Test: Eventide UltraTap

Echos gibt es wie Sand am Meer, doch wenn Eventide eines präsentiert, lohnt es sich, genauer hinzusehen. UltraTap zählt zu den klassischen Halleffekten der amerikanischen Edelschmiede.

UltraTap ist praktisch das Pendant zum Effekt-Raumsimulator Blackhole, den wir bereits als Teil des Anthology X Bundles vorgestellt haben. Auch bei UltraTap geht es neben Standards um Extrem-Modulationen, die mit anderen Echos so nicht möglich sind.

Der Test beinhaltet eine Reihe von Praxis-Tipps.

UltraTap ist im Gegensatz zu Blackhole nicht Teil des Anthology Bundles, sondern gehört zur H9 – Serie.

Recording und Studiotechnik

Da mit UltraTap dichte Echocluster generiert werden können, überschreitet dieses Delay die Grenze zum Raumsimulator. UltraTap kann regelrecht schwebende, sphärische Klänge wie aus anderen Welten erzeugen. Dazu ein kleiner Vorgeschmack.

Zunächst das trockene Original, eine Gesangsphrase aus der Library Güzin von Sonokinetic (der ich mit dem Multi-Röhrensimulator Black Box Analog Design HG-2 zusätzliche Höhen spendiert habe):

 

Mit UltraTap:

 

Fast würde man Rückwärts-Echos vermuten. Doch was sich hier danach anhört, wird mit speziellen Verteilungen der Taps, mit einer anschwellenden Lautstärke und mit Diffusion erreicht. Auf diese Details kommen wir noch zurück.

Ein weiteres Beispiel für die Qualitäten als Raumsimulator, hier zusammen mit Superior Drummer 3 und Rob Papens SubBoomBass, um etwas mehr Atmosphäre zu schaffen:

 

UltraTap kann jedoch mehr als weiche, weite Raumklänge. Es sind auch rhythmische und Glitch-Delays möglich, anschwellende Sounds (besonders interessant für Flächenklänge), Kombinationen aus Echo und Filtereffekt, Tremolos und kleine Räume, in denen kurze Echos knallige Sounds erzeugen, ideal für Snares, Toms oder Percussion.

Als ich noch mit dem Eventide Orville gearbeitet habe, waren dessen Tap Delays immer eine gute Wahl, wenn es darum ging, eine Snare mit Hinhöreffekt zu erzeugen.

Aber der Reihe nach …

 

Installation, Autorisierung und Formate

Für die Installation benötigt man einen iLok Account. UltraTap läuft auf Mac und PC.

Wegen der hübschen Grafik:

Unterstützt werden die Formate AAX native, VST 2 und AU in 32 und 64 Bit. Im Preis enthalten sind großzügigerweise zwei Autorisierungen, die auch parallel betrieben werden können, etwa eine auf dem stationären Studio-Rechner, die andere auf dem Laptop. Das dürfte für alle interessant sein, die nicht mit einem physikalischen iLok arbeiten. Die anderen haben immer eine Installation in Reserve – falls der iLok mal streikt.

Installiert werden nur diejenigen Formate, die man auch auf dem Rechner haben möchte:

AU fehlt hier, da ich auf einem PC installiere. Mac-User werden diese Komponente natürlich vorfinden.

 

Erste Eindrücke

Kaum jemand wird als erstes die Bedienungsanleitung öffnen, die übrigens über Info direkt vom Plug-in aus gestartet werden kann. Die meisten Musiker sind dafür viel zu ungeduldig. Bevor man aber wild an den Reglern dreht und bei manchen vielleicht gar nicht weiß, was diese bewirken, lohnt sich ein Blick in die Library.

Anhand der Kategorien sieht man bereits, wofür UltraTap Vorlagen liefert. Unter den Künstler-Presets findet sich bei Eventide oft besonders Kreatives bis Abgedrehtes, so auch hier. Über Save kann man eigene Presets auch in eigenen Ordnern abspeichern. Diese werden ohne Navigation durch die Rechnerhierarchie auf Anhieb wiedergefunden.

