Test: SampleLogic Bohemian

Die Sample Library Bohemian bietet Street- und Ethno-Instrumente speziell für die Filmmusik. Klangverfremdungen und rhythmische Abfolgen gehören mit zum Programm. Bohemian könnte also auch für Pop-Produktionen interessant sein. Wie die Library klingt und was Bohemian alles kann, erfahren Sie bei uns.

Homerecording und Studiotechnik

Überblick

Bohemian benutzt Native Instruments Kontakt Player, bietet mehr als 800 Instrumente und bringt mehr als neun Gigabyte auf die Waage. Zu den Klangerzeugern zählen neben klassischen Multisample-Instrumenten eine Vielzahl bearbeiteter, verfremdeter und mit unterschiedlichen Optionen zur Klangbearbeitung ausgestatteter Patches.

Geboten werden Hang Drums, Harmonic Tubes, ein Digeridoo, Blossom Bells, mit dem Bogen gestrichene Becken, Kalimba, Khaen, Moon Dust, Tongue Drum, Windsinger, Mixer Bells und Garapatos.

Bei den gesampelten Instrumenten handelt es sich um Unikate, die für die Multi-Instrumentalistin Laura Inserra angefertigt und auch von ihr eingespielt wurden.

Durch die Bearbeitungen und Verfremdungen geht das Angebot weit über diese Basisausstattung hinaus. Viele Instrumente liegen beispielsweise als als Sequenzen, Loops oder Atmos vor.

Bohemian wurde mit mehr als zehn Mikrofonen in fünf verschiedenen Positionen aufgenommen. So sollen auch subtile Nuancen in den Samples enthalten sein und ein echter, natürlicher Klang erzielt werden. Neben der Nahmikrofonierung (Main-Mix) liegt auch der breite Panoramasound der Aufnahmeumgebung Skywalker Scoring Stage (Ambient) an. Beide Mikrofonierungen können über ein Mixer-Submenü gemischt werden.

Auf der technischen Seite kommt die weiterentwickelte Oberfläche zum Einsatz, die bereits bei SampleLogics Cinematic Keys Verwendung fand: Sie bietet den direkten Zugriff auf Kontakt-interne Effektmodule, darüber hinaus Step-Sequencer der fortgeschrittenen Art.

Neben klassischen Effekten wie Filter, Echo, Hall und Lo-Fi können zudem Wellenformen dem Sample-Sound hinzugemischt werden, etwa um Sub-Bässe zu generieren.

Auf die umfangreichen Details der tieferen Editierung sowie der Installation, die im Test zu Cinematic Keys bereits ausführlich beschrieben sind, gehe ich hier nicht mehr im Einzelnen ein.

 

Installation

Nach dem Erwerb erhält man eine Seriennummer, die man in die Download-Software Connect und später zwecks Autorisierung im NI Service-Center eingibt. Die Download-Software erlaubt auch eine Pause einschließlich Herunterfahren des Rechners.

Der Kontakt Player 5.4.3 oder die aktuelle Vollversion von Kontakt 5 dienen als Plattform für Bohemian und laufen auf Windows-PCs und dem Mac in den gängigen Plug-in Formaten (Näheres s. Anhang).

 

Klangangebot und Klangoptionen

800 Instrumente sind ein umfangreiches Repertoire, das wir hier nur stichprobenweise vorstellen können. Da die Werkssounds auf interne Effekte und Step-Sequencer zugreifen, streifen wir bei der Gelegenheit gleich einige der Gestaltungsmöglichkeiten:

Bohemian unterteilt sich in drei Haupt- und Sub-Kategorien:

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Atmospheres

Unter Atmospheres finden sich Flächensounds (Ambiences) und Klänge, bei denen angeschlagene Instrumente mit entsprechendem Attack verwendet werden (Stingers).

Die einzelnen Abteilungen sind reichhaltig gefüllt, hier exemplarisch ein Blick in den Browser:

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Will man bei Ambiences über den Buchstaben D hinauskommen, so kommt man um das Scrollen nicht herum.

„Alone in the Forest“ hört sich so an:

 

Der Sound bietet bereits eine fertige Klangkulisse für Film und Multimedia; die Klangfülle ist über den gesamten spielbaren Tastaturbereich von fünf Oktaven beeindruckend. Dabei benötigt der Sound lediglich 3,72 MB Arbeitsspeicher. Auf der Suche nach dem richtigen Instrument kann man angesichts kurzer Ladezeiten schnell durch die Library zappen.

