Test: Noveltech Character

Noveltechs Character tritt an, Instrumente oder Gesangsaufnahmen zu vitalisieren – und das mit nur drei Reglern. Zum Einsatz kommt eine neue Technologie, die auch guten Equalizern sowie Excitern überlegen sein soll: Ein komplexer Algorithmus berücksichtigt die Klangfarbe und den Klangverlauf des Originalsignals. Ob Character wirklich das Wundermittel für müde Tracks und schwierige Situationen beim Abmischen ist, erfahren Sie hier.

Rückblick

Noveltech wurde im Jahre 2000 mit dem Ziel gegründet, Forschungsergebnisse aus anderen Tätigkeitsfeldern des finnischen Mutterunternehmens, Noveltech Solutions Ltd., in kommerziell verwendbare Audio-Technologieen zu transformieren. Unter der Federführung von Dr. Ismo Kauppinen entstanden erste Algorithmen zur Rekonstruktion beschädigten Audiomaterials – quasi als Nebenprodukt der Arbeiten an Verfahren zur besseren Spektrometrie der molekularen Struktur von Gasen.

Der dänische Hersteller TC Electronic lizenzierte die Noveltech-Algorithmen und ließ sie in seine Restauration-Suite einfließen, die 2003 auf der hauseigenen Powercore-Plattform beheimatet war – in einer Zeit, in der PCI-Zusatzkarten noch notwendig waren, um die begrenzte CPU-Power der Audio-Workstations zu unterstützen.

Dr. Kauppinens nächste Arbeit zielte auf ein Verfahren, welches herkömmliche Methoden der Klangbearbeitung (Equalizer, Exciter) übertreffen sollte – und hier sind wir bei unserem Testkandidaten:

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Überblick

Character erschien bereits 2004, wiederum zunächst exklusiv für die Powercore Plattform. Das änderte sich mit dem Entschluss des Lizenznehmers, TC Electronic, die Powercore-Reihe einzustellen. Seit 2012 gibt es Character als native Software.

Wie bei dem bereits getesteten Noveltech Vocal Enhancer, der einige Jahre nach Character veröffentlicht wurde, heißt auch hier das Zauberwort „Intelligent Adaptive Filtering“. Das Eingangssignal wird in seiner spezifischen Charakteristik analysiert und nach psychoakustischen, dem menschlichen Hörempfinden angepassten Kriterien zu neuem Leben erweckt.

Im Gegensatz zum Vocal Enhancer beschränkt sich Character dabei nicht auf die Gesangsbearbeitung, sondern empfiehlt sich auch für alle Arten von Instrumenten, darüber hinaus sogar für Subgruppen oder den finalen Mix.

Installation

Character wird über Plugin-Alliance vertrieben. Nach dem Erwerb und der Einrichtung eines Nutzerkontos lädt man den Neuzugang herunter. Die Installation beansprucht mikroskopische 1,24 MB Datenvolumen einschließlich des englischsprachigen Manuals.

Mit dem ersten Start im Sequenzer meldet sich der Autorisierungs-Dialog: Das Plug-in kann entweder rechnergebunden oder auch über einen USB-Dongle lizenziert werden. Letztere Variante bietet sich für einen flexibleren Einsatz mit mehreren Rechnern an, etwa im Studio und auf der Bühne. Eine Offline-Installation ist ebenfalls möglich.

Der gesamte Installationsprozess lief auf unserem System (Windows 7, Cubase 7) reibungslos und war in wenigen Minuten erledigt.

Character läuft plattformübergreifend in den Formaten VST, AU, AAX, AAX DSP und RTAS in 32 und 64 Bit.

Das Intelligent Adaptive Filtering im Detail

Während ein Equalizer statisch bestimmte Teilspektren hervorhebt (oder absenkt) und ein Exciter dem Gesang ein Obertonspektrum hinzufügt – mit den Nebenwirkungen, schnell hart oder unnatürlich rau zu klingen (vom Rauschen ganz zu schweigen) – benutzt Character einen neuen Zugang zu dem Thema: Intelligent Adaptive Filtering oder kurz IAF.

