Test: Native Instruments Action Strikes

Action Strikes bietet produktionsfertige, einfach zu bedienende orchestrale Percussion. Ein Angebot kombinierbarer fertiger Rhythmen mit steuerbarer Dynamik soll das Erstellen natürlich klingender Schlagwerk-Begleitungen vereinfachen, ohne dass dabei die Kreativität auf der Strecke bleibt.

 

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Überblick

Die Sample-Library läuft auf Basis von Native Instruments Kontakt Player 5.

Action Strikes wendet sich in erster Linie an Komponisten von Filmmusik und artverwandten Genres (Multimedia, Spielevertonung), die auf eine klassische sinfonische Percussion-Begleitung setzen. Darüber hinaus ist die Library für jeden interessant, der fertige Percussion-Begleitungen, etwa für Genre-Mix-Kompositionen im weiten Bereich des Rock und Pop, sucht. Mit 12 kompletten Ensembles, 65 verschiedenen Instrumenten mit je 32 Rhythmen und 12 Single-Hit-Sets wird neben einer großen Bandbreite klassisch-orchestraler Percussion von Kesselpauken über Konzerttrommeln bis zu Becken auch eine Auswahl ethnischer Instrumente geboten, darunter eine vollständige Taiko Drum – Familie mit Trommeln in verschiedenen Dimensionen und Tonhöhen, indianische Percussion, Regenstab und Aquaphone.

Im Vordergrund stehen die fertigen temposynchronen Pattern für einzelne Instrumente und Gruppen, die eine Vielzahl verschiedener Rhythmen mit zahlreichen Variationen und einschließlich ungerader Taktarten liefern. Zusätzlich gibt es dynamisch spielbare Hits einzelner Instrumente.

Im Gegensatz zu den kürzlich erschienenen Emotive Strings werden bei den Action Strikes keine Audio-Loops eingesetzt, sondern einzelne Hits skriptbasiert zu einer Phrase kombiniert. So sind weit reichende Tempoanpassungen ohne unnatürliche Dehnungen der prägenden Attackphase und ohne algorithmisch bedingte Artefakte möglich.

Die Library unterteilt sich in

  • Ensembles (Zusammenstellung verschiedener Percussion-Instrumente mit fertigen Rhythmen, Mischer und Effekten),
  • Hits (klassisch spielbare Einzelschläge einzelner Instrumente)
  • Instruments (Percussion-Sets mit einer Kollektion an Rhythmen und Effekten).

Neben der herkömmlichen Anschlagsdynamik kommt das Expression-Pedal zur Lautstärkesteuerung sowie der Pitchbender zur Betonung der Attacks zum Einsatz.

Action Strikes wurde von Dynamedion entwickelt. Aus der selben Hand stammen die NI Action Strings sowie die NI Emotive Strings, die sich zur Kombination mit der Percussion-Library anbieten.

 

Installation

Nach dem Erwerb erhält man einen produktspezifischen Downloader und eine Seriennummer. Der Download wiegt 3,0 Gigabyte und kann in einem Rutsch oder in mehreren Etappen vollzogen werden. Die Download-Software scannt nach einer Pause den bereits heruntergeladenen Content und setzt den Prozess lückenlos fort.

Die Sample-Library kann an einem beliebigen Ort gespeichert werden.

Beim Start von Kontakt erscheint sofort folgendes Info-Panel:

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Die Library muss nicht (wie früher üblich) über den Add-Library-Button des Library Browsers lokalisiert werden.

Dort muss man immer noch hin, um auf den Activate-Taster zu klicken.

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Das NI Service Center startet nun, und man gibt seine Seriennummer ein. Alternativ geht es auch offline beziehungsweise über einen anderen Rechner nach Erstellen eines Activation-Request Files.

Action Strikes läuft auf der Basis von Native Instruments Kontakt 5 beziehungsweise dem kostenlosen Kontakt Player und ist in allen gängigen Plug-in Formaten sowie Standalone auf Mac und PC einsatzbereit (siehe Systemanforderungen im Anhang).

