Test: Samplemodeling The Viola

Ebenso wie bei der kürzlich getesteten The Trumpet 3 verspricht auch die Viola bislang unerreichte fließende Übergänge zwischen Artikulationen und ein außerordentlich hohes Maß an Authentizität.

Grund genug, uns das Instrument genauer anzusehen und anzuhören, zumal The Trumpet 3 uns ganz hervorragend gefallen hat.

 

Hinweis: Die hier gezeigten Screenshots sind stark datenkomprimiert zwecks Google-Optimierung. Die Bildqualität des Originals ist deutlich besser.

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Die Ursprünge, Physical Modeling und die SWAM Engine

Schon 2008, in der Korrespondenz anlässlich meines Tests der Ursprungsversion von The Trumpet, deutete Peter Siedlaczek an, dass auch Streicher ein heiß diskutiertes Thema wären: machbar, wenngleich schwierig umzusetzen. Nun ist es so weit. Grundlage für die Viola ist eine Adaptation der ursprünglich für Holzbäser entwickelten SWAM- Engine.

Um Missverständnisse auszuschließen: Die SWAM S – Engine ist keine Verbesserung der SWAM-Engine, sondern speziell für Streicher entwickelt. Im Vergleich zur SWAM-Engine werden noch weniger Samples benötigt, da neue, komplexe, streicherspezifische Algorithmen den Großteil der Klanggenese übernehmen und auch für den (wie wir noch sehen und hören werden) außergewöhnlichen Artikulationsreichtum des virtuellen Instruments sorgen.

SWAM steht für Synchronous Wavelenght Acoustic Modeling. Die Engine wurde von Stefano Lucato und Emanuele Parravicini in Zusammenarbeit mit dem Kernteam von Samplemodeling, Giorgio Tommasini und Peter Siedlaczek entwickelt. Bei der Viola nennt sie sich SWAM S, und S steht für Streicher. Die Entwicklung von SWAM S und The Viola benötigte mehr als zwei Jahre.

Die Technologien verwenden Elemente des Physical Modelings, auch wenn Stefano Lucato und Emanuele Parravicini definitiv ihre eigenen Wege gehen. Ähnlich wie beim Physical Modeling kommt kein immenser Samplepool zum Einsatz, sondern Technologien, die das Verhalten natürlicher Instrumente nachahmen. In der Tat wiegt die Library noch nicht einmal 7 MB. Da ist es auch kein Problem, wenn man sie bei der Installation auf die Systemplatte schreibt (grundsätzlich sind aber auch andere Speicherpfade möglich).

Ähnlich wie bei den von Samplemoeling verwendeten Technologien, basiert auch Physical Modeling auf mathematischen Modellen, die das Klangverhalten eines Instruments nachbilden.

Denkt man an die ersten in Serie produzierten Physical Modeling – Instrumente von Yamaha (VL1m und andere), wird klar, dass bei dieser Art der Klanggenese wenig Arbeitsspeicher vonnöten ist. (Damals, Mitte der 90er Jahre, war Arbeitsspeicher im 32 MB Bereich noch die maximale Ausbaustufe halbwegs bezahlbarer Sampler und ein richtiger Luxus.)

Die Physical Modeling – Instrumente von Yamaha erreichten eine Authentizität und Ausdruckskraft, die sich auch heute noch hören lassen kann. Auch Korg mit dem im Z1 einen Synthesizer, der unter anderem Physical Modeling einsetzte. Meist geht es darum, die Komponenten Anschlagsinstrument, Saite und Resonanzkörper nachzuahmen. Modeliert werden Materialien, Schwingungs-, Resonanz- und Dämpfungsverhalten.

Applied Acustic Systems stellten mit dem Tassman einen ersten nativen Klangerzeuger vor, der Physical Modeling nach diesem Prinzip verwendet. Es gibt inzwischen auch Ensembles für Native Instruments Reaktor, welche das Modell Anschlagswerkzeug – Saite – Resonanzkörper nachbilden. Eine gelungene virtuelle Viola ist bislang allerdings noch nicht aufgetaucht, weder als Hardware, noch als Software. Samplemodeling The Viola ist auch technologisch eine Innovation.