„Antique Emporium“:

 

Die oftmals phantasievolle und bildhafte Namensgebung der Patches hilft ebenfalls bei der Orientierung.

Unter Ambience findet sich eine große Anzahl sehr (klang)malerischer, sich im Verlauf entwickelnder Klangwelten in hoher Audioqualität. Die Ambiences eignen sich für düstere bis mystische und futuristische Stimmungen ebenso wie für sanfte und liebliche Szenen.

Bei den Ambiences sind die Originalinstrumente durch die exzessive Bearbeitung der Samples häufig kaum wiederzuerkennen. Teilweise kommen auch interne Effekte zum Einsatz, auf die man Einfluss nehmen kann. Häufig beteiligt sind Echo, Hall und Kompressor/Transienten-Tool, aber auch das Dual-Filter, dessen Cutoff in der Regel über die Anschlagsdynamik gesteuert wird.

Bei den Effekten handelt es sich um Kontakt-interne Module. Im Edit-Modus der Vollversion von Kontakt 5 (Zugang über das Schraubenschlüsselsymbol) ist es möglich, diese bei Bedarf noch tiefer zu editieren.

Auch in der Sub-Kategorie Stingers trifft man auf ein breit aufgestelltes Angebot. Hier geht es um perkussive oder rhythmische Klangelemente, die teilweise nicht zum Tempo synchronisierbar sind.

Das ist immer der Fall, wenn die Rhythmik Bestandteil der Samples ist und bedeutet, dass die Geschwindigkeit der Muster von der Tonlage abhängt. Im folgenden Audiodemo hören Sie „Big Boomerang“ in den Notenhöhen C2, C3 und C4:

 

Anders sieht es aus, wenn ein interner Step-Sequencer temposynchron zum Einsatz kommt. Beim Preset „Breath of Doom“ steuert der FX-Animator den Sättigungseffekt des Verzerrer-Moduls:

 

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Der FX-Animator ist ein sehr leistungsstarkes Tool: Bis zu 128 Steps können individuell in ihrer Länge (Notenwert) und ihrer Einflussstärke definiert werden. Ein Zeichenstift erlaubt das Malen von Verläufen. Bei einer Auflösung von 128 Steps pro Takt lassen sich fließende Klangevolutionen einzeichnen, da die für verschiedene Parameter einzelner Effekte individuelle FX-Animatoren zur Verfügung stehen.

 

Instrumentals

Die Kategorie Instrumentals unterteilt sich in die Subkategorien Arpeggiated, Metallic, Synths, Traditional und Winds.

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Die Patches der Sub-Kategorie Arpeggiated machen regen Gebrauch des internen Step-Animators, hier am Beispiel des Instruments „At the Worlds Fair“:

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Die Ausstattung des Step-Animators mit bis zu 128 Steps geht über die des FX-Animators hinaus: Pro Step kann definiert werden:

  • die Spielweise, beispielsweise Stutter- und Buzz-Effekte (mit Stottergeschwindigkeit bis zu 1/96tel) anstelle der klassischen Noten Spielweise
  • die Anschlagsstärke
  • die Länge
  • der Typ des Arpeggios
  • die Transponierung um bis zu +/- 36 Halbtonschritte
  • die Länge des Steps
  • und die Panorama-Position.

Auch beim Step-Animator steht ein Zeichenwerkzeug zur Verfügung. Globale Anpassungen zum Tempo des Host-Sequencers ermöglichen extrem langsame oder auch rasant schnelle Sequenzen. Lobenswert ist auch, dass die Sequenz als MIDI-Datei per Drag & Drop in den Host-Sequencer gezogen werden kann.

Die Bohemian Instrumente sind in der Mehrzahl tonal spielbar. Im folgenden Audiodemo hören Sie das Preset „Funk Town Organ“. Nach vier Takten setzt ein einfaches Klavierthema ein (Toontracks EZ Keys Grand Piano), welches durch das Bohemian-Patch auf lebendige und abwechslungsreiche Art unterstützt wird.

 

Angenehm ist auch, dass die Modulation der Funk Town – Orgel groovig ist.

Klanglich dichte und farbenfrohe Motive entstehen auf die Schnelle durch Einspielen weniger Akkorde. Sie zeigen, dass Bohemian auch abseits der Filmmusik Anwendung finden kann.

Hier noch einmal dasselbe Piano-Thema, zunächst mit dem Arpeggiated-Patch „Make Sweet Music 1“, dann zusätzlich mit „Grass Huts 1“ hinterlegt. Das EZkeys Piano läuft nun über den Send-Effekt Eventide UltraReverb, der Hall und ein temposynchrones Echo hinzufügt.

