Test: Tone2 RayBlaster

RayBlaster verspricht ein Synthesizer der Extraklasse zu sein, denn hier kommt eine neue Syntheseform mit dem Namen IMS (Impulse Modeling Synthesis) zum Einsatz, die bislang ungehörte Klänge bieten soll. Lesen Sie in unserem Test, was es damit auf sich hat und wie sich dieses neue Software-Instrument in der Praxis schlägt.

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Überblick

Im Gegensatz zur konventionellen subtraktiven Synthese, bei der die Oszillatoren der virtuellen Instrumente in der Regel durch geloopte Wellenformen gespeist werden, greift die IMS auf kurze Audioimpulse zurück, welche zu einem Klang zusammengefügt werden. Diese Form der Klangsynthese wird vom Hersteller in Analogie zu den Vorgängen im menschlichen Innenohr gesetzt, wo ebenfalls kurze Bewegungen der Sinneshärchen als Impulse von den Nervenzellen registriert und im Gehirn als Klangbild erkannt werden. Als Quelle für die neue Syntheseform dienen zwei ineinander überblendbare Samples, Loops, Wellenformen oder Impuls-Response-Antworten von Filtern. Über eine herkömmliche Filterabteilung verfügt RayBlaster nicht. Die kurzen Samples werden von den RayBlaster-Oszillatoren in rhythmischer Folge oder chaotischen Mustern als musikalisch verwertbares Klangereignis wiedergegeben. Eine Reihe von Parametern stehen zur weiteren Klanggestaltung bereit. Rhythmische Folgen können zum Songtempo synchronisiert werden, sehr tief gestimmte Oszillatoren erzeugen Klänge, die an einen Granularsynthesizer erinnern. (Im Gegensatz zu einem Granularsynthesizer sind die Klangergebnisse von RayBlaster jedoch auch in tiefen Lagen von einer einzigartigen Detailtreue und nie verschwommen oder verfärbt.) Eine reichlich ausgestattete Library gibt es nicht nur für fertige Patches (komplette RayBlaster-Konfigurationen mit Einbindung der Modulationsmatrix und der Effektabteilung), sondern auch für das Quellmaterial der Oszillatoren, einschließlich IR-Files von Filtern. Sogar für den Arpeggiator gibt es Vorlagen. Abgesehen vom oben genannten Quellmaterial können auch eigene Samples als PCM-codierte WAV-Dateien oder Impulsantworten geladen werden. RayBlaster läuft als VST- und AU-Plug-in auf Mac und PC.

Bevor es mit dem Praxisteil und der Architektur von RayBlaster weitergeht, ein paar Audiodemos zur Einstimmung:

Und es gibt doch Leben auf dem Mars:

Futuristische Glöckchen-Rhythmik (mit zwei RayBlaster-Instanzen):

Einführung in die Anatomie eines Cellos:

Variationen eines Schiffsmotors:

Galaktische Beats:

Installation

RayBlaster ist als Download erhältlich und bringt knapp 114MB auf die Waage. Die Installation erfolgt automatisch, die Freischaltung über ein Key-File, welches an einem beliebigen Speicherplatz abgelegt werden kann und beim ersten Start des Plug-ins zugewiesen wird. Das GUI wird daraufhin mit der Email-Adresse des Käufers signiert.

Die Bedienfelder

Die Bedienung erfolgt vollständig über das Hauptfenster, welches sich unterteilt in die Oszillator-Displays, die Oszillator-Kontrollparameter, Verstärker/Glide/Drive/Unisono-Feld, Browser mit Zusatzfunktionen (etwa dem Import eigener Samples und Drumloops via Resynthesis und Loop Resynthesis), Arpeggiator/Effekte/Modulation/Setup, zwei LFOs, zwei Hüllkurven sowie das virtuelle Keyboard. Innerhalb der blauen Displays gibt es weitere Aufklapp-Menüs, etwa für die Auswahl des Basisklangmaterials für die Oszillatoren. In diesen Displays werden Parameterwerte als Zahlen angegeben und können durch Klicken und Ziehen mit der Maus verändert werden. Ansonsten stehen diverse Taster und Regler für den Eingriff ins Klanggeschehen zur Verfügung. Deren aktuelle Werte werden im zentralen unteren Display in der Fußzeile angezeigt.

Die Oszillatoren

RayBlaster ist mit zwei Oszillatoren ausgestattet, in die zunächst jeweils zwei mischbare Samples bzw. Wellenformen oder auch Impulsantworten eines Filters geladen werden. Diese werden als Wellenformen dargestellt; die darüberliegende, durchsichtige, hellblaue Form (in der unteren Abblidung einem liegenden Tropfen ähnlich) nennt sich Oszillatorfenster (Osc Window).