Die SWAM-Instrumente stehen Seite an Seite mit den Kontakt Instrumenten Trompete, Posaune, French Horn und Tuba. Die Sammlung der Samplemodeling Instrumente wächst kontinuierlich, und was noch erfreulicher ist: Die Instrumente werden durch regelmäßige Updates gepflegt und verbessert. Nur wenige Hersteller machen sich diese Mühe.

 

Installation

Den Link zu einem personalisierten, signierten Exemplar und einen Lizenzcode erhält man nach dem Kauf, die Installation läuft völlig unaufwändig ab, ohne Challenge-Response oder andere Umwege. The Viola läuft plattformübergreifend in allen gängigen Plug-in Formaten.

 

Rundgang durch die Architektur

Die Entwicklung und das Finetuning der Viola stellte sich als ein harter Brocken heraus. Alle Klangelemente, die zum facettenreichen Spiel des Instruments beitragen, seien integriert worden, heißt es bei Samplemodeling. Auch ohne Kenntnis technologischer Details kann man sich vorstellen, dass dieses Unterfangen eine knifflige Angelegenheit war.

Per Controller steuerbar sind unter anderem folgende Klangparameter:

  • Die Geschwindigkeit, mit der der Bogen geführt wird (Bow Speed)
  • Der Druck des Bodens auf die Saite (Pressure)
  • Richtung und Entfernung von der Brücke (Bow/Pizz Position)

Hier ein kurzes Beispiel für die Wirkung von Pressure:

 

Die ganze Pracht der frei zuweisbaren Klangparameter findet man im Menü MIDI CC Mapping Options.

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Mehrere Parameter können einem Controller (auch interaktiv via Lern-Taste) zugewiesen und der Wirkungsbereich mit Minimum und Maximum eingestellt und auch invers betrieben werden. Die Anschlagsstärke definiert (per default und in der Keyboard-Variante) das Einschwingen des Tons: Sanft bei geringer Velocity, schraf und kurz bei hoher Velocity. Letzteres ermöglicht ein einwandfreies Staccato-Spiel aus dem Stand. Die Übergänge zwischen sanft und scharf sind fließend.

Hier habe ich Vibrato Speed, Bow Pressure, Bow Position und Bow Noise moduliert.

 

Der Anschlagsstärke kann kein zusätzlichen Parameter zugewiesen werden.

Im Hauptfenster findet man die wichtigsten Parameter: Bow Pressure, die Position des Bogens (oder des Fingers beim Pizzicato). Nahe am Steg wird der Klang deutlich obertonreicher. Auch die grundsätzliche Klangfarbe des Pizzicatos kann man einstellen.

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Hier das Pizzicato mit dem Regler „Pizzicato Tone“ im Linksanschlag …

 

… in der Mittelposition …

 

… und im Rechtsanschlag:

 

Stickines, Bow Noise, String Resonance und Open String dienen dem Feinschliff am grundsätzlichenn Klangcharakter des Instruments und wirken teils recht subtil. String Resonance führt zu einem etwas volleren, länger nachschwingenden Ton.

Hier die bereits bekannte Phrase, dieses Mal in der Spielweise Col Legno (mit der Bogenrückseite angeschlagene Saiten) und zunächst mit minimaler String Resonanz:

 

Das klingt fast wie gezupft und gleichzeitig abgedämpft.

Nun mit maximaler String Resonanz:

Der Ton wird runder.

Für ein Update würde ich mir wünschen, dass man diesen Parameter ebenfalls per Controller steuern kann. Aber wir wollen nicht unverschämt sein: The Viola kann in der bestehenden Version schon deutlich mehr und vor allem im fließenden Wechsel, als jede andere mir bekannte virtuelle Viola.

Mit dem Parameter Harmonics weclselt man zu Flageolet-Spielweise mit zwei Optionen: Der erste Oberton (eine Oktave höher) sowie der zweite Oberton (eine Oktave und eine Quinte höher). Um den natürlichen Flageoletklang nachzuahmen, steuert die Engine eine Prise anderer Obertöne und ein dezent Rauschen hinzu.

 

Im Options Menü sind weitere Grundeinstellungen möglich, die teilweise auch das Verhalten der steuerbaren Parameter betreffen:

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Auf alle Parameter ausführlich einzugehen, würde aus diesem Test eine Bedienungsanleitung machen, und diese kann man sich (in englischer Sprache) auf der Herstellerseite herunterladen – auch vor dem Kauf , wenn man sich ein lückenloses Bild vom Funktionsumfang machen möchte.