„Intelligent“ nennt sich diese Filter-Technologie, weil sie permanent das Eingangssignal analysiert und dessen spektrale Veränderung sowie seine Dynamik berücksichtigt. Dabei wird insbesondere das zeitliche Zusammenspiel vom Einschwingen und Ausklingen (Attack und Decay) des Signals in einem nicht-linearen Prozess untersucht. Letztendlich soll der Algorithmus sich der speziellen klanglichen Darbietung des Originals anpassen. Nach psychoakustischen Vorgaben, also unter Berücksichtigung der menschlichen akustischen Wahrnehmung, werden nun charakteristische Anteile der Stimme oder der Instrument(e) hervorgehoben und deren Präsenz im Mix verdeutlicht und verstärkt.

Ausgereifte Exciter können zwar auch eine Gesangsstimme in den Vordergrund stellen und brillieren lassen, haben aber neben den oben bereits erwähnten Nachteilen auch die Eigenschaft, dass man sie gerne überdosiert – hervorgerufen durch eine rasch eintretende Ermüdung gegenüber den angehobenen Obertönen. Hört man sich den Mix einen Tag später noch einmal an, so wirkt der Gesang bzw. das Instrument oder der Mix völlig überzeichnet, in den Höhen überfrachtet und dadurch seiner Substanz beraubt. Der Noveltech Character soll durch seine permanente dynamische Anpassung genau diesen Übermüdungseffekt und die Folgen vermeiden. Soweit die Theorie.

Das Bedienfeld

Character präsentiert sich ausgesprochen aufgeräumt und kommt mit einem Fenster aus. Links befindet sich der Input- und Output-Regler. Beide sind von einer kreisförmigen Pegelanzeige umrandet (blau). Der kleine rote Punkt zentral unter den Reglern signalisiert eine Übersteuerung.

Durch die Verstärkung spektraler Anteile kommt es beim Einsatz von Character zwangsläufig zu einer Anhebung des Pegels. Eine Option zur automatischen Kompensation gibt es bei Character (im Gegensatz zum Vocal-Enhancer) nicht. Man sollte also die etwas klein geratene Clipping-Anzeige gut im Auge behalten und wenn notwendig das Eingangssignal herunterregeln. Die Pegelanzeigen einschließlich Clipping lassen sich anpassen:

Per Rechtsklick auf die Meter lässt sich die Art und Geschwindigkeit der Pegelanzeigen wählen …

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… und ebenso die Anzeigedauer der Clip-LED:

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Die weiteren drei Regler dienen der Anpassung des Effektes. In weiten Bereichen arbeitet der Algorithmus des IAF automatisch.

Der große, die Bedienoberfläche dominierende Character-Regler definiert die Stärke des Einsatzes. Wie stark Character aktuell in das Geschehen eingreift, kann man anhand des über dem Regler befindlichen Character-Meters in Echtzeit verfolgen. Mit Target verschiebt man den Fokus des relativen Frequenzbereichs des IAF mehr in Richtung der Bässe oder der Höhen. Konkrete Werte in Hertz werden hier nicht angezeigt, denn der Algorithmus „denkt“ mit und passt sich interaktiv dem Frequenzspektrum des eingehenden Signals an. Bei Bässen wird also intern ein anderer Frequenzbereich modelliert als bei einer Gitarre oder einer menschlichen Stimme.

Mit dem Mode-Regler wählt man eine von drei grundlegenden Betriebsarten:

  • Mode 1 eignet sich primär für perkussives Material, etwa für eine Bassdrum oder Snare. In diesem Modus liegt der Fokus auf der Herausarbeitung der kurzen Attackphase dieser Instrumente.
  • Mode 2 ist primär auf synthetische Klänge und Gitarre ausgelegt.
  • Mode 3 ist auf die Bearbeitung von Bässen spezialisiert. In der Praxis zeigt sich, dass hier die Decay-Phase am stärksten in den Effekt einbezogen wird. Daher ist dieser Modus speziell für die Bearbeitung eines Mixes weniger geeignet: Es kann zu Verwischungen des Klangverlaufs kommen.