 

Action Strikes im Detail

Zur Auswahl stehen drei grundsätzliche Varianten der Action Strikes: Ensemble, Hits und Instrument:

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Im Gegensatz zu anderen Percussion-Libraries, bei denen einzelne Instrumente oder Ensembles aus einem vollgepackten, manchmal unübersichtlichen Patch-Browser geladen werden, vollzieht sich diese Auswahl bei den Action Strikes komfortabel innerhalb der Benutzeroberflächen dieser drei Basis-Patches.

 

Die Ensembles

In der Werkseinstellung wird hier das Ensemble „Dark City“ geladen:

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Über ein Aufklappmenü kann man das Ensemble wechseln, alternativ mittels Pfeil-Taster durch das Angebot von 12 Combos steppen. Die Rhythmik verändert sich dadurch nicht. Dank kurzer Ladezeit kann man sich schnell einen Überblick verschaffen und die passende Combo finden.

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Bevor wir dazu kommen, bleiben wir jedoch zunächst bei Dark City und schauen uns die weiteren Funktionen an:

Das virtuelle Keyboard bietet

  • gelb eingefärbte Tasten, mit denen zwischen zehn rhythmischen Themen, hier Accent-Pattern genannt, gewechselt wird. Werkseitig sind in der Regel die ersten fünf Accent-Pattern vorgegeben, können jedoch gewechselt und durch weitere fünf ergänzt werden.
  • blaue Tasten, mit denen zwischen fünf Variationen des gewählten Accent-Patterns gewechselt werden kann. Diese Variationen sind über vier Oktaven verteilt: Von C2 bis G2 spielt das komplette Ensemble, C3 bis G3 aktiviert die Low-Section, C4 bis G4 die mittleren Trommelgrößen und C5 bis G5 schließlich die hoch gestimmten oder hochfrequenten Instrumente, beispielsweise Shaker.
  • grüne Tasten, welche zwei einzelne Hits bereitstellen, um Akzente zu setzen.

Im folgenden Audiodemo hören Sie das Thema „Basic Accents A 16tel Feel“ bei 120 BPM. Mit dem ersten Accent-Pattern (C1) beginnt das volle Ensemble, dann der Reihe nach die Low-, Mid- und High-Abteilung.

 

Um Dynamik ins Spiel zu bringen, habe ich das Modulationsrad und den Pitchbender eingesetzt. Mit dem Modulationsrad steuert man den dynamischen Verlauf (Crescendi und Decrescendi), mit dem Pitch-Bender verändert man nicht etwa die Tonhöhe, sondern hebt die signifikanten Schläge hervor, um den Rhythmus härter und dominanter wirken zu lassen, oder dämpft sie ab um das Klangerlebnis etwas dezenter zu gestalten. Mit Modulationsrad und Pitchbender lassen sich wunderbar Spannungsbögen aufbauen oder die Dramatik plötzlich und punktgenau steigern.

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Die werkseitig zusammengestellten rhythmischen Sets bringen von Haus aus bereits Dramaturgie mit sich: Wechselt man die Accent-Patterns von C1 an aufwärts, so entsteht ein Spannungs- und Komplexitätsaufbau, den man mittels Modulationsrad und Pitchbender noch weiter formen kann:

 

Bevor wir uns mit dem Angebot an Rhythmen befassen, wechseln wir probeweise das Ensemble über das Aufklappmenü oben rechts.

Der selbe Rhythmus hört sich mit dem Ensemble „Rise of the Machines“ folgendermaßen an:

 

Kraftstrotzend und ein wenig futuristisch. Aber auch das Ethno-Ensemble „Lost Culture“ hat Biss:

 

Es ist erstaunlich, wie gut sich die Rhythmen auf andere Instrumentengruppen übertragen lassen ohne unnatürlich, aufgesetzt zu klingen oder in der Dynamik angepasst werden zu müssen.

Die einzelnen Instrumente der Library sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Kompliment an den Hersteller, der hier akribische Feinarbeit geleistet hat.

