Test: Native Instruments Symphony Series Woodwind – Teil 1

Mit dem Ensemble-Instrument wird man 90 Prozent der Aufgaben bewältigen können. Wer differenzierter komponieren möchte, findet sämtliche Gruppen zuzüglich der Saxophone auch als separate Instrumente. Dabei bleibt die Architektur gleich:

  • Die Grundausstattung des Perfomance-Menüs mit der Dynamiksteuerung, Attack. Release, Tightness und Motion.
  • Die vier Mikrofonpositionen und die Effekte ziehen sich durch die gesamte Library durch, auch die üppige Ausstattung mit acht Round Robins überall dort, wo es Sinn macht (weil Repetitionen möglich sind).
  • Auch Arpeggios sind bei Sustain- und Staccato-Artikulationen einzelner Gruppen anzutreffen.

Bei den Gruppen finden sich jedoch weitere Artikulationen, teils instrumentenspezifisch. Wählt man beispielsweise Staccato, so findet sich nun folgende Auswahl an weiterführenden Spielweisen (hier am Beispiel der Bass Winds):

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Und diese Spielweisen verfügen teilweise wiederum über Sonderfunktionen. Staccato Double Tongue verfügt über acht Round Robins. Beim doppelten Attack kann per Regler die Geschwindigkeit der Aufeinanderfolge beider Attacks stufenlos kontrolliert werden.

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Hier habe ich Varispeed durch einen externen Controller (nach MIDI-Learn) gesteuert, ebenso die Dynamik. Sie hören die Bass Winds:

 

Zum Einsatz kam lediglich die Nah-Mikrofonierung. Den zusätzlichen Faltungshall habe ich ausgeschaltet. Trotzdem ist deutlich die Raumakustik in Form einer Hallfahne wahrzunehmen. Angesichts der hohen Audioqualität und des Detailreichtums der Samples kann man das tolerieren, zumal man im Kontext aller Instrumente ohne großen Aufwand einen produktionsfertigen Mix einschließlich Räumlichkeit auf die Beine stellen kann. Dennoch hätte ich persönlich mir bei der Nah-Mikrofonierung etwas trockenere Samples gewünscht.

Alle Sektionen verfügen über eine Legato-Spielweise mit echten Legato-Samples. Wahlweise können hier auch die einzelnen Dynamik-Layer geladen werden:

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Legato kann sowohl monofon als auch im Duett gespielt werden. Letzteres ermöglicht zwei unabhängige gebunden gespielte Melodielinien, sobald der Notenabstand sechs Halbtonschritte oder mehr beträgt.

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Die Geschwindigkeit der Notenübergänge ist über den Parameter Response stufenlos einstellbar. Will man subtile Abweichungen einflechten, so steuert man Response über einen externen Controller.

Die Fagotte im Legato-Duett, Sustain-Artikulation:

 

Die einzelnen Gruppen sind vorbildlich präzise aufeinander abgestimmt. Will man anstelle des ganzen Ensembles nur ein legato gespieltes Duett aus (beispielsweise) Fagotten und Oboen realisieren, so lädt man einfach beide Instrumente, stellt die selbe Artikulation ein, legt sie im Panorama etwas auseinander und spielt beide zusammen über einen MIDI-Kanal:

 

Man kann die Stimmen auch aufteilen und die Instrumente über zwei MIDI-Kanäle ansprechen:

 

Umfangreich ist das Angebot an Arpeggien:

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Diese können zum Tempo synchron oder auch mit variabler Geschwindigkeit gespielt werden. Dabei sind Geschwindigkeitsveränderungen während des Spiels artefaktfrei möglich – bei gleichzeitiger Dynamikkontrolle.

 

Solche Clarinetten-Arpeggien erinnern an Minimal Music à la Philip Glass.

 

Klarinetten- und Flöten-Arpeggios zeitversetzt:

 

(O.k., da habe ich ein wenig geschummelt: Im Überlappungsbereich der Grundtonwechsel kommt es zu Disharmonien, da die Arpeggien nicht in einer gemeinsamen Tonart spielen. Solche skalengetreuen Transponierungen erreicht man nur durch manuelles Einspielen, dann am besten mit Sustain-Legato, oder durch die nachträgliche Bearbeitung mit einem Pitch/Time-Spezialisten wie etwa Melodyne.)

Crescendo, Decrescendo, Sforzandi und Swells finden sich in den Expression-Instrumenten wieder, und auch hier mit gegenüber dem Ensemble erweiterten Funktionen:

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So kann etwa per Varispeed die Geschwindigkeit des Crescendos fließend kontrolliert werden.

Hier die Saxofone, Crescendo-Artikulation, ohne Schnickschnack, also ohne Dynamikkontrolle und auch ohne Varispeed: