Test: u-he Presswerk

Der Normal-Modus: Das volle Programm

Bevor man selbst Hand anlegt, bietet ein gut sortierter Browser eine reihe von Presets. Hier die Auswahl an Vintage-Modellen:

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Urei, SSL-Konsole, Fairchild, LA2A und Manley dürften die Vorbilder für diese Presets gewesen sein.

In der rechten Spalte bieten Anwendungsempfehlungen eine willkommene Hilfestellung beim Einstieg. Das englischsprachige PDF-Manual erreicht man übrigens (unter anderem) über das u-He-Logo.

Der Normal-Kompressor biete einige Feinheiten für Fortgeschrittene, die in dieser Form kein Mitbewerber offeriert. Unter „Detection“ geht es beispielsweise darum, wie der Kompressor auf das Audiosignal anspricht. Im FF-Modus (Feed Forward) reagiert der Kompressor einfach auf das eingehende Audiosignal – schnell und präzise.

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Beim FB-Modus (Feed Back) wird das Signal hinter dem Kompressor abgegriffen und zurück in den Detektions-Pfad geleitet. Diese Technik fand vor allem in Vintage-Kompressoren Verwendung und wird gerne als „musikalisch“ beschrieben und als programmabhängige Kompression bezeichnet.

Im INT-Modus (Interactive) wird das eingehende Signal kontinuierlich analysiert und eine Kombination aus FF und FB verwendet. Transientenreiches Signal mit einer Vielzahl starker Peaks führt zu einem direkteren, härteren Ansprechen (ähnlich FF-Modus), während sanfteres, wenig transientenreiches Signal zu einem weicheren, dem FBV-Modus ähnlichen Kompressionsverhalten führt. Der INT-Modus ist damit der flexibelste.

Über Channel-Link bestimmt man, ob der rechte und linke Kanal identisch oder beide Kanäle individuell komprimiert werden – mit fließendem Übergang zwischen beiden Extremen.

Alle Parameter können für den linken und rechten Kanal separat oder im Link-Modus gemeinsam eingestellt werden. Das betrifft auch den Mittel-Seitensignal-Betrieb. Die Parametereinstellungen des nicht im Edit-Modus befindlichen Kanals werden übersichtshalber durch rote Markierungen angezeigt:

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Mittels DPR (Dual Phase Rotator) simuliert Presswerk Phasenverschiebungen, wie sie bei analogen Kompressoren auftreten und (unter anderem) für deren spezifische Klangfärbungen verantwortlich sind. Ob und in welchem Ausmaß sich der Effekt bemerkbar macht, hängt stark vom Audiomaterial und der Stärke der Kompression ab. Im folgenden Audiodemo habe ich einen Drumloop aus EZdrummer bewusst stark komprimiert (niedriger Threshold) und DPR mehrfach ein- und ausgeschaltet.

 

Bei diesem Beispiel bewirkt DPR in erster Linie einen Energiezuwachs bei der Bassdrum.

Der Normal-Kompressor verfügt mit Auto-Makeup über einen automatischen Pegelausgleich. Je niedriger man den Threshold ansetzt, desto mehr werden auch weniger laute Audiopassagen komprimiert. Auto-Makeup gleicht die Lautstärkeverminderung wieder aus. Systembedingt funktioniert das im FF-Modus (s.o.) absolut exakt, in den programmabhängigen Modi FB und INT näherungsweise.

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Soft Knee bewirkt ein weiches Einsetzen des Kompressors. Die Kompression greift bereits kurz unterhalb des Thresholds (dort mit geringerer Ratio).

Mittels Non-Lin lässt sich das nicht-lineare Pegelreduktionsverhalten einiger analoger Kompressoren simulieren.

Die Pegelreduktion ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Input, FF/FB/INT, Threshold, Ratio, Soft Knee und Non Lin und wird anschaulich als Kurve dargestellt, hier mit Extremwerten:

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Bei Attack und Release gibt es ebenfalls Extras:

RMS Window legt fest, ob absolute Peaks oder der dynamische verlauf in einem breiter angelegten Zeitfenster darüber entscheiden, ob die Kompression einsetzt.

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Die Adapt-Funktion kann man als eine Halbautomatik verstehen, die dabei hilft, das richtige Releaseverhalten einzustellen: Im Rechtsanschlag reagiert Presswerk auf transientenreiches Material mit einem schnellen, bei transientenarmen Signalen mit einem sanften Release. Im Linksanschlag wird die manuell festgelegte Releasezeit ausgeführt.

Im Mix-Modul findet sich der Dry/Wet-Regler für das bereits eingangs erwähnte Parallelprocessing: Hie kann dem komprimierten Signal das unbearbeitete Original beigemischt werden.

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Im Expand-Modus wird das unbearbeitete Signal mit der invertierten Pegelreduktion multipliziert. Im Zusammenspiel mit Threshold, Ratio und dem Hochpass-Filter lassen sich dezente Klangnuancen bis hin zu Verfremdungseffekten erzielen. Im folgenden Audiodemo habe ich mit einem ultraschnellen Attack die Transienten des Beats mit komprimiert. Der Beat wird dadurch sehr kompakt, verliert aber leider auch an Konturen. Durch ein fein dosiertes Beimischen des Originalsignals im Expand-Modus und mit Hochpass-Filter sind die Attacks wieder dabei. Um den Unterschied deutlich zu machen, habe ich dem Expand-Modus mehrfach ein- und ausgeschaltet:

 

Inhalt:

Überblick

Zusammenfassung

Der Drum-Kompressor

Der Bus-Kompressor

Sidechaining, kleiner Sidechain-Exkurs

Der Vocal-Kompressor, De-Essing

Der Easy-Kompressor

Der Normal-Modus: Das volle Programm

Fazit