Test: Eventide H3000 Factory

Beim Eventide H3000 Factory handelt es sich um ein Retro-Plug-in der besonderen Art. Die Original-Hardware aus dem Jahre 1986 war das erste Effektgerät mit intelligentem Pitch-Shifting und fehlte bald in keinem renommierten Studio. Diverse Weiterentwicklungen vom DPS4000 über den Orville bis zum aktuellen H8000FW folgten. Alle diese Geräte haben auch Ur-Algorithmen des H3000 an Bord.

 

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Die Meisterleistung aus der Frühzeit der Digitalisierung bietet eine Vielzahl teils abgedrehter und einzigartiger Effekte und ist auch heute noch ein gern benutztes, respektiertes und einzigartiges Werkzeug. Da das Plug-in vom Hersteller selbst entwickelt wurde, darf man auf einen authentischen Sound des nativen Pendants hoffen.

 

Überblick

Der native H3000 Factory Harmonizer beinhaltet einige, nicht alle, der im H3000 verwendeten Algorithmen. Selten unter den virtuellen Effekten ist das modulare Konzept. An Bord sind mit den Modulen Pitch-Shifter, Delay, Modulation (Amplitude Modulator, Envelope Follower und LFO) sowie Filter (Low-, Band- und High-Pass mit variabler Güte) wesentliche Bestandteile des Originals. Insgesamt stehen 18 frei kombinierbare Effektblöcke mit mehr als 200 Parametern zur Verfügung. Echos und LFO-Wellenformen können zum Host-Tempo synchronisiert werden.

Neben der Möglichkeit, die verschiedenen Module durch virtuelle Kabel in eine individuelle Interaktion zu bringen, stehen mehr als 450 übersichtlich kategorisierte Presets für den Schnelleinstieg bereit. 100 dieser Presets stammen aus dem Repertoire des Originals, weitere 100 sind von Künstlern zur Verfügung gestellt worden.

 

Installation

Nach Rücksprache mit dem Hersteller hat sich herausgestellt, dass die auf dessen Seite angegebene Kompatibilität sich auf eine ältere Version des Plug-ins bezieht. Der aktuelle H3000 Factory läuft laut Eventide auf dem Mac ab OSX 10.7 aufwärts (VST, AU und AAX) und unter Windows 7 als (AAX, VST 2); alle Formate in 32 und 64 Bit. Nach dem Download installiert man die erforderlichen Plug-in-Formate.

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Auf unserem Testsystem (s. Anhang) wurden die Pfade richtig erkannt. Sie können aber auch manuell eingegeben und in der Ordnerhierarchie angeklickt werden.

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Hat man zuvor nur ein Plug-in-Format ausgewählt, etwa VST 64 Bit, so erscheint auch nur dessen Pfad.

Alles läuft reibungslos. Eine sidechainfähige VST 3- Version gibt es aber derzeit noch nicht.

Dieser Scrennshot wegen der hübschen Grafik:

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Damit H3000 Factory auch gestartet werden kann, ist eine Autorisierung über den iLok License Manager erforderlich. Man loggt sich in seinen iLok Account ein; per Klicken und Ziehen transportiert man die Lizenz zum Ziel: Das Plug-in kann auch für einen speziellen Rechner und ohne iLok (dann nicht mobil) autorisiert werden. Im Kaufpreis sind großzügiger Weise zwei Autorisierungen enthalten, die sofort eingesetzt werden können. So lassen sich auch zwei Rechner oder ein Rechner und ein iLok autorisieren. (Den Lizenzbedingungen entsprechend dürfen diese beiden Autorisierungen nur vom Käufer selbst benutzt werden.)

 

Architektur und grundlegende Bedienung

Bevor wir zu den Presets und einer ganzen Reihe von Anwendungsbeispielen kommen, werfen wir einen Blick auf den Aufbau des Plug-ins:

In der Kopfzeile ist der Browser mit zusätzlicher Load/Save-Funktion sowie Compare angesiedelt. Sobald man einen Parameter verändert hat, kann man mittels Compare die Ausgangseinstellung zum Vergleich aufrufen.

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16 Parametereinstellungen eines Presets können über den Ziffernblock rechts im Current-Modus abgelegt werden. Insbesondere wenn man selbst auf Modulebene bastelt, ist das eine gute Hilfe, denn eine Undo/Redo-Funktion gibt es nicht. Im Global Modus dient der Ziffernblock der Anwahl von 16 Lieblingspresets.

Über die Softkey-Taster wählt man einen der (bis zu) vier Hauptparameter eines Presets aus und kann diesen dann über das große Drehrad rechts verändern – eine exakte Kopie der Bedienung des Originals. Das Plug-in bietet zudem die Alternative, die Parameter über Klicken und Ziehen der numerischen Wertefelder zu verändern. Nach einem Doppelklick können Werte auch als Ziffern eingegeben werden (an dieser Stelle funktioniert das, an anderer – unter Cubase 7 – nicht).

Softkeys werden über das Function-Generator-Panel des Program-Menüs definiert: Hier kann der Name und die Wirkungsbreite eingegeben werden. Ich komme am Ende des Tests darauf zurück.

