Tutorial: Altes Radio mit Wackelkontakt mit dem Spectral Shaper aus iZotope Ozone 8 Advanced

Den Spectral Shaper aus Ozone 8 Advanced kann man auch für Lo-Fi-Experimente einsetzen. Wie wäre es mit einem alten, blechernen Radio mit Kurzwellen-Qualität und einem Wackelkontakt?

Dazu brauchen wir sowohl die Solo-Funktion als auch den Listen-Modus des Spectral Shapers.

Bevor wir anfangen, zunächst das Original aus Ueberschall Pop Ballads:

 

Aus Ozone 8 brauchen wir (bis auf einen finalen Limiter) nur den Spectral Shaper, keine anderen Module. Deshalb können wir diesen als separates Plug-in laden.

Die Solo-Funktion und den Listen-Modus können wir nicht in einer Instanz gleichzeitig anwenden. Außerdem müssen wir eine Art Parallel-Processing einrichten, das der Spectral Shaper von Haus aus nicht mitbringt. Daher benötigen wir zwei Spectral Shaper und ein spezielles Routing.

Den ersten laden wir in den Originaltrack. Wir schalten im Spectral Shaper in den Solo-Modus und suchen nach dem passenden Frequenzbereich. Um ein kleines, blechernes Radio zu simulieren habe ich den Frequenzbereich von etwa 550 Hz bis 5 kHz eingestellt.

Recording und Studiotechnik: Tutorial zu iZotope Ozone 8 Spectral Shaper als Lo-Fi-Effekt

Anstatt per Anfasser die beiden Linien zu verschieben, kann man die Werte per Doppelklick auf die Werteangaben oberhalb des Spektrogramms auch numerisch eingeben.

Wir brauchen hier nicht den Kompressor und keinen Mid/Side-Modus. Entscheidend ist, dass der Solo-Schalter aktiviert ist, das eingekreiste „S“, zentral im markierten Frequenzbereich. Um eine instabile Übertragung mit Verfärbungen und Interferenzen zu simulieren, lassen wir das Playback durchlaufen und schieben den Frequenzbereich durch Klicken und Ziehen ein wenig hin- und her. Das zeichnen wir als Automation auf. Damit haben wir schon einmal den Lo-Fi-Basissound.

Als nächstes legen wir einen Effektkanal an und laden dort die zweite Spectral Shaper – Instanz, mit der wir den Wackelkontakt bzw. die Übertragungsunterbrechungen simulieren.

Den Effektkanal steuern wir über den Send-Weg Pre-Fader an, nicht Post-Fader. So haben wir später die Möglichkeit, einen Rest nicht zerhackten Signals durchzulassen, damit die Aussetzer nicht zu hart wirken. Bei Radiostörungen oder einem Wackelkontakt kommt oft auch noch ein leises Nutzsignal durch. Den Fader im gefilterten Originaltrack stellen wir auf -25 bis -30dB, den Send-Fader auf 0 dB.

Im zweiten Spectral Shaper animieren wir nun den Threshold bei eingeschaltetem Listen-Modus genau so, dass das Signal zwischendurch leiser wird oder auch ganz abbricht und zeichnen das als Automation auf.

Hier geht es also nicht darum, den Frequenzgang noch einmal zu filtern, weshalb das Band von 0 Hz bis 20 kHz reichen darf.

Im nächsten Schritt können wir noch mit dem Lautstärkefader des Originalkanals nachregulieren und das nicht zerstückelte aber gefilterte Signal an einigen Stellen stärker einblenden oder auch ganz herausnehmen, um ein paar harte Brüche zu erzielen.

Da die Operation zu einer deutlichen Reduzierung des Gesamtpegels führt, setzen wir im Masterkanal einen Limiter ein, um den Pegel wieder anzuheben.

 

Ähnliche Effekte lassen sich mit anderen steilflankigen Filtern erzielen, kombiniert mit einem fortgeschrittenen Gate. Beim Einsatz der Listen-Funktion aus dem Spectral Shaper arbeitet man jedoch mit einem Soft Knee – Kompressor, der seine ganz eigene Charakteristik mit sich bringt und mit einem Gate nicht 1:1 nachgeahmt werden kann.

Danke für Ihr Interesse,

Holger Obst.

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