Tutorial: Realistische Bass-Spur mit MODO Bass programmieren

IK Multimedia hat mit dem MODO Bass einen virtuellen Bassisten geschaffen, der im releasetime-Test begeistern konnte. Das Ergebnis, das hinten rauskommt, ist aber nur so gut, wie das, was man vorne reinsteckt.

Deshalb lernst du in diesem Tutorial Tipps & Tricks, wie du eine besonders realistische und überzeugende Bass-Spur erzeugst am Beispiel von MODO Bass und Cubase. Die gezeigten Prinzipien funktionieren natürlich auch in anderen DAWs.

 

Speziell für Cubase-User dürften auch die Abschnitte zur Quantisierung hilfreich sein, die man selbstverständlich auf jedes Instrument übertragen kann, die also nicht MODO-Bass-spezifisch sind.

 

Einleitung

Das folgende Tutorial verwendet als DAW Cubase Elements 9.5, den einfachen MIDI-Controller Nectar Impact LX25+ oder alternativ einfach nur die Computermaus, das VSTi IK Multimedia MODO Bass und stilistisch einen einfachen Blues-Song. Das gezeigte funktioniert aber in jeder anderen DAW, mit jedem anderen Controller und in jeder anderen Stilistik ganz ähnlich. Es geht nicht um die exakte Ausführung, sondern um die gezeigten Prinzipien, die ganz einfach auf die eigene Situation (andere DAW, anderer MIDI-Controller, andere Stilistik) übertragen werden können.

 

Wahl des Instruments

Am Anfang einer Aufnahme steht natürlich die Wahl des passenden Instruments. Das Schöne an einem virtuellen Bass – egal, ob gesampelt oder „physikalisch modelliert“ – ist, dass man seine Entscheidung später jederzeit noch revidieren kann. Wenn das Amp-Modell oder das gewählte Instrument sich nach Aufnahme der anderen Instrumente doch nicht wie erwartet in den Mix einfügt oder man einfach noch ein paar andere Bassklänge ausprobieren will, ist das problemlos möglich. Bei einer traditionellen Aufnahme, bei der Instrument und Verstärker mit Mikrofon(en) aufgenommen werden, ist das nicht möglich, da kann man nur am Equalizer schrauben oder noch etwas Effekt hinzufügen.

Praxis-Tipp: Instrumentenwahl
Zuviel Auswahl kann gerade im kreativen Bereich eher hinderlich als förderlich sein. Anstatt endlos an Parametern herumzuschrauben (und Parameter zum Schrauben bietet MODO Bass wirklich viele!), bis die ursprüngliche Idee verpufft ist, solltest du lieber einfach einen ungefähr passenden Bass aus den zahlreichen Presets auswählen und komponieren / aufnehmen, solange die Muse küsst.

Recording und Studiotechnik

Preset-Menü öffnen (1), Play-Style auswählen (2), Instrument auswählen (3), fertig.

Basslinie komponieren

Nachdem das Instrument gewählt ist, brauchen wir eine Idee, was wir überhaupt spielen sollen. Sollten wir ungewöhnlicherweise mit einem Bass-Riff anfangen, wissen wir natürlich schon, was wir spielen wollen. Dann probieren wir nach dem Einspielen des Riffs und dem Hinzufügen von Humanisierungen (Praxis-Tipp: Timing & Dynamik mit Zufallsfunktion variieren) verschiedene Akkordfolgen.

Meist hat man aber eine Gesangsmelodie und eine passende Akkordfolge. In diesem Tutorial gehen wir als Beispiel von einem Standard-Blues in der Tonart E aus. Die Akkordfolge lautet also:

E – E – E – E

A – A – E – E

B – A – E – B

Jeder Buchstabe steht für einen Takt.

Praxis-Tipp: Inspiration für Basslinien

Wer nicht hauptamtlich Bass spielt, könnte sich zur Inspiration ein paar Bassläufe aus seinen Lieblingssongs der entsprechenden Stilistik heraushören und / oder ein entsprechendes Bass-Buch kaufen. Die gibt es sowohl für verschiedene Musikstile als auch als ‚Groove-Library‘ mit unzähligen Beispielen für alle möglichen Stile.
Wenn schon ein Schlagzeug-Beat vorliegt, orientierst du dich an der Kick-Drum und spielst deine Basstöne zusammen mit ihr. Dafür eignen sich vor allem der Grundton, die Quinte (sieben Halbtöne höher) und die Oktave des jeweiligen Akkords. Wenn es etwas bluesiger klingen soll, kommt noch die kleine Septime (zwei Halbtöne unter der Oktave dazu). Dieser Ton passt auch im Rock und Funk meist.