Was für den Wechsel der Ensembles gilt, trifft auch auf einen Austausch der Rhythmik zu: Hat man einmal einen Spannungsbogen durch Einspielen der Accent-Pattern und einer Dynamikkontrolle durch Modulationsrad- und Pitchbend-Automation entworfen, so lässt sich dieser auch auf eine andere Rhythmik übertragen. Im folgenden Audiodemo hören Sie wieder das Ensemble „Lost Culture“, dieses Mal jedoch mit dem Rhythmus-Set „Chasing Accents D“:

 

Hier mit dem Ensemble „Block Buster“:

 

Mit dem Rhythmus-Set „Basic Accents B 16th Triplet Feel“:

 

Mit dem Ensemble „Tangarian Drums“, jetzt mit 70 anstatt mit 120 BPM:

 

Auch die Tempoanpassung funktioniert einwandfrei; die Pattern liefern auch bei drastischer Verlangsamung immer noch einen fließenden Rhythmus.

Zeit, einen Blick auf das Angebot an Rhythmen zu werfen:

Die Ensembles bieten vier Menüseiten: Playback, Rhythm 1-5, Rhythm 6-10 und ENS & Mixer:

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Beim Aufrufen des Patches ist das Menü Rhythm 1-5 aktiv. Angezeigt werden die akzentuierten Schläge der fünf ersten Rhythmen des gewählten Sets. Zwischenschläge und Ghost Notes werden sinnvollerweise nicht abgebildet. Die Rhythmen sind in der Regel deutlich komplexer, als im Notenblatt zu erkennen. Die Notation informiert indessen übersichtlich über die markanten Betonungen.

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Während ein Pattern durchläuft, zeigt der im Uhrzeigersinn durchlaufende gelbe Kreises rund um die Key-Switch-Note (links neben der Notation) an, wo man sich gerade befindet.

Fährt man mit der Maus (ohne zu Klicken) über eine Notenzeile, so wird der Name des Patterns und die Taktart angezeigt. (Da die Pattern scriptbasiert ablaufen und keine Audio-Loops darstellen, wird kein Originaltempo angezeigt.)

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Über das Lupensymbol gelangt man zum Pattern-Browser. Dieser ist reichlich gefüllt; man beachte den Scroll-Balken auf der rechten Seite:

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Klickt man hier auf ein Preset, so wird dieses sowohl als Notation eingeblendet als auch im aktuellen Tempo des Host-Sequencers abgespielt.

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Über die Einträge oberhalb der Presetauswahl kann man die Suche auf Achtel-, Sehzehntel- oder triolische Betonungen sowie verschiedenen Taktarten fokussieren:

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Dem allgemeinen Bedarf entsprechend sind unter den gängigen Taktarten 4/4 und ¾ deutlich mehr Vorlagen zu finden als bei den eher selten nachgefragten Taktarten 5/8, 7/8 und 9/8. Bemerkenswert ist, dass diese immerhin Einzug in die Library gehalten haben. Triolische Presets im 4/4 Takt sind ebenfalls zahlreich vorhanden.

Wir fassen zusammen:

Mit Hilfe des Rhythms-Browser kann man sich eigene Rhythmus-Sets mit bis zu zehn via Key-Switch wählbare Accent-Pattern zzusammenstellen. Hat man zunächst ein Werks-Set geladen, so bietet es sich an, die brachliegenden Slots 6 bis 10 zu füllen.

Mit zehn geladenen Accent-Pattern greift man auf ganze 200 rhythmische Abfolgen zurück: Pro Accent-Pattern stehen fünf Variationen jeweils für das komplette Ensemble, sowie die Teil-Ensembles Low-, Mid- und High-Percussion zur Verfügung.

Eine Ebene höher existiert eine Auswahl kompletter Rhythm-Sets, bei denen werksseitig die Slots 1 bis 5 mit thematisch passenden Accent-Pattern belegt sind. Den Rhythm Sets – Browser erreicht man über die Kopfzeile des (Start-) Menüs Rhythm 1-5:

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Hier finden sich 32 fertige Rhythm-Sets, wiederum mit der Option, die Suche durch Auswahl der Akzentuierung und Taktart zu vereinfachen.

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Wer über das Notenblatt hinausgehende Informationen zum aktuell angewählten Rhythmus-Pattern sucht, findet diese per Klick auf das Info-Icon neben dem Lupensymbol (und in der Menüansicht Rhythm 1-5 und 6-10).

