Hi-Hat sowie Becken klingen angenehm lange aus und bieten im Ausklingen alle Feinheiten und Nuancen. Besonders kommt das bei der offenen Hi-Hat zum Tragen, bei der sich die Becken im Ausklingen noch einmal berühren.

 

Auch hier werden durchgehend Velocity-Layer und Round Robins eingesetzt, sodass das Spiel äußerst lebendig wirkt.

Hier die Sabian AAX Hi-Hat mit vier offenen Positionen im Wechsel und steigender Dynamik:

 

(Anno 2016 haben wir uns schon sehr weit von den Ursprüngen des Samplings entfernt, als das Blech immer gleich schepperte. Ich bin immer wieder verwundert, wie stiefmütterlich manche Hardware-Synthesizer mit Sample-Board dieses Thema immer noch behandeln und mit einem unzeitgemäß kleinen Speicher und entsprechend wenig dynamisch abwechslngsreichen Drums aufwarten.)

Die Auswahl an Becken und verschiedenen Artikulationen für Ride, Crash und China-Cymbals ist immens.

Für das sehr fein ausklingende 20 Zoll Sabian HHX Evolutiuon Ride gibt es neben den herkömmlichen Schlägen auch Bell-Hits. Hier zusammen mit der Ludwig Bassdrum und der Phy-Snare mit einem Wechsel von Sidestick, Rimshot und Edge-Schlägen.

 

Einige Becken bieten Hits und Mute Hits (abgedämpfte Schläge, bei denen das Becken im Ausschwingen mit der Hand gestoppt wird). Erfreulicherweise wird das Release eines nicht abgedämpften Schlages nicht fortgeführt, wenn ein Mute-Hit auf das selbe Becken folgt.

Das 20 Zoll Zildjan A Custom Crash: Erst ein ausklingender Hit, dann der selbe Schlag, direkt gefolgt von einem Mute-Hit.

 

Was EZdrummer nicht bietet, ist eine Dämpfung, mit der man den Mute-Hit verkürzen könnte oder ein sofortiges Abklingen von Mute-Hits beim Note Off. Die Länge der Mute-Hits ist durch die Samples vorgegeben und kann nicht angepasst werden, etwa um exakt temposynchrone Mutes zu erzeugen.

 

The Progressive Foundry SDX

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Toontracks SDX-Erweiterung „Progressive Foundry“ für den Superior Drummer bietet 17 Snares, 9 Bassdrums, 5 Hi-Hats und 31 Becken (Zildjan, Paiste und Sabian), aufgenommen über 26 separate Mixer-Kanäle. Eine derart reichhaltige Auswahl an Blech findet man selten unter Expansion-Packs für virtuelle Drummer.

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Fünf Kits stehen zur Verfügung, zwei davon wurden ohne Netz an der Snare aufgenommen.

Hier die Auswahl an Bassdrums:

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Soundmässig wird alles geboten, was im Rock Verwendung findet: Knackige, kernige Bassdrums ebenso wie fette und satte Varianten oder raumgreifende „boomy“ Kicks.

Bei den Snares sieht es nicht anders aus:

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Man erhält alles, was das Herz begehrt. Auch wenn die Hardrock-Gilde im Fokus steht, wird manche dieser Snares auch in anderen Genres Verwendung finden.

Die Hi-Hats:

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Zur Verdeutlichung der Klangvielfalt verwende ich einen Groove aus der Abteilung Straight, 4/4 Takt, Ballads, 67 BPM. Diesen Groove findet man in der zum Expansion-Pack gehörenden Groove-Library:

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Zunächst mit der Standard-Ausstattung des DW Collector´s Full Kit:

 

Von der Paiste-Hi-Hat wechsele ich zur nicht ganz zu hell und sibern klingenden Sabian Hi-Hat.

Statt der Mapex Black Panther Maple nehme ich die Ludwig Black Beauty Snare, und die Kickdrum DW Colector´s Maple tausche ich gegen die Ludwig Stainless Steel.

Solche Wechsel kann man übrigens knackfrei bei laufendem Playback vornehmen. So kann man in Echtzeit das Kit zusammenstellen und den Sound verfeinern. Superior Drummer macht das alles mit und läuft im Übrigen absolut stabil. Und nicht nur das: Im Gegensatz zu manch anderem hochdotierten Sampledrummer bleibt die Anforderung an die CPU erfreulich niedrig, nämlich deutlich unter 20 Prozent bei niediger Latenz (128 k Puffergröße, 24 Bit, 44,1kHz). Das gilt auch für die CPU-Peaks.