Für dieses Tutorial nehmen wir die folgende Bassfigur:

Basslinie einspielen

Um diese Figur einzuspielen, nehmen wir entweder ein MIDI-Keyboard oder die Maus. Das Einspielen mit Keyboard erklärt sich von selbst: MIDI-Eingang wählen (1), Spur scharf schalten (2), Aufnahme starten (3) und einspielen.

Hier sind die typisch menschlichen Schwankungen in Timing und Anschlagsstärke automatisch gegeben. Soweit eine Quantisierung erforderlich sein sollte, macht man das am einfachsten über eine näherungsweise intelligente Quantisierung mit einer Stärke von rund 30%. Mit STG + A wählt man im MIDI-Editor alle Noten des Patterns aus. Über Q quantisiert man mit dem erforderlichen Raster (1/8tel Note oder 1/16tel) – gegebenenfalls mehrfach nacheinander. Abschließend kontrolliert man, ob die Quantisierung nicht vereinzelt Noten in die falsche Richtung verschoben hat. Das Auffinden von Ausreißern funktioniert am besten mit den Ohren: Bassspur auf Solo schalten und (evtl. mit Metronom) probehören.

Wir kommen weiter unten noch darauf zurück, wie man nachträglich wieder Ungenauigkeiten einbauen kann, falls etwas zu hart quantisiert und damit maschinell klingen sollte.

Praxis-Tipp: Notenüberlappungen löschen

Beim Einspielen mit dem Keyboard kommt es schon mal vor, dass sich Töne überlappen. Das klingt beim Bass normalerweise nicht sonderlich gut, deshalb sollten diese Überlappungen gelöscht werden. Das funktioniert in Cubase ganz einfach mit der entsprechenden Funktion: Part(s) selektieren (1), Editor-Tab im Inspector wählen (2), und im Länge-Tab die „Überlappungen löschen (Poly)“ wählen (3, Klick auf den entsprechenden Pfeil).

Hinweise:
„Überlappungen löschen (Mono)“ würde nur Überlappungen identischer Tonhöhe löschen, „Poly“ löscht sämtliche Überlappungen. Wir wählen „Poly“.

Es wird jeweils das Notenende der Überlappung abgeschnitten, nicht der Anfang.
Die Funktion „Note Overlap“ mag in anderen DAWs anders benannt sein, funktioniert aber im Prinzip ähnlich.

Einspielen“ mit der Maus

Schauen wir jetzt also auf die Maus-Programmierung und die anschließende „Vermenschlichung“.

Zuerst stellen wir das Quantisierungs-Raster auf Achteltriolen…

… und fügen dann mit dem Stiftwerkzeug (2) einen leeren Part auf der Bass-Spur ein (3). Diesen Part öffnen wir mit einem Doppelklick auf (3) und malen die acht Noten des ersten Taktes mit dem Stiftwerkzeug ein (4). (1) zeigt, wo das Quantisierungs-Raster gewählt wird.

 

Basslinie natürlicher gestalten

Das letzte Beispiel klingt gar nicht schlecht, obwohl wir nur ein paar Töne ohne jegliche Dynamik- und Timing-Schwankungen mit der Maus eingezeichnet haben. Erwähnte ich schon, dass ich den MODO Bass klasse finde? 😉

Praxis-Tipp: Dynamik einbauen

Für ein noch realistischeres Klangergebnis ist die Dynamik, also die Lautstärke-Unterschiede zwischen verschiedenen Tönen, wohl der mit Abstand wichtigste Faktor. In den meisten DAWs wird die Lautstärke über Lautstärke-Balken unter den Tönen eingestellt. Die Töne auf den Zählzeiten (Viertelnoten) sind in der Regel lauter (1) als die Offbeats, also die Und-Zählzeiten (2). Kommen Sechzehntelnoten ins Spiel, sind diese meist noch etwas leiser als die Offbeats.

 

Zusätzlich kann man noch Akzente einbauen, also bestimmte Töne betonen. Diese Akzente werden dann normalerweise auch vom Schlagzeug und anderen Instrumenten mitgespielt.