Unter Rhythm werden die Hits des dreigeteilten Percussion-Ensembles in ihrer Abfolge, Dynamik (hellblaue, dunkelblaue Punkte) und den akzentuierten Schlägen dargestellt:

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Unter Mapping findet sich eine Veranschaulichung der Bedeutung der verschiedenfarbigen Tastaturbereiche, speziell für Anwender gedacht, die einen Blick ins englischsprachige PDF-Manual scheuen. Dieses ist im Übrigen gut strukturiert, leicht verständlich und beschreibt alle Funktionen präzise ohne auszuufern.

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Die Gestaltung des Rhythm-Panels könnte leicht als Step-Sequencer interpretiert werden; bei der Betrachtung des Mappings kommt man vielleicht auf die Idee, per Klicken und Ziehen Key-Switches verschieben zu wollen: Beide Flächen sind jedoch reine Info-Panels, die weder eine Änderung der Rhythmik (wie bei einem Step-Sequencer) noch eine Umstrukturierung der Tastaturbelegungen erlauben.

Um andere Missverständnisse auszuschließen: Rhythm Sets und Accent Pattern beschreiben ausschließlich die (skriptbasierte) Notation der Rhythmik, nicht deren Sound. Den Sound bestimmt die Wahl eines der 12 zur Verfügung stehenden Ensembles (via Aufklappmenü, wie weiter oben beschrieben). Einige davon haben wir bereits kennengelernt.

Ein weiteres Ensemble, die „Heroic Drums“ kommen im folgenden Audiodemo zum Einsatz. Wenn schon ungerade Rhythmen jenseits des 3/4-Taktes angeboten werden, wollen wir uns doch wenigstens einen Kandidaten anhören, 7/8 8th Feel. Zu Beginn habe ich lediglich das Low-, dann das komplette Ensemble eingesetzt und wieder mit Modulationsrad und Pitchbender eine Steigerung eingezeichnet. Celli und Kontrabässe aus den Emotive-Strings sorgen mit einem einfachen 7/8-Ostinato für eine Untermalung.

 

Es ist richtig erfrischend, mal etwas anderes als den üblichen 4/4 Takt zu hören.

 

Klangoptionen des Ensemble-Patches

Bei den bisherigen Audiodemos ist Ihnen sicher nicht entgangen, dass reichlich Raumklang mit von der Partie ist. Weitere externe Hallerzeuger werden bei den Werkseinstellungen kaum noch benötigt. Der Hersteller möchte offenbar einen produktionsfertigen Klang zur Verfügung stellen.

Dieser lässt sich mit einigen äußerst wirksamen Mitteln bereits innerhalb von Action Strikes anpassen. Hierzu wechselt man in das Menü „ENS & Mixer“.

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Für die drei Ensemble-Sections können separat der Send-Pegel zum Faltungshall und zum temposynchronen Echo, eine Stereo-Verbreiterung, der Ausgangspegel sowie die Balance zwischen den beiden Mikrofonpositionen Close und Room gewählt werden – an dieser Stelle übrigens bei bedarf automatisierbar oder via MIDI-Lerndialog über externe Controller steuerbar. (Irritierenderweise ist dieser Automations-Komfort nicht durchgängig implementiert, wie wir später noch sehen werden).

Unter Send Effekts findet sich das Echo mit Höhenabdämpfung:

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Der Faltungshall stellt zehn Presets bereit, darunter Konzerthallen, Aufnahmeräume und Kirchen in verschiedenen Größen.

Außerdem ist es möglich, Low-, Mid- und High-Sections aller Ensembles zu kombinieren:

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Im unteren Bereich gelangt man über Karteireiter zur Ausstattung der drei Sections. Neben einem Hoch- und Tiefpassfilter und einem vollparametrischen Equalizer mit zwei Bändern findet sich hier ein Transienten-Tool, welches sehr hilfreich ist, wenn man eine räumliche Staffelung des Ensembles erreichen will. Hierzu betont man die Transienten der Section, die weiter vorne spielen soll. In Kombination mit dem Stereo-Verbreiterer lässt sich das Klangpanorama wirkungsvoll gestalten.

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Ein einfacher Kompressor mit Attack, Release und Threshold sorgt bei Bedarf für mehr Druck. Man sollte ihn jedoch eher dezent einsetzen. Die Action-Strikes bieten eine so wunderbare Dynamik, dass es schade wäre, diese mittels Kompression wieder glatt zu bügeln.