Hier finden sich beispielsweise

  • die maximale Vibratogeschwindigkeit (bei voll aufgedrehtem Modulationsrad), die auch über einen dosierbaren Zufallsgenerator moduliert werden kann, so dass ein gleichförmiges LFO-Leiern wirkungsvoll umgangen wird.
  • Das Vibrato Fade-In bewirkt einen zeitlichen Übergang zwischen herkömmlichem Sustain und Vibrato bei Bedienen des Modulationsrades.
  • Ebenso kann die Position des Bogens und des linken, auf dem Griffbrett spielenden Fingers randomisiert werden. Die Folge sind geringfügige Abweichungen vom idealen Ton bzw. der virtuos korrekt gegriffenen Note.
  • Auch die wahlweise temposynchrone Tremologeschwindigkeit für die beiden per Keyswitch aktivierbaren Versionen (Slow und Fast) kann hier eingestellt werden.
  • Ähnlich wie bei Velocity-Kurven zur Anpassung des Instruments an die eigene Spielweise oder Klaviatur kann per „Expression Curve“ eine Anpassung für das Expressionpedal vorgenommen werden.
  • Über NoteOff Sust. stellt man ein, wie das Sustainpedal sich beim Loslassen der Taste auswirkt: Neben der herkömmlichen Betriebsart kann auch ein kurzer Akzent am Ende der Note oder ein Fade-Out des Sustains ausgelöst werden.
  • Gebunden gespielte Noten bewirken ein Legato oder Portamento – abhängig von der Anschlagsstärke der Folgenote. Der Schwellenwert der Anschlagsstärke, oberhalb dessen ein Legato gespielt wird, kann hier eingestellt werden.
  • Der Pan Behavior – Parameter ermöglicht (unter anderem), kleine Bewegungen des Spielers zu simulieren. Zudem wird der Raumanteil moduliert: Er beibt entweder statisch, auch wenn die Signalquelle sich bewegt oder er wandert mit dem Panorama-Regler.
  • Das Tremolo kann manuell über den Keyswitch Cis gespielt werden, und zwar so, dass der Strichwechsel des Bogens nur beim Drücken des Keyswitches oder zusätzlich beim Loslassen gespielt wird.

Das manuelle Tremolo wirkt unerreicht realistisch, wie diese – zugegebenermaßen von mir nicht gerade virtuos eingespielte – Phrase zeigt.

 

Pressure habe ich nachträglich moduliert, daher die teils scharfen Zwischentöne. Daneben gibt es auch ein temposynchrones Tremolo.

Und weiter:

  • Pizz.FBoard Interf. Konrolliert die Interferenz zwischen der Saite und dem Griffbrett bei der Pizzicato-Spielweise.
  • Nicht zuletzt kann ein Microtuning für alle einzelnen Noten vorgenommen werden. Diese Funktion ist vor allem für arabische oder asiatische, nicht-temperierte Skalen mit Viertelnoten gedacht. Wer aber die Viola ein wenig verstimmen will, etwa für authentisch laienhaften Country oder Folk, kann diese Funktion auch nutzen, um eine herzhafte, ein bisschen daneben liegende Stimmung vornehmen.
  • Normalerweise gehört eine Sample-Library nicht auf die Systemfestplatte. Im Falle der Viola kann man aufgrund des vernachlässigbar geringen Speicherbedarfs eine Ausnahme machen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – die Library neu adressieren will, kann den Ordner manuell verschieben und die neue Position im Options Menü eingeben.

Es werden drei Hauptspielweisen geboten:

  • Gestrichen, Pizzicato und Col Legno. Die ersten Beiden sind Bestandteil beinahe aller Streicher-Libraries, Col Legno triftt man hingegen seltener an: Dabei wird die Saite nicht mit den Haaren, sondern mit dem Holz des Bogens zart angeschlagen oder gestrichen. Wir haben dazu bereits ein Audiodemo gehört.