Praxis-Tipp: Tonlängen anpassen

Für zweitwichtigste Faktor für ein realistisches Ergebnis ist die Länge der einzelnen Töne. Dazu legen wir manuell Hand an die Länge der vier Töne auf den Zählzeiten und verkürze sie, so dass die Triolen jeweils aus Ton – Pause – Ton bestehen. Um die Notenlänge zu verändern, fassen wir einfach das Notenende (1) mit der Maus an und verschieben es. Wenn das Raster eingeschaltet ist, rasten die Notenenden entsprechend ein.

 

Praxis-Tipp: Copy-Paste & Transponieren

Jetzt erweitern wir den Groove auf einen 12-taktigen Blues. Dazu kopieren wir einfach den fertigen Takt mehrfach in die nachfolgenden Takte. In Cubase unter Windows funktioniert das ganz einfach per Drag’n’Drop mit gehaltener ALT-Taste (1).

Anschließend transponieren wir den 5., 6. und 10. Takt um fünf und den 9. und 12. Takt um sieben Halbtöne nach oben. Transponieren kann man in Cubase auf mehrere Arten. Die unelegante Art ist wiederum die entsprechenden Noten zu selektieren und per Drag’n’Drop oder mit den Pfeiltasten zu verschieben. Hält man dabei die STRG-Taste gedrückt, so wird ein Verrutschen der Noten in der Horizontalen verhindert.

Alternativ kann man auch die Töne eines Parts selektieren und sie dann im Editor mit den Pfeil-Buttons transponieren.

Eine weitere Möglichkeit ist das Selektieren eines oder mehrerer Parts (1) und die Nutzung der Option Transponieren im Menü MIDI > Transpositionseinstellung. Nach der Auswahl, um wieviele Halbtöne transponiert werden soll (2), muss der Ausführen-Button (3) gedrückt werden.

Praxis-Tipp: Tastaturbefehle

Wenn man einen bestimmten Menüpunkt oft benutzt, spart es viel Zeit, dafür einen Tastaturbefehl anzulegen. Das funktioniert unter Cubase mit Datei > Tastaturbefehle.

Du kannst auch selektierte Parts mit der Transponieren-Funktion in der Infozeile (ganz oben) transponieren. Dies geschieht aber als Echtzeiteffekt, daher werden die Töne im Editor auf der Original-Tonhöhe angezeigt. Das finde ich verwirrend, da andere Töne klingen als angezeigt werden.

Praxis-Tipp: Extraspur für Artikulationen

Wenn man einen Takt transponiert, werden alle Töne des Taktes transponiert, also auch die Töne, die als Keyswitches fungieren. Das ist natürlich nicht gewünscht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu verhindern. Die offensichtliche – unelegante – Lösung wäre, nicht den ganzen Takt zu kopieren, sondern ihn zu öffnen und die zu transponierenden Noten zu selektieren und anschließend zu transponieren. Es ist offensichtlich, dass das mit zunehmender Taktzahl sehr zeitaufwendig und umständlich wird.

Eleganter ist das Verwenden von zwei separaten Spuren für die zu spielenden hörbaren Töne und die Keyswitches. Dazu öffnet man in Cubase das Instrumentenrack (Tastaturbefehl F11) und lädt MODO-Bass in einen freien Slot.

Anschließend erzeugt man zwei MIDI-Spuren (nicht Instrumentenspuren) (1) und weist deren Ausgang jeweils dem MODO-Bass im Instrumentenrack zu (2).

Wenn man jetzt etwas transponieren möchte, wählt man einfach die entsprechenden Takte auf der Spur mit den zu spielenden Tönen und transponiert sie entsprechend. Die Keyswitches auf der anderen Spur bleiben hiervon unberührt.

(Anmerkung: Das Instrumentenrack ist nicht in der ganz kleinen kostenlosen Version Cubase LE enthalten, aber schon ab der Elements-Version.)

Die Keyswitches bauen wir später bei den Groove-Variationen ein, da unser Basisgroove keine besonderen Artikulationen braucht. Die MIDI-Spur mit Instrumentenrack anstelle einer Instrumentenspur ist aber auch noch aus einem anderen Grund sinnvoll: Sie ermöglicht den Zugriff auf die MIDI-Parameter und damit auf das automatische Einbauen kleiner Ungenauigkeiten in Timing, Dynamik und Tonlänge:

Praxis-Tipp: Timing & Dynamik mit Zufallsfunktion variieren

Die winzigen Schwankungen im Timing und auch in der Dynamik sind ein weiterer wichtiger Faktor für das natürliche Feeling eines Grooves, denn auch ein echter Bassist spielt nicht jede Wiederholung des Riffs exakt gleich. Dazu gibt es in fast jeder DAW eine entsprechende Funktion, die das automatisiert. Zuerst wird ausgewählt, was per Zufall variiert werden soll (Position, Tonhöhe, Anschlagstärke oder Länge)…

… und dann um wieviel der Wert maximal verringert und um wieviel maximal erhöht werden soll.