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Welche Parameter ein Softkey steuert, bestimmt man über die Aufklappmenüs der Modulationsabteilung der Module. In der unteren Abbildung ist beispielsweise (im Program-Menü) das Modul Pitch-Shift 2 angewählt (das Namensfeld wird dann orangefarben hinterlegt). Rechts werden dessen Parameter angezeigt. Unter Modulation ist die Auswahl der Steuerquellen für die Stärke der Tonhöhenveränderung (Pitch Amount) aufgeklappt. Softkey 2 ist aktuell angewählt. Weitere Parameter anderer Module können bei Bedarf ebenfalls über Softkey 2 gesteuert werden, sodass sich über die Softkeys globale Steuerungen mehrerer Parameter einrichten lassen. Der Einflussbereich der Steuerung via Softkey wird über Minimum/Maximum-Werte festgelegt.

Umfangreiche Steuermöglichkeiten, wie man sie sonst eher von ausgewachsenen virtuellen Synthesizern, weniger von Effektgeräten kennt, lassen sich damit relativ einfach definieren. Die Schriftgröße innerhalb der Aufklappmenüs ist rekordverdächtig winzig und verlangt auf Benutzerseite Adleraugen oder eine gute Lesebrille.

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Über Program, Expert und Function erreicht man drei Menüseiten, die den unteren Bereich der Oberfläche nutzen. Alternativ kann man zwischen diesen Menüs auch über die Karteireiter wechseln.

Die linke Hälfte des Program-Menüs ist für die Effektmodule und deren Kabelverbindungen reserviert. Per Klicken und Ziehen kann man die Position der zentralen Module verändern, etwa um eine neu entworfene Signalkette übersichtlich anzuordnen. (Die Position hat keinen Einfluss auf den Signalweg; dafür sind die Kabel zuständig.)

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In der linken Spalte befinden sich die Input-Module, ein Sidechain-Eingang zur Steuerung durch externe Audiosignale (funktioniert nicht im VST-Format, da VST3 nicht vorliegt), ein Rauschgenerator, ein Fullscale-Modul, mit dem ein konstanter Wert von +1 oder -1 ausgegeben wird sowie Mod Knob und der Function Generator, der eine weitere Modulationsquelle mit zahlreichen, teils ausgefallenen Wellenformen darstellt. Ich komme darauf zurück.

Die rechte Hälfte präsentiert das Innenleben des aktuell angewählten Moduls mit seinen Parametern.

Das Expert-Menü bietet Zugriff auf die Parameter der LFOs, Echos und Hüllkurven. Diese sind identisch mit den Parametern der Menüs der einzelnen Module (die im Program-Menü aufgeschlagen werden, wenn man die Module anklickt). Die Expert-Seite bietet also anders als man dem Namen nach vermuten würde nicht noch tiefere Editierfunktionen.

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Unter dem Reiter Funtion-Menü findet sich die Modulationsmatrix mit fest vorgegebenen Zielen, per Aufklappmenü wählbaren Quellen und Definition des Wirkungsradius mit Minimum/Maximum-Einstellungen. Ebenso wie das Expert-Menü handelt es sich auch hier um eine übersichtliche Alternative zu den identischen Einstellungen in den Modul-Submenüs.

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Angebot an Presets

Bevor man sich ans Eingemachte heranwagt und anfängt Strippen zu ziehen, bietet sich ein reich gefüllter Browser mit etlichen Presets für spezifische Anwendungszwecke an. Hier ein Ausschnitt:

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Angenehm ist, dass man neben dem Browser-Menü auch über die Taster Load und Save direkt zum richtigen Ordner auf der Festplatte gelangt. Immer wieder begegnen mir Plug-ins und virtuelle Instrumente, bei denen man den Pfad in jedem neuen Projekt neu eingeben muss. Bei H3000 Factory ist das nicht der Fall. Auch eigene Effektkonfigurationen können hier bequem in einem eigenen Ordner mit neuem Namen abgelegt und problemlos wiedergefunden werden.

Wir hören gleich einmal, was der H3000 Factory Harmonizer alles kann und wie er klingt. Dabei schauen wir uns auch einige der Gestaltungsmöglichkeiten an, denn anhand der Presets lassen sich relativ leicht individuelle Anpassungen vornehmen ohne gleich die gesamte modulare Struktur beherrschen zu müssen.

Wir starten mit der Vocal-Bearbeitung. Als Vorlage dient eine Phrase aus Soundirons Questionably Barbershop. Das erste Preset, auf das man hier trifft, nutzt ein geringfügiges Pitch-Shifting und (optional) kurze Zeitverzögerungen für den linken und rechten Kanal, um den Sound breiter und fetter zu machen.

Im folgenden Audiodemo schalte ich den H3000 Factory Harmonizer nach dem ersten Vers ein und in der Folge dann mehrfach ein und aus.

 

Dass es beim Ein- und Ausschalten kurz klickt und ploppt, sollte uns nicht weiter irritieren. Der Klang, das wird schon jetzt deutlich, ist angenehm warm und verzeichnungsfrei: Der grundlegende Klangcharakter des Originals bleibt erhalten, der Frequenzgang wird nicht verbogen, es kommt kein Rauschen hinzu. Der gewünschte Effekt, nämlich die Verbreiterung des Panoramas und mehr Klangfülle, wird auf sehr musikalische Weise erreicht.

