Test: Toontrack Disco Grooves MIDI und Disco EZKeys MIDI

Beide Produkte sind MIDI-Pattern-basierte Erweiterungspakete für den EZdrummer und den Superior Drummer (Disco Grooves MIDI) sowie EZkeys (Disco EZKeys MIDI).

Recording und Studiotechnik

Toontracks EZdrummer 2 ist ein virtueller Schlagzeuger mit ausgereiftem Arranger-Tool, das komplette Drum-Begleitungen entwerfen kann und ebenso detaillierte Bearbeitungen einzelner Pattern auf sehr intuitive Weise erlaubt. Das Basisprodukt beinhaltet bereits fünf Schlagzeuge, verteilt auf die Kategorien Modern und Vintage.

EZkeys verfolgt einen ähnlichen Ansatz und bietet eine Auswahl von Tasteninstrumenten als Sample-Libraries, ergänzt durch fertige Begleitungen verschiedener Genres und einen Song-Arranger mit Kompositionshilfen.

 

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Mit dem EZdrummer 2 gelingen professionelle Beats ohne Schlagzeug-Kenntnisse, mit EZkeys Akkordprogressionen ohne ein Studium der Harmonielehre.

Zum Toontrack EZDrummer 2 finden Sie bei uns einen Test und ein Tutorial, zu EZkeys einen Test.

Daneben können die Disco Grooves MIDI auch mit Toontracks Superior Drummer gespielt werden, den wir ebenfalls getestet haben. Er bietet luxuriöser ausgestattete Kits mit einer umfangreichen Mikrofonierung und ausgeklügelten Abmischungsoptionen, allerdings nicht die Groove-Kompositions-Werkstatt des EZdrummers.

Darüber hinaus eignen sich die Grooves auch zur Steuerung externer Instrumente. Einige virtuelle Drummer, wie etwa BFD3 von FXpansion oder Soundiron Motor Rhythms, verfügen über fertige Mappings für Toontracks EZdrummer. Im Test zu Motor Rhythms haben wir die Übertragung eines EZdrummer-Beats auf das Schlagwerk aus der Autowerkstatt ausprobiert.

Das Gleiche gilt für EZkeys: Auch hier können Passagen oder ganze Arrangements von externen Instrumenten benutzt werden, beispielsweise zur Dopplung der EZkeys-Sounds. Der EZdrummer 2 und EZkeys verfügen über einen virtuellen MIDI-Out, den man im Host-Sequencer entsprechend adressieren kann. Alternativ können bei beiden Produkten Pattern aus dem internen Arranger auf eine MIDI-Spur des Host gezogen werden.

 

Installation

Die Engines EZkeys und EZdrummer 2 laufen plattformübergreifend in den gängigen Plug-in-Formaten.

Wer eine Weile nicht mehr bei seinem Toontrack Account vorbeigeschaut hat, wird feststellen, dass es einen neuen Product Manager gibt – nein, keinen neuen Firmenchef, sondern eine Software, über die man sich in seinen persönlichen Account einloggt, und die recht komfortabel sämtliche Produkte verwaltet. Andere Anbieter setzen schon seit längerem auf solche Systeme, man denke beispielsweise an das NI Service Center, den FXpansion Product Manager, das EastWest Installation Center oder an das Arturia Software Center. Alle diese Programme machen die Installation und Autorisierung denkbar einfach und geben zugleich einen mehr oder weniger detaillierten Überblick über den persönliche Stand der Dinge, teilweise ergänzt durch Update-Angebote.

Toontracks Lösung gefällt mir von der Übersicht und dem Funktionsumfang her besonders gut. Eine Navigation zum Zielprodukt, der Download und die Autorisierung sind mit wenigen Handgriffen erledigt. Nebenbei gibt es reichlich „Geschenke“ in Form von kleineren Updates, teilweise notwendig, damit die neuen Ergänzungspakete einwandfrei funktionieren.

