Test: Soundiron Questionably Barbershop

Für ein Taschengeld bietet Soundiron eine Vocal-Library mit altertümlichen Barbershop-Gesängen an. Enthalten sind improvisierte Scat- und Bebop-Phrasen, drei Staccato- und Sustain-Artikulationen und nicht zuletzt zwei vierstimmig vorgetragene Folk-Songs. Was an diesem Projekt ist aber nun fragwürdig (questionably)?

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Überblick

Zur Begriffsklärung: Bei Barbershop-Gesängen handelt es sich um (meist) im Quartett acappella vorgetragene, einfache Lieder, bei denen (überwiegend) jede der vier Stimmen der Melodie Note für Note folgt.

Die Sample-Library Questionably Barbershop beinhaltet 24 Kontakt-Instrumente (einschließlich der Lite-Versionen) mit insgesamt stattlichen 2588 Samples. Vier männliche Stimmen, die als Solisten und als Quartett auftreten, geben für Barbershop typische nonverbale Staccato- und Sustain-Artikulationen (Doo, Lah, Woh) zum besten, darüber hinaus zwei komplette Folk-Songs (temposynchron und in verschiedenen Tonarten) sowie Scat- und Bebop – Improvisationen.

Soundirons Barbershop bedient sich, wenn auch funktional reduziert, der Architektur, die bereits für die Voice of Rapture- und die Voice of Gaia-Serie Verwendung fand. Per Swell-Parameter ist beispielsweise eine Lautstärkemodulation via Controller realisierbar. Im Beipack befindet sich ein Effekt-Rack.

Im Gegensatz zu den ausgewachsenen, mehrere Gigabyte schweren Libraries, die den ausgebildeten und prämierten Stimmen von Francesca Genco, Nichole Dechaine (The Soprano) oder Joseph Trumbo (The Bass) die Ehre erweisen, singt hier die Soundiron-Crew selbst.

Der „fragwürdige“ Barbershop ist eher als persönliche, durchaus humorvoll gedachte Library für treue Soundiron-Kunden und -Freunde konzipiert. Damit keine Missverständnisse und unangemessene Erwartungen aufkommen, hat man das Barbershop-Projekt gleich im Titel als fragwürdig deklariert und ergänzt: „Featuring the humble vocal talents of our own Mike Peaslee, Gregg Stephens and Spencer Nunamaker …“ Hier ist eine gute Portion Selbstironie im Spiel: Ob man „humble“ nun mit „armselig“ oder „bescheiden“ übersetzt – die „Talente“ stellen sich mit einem Augenzwinkern selbst in Frage.

Eine Sample-Library mit richtig schiefem Gesang wäre tatsächlich ein Novum. Verstimmte Saloon-Pianos gibt es reichlich – herzzerreißend dilettantischen Gesang muss man immer noch selbst produzieren – und ich fürchte fast, dass das so bleibt und die Soundiron-Crew ihr Licht ein klein wenig unter den Scheffel stellt.

 

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