Die Delays sind hier noch nicht mit im Spiel beziehungsweise auf 0ms Verzögerung eingestellt. Das lässt sich leicht ändern, indem man die in Prozent ausgewiesenen Werte (Softkeys) im oberen Display per Kicken und Ziehen verändert:

Eine Erhöhung des Wertes für Delay bewirkt eine Vergrößerung der Verzögerungszeit, was sich wiederum im Info-Panel des Delay-Moduls widerspiegelt. Hier habe ich im Program-Menü (erreichbar via Karteireiter) das Delay-Modul angeklickt und damit dessen Parameterpanel (rechts) aufgerufen. Dort verschiebt sich das rote Kreuz mit Erhöhung des prozentualen Wertes nach rechts. Zugleich wird im Zahlenfeld darunter die Verzögerungszeit in Millisekunden ausgewiesen:

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Um das Echo zum Host-Tempo zu synchronisieren, klickt man eine Etage tiefer unter Preset Parameters auf Session Tempo, stellt – soweit erforderlich – die Taktart ein und verschiebt dann das rote Kreuz (im Program-Menü, Delay-Modul, wie oben abgebildet).

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Jetzt rastet das Kreuz auf Viertelnoten ein. Will man von einer sturen, maschinell-straighten Verzögerung leicht abweichen, so verstellt man den korrespondierenden Delay-Prozent-Parameter ganz oben.

So hört sich unser A Capella – Gesang mit einem Echo und einer Zeitverzögerung mit exakt ¾ Noten für das linke und leicht verkürztem Echo für das rechte Delaymodul an:

 

Etwas schräg wird es, wenn man die beiden Pitch-Shifter mit zwei LFOs moduliert. Zusammen mit den Echos erreicht man einen wegdriftenden Verzögerungseffekt, ähnlich wie mit einem Doppler.
Um die Modulation einzurichten, verknüpft man den Ausgang der LFOs mit einem der beiden Modulationseingänge der Pitch-Shifter Module (blaue Kabel):

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Im Pitch-Shifter-Modul bestimmen die Parameter Shift Amount, Shift Modulation Amount und Shift Amount Min / Max – Value das Verhalten der fließenden Tonhöhenveränderung und die Stärke des Effekts.

Das Ergebnis hört sich beispielsweise so an:

 

Schön schräg.

Beim Preset Micropitch Slap werden die Ausgänge der mit einer leichten Zeitverzögerung versehenen Pitch-Shifter-Module zum jeweils gegenüberliegenden Kanal zurückgeführt.

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Die Verknüpfungen mit den Mixer-Modulen als Zwischenstationen sieht schon etwas komplizierter aus und ist nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Das Preset liefert folgenden Effekt:

 

Im globalen Preset-spezifischen Bedienfeld …

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bestimmt der Parameter Slap die Größe der Zeitverzögerung. Zusammen mit Feedback kann man eine Art Echo-Raum einstellen.

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Andere Echo-Effekte produzieren bei solchen Einstellungen den Eindruck unangenehm klingender, flatternder Reflexionen. Der H3000 Factory Harmonizer bringt hingegen einen angenehm warmen Klang zustande, der es fast mit einem guten Hall aufnehmen kann.

Beim Stimmen-Doppler steuert ein Hüllkurvenverfolger einen LFO, der wiederum einen Pitch-Shifter moduliert. Das Ergebnis:

 

Wir wechseln zu den Drum-Presets. Um diese zu testen, habe ich einen Beat mit dem Twisted Kit für EZdrummer 2 zusammengestellt. Hier kommen kaputt klingende Drums und Fundstücke vom Küchentopf bis zum Blechdeckel zum Einsatz. Zunähst der Originalsound:

 

Bassdrum, Toms und Snare habe ich auf separate Ausgänge gelegt. Dort sollen nun drei Instanzen des H3000 Factory zum Einsatz kommen.

Mit dem Preset Micropitchshift für die Snare hört sich der Beat so an:

 

„Barry´s Kickdrum Helper“ verpasst der Bassdrum den richtigen Wumms:

 

„Snare2“ fügt den Toms ein Rascheln hinzu, und das „Shimmering Percussion Delay“ füllt die Hi-Hat-Firgur mit Zwischenschlägen auf:

 

Ich nehme einen Kontrabass hinzu (aus Ueberschall Upright Bass):

 

Das Preset „Dynamic Thickener“ macht den Bass breiter und fügt einen Flanging-Effekt hinzu:

 

Als nächstes folgt eine Mute-Guitar (aus Ueberschall Guitar):

 

„Gristle Dirt Flange 1“ schärft die Gitarre:

 

Eine kleine, leicht schräge Posaunen-Improvisation (mit Samplemodeling The Trombone):

 

Das Preset „Pitch Trails“ fügt der Posaune weitere Klangfarben hinzu:

 

Das kleine Arrangement, das ich hier zusammengebastelt habe, ist sicher keine Offenbarung musikalischer Inspiration, doch die Vielseitigkeit und Effektivität des H3000 Factory Harmonizers dürfte in Ansätzen deutlich geworden sein. Hier zum Vergleich die Passage ohne den virtuellen H3000 (alle Instanzen auf Bypass):

 

Inzwischen sind sieben H3000 Factory – Instanzen am Werk. Diese beanspruchen auf unserem Testsystem (s. Anhang) nicht mehr als sechs Prozent der CPU-Leistung – trotz niedriger Puffergröße von 128 Samples und einer Gesamtlatenz von rund 6 Millisekunden. Da die Instanzen in unterschiedlichen Kanälen zum Einsatz kommen, werden sie von separaten CPUs berechnet. Eine Instanz benötigt bei diesen Einstellungen etwa 3% CPU-Rechenleistung. Solch niedrige Werte prädestinieren unseren Testkandidaten für Live-Anwendungen, auch mit weniger leistungsstarken Rechnern.