Um das mit Artikulationen vollgepackte virtuelle Instrument unter Kontrolle zu bekommen, stehen drei Steuerarten zur Verfügung:

  • Expression: Hier bedient man eine ausbalancierte Kombination von Bow Speed, Pressure und Position.
  • Bipolar: Ähnlich wie Expression, jedoch mit einem Wechsel des Bogenstrichs (vor-zurück) beim Erreichen der Mittelposition (Wert 64).
  • Bowing: Die Geschwindigkeit, mit der das Expressionpedal bewegt wird, steuert die Geschwindigkeit, mit der der Bogen gestrichen wird. In diesem Modus können auch lebhafte Bogenstrichwechsel realisiert werden. Lange, sanfte Sustains mit Legatos sind damit weniger möglich. Hier ist eine genaue Pedalarbeit gefragt; der Modus erfordert etwas Einübung. Ein erster Versuch:

 

Inzwischen solle klar geworden sein, dass ein Expressionpedal unerlässlich ist, um The Viola fließend zu spielen. Alternativ geht es zwar als Notbehelf auch mit einem Regler oder Fader, dem man den Expression Parameter zuweist, dann ist jedoch die linke Hand belegt und kann nicht mehr das Modulationsrad bedienen, mit dem die Vibratointensität gesteuert wird – ein bei voelen Anwendungen unverzichtbarer Klangparameter.

Es ist aber auch möglich, die Viola mit einem Breath- oder Windcontroller zu spielen. Dafür gibt es fertige Templates, die man über das mittige obere Display erreicht. Auch eigene Konfigurationen mit feinjustierten Optionen und Controllerzuweisungen können über den benachbarten Save-Button abgspeichert werden.

Im letzten Audiodemo haben wir bereits eine zweistimmigen Viola gehört. Eine solche Spielweise ist auf einer natürlichen Viola ohne Weiteres möglich, und Samplemodeling hat das berücksichtigt.

Im Main Menü finden sich neun sogenannte „Multi Stage Buttons“:

  • Sordino (Spielweise mit einem Dämpfer, der auf dem Steg aufgesetzt wird und den Klang weicher macht). Im folgenden Audiodemo hören Sie eine kurze Phrase zunächst ohne, dann mit Dämpfer:

 

Wer eine kratzige Folk-Viola haben möchte, sollte Sordino ausschalten. Sordino macht den Klang vornehmer. Auch das Ein- und Ausschalten von Sordino kann über einen frei zuweisbaren externen Controller gesteuert werden (s. MIDI Mapping Options).

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Polyphonie: Hier kann man zwischen Mono, Real Mono, Double, Double/Hold und Auto wechseln.

  • Mono und Real Mono: Die Violine spielt monofon. Beim Legato zwischen zwei Noten auf benachbarten Saiten wird das Release der ersten Note ausgeführt – im Gegensatz zum Modus Real Mono, bei dem dieses Release gestoppt wird. Real Mono reproduziert den natürlichen Übergang zwischen zwei auf benachbarten Saiten legato gespielten Noten.
  • Double: Zwei Noten können gleichzeitig (auf benachbarten Saiten) gespielt werden. Legato und Portamento sind in diesem Modus nicht möglich.
  • Double/Hold: Wie Double, jedoch mit Legato und Portamento auf benachbarten Saiten. Die bevorzugten Saiten können im Options-Menü gewählt sowie per MIDI-Controller oder Keyswitch verändert werden.
  • Auto: Zwei innerhalb eines im Options-Menü einstellbaren Zeitfensters gespielte Noten klingen duophon; wird der definierte zeitliche Abstand zwischen zwei Anschlägen überschritten, so spielt die Viola monofon. Legato/Portamento sind sowohl duo- als auch monophon spielbar.

Es folgt ein Beispiel für Double/Hold. Damit es nicht so trocken klingt, habe ich einen Hall dazugemischt (Audioease Altiverb) und Percussion aus der kürzlich erschienenen Steinzeit-Percussion-Library Petroglyph von Soundiron. Mit Kaleidoscpe von 2CAudio habe ich der Steinzeit-Percussion noch ein wenig obertonreiche Artefakte auf den Weg gegeben.