Sobald man einen Regler bewegt hat, erscheint Compare in der Kopfzeile. Hiermit kann man alle Veränderungen an einem Preset mit dem unbearbeiteten Original vergleichen.

Über Mix Lock richtet man ein globales Verhältnis zwischen dem trockenen und dem Effektsignal ein. Wechselt man zwischen verschiedenen Presets, so bleibt der Mix-Regler in seiner zuletzt eingestellten Position. Ohne Mix Lock variiert der Mix-Anteil des Effektes zwischen den Presets.

So sieht der Signalfluss aus:

Demnach gibt es keinen Feedback-Weg, in dem die Filter eingesetzt werden könnten, um eine über die Zeit hinweg zunehmende Färbung zu erzielen. Die Echos klingen also vom ersten bis zum letzten so dumpf oder hell, wie man es über den Tone-Regler einstellt. Physikalisch korrekte Materialeigenschaften eines Raumes lassen sich damit nicht erzielen. Hier verschluckt nämlich eine stoffbezogene Wand oder Gardine bei jeder Folgereflexion erneut einen Teil der Höhen.

Dass es diesen Feedback-Weg nicht gibt, liegt daran, dass bei UltraTap einzelne Taps ohne Feedback-Schleife generiert werden. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu herkömmlichen Delays.

Bei herkömmlichen Echos stellt man eine Verzögerungszeit (Time) für Startechos des linken und rechten Kanals ein, wiederholt diese mittels Feedback und moduliert gegebenenfalls noch die Startzeit, was dann zu eiernden Glitch-Delays führt.

Bei UltraTap stellt man hingegen ein Zeitfenster ein, in dem die Taps auftreten sollen (das folgerichtig auch nicht „Time“, sondern „Length“ heißt). Über dieses Zeitfenster hinaus kann der Effekt (mangels Feedback) nicht verlängert werden. Will man ein weiches Ausklingen erzielen, so verwendet man viele Taps, eine hohe Diffusion und bewirkt über den Lautstärkeverlauf, dass die Taps sukzessive leiser werden.

Glitch-Delays sind über eine Automation der Parameter, die die zeitliche Position der Echos beeinflussen, auch hier möglich (Length, Pre Delay und Spread). Schaut man sich die Parameter der Reihe nach an, wird das Prinzip, nach dem UltraTap arbeitet, klar:

 

Die Parameter

Zwischen dem In- und Output Slider (mit darüber platzierten Pegelanzeigen) dienen elf Parameter und eine kleine Tempo-Abteilung der Effektgestaltung.