Unter Master-Effects findet sich dieselbe Effektkette noch einmal wieder, hier jedoch für das Summensignal aller drei Sections.

Zur Verdeutlichung der Gestaltungsmöglichkeiten: Im folgenden Audiodemo hören Sie ein Pattern aus dem Set „Basic Accents – 8th Triplet Feel“, volle Instrumentierung des Ensembles „Taiko Invasion“, zunächst ohne jegliche Bearbeitung und Dynamiksteuerung:

 

Nun nach Einsatz von Modulationsrad und Pitchbender:

 

Mit ausgeschaltetem Hall und Echo und mit Nah-Mikrofonierung:

 

Mit zusätzlicher leichter Höhenanhebung sowie Transienten-Verstärkung beim Mid- und High-Ensemble:

 

Nach zusätzlichem Ersetzen des Taiko-High-Ensembles durch das Pendant aus „Rise of the Machines“:

 

Nach zusätzlichem Ersetzen des Taiko-Mid-Ensembles durch das Pendant aus Heavy Orchestra und Hinzumischen eines Kathedralen-Halls:

 

Aus den urpsrünglichen Taiko-Drums ist eine regelrechte Schlagwerk-Maschine geworden.

Hier noch einmal mit anderer Tiefenstaffelung:

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Mischbare Mikrofonierung, Transienten-Tool und Stereo-Verbreiterer stellen sich als starkes Trio für die Arbeit am Sound heraus. Ein spektakuläres Klangpanorama ist mit wenigen Handgriffen gestaltet, das Kombinieren von Sections verschiedener Ensembles bereitet Experimentierfreude. Spätestens hier greift die eigene Kreativität. Harte Detailarbeit wird von Action Strikes jedoch nicht eingefordert.

Das Raumklang-Resultat ist zweifelsohne filmmusikreif und verlangt kaum nach externen Nachbearbeitungen. Das einzige was fehlt, sind separate Ausgänge für die drei Sections. Will man einen Surroundklang gestalten, so muss man über den Umweg mehrerer Instanzen gehen. Da ist es von Vorteil, dass man eigene Ensemblezusammenstellungen und Klangbearbeitungen als Snapshot speichern und dort wieder aufrufen kann. Die insgesamt moderate CPU-Beanspruchung kommt aufwändigeren Arrangements entgegen.

Wie sieht es aber aus, wenn man externe Hallerzeuger oder andere Plug-ins einsetzen möchte, etwa für Klangexperimente jenseits des Üblichen. Dafür wäre ein Basissound fast ohne Raumanteil besser.

Für dieses Experiment habe ich das Ensemble „License to Drum“ bei 100 BPM mit Dynamisteuerung eingespielt (es kommt wieder nur ein Basisrhythmus zum Einsatz):

 

Nun schalte ich Hall und Delay aus und wechsle für alle drei Sections zur Nah-Mikrofonierung:

 

Setze ich nun noch Transienten-Tools ein, um die Attacks zu betonen und das Sustain herunter zu regeln, hört sich die Sache trockener, jedoch auch etwas abgehackt an:

 

Dass der dynamische Verlauf nun durch das Herunterfahren der Sustains einzelner Hits etwas unnatürlichen Schwankungen unterworfen ist, ist nicht sonderlich tragisch, wenn man einen Effekthall verwenden möchte, hier den UltraSpace von Tone 2, Preset: Fat Drums 2:

 

Oder wie wär´s mit Native Instruments Extremeffekt Molekular, der hier tonale Ornamente generiert?

 

Bei solch extremen Klangverfremdungen stört die etwas aus der Balance geratene Dynamik nicht.