Die neuesten Updates für den EZdrummer 2 und EZkeys sind auch mit einer weniger schnellen Internetverbindung rasch heruntergeladen. Toontrack gehört zu den lobenswerten Herstellern, die ihre Produkte regelmäßig pflegen und sich diesen Hintergrundservice nicht turnusmäßig durch einen Update-Obolus bezahlen lassen. Auch ist die Anzahl von Aktivierungen, die man mit dem Kauf erhält, großzügig bemessen. Jedes Toontrack-Produkt kann gleichzeitig auf zwei unabhängigen Rechnern aktiviert sein.

Beim Umzug auf einen neuen Rechner können ausrangierte Workstations als stillgelegt angegeben werden, womit wieder eine Autorisierung frei wird. Diesen Vorgang der Vergabe von neuen, wieder frei gewordenen Autorisierungen kann man viermal selbständig wiederholen (beispielsweise über den Product Manager). Danach genügt eine E-Mail an den Toontrack-Support, und man erhält die verbrauchten Vergabe-Optionen wieder zurückgesetzt.

Zum Thema Kosten für Updates haben wir übrigens kürzlich einen DIESEN Artikel veröffentlicht.

Zurück zu unseren Testkandidaten:

Die Installationssoftware erkennt bereits installierte Toontrack-Produkte und den Speicherort der Libraries. Man muss also nicht aufpassen, diesen richtig zu vergeben oder ihn nachträglich adressieren.

 

Disco Grooves EZX für Disco Drummer

Diese Grooves führen uns zurück in die 60er und 70er Jahre und eignen sich ebenso für den Modern und den Vintage Drummer (die Start-Ausrüstung des EZdrummers): Dem Einsatz anderer Erweiterungspakete wie etwa Electronic EZX, Number 1 Hits oder Hip-Hop steht nichts im Wege. So erhält man ohne Umwege den Sound der frühen 80er.

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Die Grooves wurden von Norman Garschke sauber und mit dem passenden Feeling eingespielt. Insgesamt zehn Songs mit rund 500 Pattern im 4/4 Takt, straight und swing, mit Originaltempi von 72 bis 182 BPM, stehen zur Verfügung. Alle Songs sind unterteilt in Intro, Verse, Bridge, Pre-Chorus, Refrain und Fills, jeweils in mehreren Variationen.

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Eigene Variationen auf Grundlage der MIDI-Grooves zu erstellen, gelingt auch ohne profunde Kenntnisse des Schlagzeugspiels und ist eine der Stärken des EZdrummers. Wie man hier vorgehen kann, haben wir im bereits erwähnten Tutorial ausführlich dargestellt.

Gut gefüllt und passend zur Kategorisierung des EZdrummer-Pakets ist auch der Browser des Disco-Expansion-Packs für EZKeys:

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Die in unterschiedlichen Originaltempi eingespielten Passagen sind ebenfalls in diverse Songabschnitte aufgeteilt und bieten pro Abschnitt vier Variationen. Wie beim Drummer ist das nicht das Ende aller Dinge: Man kann an den Akkordfolgen innerhalb von EZkeys komfortabel Hand anlegen. Drums und Keys der beiden Libraries sollten stimmig zueinander passen. Das probieren wir als nächstes aus:

 


Disco Drum Grooves und Keyboard-Akkordfolgen im Zusammenspiel

In beiden Libraries gibt es ähnlich benannte Titel, die erwartungsgemäß harmonieren: „Queen“ mit dem Originaltempo 100 BPM in der EZKeys Disco Library und „Dance the Queen“ bei den Disco Grooves.

So sieht ein rasch zusammengestelltes Arrangement mit Intro, Strophe, Bridge, Chorus und erneuter Strophe für EZkeys aus …

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… und so die Drum-Grooves im EZdrummer:

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Hier das dazu gehörende Audiodemo, mit dem Piano aus EZkeys und dem EZdrummer Set Modern:

 

Das klingt nicht aufregend, soll es aber auch nicht. Vielmehr ist erstaunlich, wie perfekt beides miteinander harmoniert. Das Disco-Genre ist kein Feuerwerk an schrägen Akkordfolgen und glänzt auch nicht durch akrobatische Drum-Einlagen. Toontrack bleibt mit beiden MIDI-Packs erfreulich bodenständig und liefert genau das, was auf der Verpackung steht.