 

Die Ludwig Black Magic Brass Snare klingt (ohne Teppich) regelrecht singend und verleiht dem Groove eine tonale Note. Dazu passt die Zildjan Mastersound Hi-Hat. Zudem kommt jetzt das Sabiam Vault Crash zum Einsatz.

 

Um Snare und Bassdrum etwas mehr Volumen zugeben, habe ich zunächst im Mixer Übersprechungen eingerichtet (Näheres dazu in unserem Test zu Superior Drummer):

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Anschließend habe ich für Bassdrum und Snares Kompressoren eingesetzt. Die Bassdrum wird nun recht wuchtig, die Snare tritt deutlich hervor, auch mit den Klangnuancen im Sustain/Release. Die Hi-Hat habe ich mit dem EQ etwas heller gemacht.

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Auch im Summenausgang habe ich einen Kompressor mit Ratio 1:1,5 eingesetzt.

 

Auch diese Operationen mit internen Effekten laufen problemlos in Echtzeit ohne den Bedarf an Rechenleistung spürbar zu erhöhen. Man kann Superior Drummer problemlos Live mit niedrigsten Latenzen verwenden ohne Audioaussetzer oder gar Stabilitätsprobleme fürchten zu müssen.

Mittels Filter bietet Superior Drummer auch Verfremdungsoptionen. Um dem Beat eine synthetische Komponente mit auf den Weg zu geben, habe ich Ludwig Toms eingespielt und diese mittels Gate, Filter und Kompressor bearbeitet:

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Wir wechseln zum Ludwig Satinless Steel Kit und schnappen uns einen Mid Tempo – Groove:

 

Am Ende hört man, wie schön die Hi-Hat ausklingt. Im Testteil zum EZdrummer EZX haben wir schon festgestellt, dass Becken mitsamt Hi-Hat sauber und facettenreich ausklingen. Das ist beim großem Paket natürlich nicht anders.

Das Rogers-Kit mit demselben Beat:

 

Wir wechseln zu einem Uptempo Beat. Hierfür eignet sich das Pearl Masters Extra Kit:

 

Sehr schön präsentiert sich die Pearl Sensitone Brass Snare mit den Ghost-Notes.

Wir wechseln von der Pearl Masters Extra Bassdrum zur Orange County Acrylic und bearbeiten diese mit EQ und Kompressor. Übrigens gibt es im Mixer mehrere Bassdrumkanäle wegen der aufwändigen Microfonierung – und zwar gleich fünf an der Zahl. Will man nun einen Kompressor mit den selben Einstellungen in anderen Bassdrum-Kanälen verwenden, verschiebt man diesen einfach mit gehaltener Alt-Taste.

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Für die Hi-Hat nehmen wir eine Pearl Black Label Sound Edge, hübschen sie mit dem EQ ein wenig auf und sorgen per Hüllkurve dafür, dass die Sustain/Release-Phase nicht allzu laut und aufdringlich wirkt:

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Während ich den Groove im Hintergrund durchlaufen lasse, merke ich, dass dieser auch nach Minuten nicht nervt. Das liegt daran, dass in ihm Leben bzw. ein gelungenes Micro-Timing steckt.

Hier ein Ausschnitt einiger Hits mit hinterlegtem 32tel-Raster:

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So etwas schafft man auch mit einer intelligenten Quantisierung nicht. Das müsste man schon selbst virtuos eintrommeln. Schön, dass Toontrack solche lebendigen Grooves in großer Zahl mitliefert. Man kann sie natürlich auch außerhalb von Superior Drummer verwenden. (BFD3 bietet beispielsweise Toontrack Templates) oder, entsprechend angepasst, als Quantisierungsvorlage für andere, nicht percussive Instrumente nehmen, etwa für den Bass.

Jetzt aber zum Audiodemo:

 

The Progressive Foundry beherrscht auch ungerade Rhythmen, etwa 5/4 oder 7/8, in verschiedenen Originaltempi und jeweils mit einer Reihe von Alternativen für Intro, Verse, Pre-Chorus, Bridge, Chorus und Fills. Da die Grooves auf MIDI-Files basieren, können sie artefaktfrei in beliebigen Temoi abgespielt werden.