Der H3000 Factory hat auch eine ganze Reihe psychedelischer Presets auf Lager. Hier eine akustische Gitarre (aus Ueberschall The Resource). Den Effekt habe ich langsam eingeblendet bis zu 100% wet. Die Module Pitch-Shifter, Filter und Delay sind am Werk.

 

„Lost in Space“ ist ebenfalls ein Preset für verträumte Momente und beweist die Fähigkeiten des H3000 Factory als Effekthall.

 

Neben solch komplexen Konfigurationen …

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… gelingt aber auch ein einfacher Chorus, hier zusammen mit einem mit Besen gespielten Schlagzeug aus EZdrummer2, Jazz Kit und einem Synth-Pad, die ich ebenfalls mit H3000 Factory-Presets bearbeitet habe:

 

Zum Vergleich ohne die drei Effekt-Instanzen:

 

Als nächstes schnappe ich mir eine Jazz-Gitarre (aus Ueberschall The Guitar) und schaue mich um, welche Presets hierzu passen könnten. In der Kategorie Distortion finden sich nur stark verfremdende Effekte, die als klassischer Gitarrenverzerrer wenig brauchbar sind.
Recht gut gefällt mir das Ducking Delay:

 

In der Kategorie LoFi trifft man unter anderem auf die Simulation defekter Lautsprecher und Telefonsounds, bei denen die Filter zum Einsatz kommen.
Mit Telefonsound und dem Percussion Sizzler als zweiten Insert-Effekt hört sich die Gitarre so an, als ob die Verbindung unter atmosphärischen Störungen leiden würde:

 

Ganze 30 Presets stehen in der Kategorie Strings zur Verfügung. Hier trifft man auf einige Varianten, die einer Verbreiterung des Klanges dienen und bei denen, anders als bei üblichen Chorus- oder Ensemble-Effekten, nicht nur eine modulierte Zeitverzögerung, sondern vor allem der Pitch-Shifter eine Rolle spielt.

Hier zunächst eine unbearbeitete Streicherpassage (aus Native Instruments Emotive Strings):

 

Das Preset „String Thickener“ macht seinem Namen alle Ehre:

 

„Randamonius“ bietet sich für gespenstische Momente an …

 

… und auch „Ghostly“ liefert eine Klangtransformation der besonderen Art.

 

„Things fall aport“ (tatsächlich mit o geschrieben):

 

Waren Sie nicht immer schon auf der Suche nach einem verrückt gewordenen Radio? Hier ist es:„TrashFM“

 

Time Distorter:

 

Cave Echo:

 

Die Streicher sind nun kaum noch wiederzuerkennen. Im Geburtsjahr des H3000 (1986) waren solche Effekte eine Sensation und haben speziell bei der Filmmusik reichlich Anwendung gefunden.

Und nicht zuletzt hat die virtuelle Reinkarnation des H3000 vom Urvater auch gelernt, selbst Geräusche zu produzieren, ganz ohne Audio-Input. Neben Aliens, Robotern und Maschinen gibt es auch einen bemerkenswerten Wind-Generator:

 

Hier kommt das Noise-Modul zum Einsatz.

In der Kategorie „Sound Design“ finden sich weitere Extrem-Effekte, die die Grenze zwischen Effekt und Klangerzeuger überschreiten und das Eingangssignal zu allerlei experimentellen Klangcollagen oder geräuschhaften Texturen verfremden. Hier die Transformation eines harmlosen Jazz-Beats in eine extraterrestrische Klanglandschaft:

 

Delay, Pitch-Shifter, LFO und Filter werden hierfür benutzt:

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Unter den Presets finden sich unzählige einfallsreiche, inspirierende und seltene Effekte, die über die globalen Parameter obendrein noch leicht wandelbar sind. Daher könnte man deren Betrachtung nun beinahe beliebig fortführen. Anstatt dessen möchte ich Sie auf die Demo-Version auf der Herstellerseite aufmerksam machen – und nun zu den einzelnen Modulen kommen:

 

Modulare Feinarbeit

Der folgende Abschnitt hat teils Tutorialcharakter und wird Ihnen helfen, sich schneller zurecht zu finden, auch ohne Lesen des englischsprachigen, ausführlichen Manuals. Sollten Sie also die DEMO-Version installiert haben, können Sie spätestens jetzt mit der Konfiguration eigener Effektpresets loslegen. Um bei aller Begeisterung über Klang und Möglichkeiten des Kandidaten diesen Test nicht vollends ausufern zu lassen, beschränke ich mich auf die wichtigsten Module.

Die grundlegende Architektur habe ich bereits im ersten Teil dieses Tests beschrieben: Vereinfacht gesagt, befinden sich im Program-Menü links die eingehenden Module (Audio- und Steuermodule), zentral die einzelnen Effektblöcke. Pitch-Shifter, Filter, LFO, Envelope-Follower und Hüllkurven (Envelope) jeweils doppelt, also separat für den linken und rechten Kanal nutzbar. Vier Mixer-Module dienen dazu, Signale zusammenzufassen und summiert an ein Ziel auszugeben.

