Test: Ueberschall Blues Colors
Fazit
Blues Colors gehört ohne Frage zu den Top-Libraries aus dem Hause Ueberschall – nicht nur was den Umfang betrifft, der sich mit rund 5 GB sehen lassen kann. Die Audioqualität ist vom Feinsten, die Lebendigkeit und Virtuosität der Drum-Grooves und der Gitarrenriffs gehört zum Besten, was man unter Loop-Libraries zu diesem Genre aktuell findet.
Wer im Bereich Filmmusik und artverwandten Genres auf die Schnelle einen amtlichen Blues benötigt, kann unter den 18 Construction Kits aus dem Vollen schöpfen: Hier wird sozusagen die gesamte Geschichte des Blues Kapitel für Kapitel in Form kompletter Songs abgearbeitet – aufgeteilt in Intro, alternative Strophen, Refrain, Bridge, Outro. Zu jedem Song-Abschnitt finden sich neben dem kompletten Mix, der Drum-Gruppe und der Begleitung auch Loops der Einzelinstrumente, darunter verschiedene alternative Gitarren sowie Bass und Schlagzeug, Letzteres aufgeteilt in Bassdrum, Snaredrum, Toms, Hi-Hat, Overheads, Raummikro u.s.w.. Die einzelnen Drumloops geben also die Mikrofonierung wieder, was Übersprechungen einschließt: Über das Snare-Mikro wurden naturgemäß auch Anteile der Bassdrum mit aufgenommen. Speziell unter den Snare-Loops finden sich viele sehr dynamische Exemplare mit facettenreichem Spiel, Ghost-Nores inbegriffen. Will man reine Snare-Loops ohne jeglichen Bassdrum-Anteil mit externem Material kombinieren, so muss man mit Spezialsoftware arbeiten, um die Übersprechungen zu minimieren.
Unbedingt notwendig ist das nicht: Zunächst einmal bieten die Loops zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten sowohl innerhalb von Blues Colors als auch im Verbund mit anderen Ueberschall-Libraries. Die Elastik-Engine bietet zudem viele gestalterische Optionen: Schneiden von Slices, Rückwärts-Abspielen, Tonhöhen- und Formantbearbeitung, ein leistungsstarkes Multimodefilter, Resampling mit Timestretching und einiges mehr. Die meisten Parameter können automatisiert werden.
Nicht zuletzt kann der Sound über die Einzelausgänge differenziert bearbeitet werde – wenn man das unbedingt will, denn die Loops sind eigentlich produktionsfertig und müssen nicht zwingend aufgebessert werden. Obwohl die Gitarren teils über Amps abgenommen wurden, eignen sie sich sehr gut, um über weitere virtuelle Amp/Speaker-Simulationen rockiger oder funkiger gestaltet zu werden. Die nuanciert eingespielten Drums und die ausdrucksstarken, groovigen Gitarren-Riffs bieten eine reichhaltige Fundgrube für schier unendliche Kombinationen. Die Bass-Loops sind weniger universell einsetzbar, sondern passgenau zu den Blues-Arrangements der Library und sehr bodenständig.
Unterm Strich ist diese Library neben der Verwendung für Filmmusik auch eine Inspirationsquelle für eigenständige Kompositionen. Man sollte es dabei nicht beim Abfeuern der fertigen Songabschnitte belassen, denn zahlreiche Beats, akzentuierte Akkordbegleitungen und virtuose Riffs laden zum kreativen Umgang ein – wie im Verlauf des Tests in Form von Anwendungsbeispielen demonstriert.
Angesichts der Audioqualität, der gekonnt und stilsicher eingespielten, vielseitigen Blues-Arrangements und des großen Umfangs der Library ist der Preis von knapp 100.- EUR fair.
Testautor: Holger Obst
Plus:
- umfangreiche, vielseitige Construction-Kits für diverse Sub-Genres des Blues
- produktionsfertige Arrangements in Form nahtlos kombinierbarer Loops
- gute Audioqualität
- mehrere alternative Gitarren-Loops pro Songabschnitt
- gute Kombinierbarkeit mit anderen Ueberschall-Libraries oder externen Materials
- Loops einzelner Instrumente über Einzelausgänge individuell abmischbar
- vielseitige Bearbeitungsoptionen durch die Elastik-Engine
- qualitativ überzeugendes Timestretching
Minus:
- (derzeit noch) keine skalengetreuen Transponierungen. Elastik 3 soll das (und einiges mehr) ändern.
System: kostenlose Elastik 2 Engine für Mac / PC
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Mac ab OSX 10.9 (empfohlen)
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Windows ab Win 7 (empfohlen)
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32 und 64 Bit
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VST, AU, RTAS, AAX, Standalone
Hersteller: Ueberschall
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