Im nächsten Audiodemo hören Sie eine etwas längere Passage im 7/8-Takt, bestehend aus einer Strophe, zwei aneinandergehängte Fills sowie einen Refrain. Man beachte den dynamischen Einsatz der Hi-Hat mit Artikulationswechseln zwischen Offen und Geschlossen, sowie die im Stereopanorama agierenden Becken.

 

Nun hören wir uns diesen Beat noch einmal mit dem DW Collector´s Full Kit der Superior Drummer SDX und dann mit dem DW default Kit der EZdrummer EZX Erweiterung an.

 

Zum besseren Vergleich habe ich hier zwischen den beiden Tracks hin- und hergeschaltet (wie in der Abbildung ersichtlich).

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Es geht los mit dem Superior Drummer:

 

Die EZdrummer-Variante klingt fleischiger und kräftiger, dafür nicht so fein und detailreich. Die Gründe dafür sind, dass das EZdrummer EZX die Anschlagsdynamik anders umsetzt: Hier wird der Bereich oberhalb von Mezzoforte abgebildet. Besonders gut hört man das bei der Hi-Hat. Auch die Mixer-Einstellungen sind nicht identisch. Das Superior Drummer SDX bietet deutlich mehr Mikrofonkanäle. Die Superior-Drummer-Variante klingt feiner, detailreicher und transparenter. In puncto Audioqualiät können beide überzeugen.

Hier habe ich für das EZdrummer EZX die Anschlagsstärke in Cubase komprimiert und das dynamische Verhalten von Bassdrum und Hi-Hat über den Level-Regler der Instrumente reduziert:

 

Die Transparenz und das offene Klangbild vom Superior Drummer SDX wird dennoch nicht erreicht. Dafür müsste man über die Einzelausgänge gehen, die EZdrummer ja auch bietet, und mit externen Equalizern, Transiententools und Kompressoren am Feinschliff arbeiten.

Nicht vergessen wollen wir den Round-Robin und Dynamik-Test beim Superior Drummer EZX, exemplarisch am Beispiel der Mapex Black Panter Maple Snare:

 

Dem Höreindruck nach sind etwa 5 anschlagsdynamische Layer auszumachen – kein deutlicher Unterschied zum EZdrummer. Für Abwechslung sorgen auch hier Round Robins, die in zufälliger Abfolge ausgewählt werden:

 

Klangqualität und Authentizität

Die Klangqualität beider Erweiterungs-Sets ist ausgezeichnet. Die Instrumente wurden stilsicher mit passendem Equipment aufgenommen und transportieren von Haus aus und ohne eine umfangreiche Nachbearbeitung einzufordern einen musikalischen Rock/Hardrock-Sound auf den Rechner.

Punch, Druck, Wärme, Transparenz, Detailreichtum – in allen Punkten zeigen die Toontrack-Packs keine Schwächen. Im Gegensatz zu manch anderer, auf Hochglanz aufpolierten Library, passt hier auch der Sound, zu dem die für die Aufnahme verwendete Neve Konsole eine nicht unwesentlichen Beitrag leistet, zum Stil – was nicht heißen soll, dass man diesen Fundus an Drums, Hi-Hats und Becken nicht auch abseits von Metal und Hardrock verwenden könnte.

Während mancher Mitbewerber eine SSD-Festplatte für ein ultraschnelles Streamen von Samples empfiehlt (und das aus gutem Grund), geben sich die Toontrack-Drums äußerst genügsam. Eine Überforderung einer herkömmlichen Festplatte mit 7200 Umdrehungen kommt nicht auf; auch die gefürchteten CPU-Peaks, die manch moderne Sample-Linrary produziert, bleiben aus.

Crossover-Anwendungen

Beide Produkte bieten Grooves, und EZdrummer bringt zudem noch eine Engine mit, mit der man ohne Pattern modifizieren, etwa verdichten oder in eine geringere Komplexität überführen kann, ohne vorher am Schlagzeug gelernt zu haben. Solche Eingriffe sind für jedes einzelne beteiligte Instrument machbar; zusätzliche Instrumente können bei Bedarf hinzugefügt werden.