 

Die weiteren Taster bewirken:

  • AltFing: Dieser Parameter bestimmt die generelle bevorzugte Position der linken Hand auf dem Griffbrett und ist eine Art Präferenz für die Spiellage. In dem Modus „Bridge“ wird beispielsweise bevorzugt näher an der Brücke gespielt – also auf den höheren Positionen. Die Wahl des richtigen AltFing – Parameters hat dadurch einen wichtigen Einfluss auf den Klang (die Seiten, wenn stärker gekürzt, klingen entsprechend anders, als ohne oder nur mit geringer Verkürzung gespielt wird bzw. näher am Sattel. In der Mitte (Mid), nahe der Brücke (Bridge) und Nut+Open (nahe des Sattels: Hier werden vermehrt auch offene Saiten in das Spiel einbezogen).
  • Bow Lift: Der Bogen bleibt auf der Saite. Dies wirkt sich vor allem in Form eines kürzeren Release aus.
  • B. Start: Staccato kann hier wahlweise als Auf- oder Abstrich des Bogens ausgeführt werden. Die Einstellung betrifft die erste gespielte Note. Bei Staccato-Repetitionen wird automatisch die Bogenrichtung hin- und hergeschaltet.
  • Attack: Velocity soft und hard: Die Anschlagsdynamik bestimmt das Attack (weich oder hart). Alternativ kann das Expressionpedal neben der Steuerung von Crescendo und Decrescendo bzw. der fießenden Dynamikübergänge auch die Härte des Attacks mit bestimmen. Im Mix Modus kontrollieren beide, Expressionpedal und Velocity das Einschwingverhalten. Feineinstellungen sind im Options Menü unter „Envelope Attack Speed“ zu regulieren.
  • Portamento Time: Neben der Steuerung der Übergangszeit zwischen zwei gebunden gespielten Noten über die Anschlagshärte der Folgenote kann diese auch über einen im Options Menü zugewiesenen anderen MIDI Controller stattfinden, mit Minimum und Maximum Wert.
  • Harmonics: zwei alternative Flageolt-Spielweisen (s. oben: Options Menü).
  • Tremolo: Off, slow, fast. Weiteres dazu im Options Menü, wie oben beschreiben. Sie erinnern sich noch an das manuelle Tremolo per Keyswitch?

Damit wären wir mit der Technik, der Architektur, fast durch. Fast, denn es fehlt noch:

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Das Anzeigefeld in der Mitte mit grafischen Informationen zum Pitchbender (den habe ich noch gar nicht eingesetzt), Velocity, Vibrato, Vibrato Rate, die durchlaufende Dynamikkurve, die verwendeten Artikulationen und die aktuelle Puffergröße mit der eingestellten Samplerate des Projekts. So weiß man auf einen Blick, was los ist.

Des Weiteren stehen unter Instruments 20 verschiedene Stereo und Mono-Varianten der Viola zur Verfügung, leider nicht per Aufklappmenü, sondern nur per Durchsteppen mit Plus/Minus-Taster erreichbar. Geboten werden Grundcharaktere: verschieden bauchige, weiche oder schärfer klingende Violas.

Ganz oben links im Hauptfenster gibt’s dann noch die Grundstimmung sowie die Abklingzeit und das Mischungsverhältnis des eingebauten Halls. Dieser ist ausgesprochen dezent und verleiht dem Instrument ein wenig Leben und Raum. (Zum Hall erfährt man im Infomenü: Freeverb von Jezar; es handelt sich um einen algorithischen Hall, der von Entwicklern in ihre Produkte integriert werden kann.) Ohne Hall klingt die Viola absolut trocken – wie jedes Instrument, das in einem schalltoten Raum aufgenommen worden ist. Sie ist dadurch prädestiniert für den Einsatz externer Raumsimulatoren, Echos oder anderer Effekte, die dann nicht gleich noch die Raumanteile mit modulieren.

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Rechts oben kann man mit Transpose die Lage der Viola auf der Klaviatur verschieben, nicht also das Instrument höher stimmen oder etwa in eine Violine verwandeln. Hier ist auch der Wirkungsradius des Pitchbenders einstellbar, die Panoramaposition und die Lautstärke.

Wie schon mehrfach erwähnt, gibt es auch eine Reihe von Keyswitches. Diese hätte man doch wenigstens in einem zusätzlichen Menüfenster darstellen oder durch ein Info-Feld anzeigen können.

Wie die Keyswitches belegt sind, erfährt man nur im PDF-Manual, erreichbar über einen Link im Info-Menü (vorausgesetzt, man ist online) sowie im beigefügten Download, dort auch als KS-Tabelle.

Die Keyswitches belegen eine Oktave doppelt; per B0 kann man zwischen den beiden Levels umschalten. Der Vorteil ist, dass eine Fünf-Oktaven-Klaviatur reicht, um die Viola komplett bedienen und spielen zu können. Wer will, kann die Keyswitches aber auch im Options Menü transponieren.