  • Mix sollte klar sein (s.o.)
  • Length bezeichnet den Zeitraum, in dem die Echos platziert werden. Wie bei Eventide üblich, sind hier auch ungerade Werte wie 13/16tel möglich (im Sync Modus und bis zu vier Takten). Da freuen sich (nicht nur) die Jazzer. Es gibt nämlich noch einen praktischen Nutzen: Wenn man beispielsweise mit einem kurzen Predelay von 1/16tel arbeitet und der Echoeffekt nach einer vollen Note enden soll, braucht man die Einstellung 15/16tel. Im Off-Modus können Zeiten von 0 ms bis zu 10 Sekunden eingestellt werden.
  • Taps bezeichnet die Anzahl der Echos: 1 bis 64.
  • Pre Delay ist ein typischer Hall-Parameter, den man bei Echo-Effekten selten findet. Hier geht es darum, wann das erste Echo erklingt – ebenfalls in Notenlängen im Sync Betrieb und von 0 bis zu 100 ms.
  • Spread verteilt nicht etwa die Echos im Stereo-Panorama, sondern im Zeitfenster. In der neutralen 12-Uhr-Position werden die Echos gleichmäßig verteilt. Links davon konzentrieren sie sich mehr und mehr in Richtung Beginn, rechts davon zum Ende des Zeitfensters hin.
  • Taper funktioniert genauso, bezieht sich aber auf die Lautstärke der Echos – abnehmend (links) oder zunehmend (rechts). Zusammen mit Spread lassen sich anschwellende oer abschwellende Echo-Cluster erzeugen, im Zeitfenster dehnen oder stauchen und verschieben.
  • Width – hier haben wir die Verteilung im Stereo-Panorama. Hart gepannte Ping-Pong-Echos erzielt man mit dem Rechtsanschlag. Zentrale Mono-Echos im Linksanschlag.
  • Mit Tone reduziert oder verstärkt man die Höhen. Welcher Filter genau hier zum Einsatz kommt, war dem Manual nicht zu entnehmen.
  • Slurm ist eine Spezialität von Eventide und bewirkt eine Verstimmung der Echos im Micro-Pitching-Bereich. Aber nicht nur das: Es wird auch eine sanfte Diffusion, also ein Halleffekt hinzugefügt. Slurm bewirkt die bereits gehörten shärischen, weichen und angenehm modulierten Klänge.
  • Hinter Chop verbirgt sich ein LFO, der Echo-übergreifend die Lautstärke moduliert. Dazu stehen mehrere klassische LFO-Wellenformen bereit, auch Sample & Hold, durch die man mit dem Regler surft. Dreht man den Chop-Regler weiter nach rechts, gelangt man in den Swell-Bereich. Hier werden anschwellende Echos erzeugt. Danach folgt der Trigger-Bereich, in dem der Klangverlauf mit einem Gate bearbeitet wird. Schließlich gibt es noch den Ribbon-Modus. Dieser bewirkt, dass die Eingangslautstärke zum Effektblock mit einer Ribbon-Fahrt von links nach rechts angehoben wird.
  • Chop Speed verfeinert das Chopping und wirkt sich auf das Tempo der Tremolo-Effekte aus. Auch dieser Regler ist multi-funktional und korrespondiert mit dem Chop-Regler. Hat man dort eine LFO-Modulation gewählt, so stellt man mit Chop Speed deren Geschwindigkeit ein, und zwar wiederum in Notenlängen oder (1 bis 20) Hertz. Im Swell-Modus des Chop-Reglers bestimmt man die Geschwindigkeit, in der die Echos anschwellen. Im Trigger-Modus stellt man die Zeitspanne ein, die das Gate benötigt, nachdem es getriggert worden ist, also ein Time-Offset.

Neben den Reglern gibt es noch die Temposynchronisation. Diese erfolgt

  • manuell durch Zahleneingabe nach Doppelklick auf den numerischen Werteeintrag oder per Einklopfen auf den Tempo-Button,
  • temposynchron zum Host-Sequencer
  • oder in Millisekunden bzw. Hertz (ja nach Parameter), wenn die Tempo-Sektion auf „off“ steht.

In der Manual oder Sync-Position werden alle zeitabhängigen Parameter in Notenlängen eingestellt.

 

Der Ribbon-Controller

Für eine komplexe Modulation, genauer gesagt, ein Morphing durch alle Reglerpositionen, steht ein virtueller Ribbon-Controller zur Verfügung. Um die Parameterfahrt zu konfigurieren, schiebt man den Ribbon-Abtaster, der durch ein hellblaues, fluoreszierendes Lichtband dargestellt wird, zur äußersten linken und rechten Position, klickt auf den namenlosen Taster neben dem Ribbon und stellt die Regler in die gewünschte Position. Hier habe ich gerade die Regler für die linke Position eingestellt:

In welchem Bereich die Parameter durchfahren werden, erkennt man am blauen Kreis rings um die Regler. Den Regelbereich einzelner Parameter kann man nachträglich verändern, indem man auf die weißen und blauen Pünktchen an den jeweiligen Enden der blauen Kreisbahn klickt und diese in eine andere Position zieht. Dazu ist ein wenig Feinmotorik gefragt. Ein Rechtsklick auf die Buttons zu beiden Seiten des Ribbon löscht die gesamte Morphing-Konfiguration.

 

Der Hotswitch

Eine Möglichkeit, zwischen zwei Parameterkonfigurationen hin- und her zu springen, bietet der Hotswitch. Um eine Konfiguration einzurichten, klickt man auf diesen Knopf bis er blinkt und stellt dann die Regler in die gewünschte Position. Ist man mit der Arbeit fertig, klickt man erneut auf den Hotswitch – eine sehr einfache aber wirkungsvolle Sache. Wechselt man per Hotswitch die zeitliche Verteilung der Echos (durch Änderungen der Parameter Length, Pre Delay oder Spread), so kommt es zu Glitch-Effekten, da der Parameterwechsel per Hotswitch geschätzt etwa 50 ms benötigt. Diese Glitches können speziell bei Club/Dance gezielt eingesetzt werden. Will man sie hingegen vermeiden, muss man in einer Pause oder einem leisen Teil des Audiosignals umschalten.

Die Konfigurationen für das Ribbon-Morphing und Hotswitch-Jumping werden zusammen mit dem Preset abgespeichert.

Zeichnet man die Automation des Ribbon-Controllers oder des Hotswitch auf, so werden alle Reglerbewegungen als separate Automationsspuren aufgezeichnet. Man kann also nachträglich jede einzelne Reglerbewegung im Host-Sequencer editieren. Will man ein aufgezeichnetes Morphing löschen, so muss man darauf achten, dass man alle Automationsspuren erwischt, sonst vollführen einzelne Regler später ungewollte Bewegungen.

MIDI-Steuerung

UltraTap kann man über einen eigenen MIDI-Kanal adressieren. Einen MIDI-Lernmodus gibt es allerdings nicht – zunmindest nicht in der VST 2-Version auf unserem testsystem unter Cubase 9 Pro. Doch je nach Host-Sequencer kann man trotzdem über externe Controller auf die Parameter zugreifen, auch auf den Ribbon. Bei Cubase funktioniert das beispielsweise über die Quick Controls, die bereits fertig konfiguriert sind.

Was kann UltraTap nicht?

UltraTap ist ohne Zweifel ein leistungsfähiger Echo/Hall-Effekt mit einzigartigen Optionen. Was nicht geboten wird, ist eine grafische Darstellung der Verteilung der Tap-Echos, die man bei vielen Mitbewerbern findet. Inwieweit eine solche Grafik wirklich notwendig ist, ist eine andere Frage. Grafiken bringen es immer mit sich, dass man geneigt ist, sich mehr auf die Augen als auf die Ohren zu konzentrieren. Entscheidend ist aber der Höreindruck. Und wenn man die Funktionen von UltraTap verstanden hat, wird man auch ohne Grafik nicht blind und chaotisch operieren.

Gewünscht hätte ich mir hingegen eine Ducking-Funktion. Diese würde das Effektsignal leicht unterdrücken, wenn das eingehende Audiosignal besonders laut ist. Mit Ducking erreicht man, dass Original- und Effektsignal weniger miteinander konkurrieren. Es klingt dann luftiger, ohne, dass die lauten Signalanteile des Originals am Effekt vorbeigehen. Man kann sich behelfen, indem man UltraTap in einen Send-Weg legt und in der Insert-Kette dahinter einen sidechainfähigen Kompressor oder ein Gate platziert, die man wiederum über das Originalsignal triggert.

Dazu ein Beat aus Ueberschall Deep House, zunächst ohne Gate oder Kompressor:

 

Mit dem FabFilter Pro-G, dass sogar über einen Ducking-Modus verfügt:

 

Mit u-he Presswerk:

 

Mit dem SoundRadix DrumLeveler kann man aus dem UltraTap Hall seltsame Flatterechos erzeugen:

 

Alles in allem muss ich sagen, dass mich diese Ergebnisse nicht wirklich überzeugen. Integrierte Ducking-Schaltungen in einem Plug-in sind meist einfacher zu bedienen und funktionieren besser als solche externen Lösungen, die doch einiges an Feineinstellungen abverlangen.