Hier noch eine Version mit einer Mischung aus Ping-Pong-Delay und Hall (Eventide UltraReverb):

 

Zurück zu den Ensemble-Menüs:

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Auf der Playback Page finden sich einige nützliche Funktionen:

Zwei Trigger-Modi stehen bereit: Phrase Sync fügt automatisch ein Offset der Start-Position ein, wenn die Phrase nicht exakt am Taktanfang getriggert wird. Dadurch wird gewährleistet, dass das Ensemble immer im Takt spielt, auch wenn die Aufnahme der Triggernoten nicht genau auf dem Punkt sitzen. Hier ein Beispiel für eine ungenaue Aufnahme der zweiten Trigger-Note:

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Die Noten überlappen. Eigentlich müsste der zweite Rhythmus nun zu früh einsetzen. Phrase-Sync bügelt diese Ungenauigkeit des Einspielens aus:

 

Das passiert auch, wenn die zweite Triggernote zu spät eingespielt ist:

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Ungenauigkeiten werden also in beiden Fällen ausgeglichen, was die Nachbearbeitung im MIDI-Editor des Sequencers in den meisten Fällen obsolet macht. Lediglich bei nicht überlappend gespielten Triggernoten mit einer Lücke zwischen den Noten entsteht eine Pause, was auch sinnvoll ist, denn Pausen können ja auch gewollt sein.

Im Free Trigger Modus beginnen die Pattern exakt mit dem Note-On. Ungenaues Einspielen muss nun im MIDI-Editor korrigiert werden.

Mit dem Swing-Regler verschiebt man die Offset gespielten Noten und erreicht so ein Laid-Back-Feeling oder nahe der Maximalstellung ein triolisches Muster. Die akzentuierten Schläge werden vom Swing-Regler nicht beeinflusst.

Im folgenden Audiodemo hören Sie den zuletzt verwendeten Rhythmus. Pattern 1 mit Swing-Faktor 50%, Pattern 2 mit 70%:

 

Mittels Tempo kann man eine Halbierung oder Verdopplung der Abspielgeschwindigkeit, eine nützliche Option, wenn man mit extremen Tempi arbeitet.

 

Hits

Die Hits bieten Ensembles mit klassisch spielbaren Einzelschlägen. Die einzelnen Instrumente sind über C2 bis B4 spielbar, darunter die gesamten Instrumente, die auch im Ensemble-Patch zur Verfügung stehen, unter anderem also Taiko Drums, Giant Drums, diverse Toms, ethnische Trommeln, Snares und als Zugabe einige Effekt-Hits, bei denen verfremdete Samples zum Einsatz kommen. Die Dynamik der Hits wird durch die Anschlagsstärke und das Modulationsrad bestimmt.

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Die Auswahl des Patches mit einer Zusammenstellung von Instrumenten erfolgt über ein Aufklappmenü (oben rechts) oder über die Pfeiltasten links neben dem Namen des Ensembles.

Volumen, Tonhöhe, Panoramaposition und das Mischverhältnis zwischen der Nah- und der Raummikrofonierung sind pro Hit individuell einstellbar.

Unter Hit Selection werden im Auto Follow – Betrieb die Namen und Parametereinstellungen der in der aktuellen Tastaturbelegung enthaltenen Hits dargestellt. Klickt man auf die Pfeiltasten neben dem Namensfeld des Instruments, so surft man durch das Angebot von jeweils 37 verschiedenen Instrumenten und kann deren Parameter anpassen.

Es ist jedoch nicht möglich, per Hit Selection eigene Hit-Ensembles zusammenzustellen.

Im folgenden Audiodemo habe ich das „Concert Tom Mid 2“ in der Nahmikrofonierung dynamisch via Modulationsrad gesteuert:

 

Es kommen sechs Velocity-Layer zum Einsatz, was die Echtheit der Klangfarbe bei fließendem Spiel unterstreicht. Round-Robins kann ich allerdings nicht wahrnehmen. Trotz Nahmikrofonierung ist noch ein deutlicher, wenngleich angenehmer Raumklang vorhanden.

Nun wäre es für kleine Experimente von Vorteil, wenn man die Tonhöhe, Panoramaposition oder die Nah-/Raummikrofonierung per Controller oder Automation steuern könnte. Das ist an dieser Stelle aber leider nicht möglich. Die hier eingestellten Werte bleiben also statisch. Das stellt zwar angesichts der insgesamt üppigen Ausstattung und vielen Möglichkeiten, die Action Strikes bietet, keine Einschränkung dar, die Bauchschmerzen bereitet, passt aber nicht zu der ansonsten sauber konzipierten und durchdachten Architektur. Möglicherweise handelt es sich auch um einen Bug.