Grundsätzlich sollte man sich durch die werksseitigen Empfehlungen für die drei Modi nicht eingeschränkt fühlen: Ein Experimentieren mit den drei Reglern Character, Target und Mode stellt keine bedientechnische Hürde dar, und letztlich geht es nur darum, den Charakter eines Instruments oder die Transparenz und Vitalität einer Subgruppe oder eines Mixes so zu gestalten, wie es den eigenen Vorstellungen entspricht. Als Hilfestellung bieten sich ferner die beiden Taster A und B an, mit denen sich zwei Alternativeinstellungen auf die Schnelle vergleichen lassen.

Obwohl es also keine große Kunst sein sollte, Character richtig einzustellen, hat Noveltech eine Reihe von Werksvorlagen mitgeliefert. Diese werden (je nach Host-Sequenzer) über das Aufklappmenü „Preset laden“ der Kopfzeile angeboten:

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Character in der Praxis

Beginnen wir mit einem Trio aus Drums, Bass und Rhythmusgitarre. Alle eingesetzten Instrumente stammen aus der Ueberschall-Library „The Ressource“. Hier zunächst die unbearbeitete Version. (Die Gitarre setzt ab Takt 9 ein.)

 

Bass, Gitarre und Drums habe ich über die Einzelausgänge des Ueberschall Elastik-Players auf getrennte Mixerkanäle in Cubase gelegt und drei Character-Instanzen als Insert-Effekt geladen.

Zunächst habe ich Werkspresets ausprobiert, und zwar „Drums Low Boost“, „Bass Guitar“ und „AccGuitar Bright“. Bei den Drums stellt sich heraus, dass der Effekt (im vorliegenden Fall) eher gering, wenngleich hörbar ausfällt. Das ist nicht weiter tragisch, denn der Originalsound gefällt mir hier schon ganz gut.

Sehr deutlich greift Character beim Bass ein, und zwar ohne das Instrument dabei in seiner ursprünglichen Charakteristik zu verfärben oder zu verfälschen. Der Bass erhält statt dessen einen gehörigen Schub an Vitalität und Ausstrahlung. Das macht beinahe grenzenlos Spaß – ich stelle den Character-Regler, also die Beeinflussungsstärke, auf 90 Prozent.

Gleiches gilt für die Gitarre. Damit diese nicht zu scharf klingt, habe ich den Target-Regler ein wenig nach links, also in Richtung der unteren Frequenzen gedreht. Spaßeshalber teste ich an der Gitarre auch noch mit den drei Modi. Es wird schnell deutlich, dass Modus 1 den Anschlag der Gitarre sehr kurz und knackig macht – etwas zu knackig im vorliegeden Fall, für kurze Mutes aber eine Alternative. Modus 3 greift zu stark in die Sustainphase ein, während die Attacks etwas verwischen. Modus 2, der laut Hersteller für Gitarren ausgelegt ist, passt erwartungsgemäß besser. Der Anschlag der Gitarre klingt nun natürlich, und auch hier nimmt die Strahlkraft des Instrumentes spürbar zu. Den Character-Regler drehe ich auf 60 Prozent.

Mit den drei aktiven Character-Instanzen …

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… hört sich die Passage jetzt folgendermaßen an:

 

Der Bass klingt richtig hell und nach Holz und steht im Vordergrund des Geschehens. Um ihm wieder etwas mehr Fundament zu geben, regele ich die Character-Stärke etwas herunter. Bei den Drums verstärke ich den Effekt hingegen und drehe den Target-Regler mehr in Richtung der höheren Frequenzen:

 

Übrigens fordert Character kaum Prozessorleistung ein. Auch bei einer Puffergröße von nur 96 Samples, die bei meinem System zu einer Latenz von etwa sechs Millisekunden führt (PC Intel Core i7 3930k, 3,2GHz, Windows 7, Cubase 7, Motu 828mkII), beanspruchen alle drei Character-Instanzen (die wahrscheinlich über drei Kerne berechnet werden) einen kaum erkennbaren Ausschlag der Cubase-Leistungsanzeige und dürften weniger als ein Prozent Rechenpower einfordern.

