Test: sonible smart:EQ+, proximity:EQ+ und entropy:EQ
Der smart:EQ+
Das Plug-in eignet sich für die Bearbeitung von Subgruppen, Premix und Mastering. Unter den acht Filtern finden sich vier mit Glocken-Charakteristik, flankiert von High- und Low-Shelf- sowie High- und Low-Cut-Filtern. Die letzteren vier bieten alternativ eine Glockencharakteristik. Die Eckfrequenzen der Filter reichen von 20 bis 20.000 Hertz. Jedes Filter kann per Anfasser verschoben werden, und zwar über den gesamten Wirkungsbereich. Alle Filter sind vollparametrisch, arbeiten mit +/- 24 dB und einer extrem weitreichenden Flankensteilheit, die komfortabel per ALT-Taste und Ziehen am Ankerpunkt eingestellt werden kann. Naturgemäß bilden die Cut-Filter insofern eine Ausnahme, als sie nur im negativen Bereich, also von 0 bis -24 dB wirken.
Die Cut-Filter sind keine Brickwall-Cuts, sondern bewirken neben der Abschwächung auf einer Seite der Eckfrequenz auf der gegenüberliegenen eine Pegelanhebung.
Hier sehen Sie ein Cut-Filter und ein Bell-Filter mit hoher Flankensteilheit, sowie ein weiteres Bell-Filter mit niedrigem Q-Faktor:

Die Filter klingen neutral, ohne dabei technisch zu wirken. Beim smart:EQ+ geht es nicht um eine Klangfärbung, etwa im Vintage-Stil, sondern darum, das Frequenzspektrum anzupassen, ohne dabei eine zusätzliche Charakteristik ins Spiel zu bringen.
Schon der erste Blick auf den mit acht Bändern üppig ausgestatteten smart:EQ+ offenbart einige Änderungen:

In der Kopfzeile, die bei frei:raum bis auf die Einträge blind:flug und bypass leer ist, findet sich nun die (multiple) Undo/Redo-Funktion und ein Vergleich zwischen zwei Einstellungen, A und B. Per copy überträgt man die Einstellungen vom aktiven Slot auf den anderen.
Werkspresets sind nicht an Bord. Viele Hersteller von Equalizern liefern Startvorlagen für diverse Instrumente oder Mix-Stile; sonible überlässt das ganz der Kreativität der User.
Was leider nicht geht, ist eine Übertragung der EQ-Einstellungen von einem Plug-in zum anderen (das geht auch in frei:raum nicht). Es wäre doch interessant, beispielsweise die charakteristischen Teilspektren einer Snare zugleich mit dem smart:EQ+ hervorzuheben und per exakter Blaupause mit dem proximity:EQ+ genau in diesem Bereich die Raumanteile zu reduzieren, um die Snare zusätzlich nach vorne zu holen. Manuell ist das allerdings kein Problem – und es geht auch exakt, da alle Werte numerisch eingegeben werden können.
blind:flug schaltet zu dieser Ansicht:

Hinzugekommen ist auch ein spezieller Modus für Sprachbearbeitungen. Dieser betrifft weniger die EQ-Einstellungen, als die Analyse (im Lernmodus).
Damit kommen wir zur Spezialität des smart:EQ+:
Man kann die vier Glockenfilter in einen Lernbetrieb versetzen, nach dem sie eine Optimierung des Frequenzgangs vorschlagen. Hier sehen Sie zum einen die Taster für den herkömmlichen und den Speech-Modus, daneben einen der vier Smooth-Regler. (Mit Hilfe der Smooth-Regler kann man die nach Abschluß des Lernens hochauflösende, unter Umständen recht eckig wirkende Kurve in den Teilbereichen, für die die vier mittleren Filter zuständig sind, glätten.)
Der Parameter Strenght befindet sich nun (anders als bei frei:raum) innerhalb des Kurvendisplays, rechts neben dem Ankerpunkt und dem Aufnahmetaster:

Näheres zur technischen Seite der Aufnahme und zur Bedeutung von Smooth und Strenghts finden Sie im Test zu frei:raum.
Wir kommen zu den Anwendungsbeispielen. Zunächst habe ich einen Drum-Beat von Toontracks EZdrummer2, Jazz EZX und Jazz Kit, bearbeitet.
Doch zuerst das Original:
Verbesserungswürdig ist das nicht unbedingt, Toontrack liefert hier schon eine uneingeschränkt gebrauchsfähige Vorlage ab. Aber Sound Design kann man immer betreiben.
Meine Bearbeitung betont den schönen, runden Klang der Bassdrum, belebt die Snare ein wenig und hebt auch das Höhenspektrum des Ride-Beckens geringfügig an.