Der Beat stammt aus der EZdrummer2-Erweiterung EZX The Blues.

Auch die Notenlänge würde ich gerne noch zufällig leicht variieren, aber leider stellt Cubase nur zwei Zufall-Parameter gleichzeitig zur Verfügung.

Arrangement

Das Timing und die Dynamik haben wir schon mit dem DAW-internen Zufallsgenerator auf pro-Note-Ebene variiert. Als nächstes bauen wir Variationen auf einer höheren Ebene ein, nämlich auf Arrangement-Ebene. Denn kein echter Bassist würde einen ganzen Song mit derselben Grunddynamik spielen. Vielmehr würde er in bestimmten Songteilen mehr Power geben (Chorus, Gitarrensolo) und in anderen weniger (Strophen, Mittelteil). Das kann man mit MODO Bass auf verschiedenen Wegen erreichen, die man auch miteinander kombinieren kann:

Praxis-Tipp: Unterschiedliche Dynamik / Artikulation für unterschiedliche Songteile

Wir wollen die einzelnen Songteile voneinander unterscheidbar machen, indem zum Beispiel die Strophe eine andere Lautstärke und / oder Spieltechnik hat als der Chorus. Wenn der Bass bestimmte Songteile leiser beziehungsweise lauter spielt, sollte natürlich auch der Rest der Band, insbesondere das Schlagzeug, diese Dynamikänderung mitmachen.

Praxis-Tipp: MIDI-Controller & Automatisierung

Als erstes weisen wir die Abdämpf-Stärke der Anschlagshand (Muting) einem MIDI-Controller zu und steuern damit die Dämpfung. Diese Steuerung zeichnen wir in Cubase auf, so dass sie beim nächsten Abspielen automatisiert wiederholt wird.

Das funktioniert nicht wie erwartet mit Rechtsklick auf den entsprechenden Regler. Um MIDI-Learn zu nutzen, wechseln wir ins Tab Control (1), und wählen aus dem Muting-Dropdown (2) die Option Learn (3) und bewegen anschließend den gewünschten Regler an unserem Controller:

Im Tab Play Style (1) kontrollieren wir, ob sich der Mute-Regler (2) bei Bewegung des Controllers bewegt:

Im Tab Control finden wir also eine Übersicht über alle vergebenen MIDI-Controller. Das gefällt mir sogar besser als die übliche Rechtsklick-Vergabe, denn so sieht man gleich, welche Regler welchem CC zugeordnet sind.

Um die Parametermodulation aufzuzeichnen gibt es zwei Wege:

A) Man setzt die betreffenden MIDI-Spur auf Aufnahme und zeichnet die Reglerbewegungen des externen Controllers auf, etwa des Modulationsrades für das Abdämpfen der Saiten. Diese Aufnahme kann man mit Cycle-Modus und mit Vorzählern oder on the fly durch Aktivieren der Aufnahme bei laufenden Playback durchführen, auch innerhalb des MIDI-Editors.

B) Die zweite Möglichkeit ist die Aufnahme der Regleranimation durch die Maus. Dazu aktivieren wir die Automatisierung der Bassspur mit dem W(rite)-Button (1) und starten die Aufnahme. Während der Aufnahme bewegen wir den Controller. Die Bewegung wird in der Spur aufgezeichnet (2) und auch im MODO Bass angezeigt (3). Nach der Aufnahme aktivieren wir das Abspielen der aufgenommenen Automatisierung mit dem R(ead)-Button (4). Nach Beenden der Aufnahme sollte man nicht vergessen, den Write Button erneut anhzuklicken und die Spur zu „entschärfen“. Sonst kann es passieren, dass man später versehentlich Arbeiten am MODO-Bass als Automation aufzeichnet.