Solche ressourcenschonenden Werte bei niedriger Latenz prädestinieren Character auch für einen Live-Einsatz auf dem Laptop.

Als nächstes schauen wir uns an, wie sich Character bei der Bearbeitung von Gesang bewährt. Im folgenden Audiodemo kommt ein Beat von Toontracks EZdrummer 2 sowie FXpansion Cypher für den Bass zum Einsatz. Die Vocal-Phrase stammt aus Ethno World 5 Pro Voices. Zunächst ohne Character:

 

Nun mit Preset „VocalsAddAir“:

 

Im folgenden Audiodemo hören Sie einen Nonnenchor (aus Best Service Mystica), im Hintergrund eine rhythmische Textur aus Spectrasonics Omnisphere. Wieder zunächst ohne den Noveltech Character:

 

Und jetzt mit Character:

 

Der Chor gewinnt sofort an Strahlkraft.

Die beiden nächsten Audiodemos zeigen ein drittes Beispiel für die Bearbeitung der menschlichen Stimme. An eine kurze Gesangspassage schließt ein geflüsterter Part an. Beides stammt aus der Soundiron Sample-Library „Voices of Gaia – Francesca Genco“. Die düstere Geräuschtextur im Hintergrund stammt von Soniccouture Geosonics, das Pad aus Spectrasonics Omnisphere. Wieder zunächst die unbearbeitete Version …

 

… und hier mit dem Einsatz von Character für die Stimme:

 

Character bietet auch Presets für Percussion und Bassdrum, um die es in den nächsten Audiodemos geht. Wieder zunächst unbearbeitet …

 

… und hier mit zwei separaten Character-Instanzen (beide bei 50 % Character-Stärke):

 

Die Transienten werden deutlich verstärkt, sodass ich den Input-Regler auf -5 dB herunterfahren musste. Die Bassdrum erhält einen prägnanten Attack, die Snare wird luftig und hell. Der metallische Charakter des Originals wird hervorgehoben. Insgesamt wirken die Drums nun angenehm transparent und räumlich. Die unbearbeitete Version klingt im Vergleich eine Spur dumpfer und auch mittiger.

Noch deutlicher wird die Leistung von Character beim folgenden Einsatz für einen Percussion-Track aus Ethno-Techno (Stylus RMX). Wieder zuerst das Original …

 

… welches unbearbeitet eher ür die Verwendung im Hintergrund geeignet erscheint Character Luft verschafft dem Groove Luft und lässt ihn regelrecht atmen (Preset: Percussion).

 

Im nächsten Beispiel widmen wir uns Streichern aus Native Instruments Session Strings Pro: Violinen (staccato) und Kontrabass. Character soll dem Bass zu mehr Volumen und Klarheit verhelfen, die Violinen sollen ein klein wenig bissiger und aggressiver auftreten.

Unbearbeitet klingt die Passage so:

 

Und jetzt mit Character. Die Parametereinstellung für die Violinen habe ich in etwa einer halben Minute erledigt, für den Bass habe ich das Preset „Bass Boost“ geladen und das Target Level ein klein wenig höher eingestellt, um ab den unteren Mitten aufwärts zu operieren:

 

Auch hier wird der Klang erwartungsgemäß deutlich offener. Die Instrumente wirken näher und intimer.

Auch für die Bearbeitung eines Pianos gibt es ein Preset. Für das Demo nehme ich Toontracks EZkeys Grand Piano und ein Pattern aus der Jazz-Library. Hier das Original:

 

und hier mit dem Piano-Preset von Character. Der Character-Regler steht auf knapp 80 Prozent:

 

Das Piano behält seine Charakteristik, gewinnt jedoch an Ausdrucksstärke.

Zum Abschluss probiere ich Character an einem ganzen Mix aus, denn auch hierfür bietet sich das Plug-in an. Dabei bediene ich mich einigen Loops aus der Ueberschall Library Studio Works. Wie gehabt – zunächst der unbearbeitete Mix:

 

Und jetzt mit dem Character-Preset „Pop Mix“:

 

Der Sound klingt frischer, allerdings kommt es zu einer Verschiebung der Präsenz der einzelnen Instrumente: Der Bass rückt noch weiter in den Hintergrund, die Drums und die Gitarre werden von Character bevorzugt behandelt.