Die Verkabelung erfolgt einfach durch Anklicken der Buchsen und Ziehen des Kabels bei gehaltener Maustaste. Alt- oder Steuertasten müssen also nicht zusätzlich gehalten werden. Will man ein Kabel wieder entfernen, packt man es am Ende der Verbindung an und zieht es zurück zur Ausgangsbuchse.

Die Module können innerhalb der grundlegenden Schaltungslogik (und auch darüber hinaus) frei verkabelt werden. Audio-Signale können also auch als Modulatoren eingesetzt werden, was beispielsweise geeignet ist, um eine harsche, einer Verzerrung ähnliche Modulation zu erzeugen.

Die Delay-Module verfügen über zwei Modulationseingänge. Ein Ausgangssignal kann zur Erzeugung einer Feedback-Schleife auch in das ausgebende Modul zurückgeführt werden. Von jeder Ausgangsbuchse können beliebig viele Kabelverbindungen gelegt werden. Umgekehrt nimmt jede Eingangsbuchse allerdings nur ein Kabel auf. Will man also mehrere Eingangssignale auf einen Input legen, so muss man diese zunächst über eines der vier Mixer-Module zusammenfassen.

Modulatoren können auch andere Modulatoren steuern. Ein LFO kann in seiner Geschwindigkeit beispielsweise durch eine Hüllkurve oder ein Audio-Signal gesteuert werden.

Die hier abgebildete Schaltung stellt keinen besonders gelungenen Effekt dar, sondern soll nur das bisher Gesagte verdeutlichen:

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Wie wir bereits wissen, wird das Namensfeld des angeklickten Moduls orange hinterlegt. Dessen Parameter-Submenü erscheint dann rechts im Program-Menüfenster.

Die Farbgebung der Kabel gibt Auskunft über deren Funktion: Blau = Modulation, Rot = Audio linker Kanal, Gelb = Audio rechter Kanal, Orange = Sidechain-Audio-Kabel oder Mix-Audio-Kabel, Weiß = ohne Einfluss, also quasi eine Fehl-Verkabelung.

Über eine spezielle Init-Funktion verfügt der H3000 Factory nicht. Ein Blanco-Preset für den Entwurf eigener Konfigurationen von Grund auf findet sich jedoch im Browser zwischen den Künstler-Kategorien unter dem Namen „default“.

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Hier passiert erst einmal gar nichts:

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Nun fangen wir an, die Module ins Spiel zu bringen, zunächst die Echos.

Für das nächste Audiodemo habe ich einen weitgehend leeren Bassdrum/Snaredrum-Beat aus Toontracks EZdrummer2, Claustrophobic Kit, gewählt und die Overhead, Room, Distortion und Compressor-Kanalzüge heruntergeregelt, sodass nur die trockene Direktmikrofonierung übrig geblieben ist. Im H3000 Factory verkabele ich die beiden Echos für den linken und rechten Kanal separat.

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Da ich zum Host temposynchrone Echos haben möchte, schalte ich unter den Performance-Parametern Tempo Based und Session Tempo ein. Die Taktart (hier: 4/4) wird ebenfalls vom Host übernommen. Rot gefärbte Zahlen bedeuten, dass die Werte nicht durch Klicken und Ziehen verändert werden können, sondern von außen determiniert sind.
Außerdem regele ich den Dry/Wet-Anteil auf 45%.

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Innerhalb des Delay-Moduls bewegt man das rote Kreuz im dezent hellgrün hinterlegten Teilbereichs des Rasters. Die Beschriftung Bar 1 ist etwas irreführend, da das Raster nicht eine komplette Taktlänge anzeigt. Wie weit Viertel-, Achtel- oder Sechzehntel-Zeitverzögerungen eingestellt werden können, hängt vom gewählten Tempo ab. Die maximale Zeitverzögerung liegt bei 600 ms.

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Die oben abgebildeten Parameter sind teils selbsterklärend. Interessant ist, dass auch bei Raster-Fixierung der Zeitverzögerung über eine Änderung des Wertes im Feld Delay-Amount von dem starren, temposynchronen Wert abgewichen werden kann.

Moduliert werden kann ein Highcut-Filter, welches die Höhen absenkt (natürlich vorkommende Echos verlieren im Verlauf der Reflexionen sukzessiv an Höhenanteil).

Loop on schaltet den Audioausgang stumm. Sobald man hierauf klickt, wird der Speicherinhalt des Delays endlos wiederholt, bis man die Loop-Funktion wieder ausschaltet. Diese Funktion kann als Automation aufgezeichnet oder (weiter unten im Modulationsbereich) über eine ganze Liste von Steuerquellen und Controllern (auch extern) gesteuert werden, was man für extravagante Stotter-Effekte nutzen kann.

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Im Moment hört sich unser Effekt noch so an:

 

Durch unterschiedliche Zeitverzögerungen für den rechten und linken Kanal habe ich eine Art Ping-Pong-Echo erzeugt. Das Feedback steht auf 0,00. Hier das unbearbeitete Original:

 

Nun geht es darum, die Zeitverzögerung zu modulieren. Dazu nehme ich zunächst die beiden LFOs und verbinde sie mit einem der Modulationseingänge beider Echos:

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Die Frequenz der LFOs habe ich rechts im LFO1 (respektive LFO2) -Menü auf 0,03 (und 0,04 b) eingestellt (b steht im Tempo-Sync-Betrieb für BPM). Ein niedriger Wert bedeutet folglich, dass der LFO einen Durchgang in einem Bruchteil eines Beats absolviert. Der LFO schwingt damit im hörbaren Bereich. Für Feineinstellungen hinter dem Komma bewegt man die Maus bei gehaltener STG-Taste (Mac: cmd). Beim Einstellen der LFO-Frequenz stelle ich fest, dass die Auflösung sogar noch höher ist als im Wertefeld sichtbar. Auch Änderungen hinter der zweiten Kommastelle werden vollzogen und machen sich bei extrem niedrigen BPM-Werten bemerkbar.