Wer beide Engines hat, EZdummer 2 und Superior Drummer, kann die Grooves aus Superior Drummer über Import MIDI File in EZdrummer importieren, bearbeiten und dann über Superior Drummer wieder abspielen.

Auch ist es möglich, die Grooves über andere Drum-Libraries abzuspielen, was besonders einfach geht, wenn diese über EZdrummer-Templates (und über ein entsprechend angepasstes Mapping) verfügen. Dann genügen oft kleine Nachbesserungen.

Preisfrage: Hier wird ein Superior-Drummer Groove benutzt. Aber welche Drums kommen zum Einsatz? (Die ersten 100 Kommentatoren mit der richtigen Antwort erhalten im Apple Store unsere beiden iBook Magazine kostenlos; LINKS: iBook 1; iBook2)

 

Fazit

Toontracks Progressive Foundry SDX für den Superior Drummer überzeugt mit stilsicher abgemischten Drums, Hi-Hats und Becken. Die Kits lassen sich lebendig spielen – dank Velocity-Layern und Round Robin Samples. Eine große Auswahl an Grooves bietet Vorlagen in allen möglichen Tempi für ein authentisches Schlagzeugspiel.

Die Ausstattung mit Snares, Bassdrums und vor allem das riesige Arsenal an Becken lässt kaum Wünsche offen. Auch mit fünf Hi-Hats ist man zumindest für den Pop-Rock-Bereich erst einmal ausreichend versorgt. Die Library lässt sich ohne Probleme auch abseits des im Fokus stehenden Hardrock/Metal-Genres einsetzen.

Diese Drums klingen organisch und musikalisch, nicht auf Hochglanz poliert oder hyperreal überzeichnet. Sie klingen wie von einem leibhaftigen Drummer gespielt und mit edlem Analogequipment aufgenommen. Für überzeugende Grooves sorgt unter anderem ein virtuoses Microtiming, eine dynamische Hi-Hat mit Artiulationswechseln sowie Ghost-Notes bei der Snare. Bassdrum und Snare treten dominant hervor, wie das beim Hardrock auch sein soll. Es genügen wenige Handgriffe, diese Dominanz fein dosiert in Schranken zu weisen, wenn man die Grooves für andere Zwecke verwenden will.

Die kleinere Auswahl des Progressive EZX für Toontracks EZdrummer kann sich ebenfalls hören lassen. Soundmässig sind gegenüber den großen Paket keine gravierenden Einschränkungenn feststellbar. Auch hier wird professionelle Ware geboten. Allerdings ist die Auswahl an Instrumenten eingeschränkt. Mit der EZdrummer Engine kann man zudem die Grooves auch ohne Kenntnisse des Drummings praktisch beliebig variieren und neue Intros, Verse, Pre-Chorus, Chgorus, Fills erstellen.

Wer beide Engines sein eigen nennt, sollte sich die Progressive Foundry SDX zulegen und bei Bedarf deren MIDI-Pattern in den EZdrummer laden, dort modifizieren und dann mit dem Superior Drummer abspielen.

Für kleines Geld gibt es bei Toontrack übrigens eine große Auswahl an virtuos eingespielten Grooves in Form von MIDI-Packs. Diese lassen sich auch mit anderen Drum-Libraries verwenden. Besonders einfach geht das, wenn diese über ein konformes Mapping verfügen, also über Toontrack-Templates.

Der Preis für beide Expansion Packs ist sehr kundenfreundlich.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • Warmer, musikalischer Grundsound
  • gute Audioqualität
  • riesige Auswahl, insbesondere an Becken (SDX)
  • praxistaugliche, großzügige Ausstattung mit Grooves
  • einfache Bedienung
  • geringe CPU-Last, keine besonderen Anforderungen an die Festplatte
  • günstiger Preis

Minus:

  • Länge der Mute-Beckenschläge nicht regulierbar oder zum Tempo synchronisierbar

Preise:

  • Progressive EZX: 69.- EUR
  • The Progressive Foundry SDX: 159.- EUR

Systemvoraussetzungen:

EZdrummer 2 (EZX), Superior Drummer (SDX)

Hersteller: Toontrack

Produktseiten:

Progressive Foundry SDX

Progressive EZX

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