Test: Eventide Anthology X

…den 2016 Stereo Room an:

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Dieses Plug-in katapultiert in das Jahr 1985. Damals steckte die Entwicklung digitaler Effektprozessoren noch in den Kinderschuhen. Es war eine hohe Kunst, gut klingende Hallalgorithmen für die eingeschränkte Prozessorleistung zu schreiben. Der Eventide SP2016 gehörte zur Crème de la Crème und bot gleich drei Algorithmen: Stereo Room, Room Reverb und High Density Plate.

Das Plug-in Stereo Room bildet also nur einen dieser drei Optionen des Originals ab.

Absolut erstaunlich für die damalige Zeit war, dass sogar Parameter wie Front – Rear (Vorne- und Hinten-Position) sowie Diffusion (Reflexionsdichte) enthalten sind. Auch ein Equalizer ist an Bord. Für Schnelleinsteiger gibt es zahlreiche Presets. Es sollte jedoch kein Problem sein, einen eigenen Sound einzustellen. Im Gegensatz zu manch modernen Raumsimulatoren mit ausufernden Parameterlandschaften kann man beim Stereo Room kaum entgleisen.

Für das folgende Audiodemo habe ich das Preset „Lead Vocals“ verwendet und den Parameter Front-Rear von der extremen Linksposition bis zum Rechtsanschlag animiert. Der Dry/Wet-Regler steht auf 100% Wet.

 

Der Hall klingt ein wenig rau und nach Vintage. Das darf er auch. In einer Produktion, die auf alt getrimmt wird, ist er Gold wert. An Transparenz mangelt es diesem frühen Hall aus dem Hause Eventide dennoch nicht – erstaunlich. Stellt man 100% Wet ein, so wird der Front-Far-Regler zu einem Positionierer. Die Schallquelle rückt vom Hörer weg, der Raum gewinnt an Tiefe, indem zunächst die Frühen Reflexionen auftreten und später die dichte Hallfahne dominiert. Auch das ist eine Eigenschaft, die nur wenige Raumsimulatoren beherrschen. Sie ist nicht deckungsgleich mit einem einfachen Hinzumischen eines Hallanteils.

Obendrein verbraucht Stereo Room verschwindend wenig CPU-Power und kann damit sowohl live als auch in Projekten mit anderen, CPU-hungrigen Instrumenten und Plug-ins gut eingesetzt werden.

Nun habe ich für die Drums einen mittleren Raum, für die Vocals einen großen mit 13 Sekunden Dauer eingestellt. Während die Vocals angenehm schweben, stellt sich heraus, dass Stereo Room für Drums nicht so geeignet ist. Bei kürzeren Hallzeiten wirkt der Raum körnig und nicht wirklich rund. Die tiefen Frequenzen werden im Hallsignal nicht voluminös abgebildet. Stellt man den EQ für die teifen Frequenzen auf +4 dB, wird es ein wenig besser. Trotzdem fühlen sich Drums in diesem Raum nicht wirklich wohl und werden nicht ausreichend unterstützt.

Wir halten fest: Der Eventide 2016 Stereo Room eignet sich für sustainbetonte Instrumente, Gesang und Flächen. Er liefert einen schönen, schwebenden Vintage-Sound mit dem besonderen Extra der variablen Positionierung.

Eine ganz anderes Kaliber von Hall ist …