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Die Auswahl an Samples, Wellenformen und Impulsantworten (Filt_xyz-Dateien) ist reichlich, hier ein Ausschnitt:

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Der Grundklang des Oszillators wird nicht nur durch das Audio-Quellmaterial, sondern auch durch das „Oszillatorfenster“ bestimmt, dessen Bezeichnung zunächst Rätsel aufgibt. Der grafischen Darstellung und dem Höreindruck nach zu urteilen, übernimmt hier eine weitere Wellenform eine übergeordnete Dynamikkontrolle des aus dem Quellmaterial gewonnenen Impulsmusters und wirkt darüber hinaus auch auf dessen Frequenzspektrum ein.

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Je nach Oszillatorfenster klingt RayBlaster weicher oder härter. Dem englischsprachigen PDF-Handbuch ist zu entnehmen, dass bestimmte Oszillatorfenstervorlagen aus dem Aufklappmenü sich für bestimmte Zwecke eignen: Cosine wird als Allrounder und speziell für Klänge ähnlich denen eines Granularsynthesizers empfohlen; Sägezahn- und exponentielle Oszillatorfenster seien die beste Wahl für Filter oder Drum-Loops. Letztendlich hilft Ausprobieren. Klangforschungen mit RayBlaster sind (zumindest in der Einarbeitungsphase) sowieso von überraschenden und mitunter inspirierenden Wendungen gekennzeichnet.

Der Parameter Harmonic mit einem Regelbereich von -128 bis +16 eröffnet eine Bandbreite von dumpfen über weiche (bei negativen Werten) bis zu sehr brillanten, schrillen und kratzenden Klangfarben (bei positiven Werten). Hier wird die Struktur harmonischer Obertöne bestimmt. Offenbar werden von Wert zu Wert weitere Obertöne hinzugefügt oder herausgenommen aber (zwischen den Werten) nicht ein- oder ausgeblendet. Modulationen des Harmonic-Parameters (über die Modulationsmatrix einzurichten) führen daher zu schrittweisen, sprunghaften Klangveränderungen – wobei a) die Schritte oder Sprünge aufgrund der hohen Auflösung von 144 Werten klein sind und b) die daraus resultierenden, im Ansatz etwas brüchigen, rauen Klangfahrten durchaus ihren Reiz haben. Des Weiteren hat man die Wahl zwischen acht verschiedenen Reihenfolgen bzw. Mustern, die den Ablauf der Impulse bestimmen, im Handbuch als Oszillator Pulsbreitensequenz bezeichnet.

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Tipp für Leser, die diesen Test mit der Demo-Version begleiten: Der Klang wird sofort lebendig, wenn man die Pulsbreite durch einen LFO moduliert (über die Matrix, siehe unten). Drei verschiedene Arten von Rauschen können pro Oszillator beigemischt werden: Rosa- und Formantenrauschen eignen sich beispielsweise für rauere bis hauchigere Klänge, Amplitude Noise bringt ungleichmäßige Störungen in den Lautstärkeverlauf des Audiosignals und eignet sich für geräuschhafte Klänge. High-Boost verstärkt hohe Formanten, wird aber erst spürbar wirksam, wenn der Formantenregler im Oszillator-Kontrollfeld jenseits der 12-Uhr-Position eingestellt ist.

Das Oszillator-Kontrollfeld

Hier finden sich die wesentlichen Regler zur Steuerung des Klangs. Neben der Stimmung (Tune und Key), der Ausgangslautstärke und der Position im Panorama, einem Lowcut-Filter und einem Höhenabdämpfer kommt dem Formanten-Regler eine zentrale Bedeutung zu: Er regelt die Frequenz der Formanten, den Cutoff von Filter-Impulsantworten und die Tonhöhe bei Granularklängen. Dieser Parameter kann (außerhalb der Modulationsmatrix) bereits im Oszillator-Kontrollfeld von der Notenhöhe und dem Verlauf der ersten Hüllkurve abhängig gemacht werden. So hat man schnell beeindruckende Sweeps erstellt. Sync macht den Klang aggressiver. Der BPM-Taster bewirkt, dass die Impulse, die der Oszillator erzeugt, in einem rhythmischen Muster synchron zum Host-Tempo erklingen. Eine sehr interessante Sache für experimentelle Minimal-E-Drum-Kreationen, die so packend und durchschlagend sein können, wie ich sie noch von keinem anderen Synthesizer gehört habe.