 

Praxis-Tipp: Key Switches

Neben einem MIDI-Controller kann die Spieltechnik auch durch sogenannte Key Switches beeinflusst werden. Das sind Töne, die außerhalb des vom Bass spielbaren Bereichs liegen. Diese Keyboardtasten erzeugen keine Töne, sondern lösen beim gleichzeitigen Spielen eines anderen Tons eine bestimmte Spieltechnik aus (oder aktivieren eine andere Artikulation bzw. Spielweise; s.u.). So ist zum Beispiel der letzte Ton ein Flageolett. Diesen habe ich durch gleichzeitiges Drücken der Taste F0 erzeugt. Diese Key Switches spiele ich wie gesagt immer auf einer eigenen MIDI-Spur ein, deren Ausgang ich dem MODO Bass zuordne. Ansonsten würde beim Transponieren der Key Switch auch transponiert werden und anstelle eines Flagelotts zum Beispiel ein Ton als Slap gespielt werden. Die Key Switches sind im Tab Control aufgelistet und können frei gewählt werden. Das ist zum Beispiel bei kleinen Tastaturen sinnvoll!

(Im Falle des Flageolets handelt es sich um einen Artikulationswechsel, der nur solange andauert, wie die Key Switch – Taste gehalten wird. Bei diversen Sample Libraries werden solche Key Switches auch als „Hot Key“ bezeichnet. Andere Key Switches muss man nur einmal per Steuertaste aktivieren, um – bis zum nächsten Key Switch – zu einer anderen Spielweise zu wechseln.)

 

Fine-Tuning: Intro & Ending

Mittlerweile sollte der Song schon sehr stimmig sein. Jetzt geht es nur noch um das Fine-Tuning. An dieser Stelle solltest du dir ein interessantes Intro und ein cooles Ending überlegen. Das kann man natürlich auch schon vorher machen, ich mache es aber gerne, wenn der Aufbau des Songs steht.

 

Fine-Tuning: Melodische Variationen & Fills

Ein echter Bassist würde an markanten Stellen, meist beim Übergang in den nächsten Songteil, einen kleinen Fill oder Übergang spielen. Diese spielst du am besten individuell ein (oder programmierst sie individuell mit der Maus), und variierst dabei jedes Mal ein ganz kleines Bisschen.

Im folgenden Beispiel sind einige Töne verändert, im dritten Takt des zweiten Durchgangs wurde eine Triole mit Hammer-On (Key Switch) und als letzter Ton ein Flageolett (Key Switch) eingebaut.

Die Anschlagsposition habe ich einem MIDI-Drehregler zugeordnet und so den ersten Durchgang näher am Hals angeschlagen (dumpfer) und den zweiten Durchgang näher an der Brücke (heller).

Ein weiterer MIDI-Regler hat den Dämpfungsgrad bestimmt, der im ersten Durchgang stärker als im zweiten Durchgang ist.

Auch das Schlagzeug spielt im ersten Durchgang etwas leiser (Velocity minus 15). Normalerweise würde ich noch die HiHat-Artikulation ändern (im zweiten Durchgang etwas offener) und die Fills variieren, aber in diesem Tutorial geht es ja nicht um das Schlagzeug.

 

Insgesamt passen Schlagzeug und Bass jetzt in der zweiten Hälfte nicht mehr zusammen, aber so kann man deutlich sehen, welchen Einfluss Anschlagsposition, Abdämpfen und Ähnliches beim MODO Bass haben!

 

Fine-Tuning: Bassspur zur Drumspur quantisieren

Wenn uns eine professionell eingespielte MIDI-Drumspur wie zum Beispiel aus dem EZdrummer2 vorliegt, dann hat diese natürlich auch ein gewisses Feeling. Das kommt dadurch, dass der Schlagzeuger zum Beispiel treibt oder die Snare etwas verschleppt – und so etwas ist mit der Maus einfach kaum zu erzeugen.

Eine der tollen Möglichkeiten von MIDI und Cubase ist, dass man den Groove von einem File auf ein anderes übertragen kann. So spielt unser virtueller Bass mit demselben Feeling. Es wäre allerdings unrealistisch, dass unser Bassist 100% exakt im selben Groove spielt. Die Lösung ist, dass wir nur näherungsweise quantisieren (die Noten sich also eine frei wählbare Prozentzahl dem Drum-Groove annähern). Alternativ oder zusätzlich gibt es die kleinen zufälligen Ungenauigkeiten, die wir vorhin mit der Zufallsfunktion schon eingebaut haben. Und diese werden beim Anspielen in Echtzeit auf das MIDI-File angewendet, gehen also durch das Quantisieren nicht verloren.

Zuerst extrahieren wir den Groove aus dem Drum-File: Quantisierungsfeld öffnen (über den kleinen Pfeil rechts (1)), MIDI-File (2) ins Quantisierungsfeld (3) ziehen.

