Test: Native Instruments Molekular
1. Überblick
Molekular läuft auf Native Instruments virtuellem Modulsystem Reaktor sowie auf dem kostenlosen Reaktor-Player, beide in der Version 5.9. Die umfangreiche Ausstattung der Reaktor-Ressourcen haben die Entwickler tief ausgeschöpft und einen virtuellen Multieffekt mit vier gleichzeitig nutzbaren Effekten erschaffen. Die vier Effektslots werden aus einem Repertoire von 35 Effekten bestückt und können innerhalb von Molekular in unterschiedlichen Routings (seriell/parallel/Mischformen sowie Rückkopplungsweg) geschaltet werden. 16 Modulationsquellen (LFOs, Step-Sequencer, sequenziell gesteuerte Hüllkurven/Hüllkurvenverfolger, Logic-Funktion) können (fast) alle Parameter in Bewegung versetzen, natürlich auch temposynchron. Über MIDI-Learn ist ebenso umfangreich eine Steuerung über externe Controller möglich. Eine komplexe Klangumwandlung, eine rhythmische und/oder melodiöse Prägung des Originalsignals ist sowohl komplett automatisiert als auch manuell in Echtzeit (Live-Performance) möglich. Melodiös? Ja, richtig, es sind Spezialisten für Tonhöhenmanipulationen an Bord – bei Bedarf auf der Basis vorgegebener Akkorde. Aber das ist noch nicht alles: Modular bietet ein Morphing Feld für X/Y – Klangfahrten zwischen vier alternativen Effekteinstellungen. Der Weg, den man bei diesen Klangfahrten macht, ist dabei per Modulatoren oder manuell über Controller steuerbar.
2. Systemanforderungen, Installation und Autorisierung
Reaktor und der Reaktor Player, beide in der Version 5.9, benötigen OSX 10.7 oder höher bzw. Windows 7 oder höher (32 und 64 Bit). Die unterstützten Formate sind: VST, AU, AAX, RTAS (ab Pro-Tools 9 und nur für die Reaktor Vollversion) sowie Standalone.
Nach dem Erwerb erhält man einen Download-Link zu einer weiter führenden Download-Software, dem Molekular Downloader. Mit diesem lädt man das eigentliche Programm herunter und kann dann entscheiden, ob es auf dem mit dem Internet verbundenen oder auf einem anderen Rechner installiert werden soll.

Während des Installationsprozesses kann man den Speicherplatz der Molekular Library individuell festlegen. Die Größe der Library ist mit 147 MB überschaubar. Schließlich enthält sie keine Samples, sondern lediglich das Molekular Ensemble, das englischsprachige Manual sowie die Lizenzvereinbarung. Ändert man den Speicherpfad nicht, wird Molekular in eine gegebenenfalls schon bestehende Reaktor-Library integriert (soweit hier bei Vorinstallationen der von NI vorgegebene Pfad eingehalten wurde). Anschließend aktiviert man Molekular über die Software NI Service-Center, wo man seine Seriennummer eingibt.
3. Erster Start
In diesem Test benutzen wir Molekular als Plug-In, also nicht standalone. Um Molekular zu starten, lädt man in einen Insert-Slot eines Audiokanals des Sequenzers zunächst Reaktor 5 FX. Molekular findet man am schnellsten über den Reiter Player. Von dort zieht man das Molekular-Ensemble aus dem Reaktor-Browser in das große, noch leere Bedienfeld. Alternativ geht es auch per Doppelklick.

Die Molekular-Library erreicht man über den Snapshot-Reiter des Browsers (der Begriff „Snapshot“ aus der Reaktor-Termnologie ist hier gleichzusetzen mit „Preset“) …

… oder über das Namensfeld der Kopfleiste des Ensemble-Fensters. Werksseitig werden bereits eine ganze Menge an Ensemblekonfigurationen geboten, aufgeteilt in die Kategorien Rhythmic, Melodic, Frequency Shaper, Soundscapes, Abstract und Single DSP. Hier eine Übersicht der Presets aus der Kategorie Melodic:

Melodic bedeutet nicht, dass die Presets nur für Melodieinstrumente gedacht sind, sondern dass Molekular selbst eine Tonalität erzeugt – und diese kann durchaus prägend ausfallen. Im folgenden Audiodemo habe ich einen einfachen Stylus RMX-Groove als Ausgangsbasis genommen und ihn mit einem Gate etwas zerhackt, um Lücken und Raum für den Effektsound von Modular zu schaffen. Die Snare habe ich auf einen separaten Kanal gelegt und mit einer anderen Instanz von Modular bearbeitet. Zu Beginn hört man den reinen Beat. Alles, was sich danach an tonalen Signalen abspielt, wird von Modular erzeugt.
Das nächste Audiodemo beruht auf dem Preset Gateway Blues aus der Kategorie Abstrakt. Verwendet habe ich wieder denselben Beat, dieses mal jedoch das Originalsignal (über den Mixer am Ausgang von Molekular) ausgeblendet.
Und hier noch eine dritte Variante desselben Beats mit dem Preset Sinusitiq, wieder das reine Effektsignal:
Molekular erzeugt hier eine beachtliche harmonische Progression. Schon jetzt ist klar, dass Modular die Welt herkömmlicher Effekte, die das Eingangssignal lediglich gestalten, weit hinter sich lassen und völlig neue, eigene Klänge kreieren kann.
4. Die Effektmodule
Bei der Bestückung der vier virtuellen DSPs mit Effekten stellt man fest, dass die Auswahl pro DSP spezifisch ausfällt. Die 35 Effekte stehen also nicht alle für jeden DSP zur Verfügung. Wie wir noch sehen werden, geht aus dieser Vorgabe jedoch keine ernsthafte Einschränkung der gestalterischen Möglichkeiten hervor.
Omnipräsent sind die Standardeffekte Dual-Delay, Equalizer, Filter, Level und Metaverb (rechte Auswahlspalte).
Für DSP 1 stehen Effekte zur Verfügung, die in das Frequenzspektrum eingreifen: Dual Comb, Plagiarism, reSonatorium, Spektral Hold, Spektral Shift, Spektral Smear und Vokoder (linke und mittlere Auswahlspalte).

Unter den sieben Effekten für DSP 1 stößt man auf Spezialisten, die in der Lage sind, in die Tonalität des eingehenden Audiosignals eingreifen und auch dort tonale Strukturen erzeugen können, wo zuvor nur Atonalität herrschte (Geräusche, Drums etc.). Dies gelingt sogar als definierte Akkordfolge durch eine Tonhöhen-Quantisierung. Zudem eignen sich die Effekte, dem Signal Sättigung und Textur hinzufügen.
DSP 2 ist für neun Delay-Spezialisten reserviert, geeignet (auch) für Bandecho, Stottereffekte oder sphärische Klangwolken: Angel Delay, Band Delays, Cloud Delay, Dub Delay, Freezer, Iteratron, Reverseoid, Ryuchi und Trails.

Weiter geht es mit neun Filter- und Modulationseffekten für DSP 3: Chorus, Dark Forces, Dual Filter, Filterbank, Frequency Shift, HalfWave, Phlanger und Pitch Shift.

Im vierten DSP geht es um sechs Lo-Fi und Distortion Effekte: Lo Fi, Modulo Fry, Slam Dunk, Track OSC, Track Pulses und Wave Fold.

Hinter den fantasievollen Namen einiger Effekte stecken auch außergewöhnliche Funktionen, wie wir noch im Detail sehen werden. Da bei Molekular jedoch nicht nur die Effekte, sondern auch deren Modulatoren die Musik machen, will ich hier zunächst auf diese eingehen:
5. Die Modulatoren
Die insgesamt 16 Modulatoren teilen sich in vier Gruppen mit jeweils vier Exemplaren der selben Gattung: LFOs, Step-Sequencer, Trigger-Sequencer (und Hüllkurvenverfolger), Logic (Modulation nach mathematischen Berechnungen oder Befehlen) – viel Stoff für turbulente Klangverwandlungsorgien. Man wird sich zurückhalten müssen, wenn kein wildes Klangchaos entstehen soll. Hinzu kommt die Option der Stereomodulation, bei der der linke und rechte Kanal phaseninvertiert moduliert wird (Anwendungsbeispiel: Stereo-Wobbel-Sounds bei phaseninvertierter LFO-Modulation). Und es geht noch weiter: Auf Modulatorenebene kann zusätzlich eine Crossmodulation eingerichtet werden, d. h. Ein Modulator steuert einen anderen (Beispiel 1: Ein Logic Modulator sagt einem LFO, dass er nur unter bestimmten Bedingungen startet. Beispiel 2: Ein temposynchroner LFO, der pro 5/4 einmal durchläuft wird durch einen zweiten LFO mit eintaktigem Zyclus moduliert: So entsteht eine Wellenformüberlagerung, die sich nur alle 4 Takte wiederholt. Werfen wir einen Blick auf die Modulatoren:
So sieht ein Molekular LFO aus:

Die vier Basis-Wellenformen können über Phase verschoben und über Shape transformiert werden. Shape verwandelt beispielsweise die Basis-Dreieckswelle stufenlos in eine Sägezahlwelle, die Sinuswelle über v-förmige Zwischenformen in eine Rechteckwelle. Shape wirkt bei der Rechteckwelle auf die Pulsbreite und transformiert die vierte Alternative, Noise in rechteckige oder abgerundete Zufallswellenformen. Die LFOs 2 bis 4 können zum ersten LFO synchronisiert werden. Der Drehregler Mod oben rechts wirkt übrigens global auf die Modulationsstärke aller Modulatoren. Der Fader unten links neben Assign bestimmt die individuelle Modulationsstärke. Wie stark ein Modulator wiederum auf ein spezifisches Modulationsziel einwirkt, wird über den Assign-Button und entsprechende Fader bei den Modulationsquellen eingestellt. Feindosierungen und gezielte Einsätze sollten also kein Problem sein.
Die vier Step-Modulatoren beeinflussen die ihnen zugewiesenen Modulationsziele auf Step-Sequenzer-Basis in bis zu 16 Schritten. Sie arbeiten immer temposynchron in einem großzügig bemessenen Rahmen von 1/96tel bis zu 32 Takten. Der Einsatz mehrerer Step-Modulatoren mit unterschiedlicher Schrittanzahl kann für das Erstellen polyrhythmischer Muster genutzt werden. Die Sequenz kann in vier Modi ablaufen: vorwärts, rückwärts, in einem Ping-Pong-Pendel-Modus sowie zufällig.

Unter ENV finden sich drei Hüllkurven-Modulatoren, die über einen einfachen An/Aus-Step-Sequenzer getriggert werden. Der zeitliche Ablauf der Modulationsstärke erfolgt über Attack, Gate und Release.

Der vierte Modulator dieses Quartetts ist ein Hüllkurvenverfolger. Hiermit werden Effektparameter in Abhängigkeit von der Eingangslautstärke des eintreffenden Signals gesteuert. Dabei kann als eintreffendes Signal neben dem Main-Input auch der Ausgang der vier DSP-Module oder der Gesamtausgang verwendet werden. Eine überaus sinnvolle Einrichtung: Molekular bietet Module, die ganze Tonsequenzen generieren. Diese Tonsequenzen liegen aber erst am Ausgang des DSP-Effektes an, der sie produziert. Will man die erzeugte Tonsequenz nun mit einem weiteren, per Envelope Follower gesteuerten Effekt(parameter) herausarbeiten, ist es wichtig, dass der Follower nur auf diese Tonfolge reagiert, nicht auf das Eingangssignal, dass womöglich einen vollständig anderen Lautstärkeverlauf aufweist. Wir kommen später in einem Anwendungsbeispiel hierauf noch zurück.

Die vier Logic-Module sind eine Klasse für sich. Wenn es um Logik, also Befehlsverschaltungen oder gar Mathematik geht, führt dies bei vielen Musikern schnell zu Hirnfehlschaltungen, gepaart mit Unlustgefühlen. Es sieht ganz so aus, als ob hier andere als die zentral musikalischen Cortexregionen gefragt sind. Auch bei Molekular kommt man beim Logic-Modulator nicht darum herum, mehr zu machen als Regler zu drehen. Doch die Beschäftigung damit könnte sich in diesem Fall lohnen, denn mit den Logic-Modulatoren lassen sich ausgefuchste und präzise Effektsteuerungen einrichten.