 

Metallic

Zu den metallischen Instrumenten zählen

  • glockenähnliche Klänge, teils hart angeschlagen, zwischen überdimensionaler Standuhr und zarten Glöckchen, teils sanft einschwebend als dunkles, monströses Pad oder hell und schillernd, je nach Tonlage.

 

  • Kombinationen akustischer Samples mit synthetischen Klängen.

 

  • Texturen mit scharfen metallischen Resonanzen für gespenstische Szenen

 

  • Mit den internen Effekten verfremdete Klänge, etwa mittels Verzerrer-Modul und anschlagsdynamisch gesteuertem Filter, wie im folgenden Audiodemo zu hören:

 

Synths

In der Sub-Kategorie Synth finden sich bearbeitete synthetische Klänge. Geboten werden viele Flächenklänge, die als filmmusikalischer Soundtrack dank fließender Klangevolution für sich alleine stehen können, sowie einige sehr kernige, fette Analogsounds, wie etwa das Patch „Deep Throated“:

 

Von den internen Effekten werden hier häufig die Wave-Generatoren benutzt, die den Samples zusätzliche synthetische Layer hinzufügen. Pro Wave-Generator stehen 41 verschiedene Wellenformen zur Verfügung. Eine modulinterne Hüllkurve, ein Filter und ein FX-Animator, mit dem die Lautstärke des Layers per Step-Sequenz animiert werden kann, stehen zur Klangformung bereit:

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Bei allem Respekt vor den durchweg geschmackvollen, teils spektakulären und mit Liebe zum Detail ausgearbeiteten Sounds muss man sagen, dass diese wenig mit dem Thema Street- und Ethno-Instrumente zu tun haben und einem ausgewachsenen Wavetable- oder Hybrid-Synthesizer der letzten Generation nicht die Show stehlen können.

 

Traditionals

Ganz anders sieht es da in der Sub-Kategorie „Traditionals“ aus: Hier stößt man zum Kern der Library vor, nämlich zu den unbearbeiteten, nicht verfremdeten Street- und Ethno-Instrumenten, die in Form anschlagsdynamisch gestaffelter Multisamples vorliegen.

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Hang Drum, Didgeridoo, Kalimba und Khaen sind die aufwändigsten dieser Unikate und liegen in verschiedenen Versionen vor; hier am Beispiel des Didgeridoo:

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Neben einer Fülle diverser Artikulationen werden auch chromatisch spielbare Didgeridoos angeboten. Der warme, bauchige Klang mit Anblascharakteristik und colorierenden Nebengeräuschen kann allenthalben überzeugen; eine fließende Solo-Performance, die an ein echtes Didgeridoo heranreicht, ist jedoch nicht möglich. Dafür bräuchte man ausgefuchste Legato- und Artikulationssteuerungen via Controller, wie man sie etwa bei aufwändigen Libraries klassischer Blasinstrumente beziehungsweise bei samplebasierten Spezialisten mit Modeling-Technologie findet.

Interessant sind die satten, chromatisch Taps, bei denen es sich um Schläge mit der Hand auf die Blasrohröffnung handelt. Diese können ein Ethno-Percussion-Set ergänzen. Leider mangelt es hier an Velocity-Layern und Round-Robins, was die Sache nicht sehr abwechslungsreich und dynamisch nicht besonders ausdrucksstark macht.

Die Hang Drum ist ein metallisches Pecussion-Instrument, das mit den Fingerkuppen gespielt wird und einen sehr eigentümlichen Klang produziert. Schaltet man im Mixer-Menü Ambient aus, erhält man einen angenehm nahen Klang, hier mit den Hang 1 Harmonics:

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Dem Höreindruck nach sind neben Velocity-Layern auch Round-Robin-Samples an Bord, wodurch das Instrument lebendig spielbar ist. An Spezialisten wie Soniccoutures Pan Drums kommt die Hang Drum in puncto Klangtransparenz- und Vielfalt allerdings nicht heran.

Filmmusikalische Akzente können die Hangdrum-Rolls setzen, hier zusammen mit den schrillen und eigenwilligen Phrasen der Harmonic Tube:

 

Bei der Tongue-Drum werden mit einem Resonanzkörper verbundene Holzzungen angeschlagen. Auch hier sorgen wieder Round Robins und Velocity Layer für ein abwechslungsreiches Spiel.

Die Blossom Bells sind sehr rein klingende, tonal spielbare, kegelförmige Metall-Instrumente, die mit einem weichen Klöppel angeschlagen werden, sozusagen eine perfektionierte Weiterentwickung der Kuhglocke mit einem beinahe gläsernen Klang und harmonischem Obertonspektrum.

Tongue-Drum und Blossom Bells:

 

Winds

In der Kategorie Winds findet nicht, wie vielleicht vermutet, eine Kollektion ethnischer Blasinstrumente, sondern bearbeitete und verfremdete Flächenklänge auf der Basis von Samples ethnischer Blasinstrumente. Die Namen deuten darauf hin, dass Bambus- und andere Flöten sowie Didgeridoos Pate gestanden haben – die Sounds untermauern diesen Eindruck. „Wounded Warriors“:

 

Im Gegensatz zu den „Traditionals“ kommen hier keine Velocity-Layer oder Round Robins zum Einsatz. Der Klang wird durch die im Sample enthaltenen Veränderungen und durch das auf die Anschlagsdynamik reagierende Filter lebendig.

 

Perkussives

Die dritte Haupt-Kategorie bietet Perkussives. Hierzu zählen

  • Hit Ensembles und Impacts: Hits mehrerer und einzelner Percussion-Instrumente als Effektklänge, die sich zur Betonung entsprechender szenischer Höhepunkte oder Wendungen in der Filmmusik eignen, eingeschränkt aber auch für Pop-Produktionen unterschiedlichster Art verwendet werden können.
  • Loops und Sequenced: Tempoynchrone perkussive Audioloops, Sequenzen und Arpeggien
  • Traditional Kits: Klassische anschlagsdynamische Percussion
  • Transitions: Klänge für musikalische Übergänge bzw. Szenenübergänge (kurze Effektklänge, Rückwärts-Sounds)

Hier eine Collage aus „Bowing Suspense“ (Hit Ensemble, Intro), „Dream Killer“ (Transition), „Against all Odds 2“ (Loop, Basisrhythmus), dem „Moon Dust Kit“ sowie „Spring Drum“ (Traditional Kits) als zusätzliche, nicht verfremdete und anschlagsdynamische Percussion:

 

Bei den Loops handelt es sich um Audiodateien, die mittels Kontakts Time Machine Pro in weiten Bereichen artefaktfrei und in guter Qualität zum Tempo angepasst werden. Bei den Sequenced-Patches kommen sorgen hingegen die internen Animatoren für die Rhythmik – ebenfalls temposynchron.

Im folgenden Audiodemo hören Sie zunächst die beiden Sequenced-Patches „Bells of Nature“, dann

als Kontrast das sehr synthetisch klingende „Burning the Razor“, bei dem das Dual Filter durch zwei LFOs moduliert wird:

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Hinzu kommt die „Funk Town Organ“, ebenfalls mit Filtermodulation und Step-Animator …

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… und für den Übergang das Transition Patch „In Remembrance“. Im Hintergrund singt Francesca Genco (Ah-Legato); für die Gesangsbearbeitung habe ich Eventides UltraChannel, für den Gesanghall Tone2 UltraSpace eingesetzt.

 

Bohemian eignet sich also abseits der zentralen Anwendung für die Filmmusik wie eingangs vermutet auch für experimentellen Pop – und hier insbesondere für rhythmische Einlagen, entweder unter Verwendung der Loops oder der Arpeggien und Sequencen, die Gebrauch von den Animatoren machen. Daneben gibt es sechs LFOs mit acht wählbaren Wellenformen zur Modulation von Filterfrequenzen, Drive, Volumen, Panorama und Tonhöhe.  Mehr zu diesen leistungsstarken Gestaltungsmöglichkeiten erfahren Sie in unserem Test zu SampleLogic Cinematic Keys.

Ebenso wie Cinematic Keys verfügt auch Bohemian über acht Trigger-Pads, die via MIDI-Learn durch ein externes Controller-Keyboard gesteuert werden können. Sie stellen acht Multieffekt-Presets für weitere Klangverfremdungen bereit, die auch simultan eingesetzt werden können. Eine tiefere Editierung ist allerdings nicht möglich. Für die Trigger-Effekte gibt es lediglich acht globale Konfigurationen von diversen Filterklängen über Chorus/Flanger/Phaser-Modelle bis zu Dynamikbearbeitung. Die Trigger Effekte zielen auf eine Live-Anwendung, können hier aber mit den Möglichkeiten externer Effekte nicht mithalten und sind weit weniger spannend als die über den FX-Animator und die LFOs modulierbaren Effekte.

