Test: Eventide Anthology X
Blackhole
Hier geht es um überdimensionale und irreale Räume.

Blackhole ist ein True-Stere-Reverb und fand sich ursprünglich im DSP 4000, später auch im H8000, darüber hinaus in Eventides Space Guitar Pedal.
Einige der oben abgebildeten Parameter sind selbsterklärend, andere sollen hier kurz dargestellt werden:
- Gravity: Decay des Halls. Von extrem dicht und kurz zu langgezogen und weich. Im Linksanschlag werden Reverse-Effekte erzielt.
- Size: Die Raumgröße, klar. Aber diese reicht hier von einer winzigen Schachtel bis zum Hyper-Space.
- Hi und Low: Kuhschwanzfilter bei 350 und 2000 Hertz (mit zusätzlichem Resonanz-Regler).
- Tempo: Wahlschalter für die Vorverzögerung (Predelay) in Millisekunden, Notenwerten oder zum manuellen rhythmischen Einklicken.
- Mod Rate und Mod Depth: Modulationen des Reflexionsverhaltens in der Hallfahne.
Daneben gibt es noch einige Sonderfunktionen:
- Kill stoppt das Eingangssignal, sodass man lediglich den Ausklang der Hallfahne hört.
- Freeze schaltet den Eingang ebenfalls stumm und setzt den Hall auf unendlich ausklingend. Das Hallsignal verwendet nun fortwährend das zuletzt in den Pufferspeicher gelangte Audiosignal. Der Endloshall kann jetzt als Basis für externes experimentelles Klangdesign verwendet werden.
- Ribbon: Bei dem horizontalen Feld im unteren Bereich handelt es sich um einen virtuellen Ribbon-Controller mit dem man zwischen zwei Parameterkonfigurationen (linker und rechter Anschlag) überblenden kann. Die Parametereinstellungen setzt man einfach durch Klicken auf den leuchtenden blauen Punkt auf der Kreisbahn um jeden Regler herum.

- Der Wertebereich, der via Ribbon Controller durchfahren werden soll, kann durch Ziehen der beiden Punkte pro Regler begrenzt werden. Auch Parameterfahrten entgegen dem Uhrzeigersinn sind möglich, wenngleich eine solche Einstellung nicht grafisch abgebildet wird – dafür hätte man verschiedenfarbige Pünktchen für die rechte und linke Position einbauen müssen.
- Mit dem Hotswitch lässt sich eine Parameterkonfiguration sofort aufrufen. Um den Hotswitch zu belegen klickt und hält man diesen für etwa zwei Sekunden, bis er zu blinken beginnt. Anschließend stellt man den gewünschten Raumklan ein. Bei laufendem Playback ist das ein Kinderspiel. Zum Abschluß klickt man nochmals auf den Hotswitch.
Blackhole bietet also reichlich Flexibilität und nicht nur außergewöhnliche Räume, sondern auch die Möglichkeit, zwischen diesen zu überblenden oder zu wechseln – ohne ein neues Preset aufzurufen und ohne Knackser. Alle Regler sind automatisierbar, jedoch nicht direkt via MIDI-Track über externe Spielhilfen steuerbar. In Cubase lässt sich das über die Quick Controls jedoch einrichten, sodass eine spektakuläre Live-Performance ohne krampfhaftes Mausgeschiebe möglich ist. Einer Live-Anwendung kommt zugute, dass Blackhole äußerst ressourcenschonend arbeitet – ganz im Gegensatz zu anderen experimentell ausgelegten Reverbs, wie etwa dem (ebenfalls ausgezeichnet klingenden) B2 von 2CAudio.
Fast überflüssig zu erwähnen – aber eine Automation aller Parameter ist natürlich auch möglich.
Jetzt wird es aber Zeit für ein paar Höreindrücke. Zunächst hören wir noch einmal die Realivox Ladies von Realitone. Blackhole steht auf 100% Wet. Gegen Ende habe ich die Raumgröße erhöht – ein gespenstischer Effekt.
Nun habe ich diese Einstellung verwendet:

In dieser Konfiguration liefert Blackhole einen Voice-Doubling-Effekt.
Zwischendurch habe ich dann per Hotswitch zu diesen Einstellungen mit temposynchronem Predelay und etwas längerem Decay (Gravity) gewechselt:

Das Ganze hört sich so an:
Kommen wir zu einem Beat: Das Small Oak Kit aus EZdrummer Post Rock EZX mit einem passenden, schön langsamen Groove (70 BPM). Dunkel und bedeutsam … und aufgepeppt mit Omnipressor:

Blackhole setze ich mit folgender Startposition ein …

… einem sehr weiten Raum.
Mit dem Ribbon Controller fahre ich später zur entgegengesetzten Parametereinstellung (s. blaue Teilkreise um die Regler herum). Zusammen mit dem Predelay generiert Blackhole nun eine Art Maschinentuckern. Dessen Klangfarbe variiere ich während der letzten vier Takte durch eine Automation der beiden Filter.
Nebenbei: Solche temposynchronen Effekte verlangen auch vom Gravity-Parameter eine Einstellung, die zur Geschwindigkeit passt. Ideal wäre hier ebenfalls eine alternative Zeiteinstellung in Notenwerten gewesen. Sie erinnern sich? Gravity ist für das Decay des Halls zuständig. Man kommt aber mit einem exakt einsetzenden Predelay und genauem Hinhören auch zurecht.
Blackhole ist unterm Strich ein warm und nach Vintage klingender Effekthall, der sich für alles Mögliche eignet. Natürlich sind auch nicht-experimentelle Räume gestaltbar. Ein umfangreiches Paket an Presets hilft beim Einstieg, selber experimentieren macht aber deutlich mehr Spaß.
Blackhole erinnert etwas an den Tin Can Verb aus FXpansion BFD 2 und 3, kann aber deutlich mehr und klingt edler.