Man muss allerdings zugeben, dass man so in der Praxis nie vorgehen würde. Bevor man Character im Mix einsetzen würde, stünde eine Bearbeitung der Einzelspuren an. Und genau das mache ich jetzt. Der überarbeitete Mix (ohne Character in der Summe) hört sich nun so an:

 

Beim dem anschließenden Einsatz des Character-Presets „Rock Mix“ muss ich den Input-Regler um ganze 14dB herunterregeln. Das Signal ist nun deutlich leiser, was ich mit dem Threshold des Limiters am Ende der Signalkette wieder etwas auffange.

 

Richtig zufrieden bin ich mit dieser Lösung nicht. Der Mix verliert etwas an Druck, die Höhenbetonung beim Bass ist zu stark und es klingt insgesamt etwas rauer.

Nun wird niemand in der Mastering-Kette lediglich Character und einen Limiter einsetzen. Ich füge für eine minimale Zusatzbearbeitung noch einen Multiband-Kompressor (Waves L316) und das Plug-in Kramer Tape Stereo (Waves) hinzu, letzteres, um etwas Sättigung und Wärme hinzuzufügen. Ohne Character hört sich der Mix nun so an:

 

Und mit Character (Preset: Mix Crisper) erhalte ich dieses Ergebnis:

 

Der A/B-Vergleich während der Arbeit gestaltet sich zunächst etwas schwierig, da Character, wie bereits erwähnt, über keine Output-Pegelkompensation verfügt. Schaltet man Character auf Bypass, um das unbearbeitete mit dem bearbeiteten Signal zu vergleichen, kommt es zu Verzerrungen im anschließenden Signalweg, der nun plötzlich 25 dB mehr zugeführt bekommt. Mit einem kleinen Trick kann man sich jedoch helfen: Character bietet intern eine A/B-Option. Ich richte also unter B eine Konfiguration ein, die dasselbe Output-Level wie unter A erzielt, drehe aber den Character Regler bis zum Linksanschlag (Null Prozent Einflussstärke) und erreiche damit einen im Pegel angepassten Pseudo-Bypass.

Es zeigt sich, dass Character auch in der Summe dazu beitragen kann, den Klang offener, räumlicher, und transparenter zu machen. Allerdings werden in den meisten Fällen zusätzliche Arbeitsschritte außerhalb von Character erforderlich werden, denn durch Character kann sich in einem kompletten Mix das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Instrumenten leicht verschieben: Transientenbetonte und höhenreiche Instrumente geraten etwas stärker in den Vordergrund, als dies unter Umständen gewünscht ist. Nacharbeiten an vorgeschalteten Plug-ins in den Instrumentenkanälen können solche Ungleichgewichte beheben, sei es die Zurücknahme eines im Vorfeld eingesetzten Transienten-Tools oder Korrekturen bei einem Equalizer. Unterm Strich sollte man Character bei Summenbearbeitungen immer ausprobieren. Eine subtile aber dennoch spürbare Aufwertung des Mixes wird in den meisten Fällen mit überschaubarem Aufwand möglich sein.

Bedienung

Character gehört trotz großer Wirkung zu den am einfachsten zu bedienenden Plug-ins. Wenn ich während dieses Tests immer wieder die Presets aufgerufen habe, dann eher, um zu prüfen, ob diese auch dem vorgesehenen Anwendungszweck Genüge tun. Das Umschalten zwischen den Modi, das Fokussieren des zentral zu bearbeitenden spektralen Bereichs und die Dosierung des Effektes dank knack- und artefaktfreier Echtzeitkontrolle im Nu erledigt.

Etwas Fingerspitzengefühl benötigt die Einstellung des Input-Reglers, die in den meisten Fällen vorgenommen werden muss, um Übersteuerungen oder unerwünschte Rauheit zu vermeiden.