Dann quantisieren wir die Bass-Spur zu diesem Groove:

 

Mit dem Kleben-Werkzeug (1) kleben wir die einzelnen MIDI-Bass-Takte zu einem File zusammen (2), wählen optional die näherungsweise Quantisierung iQ (3) und passen die Prozentzahl an und führen schließlich die Quantisierung zum Drum-Groove aus (4). Im Dropdown-Menü (5) wird dieser Groove als Quantisierungsgrundlage angezeigt.

 

Fine-Tuning: MODO Bass beim Mixdown anpassen

Optional kann MODO Bass beim Mixdown noch nach Bedarf angepasst werden.

Zuerst wählst du im Model-Tab das Grundmodell des Instruments:

Dann können wir optional die Elektronik im Tab Electronics ändern. Neben der Art der bis zu zwei Pickups kann auch deren Position und Lautstärke frei bestimmt werden. Zusätzlich kann ein Piezo-Signal hinzugemischt werden, die Elektronik aktiv oder passiv sein und der Ton mit der Klangregelung (Tone, Bass, Middle, Treble) feinjustiert werden.

Im Tab Strings kann

  • die Anzahl der Saiten (4, 5 oder 6),

  • die Stimmung (Standard oder Dropped D),

  • die Action (Saitenabstand vom Griffbrett: Low, Standard oder High), der Saitentyp (Flat Wound oder Round Wound),

  • die Saitenstärke (Light, Medium oder Heavy)

  • und das Alter der Saiten (New, Broken In oder Old)

gewählt werden. All das hat – teils mehr, teils weniger – Einfluss auf den Klang. Klasse!

  • Im Tab Play Style kann zwischen den Anschlagstechniken Finger, Pick oder Slap gewählt werden. Bei Finger kann zwischen Wechselschlag (Alternate), Zeigefinger (Index) oder Mittelfinger (Middle), bei Pick zwischen Wechselschlag (Alternate), Abschlägen (Down) und Aufschlägen (Up) und bei Slap zwischen Automatisch, Slap und Pull gewählt werden

  • Das Abdämpfen mit der Anschlagshand (Muting) kann stufenlos hinzugefügt werden (siehe oben). Der Touch kann zwischen Soft, Normal oder Hard umgeschaltet und die Saiten können auch nach dem Loslassen der Keyboardtaste weiterklingen (Let Ring).

  • Es gibt verschiedene Fingering-Optionen, also an welchen Stellen des Griffbretts unser Bassist bevorzugt spielt: Easy, Nearest oder First Position und ob er mit der ohne Leersaiten (Open Strings) spielt.

All diese Parameter können im Tab Control frei wählbaren MIDI-Controllern oder Keyswitches zugeordnet werden – genial!

Im Amp-Tab haben wir die Wahl zwischen zwei Bass-Amp-Simulationen mit Klangregelung, EQ und dem Mischverhältnis von Amp- und DI-Signal.

Wenn man auf eines der Effektpedale am Boden klickt, öffnet sich eine alternative Ansicht des Amp-Tabs. Hier können wir aus verschiedenen Effekten wie Octaver und Verzerrer auswählen.

Um zu den Amps zurückzugelangen, klickt man mit der Maus auf einen der Amps.

Ausprobieren & Erfahrungen teilen

MODO Bass liefert bei richtiger Programmierung wirklich fantastische Ergebnisse. Und das Einspielen der Bassspur über ein Keyboard macht mit MODO Bass einfach richtig Spaß. Jetzt geht es ans Ausprobieren. Nachdem du die Beispiele dieses Workshops selbst erarbeitet hast, solltest du diese Prinzipien nun auf einen anderen Song deiner Wahl anwenden.

Und so kann es klingen, wenn man die Details von Schlagzeug und Bass richtig ausarbeitet:

https://www.youtube.com/watch?v=xhteymOjZbY

Schlagzeug (EZdrummer2 mit EZX Traditional Country Library) und Bass (MODO Bass) spielen keine enthaltenen Pattern, sondern sind komplett mit der Computer-Maus programmiert. Mehrere Leute, darunter auch sehr gute und teils bekannte Bluesmusiker, fanden die Rhythmusgruppe klasse und wollten wissen, wer das gespielt hat. 🙂

Welche Erfahrungen und Tipps hast du? Teile sie in den Kommentaren mit den anderen Lesern!

Viel Spaß & Erfolg,
Andi Saitenhieb

 

Die Screenshots wurden mit TechSmith Snagit bearbeitet.

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