Wie bei den meisten Kontakt-Instrumenten findet man eine Parametersteuerung per Automation oder externe Controller (über MIDI-Learn) auf allen Ebenen. Neben den Effekten können sogar alle Regler und Fader der Animatoren auf diese Weise in Bewegung gesetzt werden. Wer sich also in die Tiefen des Editierens begeben will, kann subtile Nuancen ebenso wie dramatische Klangsprünge realisieren. Solch aufwändige Feinarbeit wird durch eine lebendige, spannende Soundperformance belohnt.

Die mit dem Step-Animator erstellten Sequenzen können per Drag & Drop in eine MIDI-Spur des Sequencers gezogen werden. Dadurch können  auf einfache Weise auch andere Instrumente die in Bohemian erstellte Notenfolge abspielen, was sich unter anderem gut dafür eignet, Bohemian-Sounds mit andere Klängen zu doppeln beziehungsweise Layer zu erzeugen.

 

Fazit

Samplelogic Bohemian richtet sich in erster Linie an Komponisten für Filmmusik, Multimedia-Anwendungen und die Spielevertonung. Insbesondere letztere profitiert von einer Fülle frischer, moderner Klänge in sehr guter Audioqualität. Geboten wird eine breit aufgestellte Auswahl an Flächensounds, Effektklängen für Übergänge oder Akzente sowie viel rhythmisches Material.

Nimmt man die internen Step-Sequencer zur Rhythmisierung und temposynchronen Modulation der Effekte hinzu, eröffnet sich abseits der Filmmusik ein samplebasiertes Klanglabor für experimentellen Pop/Dance.

Die Street- und Ethno-Instrumente, die das Aushängeschild dieser Library darstellen, stellen in ihren unbearbeiteten Versionen beinahe eine Randerscheinung dar. Sie sind als Multisamples mit Velocity-Layern und teilweise auch Round-Robins überwiegend ausdrucksstark spielbar, erreichen jedoch als Naturinstrumente nicht die Ausstattung hierauf spezialisierter Sample-Libraries. Im Zusammenspiel mit den bearbeiteten, teils spektakulären Effektklängen und Rhythmen können die Naturinstrumente dennoch manche Melodien oder perkussive Ergänzungen bieten.

Bohemian ist vergleichsweise leicht zu bedienen, auch Operationen mit den Animatoren und modulierten Effekten gelingen dank übersichtlicher Struktur und einer großen Auswahl an Preset-Sequenzen ohne große Einarbeitung. Multis sind schnell zusammengestellt. Auch werkseitig werden einige Multis mit zueinander passenden Instrumenten angeboten.

Der Anspruch an den Arbeitsspeicher ist gering. Nutzt man allerdings mehr als etwa fünf Instanzen im Rahmen von Multis und verwendet dabei temposynchrone Audioloops und mehrfach Effektmodulationen, so kann dies bei niedrigen Puffergrößen auch auf aktuellen Systemen zu Audioaussetzern führen. Für das Arrangieren im Studio ist das jedoch ohne große Bedeutung und kann durch entsprechend höhere Puffergrößen (zu Lasten der Latenz) behoben werden.

Unterm Strich bietet Bohemian eine reich gefüllte Fundgrube frischer Klänge zu einem angemessenen, wenngleich nicht sensationell niedrigen Preis. Ob sich die Investition lohnt, hängt davon ab, wie gut man bereits mit modernen cineastisch orientierten Klängen und Instrumenten speziell für mystische, actionreiche oder futuristische Szenen versorgt ist. Bohemian trifft hier auf einen über die Jahre stetig gewachsenen, inzwischen sehr großen Markt. Im Gegensatz zu manchen Mitbewerbern beschränkt man sich allerdings nicht auf das reine Klangfutter, sondern liefert zahlreiche kreative Gestaltungsmöglichkeiten für individuelle Klänge und eine facettenreiche Performance mit.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • große Auswahl cineastischer Klänge
  • experimentelle Rhythmik
  • temposynchrone Modulation interner Effekte
  • gute Audioqualität
  • vielseitige Möglichkeiten für eigenes, kreatives Klangdesign
  • Step-Animator-Sequenzen als MIDI-Dateien exportierbar (Drag & Drop).

Preis: 300.- US$

Hersteller

Systemvoraussetzungen

  • Mac (ab OSX 10.7)
  • Windows (ab 7)
  • Formate: VST, AU, AAX und RTAS
  • 32 und 64 Bit

Testsystem

  • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII;
  • Testprojekt Cubase: 44,1 kHz Samplerate, 24 Bit Auflösung
  • alle Audiodemos in 128 k mp3

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