Das Ergebnis hört sich folgendermaßen an:

 

Noch niedrigere Werte produzieren dieses Ergebnis:

 

Der metallische Klang entsteht durch die schnell durchlaufende LFO-Wellenform.

Nun moduliere ich die LFOs mit dem Noise-Modul (durch Kabelverbindung) …

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… und stelle die Modulationsrate bei beiden auf 1 kHz ein. Die LFOs bieten neben den Starardwellenformen Sinus, Dreieck, Rechteck und Sägezahn auch exponentielle Sägezahn und Dreicks-Verläufe sowie getriggerte Wellenformen, die in Verbindung mit der Trigger-Taste gestartet werden. Für den LFO 1 (links) wechsle ich von der Werkseinstellung Sinus auf Dreieck.

 

Als Nächstes baue ich hinter den Delay-Modulen Pitch-Shifter auf beiden Kanälen ein. Die Pitch-Shifter beinhalten ein (ebenfalls temposynchrones und durch eine Modulationsquelle steuerbares) Delay mit einer minimalen Verzögerung von 10ms. Ich bleibe bei 10 ms und verkürze bei den vorgeschalteten Delaymodulen die Zeitverzögerung um diese 10 Millisekunden, damit die Synchronizität exakt erhalten wird.

Das Pitch-Shifting möchte ich über das Modulationsrad meines Controller-Keyboards steuern. Das Audiosignal des linken Kanals soll in der Tonhöhe angehoben werden, rechts möchte ich eine Tonhöhenabsenkung, in beiden Fällen um maximal eine Oktave (mehr geht auch nicht).

Um die Verbindung zum Modulationsrad herzustellen, wechsle ich zum Modul Mod Knob, wähle dort das Modulationsrad als Steuerquelle und stelle einen Wirkungsbereich von +/- 100% über die Minumum/Maximum-Felder ein.

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Der Wert des Parameters wird nun rot angezeigt, da er nicht mehr per Klicken und ziehen, sondern nur noch extern über das Modulationsrad gesteuert werden kann. Damit das funktioniert, muss ich natürlich im Sequencer eine MIDI-Spur anlegen und deren Ausgang auf den Insert-Effekt H3000 Factory routen. Nun kann ich die Modulation des Plug-ins auch als Controllerspur aufzeichnen. Sobald ich das Modulationsrad bewege, verändert sich auch das Wertefeld des Mod Knobs.

Als nächstes stelle ich eine Kabelverbindung vom Mod Knob zu den Modulationseingängen der Pitch-Shifter her.

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Wie oben zu sehen, erscheint Mod Knob als Eintrag unter Pitch Mod In im Pitch-Shifter-Modul (rechts unten). Shift Amount steht bei 0: In der Neuralstellung des Modulationsrades kommt es zu keiner Tonhöhenveränderung. Pitch-Shift-Amount steht bei 1200 (linker Kanal) und bei -1200 (rechter Kanal, oben nicht abgebildet).

Eine manuelle Steuerung der Tonhöhe der Echos hört sich nun so an:

 

Nun kommen die Filter ins Spiel, die ich ebenfalls modulieren möchte. Ich führe die Verkabelung so, dass es vom Ausgang der Pitch-Shifter (für die beiden Kanäle getrennt) zu den Eingängen der Filter und von deren Ausgang dann zum Main-Out geht. Die Filter stelle ich so ein:

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Wichtig für ein deutliches Eingreifen in die Filterbewegung ist der Höhe des Modulationswertes von -7,0 kHz für die Modulation. Die Filter sollen per Modulationsrad und durch Hüllkurven gesteuert werden. Ich nehme mir zunächst das Envelope-Modul vor und stelle es folgendermaßen ein:

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Die Hüllkurven habe zwei Ausgänge: Der linke leitet das Signal eines Hüllkurvenverfolgers weiter, der rechte ein Ducker-Signal. Der Ducker reagiert auf die Lautstärke des eingehenden Audiosignals mit Attack- und Decay. Die Kurve wird ausgelöst, sobald ein Schwellenwert (Threshold) überschritten wird.

Ich verwende zwei Envelope-Module für die separate links/rechts Kette, schicke das Ausgangssignal des linken Pitch-Shifters auf den Eingang des rechten Envelope-Moduls (und umgekehrt), ohne dabei die Verkabelung vom den Pitch-Shifter-Ausgängen zum Left/Right-Out zu lösen.

Ich nehme das rechte Ausgangssignal beider Envelope-Module (Ducker-Ausgang) und führe es in die ersten Eingänge zweier Mixer-Module. Deren zweiten Eingang verbinde ich jeweils mit dem Mod Knob-Modulausgang (ganz links). Anschließend verbinde ich die Mixer-Ausgänge mit den Modulationseingängen der Filter-Module, und zwar so, dass eine Überkreuz-Modulation der Filter entsteht (der Pitch-Shifter 1-Ausgang moduliert über die Zwischenstationen Filter 2 und umgekehrt).