Zur Demonstration von Sync und BPM hier ein und derselbe Oszillator-Grundsound (es ist nur ein Oszillator aktiv); zunächst sind Sync und BPM inaktiv:

Mit aktiver Sync-Funktion:

Mit aktiver Sync- und BPM-Funktion:

Dazu die Einstellungen:

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Neben drastisch in den Klang eingreifenden Parametern gibt es mit Phase und Drift auch subtilere Gestaltungsoptionen: Phase (in Linksanschlag) bewirkt, dass der Oszillator (im Hintergrund, während einer Spielpause unhörbar) ständig durchläuft, bei einem Note-On also nicht immer exakt am Anfang des IMS-Musters gestartet wird. Drift simuliert dezente Ungleichmäßigkeiten der Tonhöhenstabilität, wie man sie bei älteren Analogsynthesizern antrifft. Der Ringmodulator moduliert beide Oszillatoren und fügt im Bereich der Mitten und Höhen Obertöne hinzu. In Kombination mit einer LFO-Modulation eignet er sich unter anderem für experimentelle Geräuschklänge.

Klangmodulationen

Als interne Modulatoren stehen zunächst (neben der Volumenhüllkurve) zwei ADSR-Hüllkurven zur Verfügung (mit zusätzlichen Shape-Regler und Retrigger-Funktion, leider ohne grafische Darstellung des Kurvenverlaufs) sowie zwei wahlweise temposynchrone LFOs mit Standardwellenformen, dazu Sample&Hold und Ramped Noise (insbesondere Ramped Noise eignet sich für experimentelle Klänge und Texturen):

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Eine schier unerschöpfliche Liste weiterer Modulationsquellen, darunter der interne Arpeggiator sowie eine Reihe externer MIDI-Controller (einschließlich Velocity, Modulationsrad, Expression-Pedal und Aftertouch) findet sich im Aufklappmenü der Matrizen 1, 2 und 3 (siehe nächste Abbildung). Eine direkte MIDI-Lernfunktion, wie sie bei vielen anderen Synthesizern üblich ist (also per Rechtsklick auf einen Parameter), gibt es jedoch nicht.

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Die Liste der Modulationsziele läßt ebenfalls kaum Wünsche offen:

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Auch hierarchisch gestaffelte Modulationen sind möglich: Eine in der Matrix eingerichtete Modulation steuert eine andere. So kann man beispielsweise mit dem Modulationsrad eine LFO-Modulation einblenden. Eine Modulationsquelle kann mehreren Zielen zugeordnet werden und umgekehrt. Stärke und Richtung einer Modulation können eingestellt werden. Lediglich die Parameter der internen Effekte sind hier nicht enthalten. Das FX-Angebot bietet für zwei Slots eine solide Grundausstattung:

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Als Besonderheit findet sich im Setup-Menü eine Legato-Option. Da RayBlaster in der Lage ist, Klänge mit sehr prägnanter Einschwingphase zu erzeugen, ist das eine sinnvolle Sache: So hat man bei gebunden gespielten Passagen in einem Solo nicht mit jedem Anschlag ein dominantes Attack, sondern kann dieses mittels entsprechender Spielweise gezielt verwenden, um Akzente zu setzen.

Die Impuls-Modeling-Synthese von RayBlaster bringt von Haus aus sehr durchsetzungsfähige Klänge mit. Wem das noch nicht reicht, kann mittels Drive und 2- oder 4-fachem Unisono noch mehr Biss und Breite herauskitzeln:

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Zur Verdeutlichung hier ein Sound (im BPM-Modus der Oszillatoren). Im folgenden Audiodemo ist Unisono noch nicht eingeschaltet, Drive wird per Automation langsam eingeblendet:

Nun mit 4-fachem Unisono:

Ein Einschalten von Unisono bei laufender Wiedergabe und gehaltener Note würgt übrigens den Sound ab. Will man die Unisono-Funktion nur passagenweise einsetzen, so sollte der Taster in einer Notenpause aktiviert werden.

Für rhythmische Sequenzen oder Tonfolgen gibt es einen 16-Step-Arpeggiator mit Standardfunktionen wie Lautstärke, Notenlänge und Tonhöhe pro Step, Oktavumfang, Swing (lediglich in 4 nicht weiter definierten Variationen):

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Zudem gibt es in den diversen Aufklappmenüs Sonderfunktionen wie das doppelte oder dreifache Anschlagen einer Note oder eine Zufallsfunktion. Die Möglichkeiten sind also weit größer, als das kleine Arpeggiator-Fenster auf den ersten Blick vermuten läßt, die Bedienung ist allerdings umständlich. Auch hier ist ein gewisser Lern- bzw. Verständnisaufwand erforderlich, will man augefeilte Arpeggios programmieren. Allerdings steht der RayBlaster-Arpeggiator damit nicht alleine da: Auch bei vielen Mitbewerbern sind fortgeschrittene Arpeggiatoren nicht intuitiv bedienbar und eigenwillig gestaltet. Immherin gibt es für den RayBlaster-Arpeggiator eine ganze Reihe von fertigen Sequenzen, die geladen werden können. Im Gate-Modus kann der Arpeggiator als Modulationsquelle zur Steuerung aller über die Matrix verfügbaren Parameter benutzt werden.