Der Amount-Regler des Effekt-Menüs, der den Anteil des Halls für alle Hits regelt, kann hingegen durch externe Controller oder per Automation gesteuert werden.

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Pump kombiniert eine Hüllkurvenbearbeitung mit einem Kompressor und liefert einen akzentuierteren und zugleich dichteren Klang. Die beiden Master-Equalizer heben die Höhen an (Modell 1) und senken die Mitten ab (Modell 2). Wechselt man über das Schraubenschlüsselsymbol (ganz oben links) in den Edit-Modus der Vollversion von Kontakt 5, findet man den Equalizer und die Dynamikeffekte unter Insert Effects wieder und hat hier Zugriff auf weiter reichende Optionen:

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Hier noch einmal das Concert Tom aus dem letzten Audiodemo, dieses Mal um eine Oktave nach unten gestimmt, mit Master EQ 2 und Pump:

 

Das Instrument–Patch

Während es bei den Hits um Einzelschläge geht, trifft man hier wieder auf rhythmische Vorlagen, dieses Mal für bestimmte Instrumente beziehungsweise Gruppen, ergänzt durch Einzelschläge (gelbe Tasten) und alternative Artikulationen wie Flams oder Rolls (grüne Tasten).

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Neben der Anschlagsstärke kann die Dynamik wiederum per Modulationsrad fließend gesteuert werden, und wie bereits vom Enbsemble-Patch bekannt, dient der Pitchbender zum Anheben oder Absenken der Lautstärke der akzentuierten Noten.

Ebenfalls bekannt ist uns inzwischen die Funktionsweise des Playback-Menüs mit aufklappbarem Info-Panel.

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Auch das Effekt-Menü mit mischbarer Nah- und Raummikrofonierung, Master Equalizer und Faltungshall dürfte kaum Fragen aufwerfen.

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Die Frequenz des resonanzfähigen Low-Pass-Filters lässt sich ebenso wie der Amount-Regler des Faltungshalls automatisieren oder per MIDI-Learn externen Controllern zuweisen. Der Balanceregler der Mikrofonierung ist im Gegensatz zum Ensemble-Patch nicht automatisierbar.

Über das Lupensymbol erreicht man den Instruments – Browser, hier mit den Auswahltasten für Low-, Mid- und High-Ensemble sowie Einzelinstrumenten oder Gruppen:

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Hier eine Zusammenstellung von Bassdrum, Tamburin und Taiko-Drums über drei Instrument-Patch-Instanzen von Action Strikes. Die Bassdrum mit Raum-, die Taiko-Drums mit Nah-Mikrofonierung:

 

Nun wechseln Bassdrum und Taiko-Drums die Nah- und Raum-Mikrofonierung:

 

Bevor wir zum Fazit kommen, noch eine Kombination mit vier Instanzen von Action Strikes. Auch ohne die Instanzen auf mehrere Kontakt 5 – Instrumente aufzuteilen (um die Berechnung auf mehrere Prozessoren zu verteilen) lag die CPU-Last bei unserem Testsystem (s. Anhang) bei einer Puffergröße von 128 Samples und einer Latenz von rund 6 Millisekunden lediglich bei etwa 12 Prozent.

Instanz 1 produziert den massiven Basis-Beat (Action Strikes -Ensemble „Dark City“, 16tel-Basis-Rhythmen mit Dynamiksteuerung). Instanz 2 fügt die Snare hinzu (Action Strikes Instrument, Nah-Mikrofonierung), Instanz 3 und 4 sind Action Strikes Hits: „Designed Hits“ für den lang ausklingenden Effektsound am Ende sowie „All Cymbals“ für Gong und Becken.

 

Fazit

Native Instruments Action Strikes liefert ein musikalisches, im Zusammenspiel harmonisches und ausgewogenes Percussion-Ensemble – fehlerfrei aufgenommen und in sehr guter, lupenreiner Audioqualität. Die fertigen Phrasen und auch die Instrumente des Ensembles können beinahe beliebig kombiniert werden. Erstaunlicherweise klingt Action Strikes dabei immer musikalisch perfekt. Nie kommt das Gefühl auf, dass einzelne Perkussionisten oder Gruppen zusammengewürfelt werden und jeder nach seinem eigenen Feeling trommelt, wie das häufig der Fall ist, wenn man MIDI-Grooves oder Loops kombiniert.