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Das Ergebnis hört sich so an:

 

Will man nun noch die Softkeys hinzuziehen, so wählt man diese im Aufklappmenü der Modulationsquellen des jeweiligen Modulparameters an …

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… setzt Minimum/Maximum-Werte und kann nun bei aktivem Softkey über das Drehrad diesen Parameter steuern, alternativ per Klicken und Ziehen im Wertefeld der globalen Softkey-Parameter. (zusammen mit allen anderen, für der Softkey als Modulationsquelle dient).

Die Namenseingabe für die Softkeys scheiterte auf unserem System daran, dass Cubase nach dem Öffnen des Namensfeldes eingetippte Buchstaben oder Zahlen als Tastaturbefehle interpretierte. Somit ließ sich der Text nicht eintippen – ein altes Probem, dass es früher unter Cubase auch beim Eintippen von Seriennummern in Autorisierungsfelder von Plug-ins gab, die sich dann innerhalb von Cubase nicht aktivieren ließen, sodass ich im ein oder anderen Fall gezwungen war, sie über einen anderen Host (Reaper) zu aktivieren.

Kommen wir noch einmal zurück zum Mod Knob: Dieser kann auch dazu verwendet werden, multible Parametersteuerungen via Softkey einzurichten. Dazu nimmt man den entsprechenden Softkey als Modulationsquelle des Mod Knob und verkabelt diesen mit den gewünschten Modulationszielen.

Als weitere Multi-Parametersteuerung bietet es sich an, den Function Generator mit einzubinden, der einen leistungsfähigen LFO bereitstellt.

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Hier habe ich den per Modulationsrad gesteuerten ModKnob zur Verstimmung (Modulation des Pitch-Shifter-Amounts) und zur Modulation der Filterfrequenzen eingesetzt:

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Angewählt ist das Pitch-Shift-Modul. Damit die Modulation zum Zuge kommt, muss rechts im Feld Shift Mod Amount ein entsprechender Wert eingestellt werden.

Die Steuerung mehrerer Parameter per Modulationsrad ermöglicht fließende, gezielte und individuell dosierbare Eingriffe in das Klanggeschehen, Modulationen, wie sie kein LFO, auch nicht per Zufallsgenerator leisten kann. Hier ein Beispiel. Zunächst ein Saxophon (aus Ueberschall Saxophone), zunächst ohne …

 

… und hier mit manueller Modulation:

 

Das Saxophon wird im Verlauf unterschiedlich stark gedoppelt. So kommt mehr Bewegung ins Spiel.

 

Bedienung

Der Eventide H3000 Factory Harmonizer bietet eine Vielzahl von Presets für unterschiedlichste Anwendungszwecke. Diese lassen sich über presetspezifische globale Parameter (Softkeys) weiter anpassen und verändern. Auch Änderungen innerhalb der beteiligten Module stellen keine Aufgabe dar, für die man zwingend die Bedienungsanleitung lesen müsste. Insofern geht also alles recht einfach und spielerisch von der Hand.

Will man von den sehr weitreichenden Möglichkeiten des beinahe unbegrenzt verkabelbaren Modulangebots profitieren und eigene Effekte entwerfen, kommt man um eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Logik und Architektur des Plug-ins nicht herum. Der Lernaufwand hält sich jedoch in Grenzen, da das Konzept schlüssig ist.

Das einzige, was in puncto Bedienung verbesserungswürdig ist, sind einige unangenehm klein ausgefallene Aufklappmenüs.

 

Klangqualität

Mangels Original zum direkten Vergleich kann ich nicht beurteilen, ob die in das Plug-in eingeflossenen Algorithmen exakt so klingen wie die Legende.
Das Plug-in produziert einen edlen, warmen und musikalischen Klang. Während andere Retro-Emulationen digitaler Hardware oft harsch und rau klingen, gibt sich der H3000 Factory ausgesprochen rund. Keine Spur von Lo-Fi, soweit man dies nicht ausdrücklich sucht und durch entsprechende Schaltungen umsetzt.
Das Plug-in rauscht nicht und liefert einen lupenreinen Klang. Die hohe Brillanz und Transparenz, die die Eventide-Emulationen des UltraReverb und des UltraChannel bieten, findet man hier allerdings nicht. Bei diesen beiden Kandidaten, die wir ebenfalls für Sie getestet haben, geht es allerdings auch um jüngere Produkte der New Yorker Edelschmiede, beim H3000 um einen echten Vintage-Digitaleffekt.

 

CPU-Last, Bugs

Unser Testkandidat beansprucht kaum Rechenleistung. Angesichts der extravaganten Effekte einschließlich Pitch-Shifter gibt er sich bemerkenswert genügsam. Auch der Live-Einsatz mit niediger Latenz und kleinen Puffergrößen sollte kein Problem sein – bei Bedarf auch mit mehreren Instanzen.