CPU Anforderung und Stabilität

Character läuft auch in der nativen Version ohne jegliche Probleme. Es gab bei unserem Test keine einzige Dysfunktion, keinen Bug und erst recht keinen Absturz. Die Beanspruchung der CPU ist minimal, was Character auch für Live-Anwendungen interessant macht.

Fazit

Character ist eine gute Wahl, wenn es darum geht, einzelne Instrumente, Gruppen oder sogar den kompletten Mix frisch, transparent und luftig klingen zu lassen. Das Noveltech-Plug-in macht so manchen aufwändigen Equalizer-Einsatz überflüssig.

Bei der Bearbeitung von Einzelinstrumenten, seien es Bass, Piano, Gitarre, Streicher, oder Schlaginstrumente erreicht man auf Anhieb Ergebnisse, die jeden Exciter übertreffen.

Der Name Character ist gut gewählt, denn das Plug-in modelliert die charakteristischen Aspekte der Instrumente heraus, ähnlich wie ein Bildhauer aus einem noch nicht vollkommen geformten Block mit spitzem Meißel die feinen Strukturen herausarbeitet. Dabei folgt Character akribisch dem dynamischen Ablauf, hebt nicht gleichförmig und statisch charakteristische Frequenzen an, sondern berücksichtigt den Wandel der Klangfarben. Besonders die prägende Einschwingphase wird wunderbar modelliert. In der Sustainphase werden feine Details plötzlich hörbar. Dadurch wirken die Instrumente näher, facettenreicher und intimer. Auch die räumliche Komponente der Signale erfährt eine Aufwertung: Das Signal wirkt offener und weiter. Character ist ein ausgesprochen musikalisches Plug-in.

All dies gilt natürlich auch für die Königsdisziplin: die Gesangsbearbeitung. Soweit der weiter entwickelte Spezialist, nämlich Noveltechs Vocal Enhancer, nicht zum Equipment gehört, ist der Einsatz von Character im Gesangskanal Pflicht. Flankiert von einem vorgeschalteten Gate und einem nachfolgenden Kompressor wirkt Character wahre Wunder: Selbst schlappe dynamische Mikros klingen beinahe edel. Character verleiht dem Gesang eine einzigartige Präsenz.

Beim Einsatz in Subgruppen oder in der Summe wird es etwas schwieriger: Hier sind in der Regel Nachjustierungen in den vorgeschalteten Kanälen notwendig: Da Character bei den meisten Einstellungen Transienten und Höhen betont, kann es passieren, dass durch seinen Einsatz Instrumente in den Vordergrund treten, die dort nicht so stark präsent sein sollen. Character gehört in der Mastering-Kette auf einen der vorderen Plätze. Hier kann er den Mix subtil aber durchaus wirkungsvoll aufwerten.

Lobenswert ist auch der äußerst genügsame Anspruch an die CPU, der selbst bei geringer Puffergröße und entsprechend niedrigen Latenzen kaum ein Prozent der Leistung einfordert. Damit dürfte Character auch ältere Rechner (deren betriebssysteme er unterstützt) vor keine Probleme stellen. Nicht zuletzt ist er auch für den Live-Einsatz im Laptop prädestiniert.

Character gehört unter den Klangverbesserern zu den universellsten und leistungsstärksten Plug-ins. Jedem, dem ein frischer, ausdrucksstarker Mix am Herzen liegt, kann man dieses Werkzeug auf der Basis des innovativen Intelligent Adaptive Filtering nur empfehlen. Der Preis ist ausgesprochen fair.

Top Product Award Best Value Award

 

 

Holger Obst

Plus

  • universell einsetzbar
  • innovative Technologie
  • beeindruckende klangliche Aufwertung aller Instrumente einschließlich Gesang
  • ressourcenschonend
  • fairer Preis

Minus

  • keine Output-Level-Kompensation

Preis

  • 149.- US-Dollar (regulär)

Hersteller

Vertrieb

Systemanforderungen

  • Mac ab OSX 10.6
  • Win ab XP

Formate

  • VST, AU, AAX, AAX DSP (32 und 64 Bit), RTAS

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