Ein komplettes Undo/Redo gibt es nicht und ist hier auch nicht zwingend notwendig. Unter Cubase 9 hat man übrigens inzwischen ein Undo über die History des Mixers. Ribbon-Konfigurationen lassen sich hingegen im Plug-in wie oben beschrieben zurücksetzen.

Wenn Sie alles bis hierhin gelesen haben und den Test mit der Demo-Version begleiten, brauchen Sie wirklich keinen Blick mehr in die Bedienungsanleitung werden. UltraTap ist sowieso kein Buch mit sieben Siegeln und weitgehend intuitiv bedienbar.

 

UltraTap in der Praxis

Nach so viel Theorie sollen noch ein paar Anwendungsbeispiele folgen. Dazu nehme ich diesen einfachen Beat aus Toontracks Superior Drummer 3, Pearl Kit:

 

Zunächst will ich an der Snare arbeiten. Die Direktmikros der Snare lege ich dafür auf einen separaten Einzelausgang und füge hier UltraTap als Insert ein. Im Sync-Betrieb und mit dieser Einstellung …

… erreiche ich, dass sich die Taps der Snare subtil aufbauen und ihren Höhepunkt genau auf dem Schlag der darauffolgenden Bassdrum erreichen, die dadurch einen Extra-Kick erhält:

 

Das Klangdesign spielt sich hier zunächst ausschließlich mit den Reglern Spread und Taper ab, also mit der Verteilung der Taps im Zeitfenster (vorgegeben über Lenght, hier ¼, ohne Pre Delay) und dem Lautstärkeverlauf.

Verteilt man die Taps mittels Spread über eine weitere Spanne, so sind solche Effekte möglich:

 

Hier benutze ich nur zwei Delays mit minimaler Verzögerung. Per Hotswitch schalte ich zwischen zwei Konfigurationen hin- und her und zeichne den Wechsel als Automation auf:

 

Wir basteln uns eine kleine Hallfahne für die Snare. Der Hall soll einen halben Takt lang und relativ dicht sein. Deshalb nehmen wir gleich 50 einzelne Reflexionen. Spread steht auf 0, damit die Echos gleichmäßig verteilt werden. Mit Taper sorgen wir dafür, dass sie im Verlauf abklingen.

Noch hört sich das Ganze nicht nach Hall an:

 

Will man von den diskreten Reflexionen wegkommen, setzt man Slurm ein:

 

 

Fährt man Spread zurück (d.h.: Linksanschlag), schiebt man die Echos im Zeitfenster näher an den eigentlichen Hit heran, und beschleunigt damit das Abklingen des Halls.

 

Reduziert man die Taps, so erreicht man einen Effekthall mit diffusen, hin- und her springenden Echos (weil Width immer noch auf 100 steht):

 

Im temposynchronen Modus, mit einer gleichmäßigen Verteilung (Spread = 0), einem Predelay von etwa einem Achtel oder einer Viertelnote und Width bei 100 kann man auch rhythmische Ping-Pong-Echos erzeugen. Setzt man nun noch den Ribbon-Controller ein, um von einem klaren Sound zu einem diffusen Reflexionsmuster zu kommen (Slurm = 100) und variiert zudem den Tone-Regler, so kann man zwischen einem klaren und einem verwaschenen Ping-Pong-Effekt wechseln:

 

Im folgenden Beispiel habe ich drei Instanzen von UltraTap für die Direktmikrofone von Bassdrum, Snare und Hi-Hat verwendet. Zunächst der unbearbeitete Rhythmus (Toontrack Superior Drummer 3), dann die Effekt-Variante:

 

UltraTap eignet sich auch für abgedrehte Vocal-Effekte. Hier habe ich Gesangsimprovisationen zwischen Tonalität und Atonalität von Francesca Genko (aus der gleichnamigen Soundiron-Library) hinzugefügt und eine minimalistische Bass-Sequenz aus Rob Papens SubBoomBass:

 

Zum Abschluss noch eine eher klassische Passage mit Streichern (NI Symphony Series String Ensemble, nur die Nahmikrofone) und Piano (Toontrack EZkeys Vintage Upright). Zunächst ohne die beiden Instanzen von UltraTap:

 

Und jetzt mit dem Echo/Hall-Effekt: Bei den Streichern habe ich ihn eingesetzt, um den Klang breiter zu machen. Außerdem kommt durch UltraTap eine gewisse Vintage-Note ins Spiel. Beim Piano erzeugt UltraTap eine Art Echolot-Effekt:

 

So klingt die Passage schon wesentlich verträumter.

 

Fazit

Eventides UltraTap ist ist ein Grenzgänger zwischen Echo und Hall. Temposynchrone Ping-Pong-Echos, hin- und her wabernde Echocluster oder Hallfahnen oder auch breite sphärische Klangwolken sind im Angebot – und einiges mehr.

Möglich wird diese enorme Bandbreite durch die stufenlos regulierbare Diffusion mit zugleich leichter Verstimmung der Echos (Slurm), durch die aus (bis zu) 64 einzelnen Echos schwebende Hallfahnen entstehen, bei denen die diskreten Reflexionen des Tap-Delys nicht mehr erkennbar sind.

Die Besonderheit und Stärke von UltraTap ist der fließende Übergang zwischen Echoclustern und Hall. Hinzu kommt die variable Verteilung im Zeitfenster und der abfallende oder anschwellende Lautstärkeverlauf. Swell-Effekte, das Doppeln von Drums, Pseudo-Flams bei Snare und Toms und effektvolle Rhythmik dank Temposynchronisation sind die Spezialitäten von UltraTap.

Mittels virtuellem Ribbon-Controller und Hotswitch kann man zwischen zwei Parameterkonfigurationen fließend morphen oder hin- und her springen. Spezialeffekte und Klangmutationen gelingen damit intuitiv und spielerisch.

Wie bei Eventide nicht anders zu erwarten, ist die Klangqualität exzellent. Eine gewisse Vintage-Note und ein weicher, organischer Klang beim Einsatz der Diffusion zeichnet den besonderen Charakter von UltraTap aus. Über den Tone-Regler kann man den Höhenreichtum des Echo/Hall-Effektes gut steuern.

Eventide ist mit UltraTap erneut ein ausgesprochen musikalischer Effekt gelungen. Zahlreiche Presets helfen beim Einstieg, doch das eigene Experimentieren macht viel zu viel Spaß, als dass man es bei den Presets belassen würde. Was mir persönlich fehlt, ist ein Ducking-Regler. Ducking findet man allerdings bei den wenigsten Hall- und Echo-Effekten, daher ist das kein Minus-Punkt.

VST3 sollte heute Standard sein. Dass dieses Format nicht angeboten wird, habe ich unten unter Plus/Minus als negativ angemerkt. Ein großes Manko ist das nicht, denn eine Sidechain-Funktion ist bei einem Effekt dieser Art nicht angesagt, und da UltraTap wenig CPU-Leistung beansprucht, wäre die Ressourceneinsparung durch VST3 nicht bedeutend.

Ein Antesten der Demo-Version ist auch für User empfehlenswert, die bereits über ein Arsenal an Echo- und Halleffekten verfügen, denn UltraTap hat seinen eigenen Charme.

Testautor: Holger Obst

Plus

  • vielseitiger Echo/Hall-Effekt
  • fließender Übergang zwischen diskreten Reflexionen, wolkigen Echo-Clustern und sphärischen Hall-Fahnen
  • Crescendo- und Decrescendo-Effekte durch die Verteilung der Echos im Zeitfenster plus Lautstärkeverlauf
  • komplexes Parameter-Morphing oder -Jumping mittels Ribbon und Hotswitch
  • fairer Preis

Minus

  • kein VST3-Format

Preis: 79.- US Dollar (für zwei Autorisierungen) Zudem bietet Eventide ein monatliches oder jährliches Mieten der Plug-ins an.

System

  • Mac/PC
  • AU, AAX native, VST 2
  • 32 und 64 Bit
  • iLok Account erforderlich

Hersteller: Eventide

Produktseite

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