Hier zwei Beispiele für ein RayBlaster-Arpeggio …

und

… und ein Gate-Experiment in Zusammenwirkung mit der BPM-Funktion eines der beiden Oszillatoren:

Bedienung, Klangvorlagen, Praxis

RayBlaster ist kein Synthesizer, den man in den ersten zehn Minuten durchschaut. Wenn man im Oszillatorbereich einfach aus den Pulldown-Menüs drauflos lädt, hat man keine Ahnung, was man eigentlich macht: Man trifft ahnungslos auf Impulsmodeling-Quellmaterial, Oszillatorfenstervorlagen und Pulsbreitensequenzen, auf einen High-Boost, von dem man erst einmal nicht weiß, dass er nur wirksam ist, wenn der Formantenregler entsprechend aufgedreht ist, auf einen BPM-Modus, der, unpassend angewandt, lediglich ein seltsames Klicken produziert – und steht erst einmal auf dem Schlauch.

Das Zusammenwirken von Formantparamter, Oszillatorfenster, Pulsbreitenmodulation sowie die Bedeutung der BPM-Option der Oszillatoren will erst verstanden werden. Dabei hilft ein aufmerksames Lesen des Handbuchs, begleitet von praktischen Übungen, am besten anhand der mitgelieferten Tutorial-Sounds, auf die im Manual verwiesen wird. Wem das zu schwerfällig oder anstrengend ist, dem hilft eine Reihe gut sortierter Werksklänge, unter denen man wirklich einzigartige Kreationen findet, mit denen man dann (vorsichtig, denn es gibt keine Undo/Redo-Funktion) weiter machen kann. Und wenn man dann merkt, dass in dieser Kiste ein enormes Klang- und Kreativpotential steckt, welches tatsächlich frische und so noch nicht gehörte Sounds hervorbringen kann, ist der Turnaround geschafft, und RayBlaster beginnt richtig Freude zu machen.

Hier die Patch-Kategorien der Werksklänge, die jeweils mit einer reichlichen Anzahl von Presets gefüllt sind:

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Während die PC-Version den Librarypfad intern speichert, müssen Mac-User diesen immer wieder neu eingeben, wenn abseits der Pulldown-Menüs Material (also Patches oder Arpeggiator-Presets) geladen bzw. abgespeichert werden sollen. Der Speicherpfad für Mac-User ist: Systemdisk -> Library -> Audio -> Plug-ins -> RayBlaster Sounds.

Zusätzlich zu den mitgelieferten Werksklängen bietet Tone2 optionale Sound-Expansions. Derzeit erhältlich ist das Futuron-Soundset, welches uns für diesen Test jedoch nicht zur Verfügung stand.

Eigene Wege

Spannend ist ohne Zweifel der Import eigenen Audiomaterials – soweit er denn funktioniert …

In der Studio Box Mark II, einer Geräuschesammlung für Filmvertoner, habe ich ein Luftballonquietschen gefunden (jemand reibt mit dem Finger über das Gummi). In RayBlaster geladen und mit Formanten- und Harminocs-Modulation (per Modulationsrad und Expressionpedal, zugewiesen über die Matrix) hört sich das dann so an:

Wie eingangs erwähnt, akzeptiert RayBlaster nur PCM-codierte WAV-Files. Diese sind nicht komprimiert und verlustfrei. Etwas enttäuscht war ich, als ich feststellen musste, dass z. B. aus Cubase 6.5 exportierte WAV-Dateien (16 Bit, 44,1 kHz Samplerate, mono) nicht geladen werden konnten. Dies verweigerte RayBlaster mit der Fehlermeldung „Kein PCM-Ecoding“ (Anmerkung: WAVE ist eigentlich nur ein Containerformat in welchem die Audioinformationen auf verschiedene Arten codiert sein dürfen und nicht zwingend stets PCM-Daten sind).

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Wer sichergehen will, ob Audioexporte des jeweiligen Sequencers in RayBlaster geladen werden können, sollte sich daher zunächst vergewissern, ob diese im PCM-WAV-Format vorliegen. Laut Tone2 ist dies das am weitesten verbreitete Format, sodass die Chancen, dass es klappt, statistisch gut sind.

CPU-Last

RayBlaster arbeitet durchweg (etwas abhängig vom Quellmaterial – per Resynthesis importierte eigene Samples können zu einer deutlich höheren CPU-Last führen) sehr CPU-schonend und verursacht lediglich ca. 3-12% ASIO-Last (unter Cubase 6.5 auf einem Intel-Mac mit 2,8 GHz Prozessoren und bei kleiner Sample-Puffergröße, also niedriger Latenz) – bei virtuellen Synthesizern mit dieser Audioqualität ist das eine absolute Seltenheit. Gut klingende virtuelle Synthesizer und auch aufwändig programmierte Sample-Instrumente schlagen oft mit 30% CPU-Nutzung und darüber zu. Bei RayBlaster können somit auch weniger leistungsfähige Rechner mithalten – selbst im vierfachen Unisono-Modus und bei geringer Latenz sollte es keine Probleme mit Audio-Aussetzern geben. Im Gegenteil: Es bleibt noch reichlich Luft für andere Plug-ins und externe Effekte. Die Option Low CPU (Setup-Menü) wird man als Alternative zum High-Quality-Modus daher kaum benötigen – und das ist gut so, denn RayBlaster verliert im Sparbetrieb etwas an Schärfe und Klarheit.

Fazit

Tone2 verspricht nicht zu viel: Die Impulse-Modeling-Synthese ist wirklich in der Lage, bislang ungehörte Klänge zu erzeugen. Dies fällt vor allem im Bassbereich auf: Wo andere Synthesizer bestenfalls knackig oder fett klingen, zerlegt RayBlaster die Impulssamples zu knirschenden bis rhythmischen Mustern (siehe ganz oben: Audiodemo „Anatomie eines Cellos“). Dabei bleibt die Präsenz und Deutlichkeit bis in die tiefsten Lagen verfärbungsfrei erhalten. Schon Gladiator und ElectraX aus dem Hause Tone2 überzeugten mit einer Audioqualität der Oberklasse – RayBlaster reiht sich in die Spitzenliga ein. Nur wenige Synthesizer bieten eine so hohe Transparenz und einen derart lupenreinen, nie verwaschenen Klang. Im direkten Vergleich mit durchaus potenten Mitbewerbern aus dem virtuell-analogen und dem Granularsynthese-Lager klingen diese plötzlich überraschend verhalten und ein wenig müde. RayBlaster liefert satte, druckvolle Bässe, schneidende Sweeps, kristallklare Atmosphären, packende Solosounds und ist eine schier unerschöpfliche Bastelkiste für abgedrehte Klangexperimente, Geräuschtexturen sowie futuristische Rhythmen. Die Einsatzbereiche sind vielfältig: Von experimentellem Dance/Pop bis zur Filmevertonung.

Allerdings fordert RayBlaster eine gewisse Lernbereitschaft ein. Das bleibt angesichts der ungewohnten Architektur und der neuen Impuls-Modeling-Synthese nicht aus. Deren Klangformung (und die Abhängigkeit der einzelnen Parameter untereinander) will erst einmal verstanden sein; anschließend öffnen sich neue Welten. Auch den ersten Granularsynthesizer hatte man nicht in zehn Minuten im Griff.

Was den Import eigener WAV-Files betrifft, muss einschränkend darauf hingewiesen werden, dass der Import von WAV-Dateien nicht in allen Fällen funktioniert. Nicht PCM-codierte (und damit nicht ganz verlustfreie) WAV-Files bleiben außen vor. Speziell Benutzer neuerer Cubase-Versionen benötigen einen WAV-to-PCM-Konverter. Auch der für Mac-User umständliche Zugriff auf die Library-Patches durch Eingabe des Speicherpfades trübt bei den Betroffenen die Freude – aber nur ein klein wenig, denn unterm Strich ist Rayblaser ein Synthesizer der Extraklasse.

Plus:

  • Erstklassige Audioqualität
  • Transparente, druckvolle Klänge auch in tiefen Lagen
  • Innovatives Synthesekonzept
  • Umfangreiche Modulationsmatrix

Minus:

  • Umständliche Abspeicherung eigener Klänge per Pfadzuweisung (nur Mac)

Neutral:

  • Umfangreichere Einarbeitung für das gezielte Erschaffen eigener Klänge erforderlich
  • Nicht PCM-codierte WAV-Files können nicht importiert werden

Andreas Ecker

Preis (Stand: Januar 2013)

  • 149 Euro

Ergänzende Links

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