Im Gegensatz zu den anderen Modulatoren produziert Logic nicht von sich aus eine Modulation, sondern ist zwischen einem Quell- und einem Zielmodulator zwischengeschaltet. Links in den Feldern über den beiden Drehreglern legt man den Quellmodulator fest. Bleibt man bei Slider, so ist dies der Wert, den man über den darunter befindlichen Drehknopf einstellt. Alternativ bieten sich alle Modulatoren der Kategorien LFO, Step und ENV an. Rechts wählt man den Betriebsmodus des Logic-Moduls. Hier drei Beispiele aus einer Vielzahl von Optionen:
- Step Mem.: Wirkt auf einen der Step-Sequenzer ein und kann, kombiniert mit einem LFO als Modulationssteuerung zu abwechslungsreichen Rhythmen führen.
- Random: Ein LFO- oder per Step-Sequenzer gesteuerter Sample & Hold – Zufallsgenerator kann beispielsweise für die Erstellung geräuschhafter Texturen verwendet werden.
- Scale: Ein Modulator kontrolliert die Stärke des zweiten Modulators.
Bis hierhin sollte bereits klar sein, dass Molekular über ein breites Sortiment von Effekten verfügt, die in großem Umfang moduliert und in Szene gesetzt werden können. Nun wolle wir uns die Effektmodule näher ansehen, modulieren und hören, wie Molekular eigentlich klingt. Dabei bauen wir an geeigneter Stelle gleich den Morpher und die Pitch-Quantisierung ein. Der folgende Abschnitt des Tests ist angesichts des Arsenals an Effekten mit teils großzügiger und spezialisierter Ausstattung (ungeplant) umfangreich geworden. Er wird Ihnen jedoch einen schnelleren Zugang zu den vielfältigen Möglichkeiten und ein gezielteres Arbeiten mit Molekular eröffnen.
6 Effektmodule im Einsatz
6a Level, Cloud Delay, Equalizer und Slam Duck
Molekular bietet eine Vielzahl inspirierender Presets, mit denen man ein neues Projekt starten kann. Ich habe das am Anfang dieses Tests mit den Mutationen eines einfachen Beats auszugsweise gezeigt. Jetzt möchte ich Molekular aber gezielt einsetzen und habe mir die Aufgabe gestellt, aus einem dröhnenden Basspad (FXpanison Cypher) einen rhythmischen Bass herauszumeißeln. Dazu mache ich erst einmal reinen Tisch und hole mir im Browser das leere Preset „Init Molekular“.
Meine Vorlage für den rhythmisierten Bass hört sich so an:
Und hier meine Molekular-Konfiguration:

Meine Arbeitsschritte in Kurzform: Master Dry-Regler oben rechts zudrehen und FX aufdrehen. Modul Level in DSP 1 laden. Host-Sequenzer im Cycle-Modus laufen lassen, damit Molekular Informationen zum Tempo bekommt.
Level ist ein Modul für die Bearbeitung des Lautstärkeverlaufs – mit einigen Extras. Die maßgebliche Steuerung erfolgt über einen modulinternen Pattern-Sequenzer, welchen man über den kleinen Pfeil rechts unten neben dem Pattern-Regler erreicht. Hier habe ich zunächst den Lautstärkeverlauf so verändert, dass Lücken entstehen.

Auch den Panoramaverlauf habe ich neu gezeichnet:

Mit den weiteren Parametern habe ich eine Weile experimentiert und sie schließlich so eingestellt wie abgebildet.

Der Mod-Regler bestimmt, wie stark das Pattern das Geschehen beeinflusst, muss also hier ganz aufgedreht sein. Shape regelt die Modulation der Lautstärke von linear zu exponentiell. Niedrige Werte bewirken ein knackiges Attack. Width reguliert einen Mitten/Seiten Decoder/Encoder, der das Stereosignal in die Breite zieht. Eine feine Sache für die Gestaltung des Soundpanoramas. Schließlich habe ich noch den mittleren Level-Fader durch einen in 16tel laufenden Sinuswellen-LFO moduliert. Die Modulationszuweiseung erfolgt recht einfach: Man klickt im Modulator, hier dem LFO 1, auf den Assign-Button. Dadurch erscheinen bei allen Parametern, die modulierbar sind, Fader, welche man nur noch zu bewegen braucht, um die Modulation zuzuweisen. Wenn man übrigens mitten in einer umfangreichen Modulator-Konfiguration steckt und wissen will, von welcher Quelle eigentlich ein bestimmter Parameter moduliert wird, führt man einfach einen Doppelklick auf das Namensfeld des Parameters aus und gelangt zu diesem Menü:

Dort gibt es im Moment nicht viel zu sehen, denn der Parameter Level von DSP 1 wird nur durch LFO 1 gesteuert.
Als nächstes habe ich das Granularecho Cloud Delay in DSP 2 und den Equalizer in DSP 3 geladen.

Cloud Delay produziert hier keine Klangwolken, sondern körnige Füllechos für die Lücken zwischen dem abgehackten Bass. Der Mix-Regler des Equalizers reagiert auf den Hüllkurvenverfolger, zu finden in der Modulationsabteilung (unter ENV F) …

… und bewirkt, dass die Attackphase jeder Bassnote durch eine leichte Betonung der oberen Mitten etwas hervorgehoben wird. Wichtig ist, dass der Hüllkurvenverfolger vom Ausgang des DSP 1, dem Level-Effekt getriggert wird.
Will man mehr Dampf und Präsenz erzeugen nimmt man gewöhnlich einen Transienten Designer oder einen Kompressor – oder beides. Genau das ist Slam Dunk, den ich hier in den vierten Slot geladen habe:

Mit Slam Duck hört es sich so an:
Nachdem nun alle Module belegt sind, bietet sich eine weitere Möglichkeit über das Routing-Fenster. Alle DSPs arbeiten hier seriell, und das ist auch gut so. Man kann den Sound aber noch schärfen und druckvoller machen, indem man eine Feedbackschleife vom DSP3 Equalizer zum Equalizer zurück einbaut und dieses Feedback mit einem kleinen Delay versieht.

Das Endergebnis hört sich nun so an:
6b reSonatorium, Freezer, Dual Filter, Dual Delay und der Morpher
Der Effekt reSonatorium bietet vier parallel geschaltete, mit Feedback und Zeitverzögerung arbeitende Resonatoren und der Option, zwischen geraden und ungeraden Obertönen zu überblenden (Harm-Regler). Ein vorgeschalteter Low-Pass-Filter und der Parameter Pitch bestimmen die Tonhöhe, in der sich die Resonanzen abspielen. Auch beim Resonator gibt es einen internen Pattern-Sequenzer (erreichbar über den kleinen Pfeil unterhalb des Pattern-Reglers). Im Pattern-Sequenzer können Intervalle, Verzögerungszeiten und Panorama eingestellt werden.