Ich greife mal kurz etwas vor: Mit dem proximity:EQ+ lege ich die Bassdrum etwas trocken und hole die Snare nach vorne, während ich bei dem Becken die Räumlichkeit leicht betone:

Nun schalte ich drei Bänder in den Lernmodus, nachdem ich die Kurve zuvor auf „flat“ gestellt habe. Das Ergebnis zeigt, dass der smart:EQ+ am Toontrack-Mix nicht viel auszusetzen hat:

So hört es sich an:
Die Abbildung oben zeigt, dass im Hintergrund ein hoch auflösendes Filterwerk mit einer Vielzahl von Bändern arbeitet. Die Anfasser der Filter dienen sozusagen als Makro-Regler, mit denen man Teile des Filterwerks gewichten kann – vollparametrisch.
Neben dem Aufpolieren etwas missglückter Abmischungen eignet sich die Analysefunktion des smart:EQ+ auch für ein differenziertes Klangdesign, das dazu geeignet ist, den Charakter einzelner Instrumente deutlich zu verändern. Das gilt erst recht im Zusammenspiel mit den anderen beiden Plug-ins.
Unser zweites Beispiel ist ein Mix aus der Library Rare Grooves von Ueberschall. Bei Rare Grooves geht es darum, den Sound der 70er wieder aufleben zu lassen – inklusive authentischer Abmischungen. Für sich genommen ist das stimmig und bringt das Retro-Gefühl gut rüber. Der smart:EQ+ sollte hier allerdings kräftiger eingreifen. Wir unterstellen, dass der Algorithmus auf einen modernen, transparenten Klang ausgerichtet ist.
Das Original:
Der Sound erinnert an Vinylscheiben aus den 1970ern. Das Einzige, was fehlt, ist das Knistern (aber dafür gibt es ja auch Mittel, wie etwa iZotope Vinyl, eine respektable Freeware, oder Waves / Abbey Road Vinyl).
Mal hören, was der sonible smart:EQ+ daraus macht. Die Kurve nach dem Lernen sieht folgendermaßen aus:

Auch hier schlägt der smart:EQ+ über weite Strecken eher sanfte Korrekturen vor. Dem Algorithmus scheint der geschmackvoll abgemischte 70er Jahre Sound also gar nicht so schlecht zu gefallen. Die Hörprobe zeigt allerdings, dass der smart:EQ+ sehr viel Feinarbeit im Hintergrund leistet:
Die Instrumente treten ein gutes Stück klarer und deutlicher hervor. Solche filigranen Eingriffe wären mit einem manuell eingestellten Mehrband-Equalizer schlicht unmöglich.
Die Bezeichnung smart:EQ+ ist eigentlich eine Untertreibung. Es handelt sich hier eher um einen Klangoptimierer mit beachtlichem Potenzial. Mehr Audiodemos, auch mit verunglückten Mixen, finden Sie in unserem Test zu frei:raum.
Bei der Transformation unseres stimmigen Retro-Sounds geht allerdings Einiges vom urwüchsigen Charme verloren.
Ich fahre die Höhenanhebung etwas herunter und lade in die Insert-Kette hinter den smart:EQ+ den Audified inValve Preamp und Abbey Road Vinyl. Nun kehrt der Retro-Charakter zurück, und es klingt dank smart:EQ+ immer noch transparenter und deutlicher als beim Original:
Bevor wir zum proximity:EQ+ wechseln, probieren wir noch den Speech-Modus aus. Dafür habe ich ein (aus der Sicht eines Klangoptimierers) extrem bearbeitungswürdiges Sample aus dem Pack „Movie Vocals 3“ von Resonance Sound ausgesucht, einer Sammlung von Mitschnitten aus alten Radio Shows. Hier das Original:
Hier ist der smart:EQ+ der Ansicht, dass besonders im Tiefenspektrum und in den Höhen ab 3500 Hz eine deutliche Anhebung erforderlich ist, während die Mitten etwas aufgeräumt werden müssen:

Dass dabei auch Nebengeräusche erwischt werden, kann man dem smart:EQ+ nicht vorwerfen, schließlich ist er kein Denoiser, und eine satte Patina ist ja gerade das Markenzeichen der Movie Vocals.
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