Die skriptbasierten Phrasen sind tempossynchron (ohne Artefakte) und klingen derart echt, dass es erhebliche Mühe und virtuoser Fähigkeiten bedarf, solche packende Percussion-Passagen selbst einzuspielen.

Action Strikes treibt die Einfachheit der Bedienung auf die Spitze: Fingerfertigkeiten werden nicht im geringsten eingefordert, man kann sich voll und ganz auf die Komposition konzentrieren und hat im Nu eine perfekte orchestrale Percussion-Begleitung entworfen.

Dramaturgische Spannungsbögen sind rasch erstellt: Dafür sorgen fertige Sets mit aufeinander aufbauenden, zunehmend komplexeren Phrasen ebenso wie die doppelte dynamische Steuerung via Modulationsrad und Pitch-Bender (Gesamtdynamik und akzentuierte Schläge).

Neben den kompletten Ensembles ergänzen patternbasierte Patches einzelner Instrumente sowie eine Sammlung von Hits das Angebot. Damit lassen sich über mehrere Instanzen von Action Strikes zusätzliche Instrumente sowie markante Schläge hinzufügen.

Das Angebot an Instrumenten deckt über das Percussion-Ensemble eines sinfonischen Orchesters hinaus auch ethnische Instrumente wie indianische Trommeln sowie eine komplette Taiko-Drum-Familie ab. Die Instrumente werden in mischbarer Nah- und Raummikrofonierung geboten.

Wie bei (fast) allen Sample-Libraries sinfonischer Instrumente beinhaltet auch die Nah- Mikrofonierung noch einen Raumanteil. Per Transienten-Tool kann man bei Bedarf das musikalische Geschehen noch etwas nach vorne holen – ganz trocken klingende Sounds sind aber auch mit solchen Hilfsmitteln nicht möglich. Dennoch erweist sich die Nah-Mikrofonierung als trocken genug, um bei Bedarf ausgefallene externe Effekte einzubinden.

In der Nah-Mikrofonierung klingen die Instrumente angenehm direkt, detailliert und transparent, ohne dabei an Druck zu verlieren; mit den Raummikrofonen ergibt sich ein voluminöser, im Panorama sehr breiter bis bombastischer Klang.

Angesprochen werden in erster Linie Komponisten aus den Bereichen Filmmusik, Spielevertonung und Multimedia. Diese werden sich freuen, mit Action Strikes ein breit aufgestelltes Percussion-Ensemble zum fairen Preis zu erhalten, mit dem man in Windeseile packende, spannungsgeladene und raumfüllende Schlagwerkbegleitungen à la Hollywood-Kino in Szene setzen kann. Externe Hilfsmittel sind kaum noch erforderlich, um den spektakulären, breiten Klang zu veredeln. Auch das Zusammenwirken mit anderen Orchesterensembles wie Streichern oder Bläsern dürfte problemlos gelingen.

Außerhalb der Zielgruppe eignet sich Action Strikes für jeden, der orchestrale Percussion in seine Projekte einbinden möchte. Von den rhythmisch stimmigen Phrasen kann auch manche Cross-Genre Pop/Rock-Produktion profitieren.

Holger Obst

Plus:

  • Vielzahl gut sortierter Rhythmus-Pattern
  • freie Kombinierbarkeit von Rhythmen und Instrumenten
  • einfache Bedienung mit übersichtlicher Architektur
  • packender, sehr echt wirkender Klang
  • hohe Audioqualität
  • geringer CPU-Leistungsanspruch

Minus:

  • Automatisierung und MIDI-Lerndialog nicht in allen Bereichen implementiert

Systemvorrausetzungen:

  • kostenloser Kontakt Player oderKontakt 5
  • Win/Mac
  • AAX, RTAS, AU. VST, standalone
  • 32 und 64 Bit

Preis: 299.- EUR

Hersteller:

Testsystem:

  • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII
  • Testprojekt mit 44,1 kHz Samplerate und 24 Bit Auflösung.
  • Alle Audiodemos in 128k mp3.

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