Zusätzlich bietet sich eine Steuerung über Step-Sequenzer-Modulatoren an, mit denen beispielsweise die Patternabfolge (beim Einsatz mehrerer Pattern) automatisiert werden kann.
Im folgenden Audiodemo ist lediglich der Resonator aktiv:
Hier habe ich das Preset „reSanatorium“ aus der Kategorie Single DSP verwendet. In diesem Preset kommt die Morphing-Funktion zum Einsatz.
Gemorpht wird zwischen den vier Eckpositionen A, B, C und D des Morphing-Displays. Über die beiden zentralen Zahlenwerte links und rechts stellt man den Winkel und den Radius der Morphbewegung ein. 100% Radius sind erforderlich, wenn die vier Eckpositionen durchlaufen werden sollen. Kleinere Werte bedeuten, dass lediglich Mischformen der Eckpositionen generiert werden. Klickt man auf den zentralen unteren Taster „Morpher“, so kann man festlegen, welche der vier DSPs in das Morphing eingeschlossen werden sollen. Damit wäre der erste Schritt, den Morpher in Betrieb zu nehmen, getan.

Als nächstes definiert man eine Morph-Base, einen Anfangszustand. Arbeitet man auf der Grundlage eines Preset, welches Morphing beinhaltet, schaltet man zunächst die Bewegung über den Button „Motion“ aus und klickt auf „Clear“. Dann bewegt man den Cursor an die gewünschte Basisposition und klickt auf „Save“, anschließend auf „Base“.
Um den vier Eckpunkten A bis D Parametereinstellungen zuzuweisen, konfiguriert man zunächst die Effekteinstellungen aller am Morphing beteiligten DSPs für die jeweilige Morph-Position, klickt anschließend erst (im Morph-Feld) auf Save und dann auf den gewünschten Eckpunkt. Will man einem Eckpunkt zugewiesene Parametereinstellungen wieder löschen, klickt man auf Clear und anschließend auf den Eckpunkt. Im Clear-Modus können auch nur einzelne Parameter aus dem Morphing herausgenommen werden, indem man einen Doppelklick auf das Namensfeld des Parameters ausführt.
Will man von der kreisförmigen Morphing-Bewegung wegkommen, so bietet sich die Möglichkeit an, Winkel und Radius zu modulieren. Um auf dem Laufenden zu sein, erledigt man das Ganze in Echtzeit mit voller akustischer und visueller Kontrolle – also bei laufendem Sequenzer und eingeschalteter Motion (über den Motion-Button im Morph-Display). Dabei wählt man einen Modulator (also LFO, Step, ENV oder Logic) klickt dort auf Assign und bewegt anschließend die Fader des Morpher-Winkels und -Radius im gewünschten Maß.
Insbesondere die Steuerung über Step-Sequenzer und Hüllkurvenverfolger ermöglicht sprunghafte, akzentreiche Morphings. Im folgenden Audiodemo habe ich lediglich den Pattern-Regler auf diese Weise moduliert:
Hier der Screenshot dazu:

Grundlage für die tonale Klangerzeugung ist ausschließlich der im Hintergrund laufende Beat. Am Beispiel hat sich gezeigt, wie leistungsfähig Molekular ist. Schon mit einem DSP kann man große Veränderungen produzieren.
Kommen wir zu einem weiteren Effekt: Der Freezer ist für DSP 2 reserviert. Dieser sampelt das einkommende Signal für eine bestimmte Zeitspanne und sobald ein Trigger-Level überschritten ist. Während eines einstellbaren Zeitfensters wird das aufgenommene Signal wiederholt (Loop). Für den linken und rechten Kanal kann dieses Zeitfenster getrennt eingestellt werden. Zudem gibt es zwei Varianten A und B, zwischen denen hin- und hergeschaltet werden kann. Ein Gate ermöglicht es, den Loop zu beschneiden, eine Smooth-Funktion ein weiches Ein- und Aussteigen des Freeze-Effekts. Über X.Gate stellt man (alternativ zum Mix-Regler) ein, ob das unbearbeitete Signal hörbar bleibt, wenn der Freeze-Effekt pausiert. Für rhythmische Bearbeitungen eignet sich die Steuerung des Freeze-Effektes (an/aus) über einen Step-Sequenzer. Freeze kann man auch benutzen, um eine Art Slap-Back-Echo zu erzeugen. Die Einstellungen dazu:

Auf Grundlage des bereits verwendeten Beats und mit vorgeschaltetem reSanatorium-Effekt hört sich das Ganze nun so an:
Der Effekt Dual Filter, der in DSP 3 geladen werden kann, ist ein Duales Multimodefilter. Die Lautstärke beider Filter kann gemischt und sie können seriell oder parallel betrieben werden. Zwischen Lo-Pass, Band-Pass und High-Pass Charakteristika blendet man stufenlos mit den Type-Reglern. Ich habe das Filter unmoduliert eingesetzt, um dem Beat mehr Farbe zu verleihen:

Auch ein Effektklassiker wie das Dual-Delay …

… erreicht ganz andere Dimensionen, wenn man die Tempo-Multiplikatoren A und B mit einem LFO moduliert.
6c Plagiarism, Band Delays, Filterbank, Track OSC und Pitch Quantization
Im nächsten Anwendungsbeispiel geht es darum, eine tonale Abfolge zu kreieren. Es soll sich ein bisschen nach elektronischer Minimal Music anhören. Zunächst die Ausgangsbasis, der unbearbeitete Audiotrack:
Unspektakulärer geht es nicht: Ein aufgelöster C-Dur Akkord.
Molekular bietet die Möglichkeit, alle tonhöhenabhängigen Parameter auf eine bestimmte Tonhöhe zu ziehen. Die Zauberformel nennt sich „Pitch Quantization“.
Schnappen wir uns also erst einmal für DSP 1 ein Modul, dass eine Tonhöhenquantisierung erlaubt:
Plagiarism

Plagiarism „analysiert“ das eingehende Signal intern mit Hilfe eines Hüllkurvenverfolgers, der 16 Stimmen aus Filtern mit hoher Flankensteilheit, kombiniert mit Hüllkurven generiert. Hinzu kommt ein Ringmodulator und ein Zufallsgenerator für die Basisfrequenz. Freq Map bestimmt das Obertonspektrum bzw. die grundlegende Klangfarbe. Pitch bestimmt die Basisfrequenz, Depth die Anzahl der Stimmen und deren Position im Panorama. X/Y/Z wählt drei Analyse/Trigger-Modi. Attack, Hold und Release bestimmt die grundlegende Form der Hüllkurven aller Stimmen.
Um die Tonhöhenquantisierung einzusetzen, muss diese aber erst einmal konfiguriert und dem DSP 1 zugewiesen werden. Dazu klickt man zunächst auf die kleine Stimmgabel oben rechts im Routing-Fenster und öffnet den Pitch-Quantize-Editor. Anschließend klickt man auf den Pfeil neben der Tastaturdarstellung. Zentral öffnet sich nun der Editor:

Hier stellt man der Reihe nach 8 Akkordvarianten ein. Diese erreicht man über die unteren Balken, oben klickt man auf die Noten, die man hören möchte (und die dann hell erscheinen, wie in der oberen Abbildung zu sehen).
Damit unser Plagiarism Effekt sich auch angesprochen fühlt, aktiviert man rechts das orangefarbene Feld hinter Pattern und bei Bedarf auch das einstellbare Timing darunter (für DSP 1).
Um einen Wechsel der Akkorde zu erzielen, müssen diese nun noch sequenziell angesteuert werden. Dazu nehmen wir einen Sequenzer aus der Modulatorenabteilung, zeichnen einen Verlauf ein, wählen eine Abspielrichtung, klicken auf Assign und bewegen den kleinen Slider im Pitch-Quantisazion-Fenster (direkt neben „Pattern“).

Mein aufgelöster C-Dur-Akkord hört sich nun so an:
Nun könnte man die Parameter von Plagiarism noch durch andere Modulatoren steuern und/oder den Morper einsetzen, um mehr Bewegung ins Spiel zu bringen. Aber wir wollen hier ja noch ein paar andere Effekte kennenlernen.
In DSP 2 habe ich daher den Effekt Band Delays geladen, der ebenfalls auf den Pitch-Quantizer reagiert. Hier werden acht Delay-Taps, konfiguriert über 8 Pattern geboten. Unterschiedliche Einstellungen dieser einzelnen Echos erreicht man über den kleinen Pfeil neben dem Pattern-Regler.

Den Wechsel zwischen den Pattern habe ich über denselben Step-Modulator animiert, der auch schon den Wechsel der Pitch-Quantize-Pattern steuert.
Im Moment sieht unser kleines Projekt so aus …

… und hört sich so an:
Um mehr Klangfarben ins Spiel zu bringen, nehmen wir für DSP 3 eine Filterbank hinzu. Diese verfügt über fünf 24dB-Bandpass-Filter. Wir animieren diverse Parameter mit einem Hüllkurvenverfolger (aus der Modulatorenabteilung ENV)

Das Zwischenergebnis hört sich nun so an:
In den noch leeren Slot des vierten DSPs laden wir den Effekt Track OSC.

Das eingehende Signal moduliert einen Oszillator mit variabler Wellenform, passiert anschließend ein Filter und eine Sättigung. Die Tonhöhe des Oszillators wird in unserem Beispiel via Pitch-Quantization gesteuert.
Das Ganze hört sich nun so an:
6d Spectral Shift und Ryuchi
Spectral Shift analysiert das Signal mittels FFT (fast Fourrier transform) über 256 oder 512 Bänder. Anschließend kann es spektral verschoben werden. Es ergeben sich Verfremdungen des Klangspektrums, die auch für Beats eingesetzt werden können.

der mathematische Faktor N bestimmt grundlegend, welche spektralen Anteile zu hören sind. Diesen habe ich für das folgende Audiodemo mit einem Step-Sequenzer moduliert. Hier zunächst der Originalbeat …
… und hier mit Spectral Shift:
Ryuchi ist ein Lo-Fi Pitch-Shifter, der ganz gut zu dem Underground-Beat passt:

Up- und Down-Shift habe ich über einen Step-Sequenzer moduliert (das führt zu Sprüngen im Frequenz-Shifting) und den Mix-Regler des Effekts über einen Sägezahn-LFO mit eintaktigem Durchgang, sodass der Effekt vom Anfang bis zum Ende des Taktes voll eingeblendet wird und dann abrupt wieder von vorne beginnt.
Der Beat hört sich nun folgendermaßen an:
6e Vokoder und Metaverb, Spectral Smear und Trails
Auch der Vocoder Effekt basiert auf einer FFT Analyse des Eingangssignals und dazu drei Oszillatoren mit Sägezahnwellenform. Die Intervalle A und B regulieren die Tonhöhe der Oszillatoren 2 und 3. Auch der Vocoder reagiert auf die Pitch-Quantisierung. Im folgenden Audiodemo habe ich diese eben dafür und zudem für das nachfolgende Cloud-Delay eingesetzt (welches wir inzwischen ja bereits kennen). Ein LFO steuert zudem den Mix-Regler des Cloud Delays und des nachfolgenden Metaverbs.

Erreichen möchte ich einen etwas schräg klingenden, ambienceartigen, der sich aus der Gesangslinie selbst generiert. Diese klingt trocken so …
… und mit den Effekten so:
Es lassen sich aus dieser Stimme aber auch außergewöhnliche Lo-Fi-Effekte bis hin zu regelrechten Klangwolken erzeugen. Für das folgende Audiodemo habe ich die selbe Gesangsspur wie zuvor verwendet und die Effekte Spectral Smear und Trails parallel eingesetzt. Dafür habe ich im Routing-Fenster die Verkabelung verändert. Es stehen acht Routing-Optionen zur Auswahl:

Spectral Smear ist ebenfalls ein FFT basiertes Filter, dass mit Frequenz- und Phasenverschiebungen des analysierten Signals arbeitet. Trails ist ein tempobasierter Slicer. Ich habe Parameter beider Effekte mit einem Step-Sequenzer und einem Noise-LFO (vierte Wellenform im LFO Fenster) moduliert, um so etwas zu bekommen wie eine Telefonstimme mit Glitches, Audioaussetzern und Übersprechungen fremder Signale.