Der H3000 Factory lief während des gesamten Tests absolut stabil und bugfrei. Lediglich das Eingeben individueller Werte in die entsprechenden Felder war nicht an allen Stellen möglich. Möglicherweise ist das aber auf eine Fehlfunktion von Cubase zurückzuführen, da ähnliche Probleme (zumindest auf meinen Testsystemen) auch bei anderen Plug-ins aufgetreten sind.
Alle Werte lassen sich jedoch bequem per Klicken und Ziehen, bei gehaltener STG- (bzw. cmd-) Taste auch im Feintuning einstellen, sodass man das manuelle Eintippen von Zahlenwerten nicht unbedingt braucht.

 

Fazit

Der Eventide H3000 war zu seiner Zeit ein edles (und sündhaft teures) Stück Hardware, von dem sich die Besitzer auch heute noch selten trennen. Umso erfreulicher ist es, dass diese Wunderkiste experimenteller Sounds nun (mit wesentlichen Algorithmen) nativ in allen gängigen Plug-in Formaten vorliegt.

Auch das virtuelle Pendant erweist sich als extrem vielseitig: Von subtilen Dopplungen über Effekthall bis zum ausgewachsenen Sound-Design reicht die Palette. Mit den mehr als 450 Presets wird man gut versorgt. Diese lassen sich über globale Parameter anpassen und teilweise auch drastisch verändern, sodass der tiefere Einstieg in die eigenständige Verknüpfung der 18 Module nicht zwingend erforderlich ist.

Durch die sehr geringen Anforderungen an die CPU ist der H3000 Factory auch für Live-Anwendungen prädestiniert. Die Effekte lassen sich bei Bedarf komplex über MIDI-Controller steuern, sodass einer spannenden Performance nichts im Wege steht.
Erfreulich ist auch, dass das Plug-in absolut robust und stabil funktioniert – selbst bei schnellen Konfgurationsänderungen und laufendem Playback gibt es keine Hänger, Aussetzer oder gar einen Freeze des Hosts.

Bastler werden vor der gewissen Lernhürde sicher nicht zurückschrecken und eigene Effekte konzipieren. Da die Verkabelung kaum Grenzen aufzeigt und vielfältige Modulationsoptionen bereitstehen, sind die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt. Der Aufbau des H3000 Factory ist durchdacht und logisch. Über die alternativen Expert- und Function-Menüs bewahrt man immer den Überblick. Die ausführliche, gut geschriebene PDF-Anleitung in englischer Sprache lässt keine Fragen offen. Es ist also durchaus möglich, dass Plug-in vollständig in den Griff zu bekommen.

Extrem-Effekt-Plug-ins mit einem derart breit gefächerten Wirkungsradius wie beim H3000 Factory gibt auch heute nicht wie Sand am Meer. Aber es gibt sie und sie sind teilweise auch billiger, klingen frischer, transparenter, kräftiger zupackend. Machen sie damit den H3000 Factory überflüssig?
Klare Antwort: Nein. Der H3000 Factory ist ein ausgewogen und musikalisch klingender Multieffekt, der sich auch bei Extrem-Presets gut in den Mix einfügt. Er bringt Wärme und ein „organisches“ Feeling in den Mix. Zeitgenössische Effekt-Kraftpakete sind teilweise deutlich schwerer zu bändigen und auch ein gutes Stück komplizierter in der Bedienung. Nicht zuletzt beanspruchen diese Mitbewerber meist eine beachtliche Rechenleistung für sich und sind dann als Live-Plug-ins nur begrenzt einsatzfähig.

Der H3000 Factory Harmonizer stellt für eine breite Anwendergruppe eine Bereicherung dar und dürfte im weiten Bereich des Pop, Rock und Dance genreübergreifend zum Einsatz kommen. Auch Sound-Designer, Filmmusik-Komponisten und Spielevertoner werden auf der Suche nach abgedrehten Effekt-Klangkulissen von diesem Plug-in profitieren.

Der Preis stimmt (auch wenn man die Anschaffungskosten eines gebrauchten H3000 nicht nicht zum Vergleich heranzieht).

Zu kritisieren gibt es nicht viel: Die Aufklapp-Menüs für die Zuweisung von Steuerquellen sind unnötigerweise mit einer winzigen Schriftgröße versehen, die gerade noch lesbar ist. Eine sidechainfähige VST3-Version gibt es derzeit noch nicht, ist aber angedacht.

Wer auf der Suche nach außergewöhnlichen Effekten ist, sollte die Demo-Version unbedingt antesten.

Testautor: Holger Obst

Plus
warmer, musikalischer Vintage-Sound vom Feinsten
große Auswahl an unterschiedlichsten Presets
globale Steuerung über Softkeys
Steuerung über externe Controller möglich
Effektmodule frei verkabelbar
geringer Anspruch an die CPU, livetauglich
zwei (sofortige) Autorisierungen inbegriffen

Minus
VST-Format aktuell nur für Windows XP und 7, nicht für Mac OSX
VST3 – Format derzeit nicht verfügbar, daher kein Sidechaining des VST-Plug-ins
teilweise unnötig klein beschriftete Aufklappmenüs mit unscharfer Darstellung

Preis: 349.- US$, 349.- EUR (Stand: 7. 5. 2015)

Systemvoraussetzungen
Mac: ab OSX 10.7 aufwärts, VST2, AAX
Windows: ab 7 aufwärts, VST2, AAX
iLok-User Account (iLok Dongle nicht zwingend erforderlich)

Hersteller: Eventide

in Deutschland bei Best Service

Testsystem: PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII, Testprojekt mit 44,1 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung. Alle Audiodemos in 128k mp3.

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