Hier die Übersicht aus dem PDF-Manual:

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Dazu gibt es auch noch eine Grafik:

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Am besten druckt man sich die Seiten aus und legt sie sich griffbereit neben das Keyboard.

Sehr schön ist, dass man beispielsweise zwischen den Betriebsarten (Real Mono, Double u. a.) ebenso umschalten kann wie zwischen den bevorzugten Saiten oder der Startposition des Fingers auf dem Griffbrett. Hier steckt also noch weiterer Gestaltungsspielraum drin, und unterm Strich machen diese Keyswitches das Instrument beinahe perfekt – jedenfalls ist The Viola vollkommener und lückenloser ausgestattet, als jede andere mir bekannte virtuelle Viola.

In der Praxis wird man die Keyswitches selten live einsetzen, eher für die differenzierte Ausgestaltung einer eingespielten Passage.

Apropos live: Auf unserem Testsystem mit einem Motu Firewire mKII, welches bei 128 Samples unter Cubase 7 nur 8 ms Gesamtlatenz produziert (Eingangs- und Ausgangslatenz bei 24 Bit, 44,1 kHz), ließ sich die Viola artefaktfrei und ohne Audioaussetzer einspielen.

CPU-Peaks bis zur Leistungsgrenze traten zunächst nicht auf. Erst beim Hinzuziehen von aufwändigeren, nachträglich hinzugefügten Modulationen (Bow Pressure, Bow Position) stieg der Rechenbedarf und es wurde erforderlich, die Puffergröße zu erhöhen.

Will man die Viola live innerhalb eines aufwändigeren Projektes mit anderen virtuellen Klangerzeugern und Effekten auf ein und demselben Rechner spielen, benötigt man ein modernes, leistungsfähiges System. Das Editieren im Studio gelingt jedoch auch auf älteren Rechnern, zu deren Betriebssystemen The Viola erfreulicherweise kompatibel ist.

 

Anwendungsbeispiele

Anstelle einer Demo-Version, die bei Sample-Libraries ja generell selten anzutreffen ist, finden sich auf der Herstellerseite nicht nur Audiodemos, sondern auch die dazu gehörenden MIDI-Files. Diese kann man in den favorisierten Sequencer laden und sich dort genaustens anschauen, was gemacht wurde, um den vorgetragenen Sound zu erzielen. Voraussetzung dafür, dass ie Umsetzung 1:1 gelingt ist allerdings, dass die Informationen für die Tempospur vom Sequencer erkannt und umgesetzt werden, was in unserem Fall mit Cubase 7 nicht gelang.

Die Solo-Viola der Sonata für Viola und Piano in F-Moll von Brahms sieht im MIDI-Editor mit Automationsspuren so aus:

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Das reicht, um sich die verwendeten Automationsdaten anzuschauen. Für eine authentische 1:1 Reproduktion der im Audiodemo erklingenden Viola muss man jedoch etwas mehr tun (Die Anleitung betrifft nur User, die The Viola bereits besitzen und zu Lernzwecken die Audiodemos nachbauen wollen):

Will man die (dafür unabdingbare) Tempospur in Cubase importieren, geht man folgendermaßen vor:

  • Öffnen von Cubase OHNE ein Template oder ein bereits angelegtes Projekt zu laden.
  • Ziehen des MIDI-Files in das leere Cubase-Fenster
  • Tempospur hinzufügen (Spur hinzufügen → Tempospur). Die Tempospur ist im zuvor importierten MIDI-File enthalten, wird von Cubase aber nur erkannt und geladen, wenn man wie hier beschrieben vorgeht).
  • Laden des Instruments (SWAM – The Viola)
  • Laden des zum Audiodemo passenden Presets innerhalb von The Viola. (Ebenfalls im Downloadpaket zusammen mit dem MIDI-File enthalten).

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Das Originaldemo klingt so …

 

… der Nachbau in Cubase so (die Pause in der Mitte entspricht dem Original und ist für die Piano-Passage reserviert):

 

So echt und lebendig kann eine virtuelle Viola klingen.

Auch die folgenden Audiodemos hat uns Samplemodeling zur Verfügung gestellt:

V. Monti: Czardas (Ausschnitt)

 

M. Mulawa: Feeling Well

 

M. Reger: Suite for Viola No. 2 (Ausschnitt)

 

Weitere Audiodemos finden Sie HIER.