Um es auf die Spitze zu treiben, habe ich noch den Morpher benutzt. Die Positionen A bis C habe ich mit der selben Effektkombination wie im vorangegangenen Demo belegt, die Position D hingegen als einzige mit einem vollkommen trockenen Originalsignal. (Das habe ich erreicht, indem ich die kleinen Mix-Regler der DSPs für die Position D auf Linksanschlag gedreht habe: Regler einstellen, Save-Button im Morpher anklicken, Positionsfeld D im Morpher anklicken). Winkel und Radius habe ich per LFO und Step-Sequencer moduliert. Das Ergebnis ist eine Klangtextur, geeignet für wilde Traumsequenzen oder Geisterbeschwörungen.
Man kann Molekular auch benutzen, um intuitiv und mit hohem Spaßfaktor Texturen für Filmmusik zu erzeugen. Modular ist schon eine tolle Klangbastelkiste. Und anders als bei allen anderen mir bekannten Plug-Ins kommt man gar nicht auf die Idee, in den Insert-Slot hinter Molekular noch einen anderen externen Effekt einzubauen. Hier ist schon so viel an Bord, dass man völlig darin aufgehen kann. Jetzt aber die Musik für schlimme Träume:
6f Chorus, Reverseoid, Lo Fi, Dual Comb, Angel Delay, Dual Filter
Zur Abwechslung produzieren wir nun etwas Bodenständiges. Der Track, der bearbeitet werden soll, ist eine E-Piano-Begleitung. Hier das Original:
Molekular verfügt über einen sehr schönen Chorus, der nach Vintage klingt. Den setzen wir jetzt ein.
Die Regler Time und Rate der Stereokanäle A und B habe ich per Sinus-LFO gegenläufig moduliert.

Reversoid nimmt Audiosegmente in definierbarer Länge auf und spielt sie rückwärts ab. Diesen Effekt benutzen wir hier, ganz dezent beigemischt, um eine geheimnisvolle Stimmung ins Spiel zu bringen. Und den Effekt Lo-Fi setzen wir am Ende der Kette ein, um eine winzige Priese elektronischer Patina im Sinne von kleinen zirpenden Nebengeräuschen beizufügen.

Außerdem benötigen wir noch ein Feedback-Routing von DSP 4 zu DSP2, um das Zirpen des LO-Fi-Effektes etwas zu verstärken.

Zusätzliche Klangfarben bis hin zu einer neuen Tonalität lassen sich auch mit dem Dual Comb – Effekt erzielen.

Hier werden zwei Kammfilter eingesetzt; die Center-Frequenz des ersten Filters (A) wird als Notenwert festgelegt, Filter B agiert in einem Intervall von bis zu 36 Halbtonschritten zu A. Zwischen parallelem und seriellem Betrieb kann umgeschaltet und zwischen geraden und ungeraden harmonischen Tonspektren stufenlos überblendet werden (odd/even). Im folgenden Audiodemo habe ich das Comb-Filter eingesetzt, um kleine tonale Irritationen ins Spiel zu bringen. Diese entstehen durch die gegenläufige Modulation der Tonhöhen von Filter A und B durch einen LFO. Grundlage ist wieder das bekannte E-Piano-Pattern.
Schwebende Klänge oder spezielle Chorus-Effekte gelingen mit dem Angel Delay.

Vier bis 15 Delay-Taps (Taps-Regler) werden, ausgehend von einer Basis-Zeitverzögerung (Time-Regler), in linearem oder exponentiellem zeitlichen Verlauf verteilt (Shape-Regler), steigen in der Lautstärke an oder klingen ab (Amp-Regler und Exp-Button) und werden im Panorama positioniert (L/R, Alt 1 bis Alt 2 – Buttons, Pan-Regler). Im weiter unten folgenden Audiodemo wird Time, Shape und Amp durch den Morpher moduliuert.
Um einen Vintage-Effekt zu erzielen, der in etwa nach einer alten Schallplattenaufnahme klingt, habe ich in DSP 3 den Effekt DUAL-Filter hinzugefügt:

Die Center-Frequenz von Filter B wird hier als Offset zur Center-Frequenz von A eingestellt (Spread-Regler). Liegen beide Werte weit auseinander, vergrößert sich der Wirkungsbereich des Filters; liegen sie nah zusammen, so überlagern sie sich stärker. Über die Regler Type überblendet man stufenlos von Low- über Band- zu einer High-Pass Charakteristik.
Angel Delay und DUAL-Filter verwandeln (in Reihe geroutet und mit den abgebildeten Einstellungen) die kleine E-Piano-Passage Akkordprogression wie folgt:
6g Iteratron und Pitch Shift
Iteratron ist ein Loopereffekt. Über Freeze nimmt man Audioschnipsel aus dem laufenden Input auf (die Steuerung kann live per Controller, für ein festes Rhythmusarrangement über einen Step-Modulator erfolgen). Repeat bestimmt die Aufnahmedauer, Step die Anzahl der Wiederholungen bei Wiedergabe. Die Wiedergabe kann in der Lautstärke (Amp) und mit einem Filter bearbeitet werden. Iteration ist daher bestens geeignet, um einen Beat aufzumöbeln.

Pitch Shift transponiert die Tonhöhe getrennt für den linken und rechten Kanal und ist in der Lage, den internen Buffer auch rückwärts abzuspielen.

Iteratron und Pitch Shift kommen nun zum Einsatz, um diesen Beat …
… ein wenig interessanter zu gestalten:
6h Phlanger, Modulo Fry, Half Wave und Wave Fold
Phlanger ist ein Zwitter aus Flanger und Phaser mit bis zu zehn All-Pass-Filtern und einem modlulierbaren Echo in der Feedback-Schleife.Mit Structure verteilt man die All-Pass-Filter in Frequenzspektrum, Center setzt die Basis-Zentralfrequenz, und Time bestimmt die Delayzeit.

Moldulo Fry ist ein dreistufiger Verzerrer, der – nach einem vorgeschalteten Filter – verschiedene emulierte Verzerrerschaltungen beinhaltet (modulbasierte Verzerrung, Rectifier-Diodenverzerrer und Hard-Clip am Ausgang).

Der Regler Modulo reguliert den Grad der Modulverzerrung. Hohe Reglereinstellungen bewirken hier eine extreme Verzerrung. Fry steht für eine Dioden-Verzerrung. Auch diese packt bei hohen Werten kräftig zu. Als Spezialität kann über den Regler Self Mod das durch die Diodenemulation verzerrte Signal wiederum durch das Eingangssignal moduliert werden. Höhere Werte (Reglerstellung bewegt sich nach rechts) führen dazu, dass die Diodenverzerrung abnimmt, dem Höreindruck nach auf eine Weise, dass die Transienten mehr in den Vordergrund rücken. Insgesamt ist Modulo Fry ein Verzerrer der Sonderklasse. Extrem destruktive, harsche Klänge sind hiermit möglich. Bei vorsichtiger Dosierung kann man jedoch beispielsweise einer clean eingespielten Gitarre mehr Durchsetzungskraft und den richtigen Kick verleihen – was ich für das folgende Audiodemo gemacht habe. Dabei habe ich den Envelope Follower (aus der Modulator-Abteilung ENV F) verwendet, um den Effekt speziell auf den funkigen Anschlag der Saiten wirken zu lassen. Modulo Fry wirkt hier zusammen mit Phlanger. Zunächst aber das unbearbeitete Riff:
nun mit dem Phlanger:
und hier mit Phlanger und Modulo Fry zusammen:
Half Wave besteht aus zwei Band-Pass-Filtern mit 12 bis 48dB Flankensteilheit (Slope-Regler), die auf positive und negative Halbwellen des Eingangssignals reagieren. Im gleich folgenden Audiodemo habe ich den Cutoff mit einem Hüllkurvenverfolger moduliert, um eine Art Wah-Wah-Effekt zu erzielen. Für die Verzerrung sorgt der Effekt Wave Fold, ein 16-facher Waveshaper.

Noch etwas deftiger wird’s, wenn man eine gut dosierte Feedback-Schleife im Routing-Fenster einrichtet und das Ausgangssignal vom Wave Fold – Modul zum Eingang von Half Wave zurückführt. Wenn man will, kann man hier auch noch eine Zeitverzögerung einbauen, also ein Echo kreieren, was ich allerdings nicht gemacht habe.

6i Track Pulses und Dark Forces
Track Pulses ist ein weiterer Spezialeffekt: Wenn die Amplitude des Eingangssignal die Nulllinie durchkreuzt, wir ein Impuls von einem Sample generiert. Dieses wird mit dem Eingangssignal überblendet und durch ein Filter geschickt. Dieser Prozess geschieht in wenigen Millisekunden, wodurch eine sehr eigene, vom Eingangssignal abhängige und lebendige Verzerrung entsteht, die ich im folgenden Audiodemo für eine Gitarre verwendet habe. Eine Modulation des Cutoff per Hüllkurvenverfolger fügt (dezent) kleine Wah – ähnliche Akzente hinzu.

Zunächst die unbearbeitete Gitarre:
Hier mit Track Pulses:
Alle verwendeten Gitarren-Licks stammen aus der Überschall Library Guitar; die Drums stammen vom Toontrack Ezdrummer 2.
Wahrhaft teuflisch geht es bei Dark Forces zu. Dieser Effekt bietet zahlreiche Variationen für extreme Klangverfremdungen und eigentlich genug Material, um einen eigenen Test zu beanspruchen (womit er nicht der Einzige im Arsenal von Molekular ist). Hier kommen intern aufgebrochene Echoabfolgen, moduliert durch vier Oszillatoren sowie Pitch Shifter – Topologien zum Einsatz. Ein Pattern-Regler mit angeschlossenem Pattern-Editor erlaubt den (etwa durch einen Step-Modulator oder den Morpher) gesteuerten Wechsel zwischen acht Lautstärke/Panorama-Abfolgen in den Modi Dämon, Hexe und Zombie. Klare Sache – was hier auf uns zukommt ist höchst ungewöhnlich und am besten experimentell zu erkunden.

Wie die Abbildung oben schon zeigt, habe ich Dark Forces und Track Pulses auf die bereits bekannte Gitarre und dieses mal auch gleich mit auf die Drums angewendet. Hier zunächst Dark Forces alleine:
Jetzt zusammen mit Track Pulses:
Und hier noch das reine Effektsignal:
6j Dub Delay
Zum Abschluss der Reise durch die vielfältige Effektlandschaft von Modular noch ein kleiner Einsatz des Dub-Delays, zusammen mit weiteren Effekten. Dieses mal soll es darum gehen, Ambience bzw. Räumlichkeit zu simulieren. Aber zunächst die Effektkette:

Die Basis-Verzögerung des Dub Delays stellt man über das zentrale Feld mit Notenwertangabe von 1/8 bis 1/128 ein, mit den Reglern L und R (für den linken und rechten Kanal) Mutiplikatoren des Basiswertes (Faktor 1 bis 16). Dub Delay verfügt über einen Feedback/Cross-Feedback-Weg, auf den mit Low-, High- und Allpass-Filtern sowie einer Sättigung eingewirkt werden kann.
Für das folgende Audiodemo habe ich den rechten Kanal auf die 16-fache Basiszeit von 1/8, also einen recht hohen Wert von 2 Takten eingestellt. Freq bestimmt die Center-Frequenz, Color die Resonanz der All-Pass-Filter, welche Einschnitte in das Frequenzspektrum fräsen. Die Low- und High-Pass-Filter sind intern den All-Pass-Filtern vorgeschaltet. Intensity reguliert den Klangcharakter von einem reinen, klaren Sound über einen Sättigungscharakter bis hin zu einem warmen Vintage-Tape-Echo-Charakter.
Zunächst zum direkten Vergleich das trockene Signal:
Und hier mit dem Einsatz von Molekular. Die Lücke im Gitarrenriff nach dem achten Takt wird nun durch das Echo des Dub Delays gefüllt.
7 Makro Regler
Im unteren Bereich des Morphers sind vier Makro-Kontrollregler untergebracht. Diese haben mit dem Morpher nichts zu tun. Ihre Stellung lässt sich auch nicht in den Morpher-Positionen A bis D abspeichern. Bei den Makro-Reglern geht es darum, beliebig viele Effektparameter über einen Regler zu steuern. Ihr Einsatz ist vor allem für eine Live-Performance interessant, bei der man DSP-übergreifende Klangmanipulationen mit nur einem Controller steuern kann.
Um einem Makro-Regler Effektparameter zuzuweisen klickt man auf dessen Namensfeld (nicht auf den Regler selbst), also z. B. auf M1. Sofort tauchen die bereits bekannten Fader neben allen kontrollierbaren Parametern auf (wie wir es schon von der Zuweisung der Modulatoren kennen).

Jetzt zieht man einfach die Fader aller Parameter, die durch den Makro-Regler gesteuert werden sollen, auf die gewünschte Position.
Die Zuweisung durch einen externen Hardware-Controller erfolgt anschließend über einen Rechtsklick auf den Makro-Regler, dann auf „MIDI & OSC Learn“ und die Bewegung des entsprechenden Controllers am Steuerkeyboard. (Damit Molekular diese Bewegung erkennt, muss das Steuerkeyboard im Host-Sequenzer als MIDI-Eingabequelle in einem aktiven Molekular-MIDI-Track angewählt sein).
Makro-Regler lassen sich (in gewohnter Weise) zudem auch über die Modulatoren steuern. Wählt man beispielsweise einen LFO an und klickt auf Assign, so tauchen neben den Makro-Reglern ebenfalls Fader auf.
8 Ergänzungen
Die grundlegende Quantisierung der Morph-Bewegung stellt man ein, indem man im Molekular Ensemble oben rechts unter dem Master FX Regler auf das kleine Kreissymbol klickt:

Einschränkungen für Reaktor Player
Eigene Snapshots können nur mit der Vollversion von Reaktor abgespeichert werden. Der Vorteil ist, dass eigene Effektzusammenstellungen über den Snapshot-Browser später in anderen Projekten zur Verfügung stehen.
Dazu geht man wie folgt vor: Man aktiviert zunächst den Edit-Mode über das Aufklappmenü, welches man über die Pfeiltaste in der Kopfzeile von Reaktor (direkt rechts neben dem Lupensymbol) findet (View: Edit Mode).

Anschließend erscheinen im Snapshot-Browser unten die Befehlstasten „Append“, „Sore“ und „Insert“, mit denen eigene Presets in der aktuell gewählten Kategorie abgespeichert werden können.

Alternativ kann man auch das ganze Ensemble über den Dialog File – Save Ensemble in der aktuellen, individuellen Konfiguration der Effekte abspeichern.

Individuelle Molekular-Bearbeitungen werden unabhängig von diesen beiden Speicheroptionen natürlich immer innerhalb des Projekts des Host-Sequenzers und auch bei Benutzung des Reaktor Players abgespeichert.
9 Bedienung
Molekular bietet eine komplexe Architektur mit umfassenden und teils ausgefallenen Steuermöglichkeiten (16 Modulatoren einschließlich Logic-Modulen, Makro-Regler, Morpher). Auch die internen Schaltungen vieler Effekte haben es in sich. Den Konstrukteuren ist es jedoch gelungen, eine insgesamt gut strukturierte und nach mittlerem Lernaufwand auch vollständig bedienbare Software zu entwickeln. Bei den Effekten sind überall dort, wo es Sinn macht, bereits „Makro-Controller“ am Werk, die es ermöglichen, teils aufwändige interne Schaltungen mit einem Handgriff zu bedienen.
Selbst dort, wo Molekular neue Wege beschreitet (Pitch-Quantisation, Spezialeffekte) versteht man schnell, worum es geht und wie die Sache bedient werden muss, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Dabei hilft nicht zuletzt die ausführliche, verständlich geschriebene Bedienungsanleitung, die aktuell allerdings nur in Englisch vorliegt.
Wer sich dennoch nicht mit der Architektur auseinandersetzen möchte, findet unter den Presets eine vielseitige Auswahl an fertigen Effekten, die auf eindrucksvolle Weise zeigen, dass Molekular weit mehr als nur rin gut sortierter Effektbaukasten ist, nämlich ein Kreativwerkzeug der Extraklasse.
10 Audioqualität
Die Audioqualität der einzelnen Effekte und auch des Ensembles im Ganzen ist auf der Höhe der Zeit und ohne Ausnahme von erster Qualität. Einige Plug-Ins bringen einen Vintage-Sound mit, der von dezenter Wärme über leichte Verfremdungseffekte bis hin zu destruktiven Lo-Fi Anwendungen alles bietet, was man braucht. Dort, wo Molekular selbst Audiofragmente erzeugt bzw. aus dem eingehenden Signal ableitet, werden mittelmäßig klingende Instrumente regelrecht aufgewertet. Am Ende der Signalkette sorgt ein Limiter dafür, Übersteuerungen abzufangen. Im Signalfluss zwischen den Modulen sorgen Mix- und Output-Regler dafür, dass die jeweiligen Pegel genau eingestellt werden können.
Fazit
Eigentlich hatte ich vor, nur auf eine Auswahl der Effektmodule einzugehen, mir die Besten herauszugreifen. Aber was hier geboten wird, ist von A bis Z erste Qualität. Molekular hat mich schlicht umgehauen.
- 35 Effekte
- 16 Modulatoren
- ein X/Y-Morpher
- vier Makroregler
- skalengetreue Tonhöhenquantisierung für das Generieren von Akkorde und Tonfolgen aus beliebigem Material
- vielseitige Routing-Optionen einschließlich Feedback-Weg
Native Instruments hat nicht zuviel versprochen. Hier tun sich neue Welten der Klangformung, Klangverfremdung und der kreativen Klanggenese auf.
Das Aktionsfeld von Molekular reicht von einer dezenten, belebenden Bereicherung bis zur völlig neuen Klangschöpfung.
Molekular ist genreübergreifend einsetzbar. E-Pianos und Jazz-Gitarren können wunderbar herausgearbeitet werden, Dance-Rhythmen können effektvoll zerlegt oder in tonale Strukturen verwandelt werden, aus einem Gesang lassen sich ganze Klangwolken zaubern und schließlich lassen sich selbst filmmusikreife Texturen und detailreiche Klangkulissen erzeugen. Vor allem aber macht die Arbeit mit Molekular einen Riesenspaß und ist immer bereichernd und inspirierend.
Alleine die große Anzahl gut sortierter Presets bietet schon Ausgangspunkte für neue Projekte. Hat man sich mit dem Arsenal überwiegend außergewöhnlicher Effekte, den Modulationsmöglichkeiten und dem Morpher einmal auseinandergesetzt, wird man Stunden damit verbringen, in die vielfältige Welt von Molekular einzutauchen. Der Lernaufwand ist dabei nicht ganz niedrig aber sicher ohne großes Kopfzerbrechen zu meistern. Das gut geschriebene englischsprachige PDF-Handbuch hilft dabei.
Das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend und meine anfängliche Assoziazion (Eventide) nicht zu weit hergeholt. Das Jahr 2014 ist noch nicht zu Ende, aber Molekular ist auf dem besten Wege, von uns als Plug-In des Jahres gekürt zu werden.
Holger Obst
Plus
- Viele außergewöhnliche, neue Effekte
- Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten
- Morpher-Funktion
- Makros für eine spektakuläre Live-Performance
- erstklassige Audioqualität
- umfangreiche Routing-Optionen einschließlich Feedback-Weg
- bestens durchdachte Strukturen
- gut erlernbar und beherrschbar
- sehr gutes Preis-Leistungs Verhältnis
Minus
–
Systemvoraussetzungen
- Mac OSX ab 10.7; ab Win 7; 32 und 64 Bit.
- VST, AU, AAX, Standalone, RTAS (ab Pro-Tools 9 und nur für die Reaktor Vollversion)