The Viola in der Praxis / Bedienung

Die Samplemodeling-Viola ist die einzige ihrer Art, mit der man sofort loslegen kann und dabei eine fließende Performance erreicht: Staccato und getragen gespielte Noten, Crescendi und Decrescendi bzw. ein fließender dynamischer Verlauf sind ohne Umwege realisierbar. Man braucht nicht mehr aus ein Controllerkeyboard und ein Expressionpedal.

Solche frühen Erfolgserlebnisse sollten aber nicht davon abhalten, die Options-Menüs zu erkunden und einen Blick in das Manual zu werden: The Viola kann nämlich noch viel mehr, und Einiges davon erschließt sich nicht von selbst. Die Lernhürde ist dennoch dank logischer Architektur jedoch akzeptabel niedrig.

Setzt man The Viola in einem bereits fortgeschrittenen Arrangement ein, in dem andere virtuelle Instrumente und Effekte Rechenleistung einfordern, so wird man ein wenig tricksen müssen, wenn man mit niedriger Latenz und entsprechendem Echtzeitgefül einspielen will, sprich: nicht notwendige Effekte zwischenzeitig auf Bypass schalten oder die Freeze-Funktion für rechenhungrige Kandidaten bemühen.

Praxistipp am Rande: Sobald umfangreiche Modulationen eingesetzt werden, etwa eine Steuerung des Bogendrucks auf die Saite, sollte man beim Hin- und Herspringen im Song darauf achten, dass die Automationsspur aller aktiven, einem Controller zugewiesenen Parameter lückenlos fortgeschrieben wurde, da es sonst unerwünschten extremen Parametereinstellungen in Bereichen kommen kann, in denen diese nicht bedient wurden. Nicht jeder Sequencer erledigt das „Ausfüllen“ von Automationslücken im Arrangement automatisch. Dieser Tipp ist nicht The Viola – spezifisch, sondern gilt für alle Automationsspuren von Plug-ins und Instrumenten.


Fazit

Das Debüt von Samplemodeling auf dem Gebiet der Streichinstrumente ist rundum gelungen: The Viola schafft aus dem Stand den Sprung zur Top-Favoritin unter den Solo-Violas. Keine andere samplebasierte Viola lässt sich derart fließend und facettenreich spielen. Der Klang ist in hohem Maße authentisch. Das Angebot an Modulationsmöglichkeiten ist enorm und spiegelt die Bandbreite des Originals wider.

Ein Controllerkeyboard und Expressionpedal vorausgesetzt, kann man sofort loslegen. Erste Erfolgserlebnisse stellen sich schnell ein. Aufwändige Partituren benötigen Feinarbeit, um präzise umgesetzt zu werden. Die Architektur ist logisch, die Lernhürde vergleichsweise niedrig.

The Viola fühlt sich genreübergreifend von der Klassik bis zu Folk/Rock überall dort zuhause, wo sie als natürlich klingendes Solo-Streichinstrument eingesetzt wird. Schaltet man den internen algorithmischen Hall aus, erhält man einen perfekt trockenen Klang ohne Raumanteil und kann beliebig externe Raumsimulatoren, Echos oder andere Effekt anwenden.

Der Preis für diese Meisterleistung ist sehr fair und kundenfreundlich.

Daher gibt es von uns auch beide Awards.

Top Product Award Best Value Award

Testautor: Holger Obst.

Plus:

  • intitiv spielbar
  • umfangreiche Ausstattung mit Artikulationen
  • fließende Übergänge zwischen Artikulationen
  • automatischer Bogen-Auf- und Abstrich bei Straccato-Repetitionen
  • authentischer Klang
  • fairer Preis
  • Unterstützung älterer Betriebssysteme

Minus:

  • Keyswitches werden nur extern im PDF-Manual bzw. als KS-Tabelle angezeigt
  • vergleichsweise hohe Anforderung an die CPU

Preis: 153,51 Euro (incl. Umsatzsteuer)

System:

Win: Vista, XP, 7, 8, 10

Mac: ab OSX 10.6 bis OSX 10.11

Formate: AU, VST 2, AAX

32 und 64 Bit

(nähere Angaben auf der Herstellerseite)

Hersteller: Samplemodeling

Produktseite

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