Dass Disco jedoch auch geschmackvolle Harmoniefolgen liefern kann, beweist das Thema „Fever“, hier zusammen mit den „Great Dancers“ Grooves. Ich wechsele bei EZdrummer zum Pop-Drum-Kit (Basic Mix), bei EZkeys zum Vintage Upright Piano:

 

Sehr schön wirken die filigranen, dynamisch gespielten Hi-Hat-Figuren, insbesondere im Intro. Die Drums beim Pre-Chorus (Takt 17 bis 25) gefallen mir allerdings noch nicht so richtig. Ab Takt 21 erhöhe ich die Anzahl der Snare-Schläge, woraufhin EZdrummer ein paar Ghost-Notes drummertypisch hinzufügt.

Dadurch gelingt der Übergang zu dem kleinen Fill vor dem Refrain besser. Außerdem setze ich hier einen Beckenschlag als Opening Hit.

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Über den Record-Modus spiele ich noch einen zweiten Crashbeckenschlag ein.

 

Wir surfen weiter durch das Angebot:

Über die Funktion „Use Browser MIDI“ kann man in EZkeys eine alternative Passage anwählen und diese im Kontext des Arrangements vorhören, ohne die vorhandene zu löschen. Dies geschieht erst mit Replace.

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Darüber hinaus verfügen sowohl EZdrummer als auch EZkeys über Undo/Redo.

Hier habe ich in den zweiten Pre-Chorus einen Teil des Refrains kopiert. Über den MIDI-Out von EZkeys steuere ich in Cubase 8.5 das neue E-Piano „Session Keys Electric S“ von E-Instrument an, welches ein Fender Rhodes des Baujahres 1973, Kofferversion mit eingebautem Verstärker und vier Lautsprechern, auf die virtuelle Bühne bringt – ein sehr interessantes Instrument, nebenbei bemerkt.

Die Drums transportiere ich zu Toontracks Superior Drummer. Im Klartext: Ich schiebe Sie per Drag und Drop in dessen MIDI-Spur im Cubase. Hier habe ich derzeit nur „The Progressive Foundry“ installiert – nicht das ideale Kit für unsere Zwecke …

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… trotzdem spielt der Drummer so, wie er spielen soll:

 

Da wären noch Nacharbeiten erforderlich, die der Superior Drummer mit individueller Zuweisung aller Mikrofone und deren Übersprechungen in großem Stil möglich macht. Auch die On-Board-Effekte sollten man nicht links liegen lassen.

 

Hier habe ich EZmix 2 für die Bearbeitung der Drums und Pianos verwendet, die Bandsimulation Satin von u-he für den kompletten Mix:

 

(Die etwas jazzig-schrägen Töne zu Beginn steuert der Animator des Session Keys E-Pianos zu; diese gehen also nicht zu Lasten von EZkeys.)

Eine andere Vorgehensweise besteht darin, sich einen passenden Groove aus dem persönlichen Repertoire auszusuchen, und EZdrummers Song-Creator zu verwenden, um daraus eine Auswahl mit alternativen Beats für die einzelnen Abschnitte zu generieren. Der Song-Creator sucht dabei unter Verwendung intelligenter Algorithmen passende Grooves.

Das Intro-Pattern hat es mir besonders angetan:

 

Schiebe ich es in das Fenster „Tap to Find“, so werden eine ganze Reihe von Alternativen angezeigt.

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Der Song-Creator sucht unter Verwendung intelligenter Algorithmen passende Grooves. Um diese Suche auszulösen, zieht man das Basis-MIDI-File in den leeren Slot (oben in er Mitte des Song Creators):

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Fazit

Was mich immer wieder fasziniert, ist die rundum musikalische Konzeption der Toontrack-Produkte, die sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Unsere beiden Testkandidaten passen perfekt zusammen und liefern im Verbund stilsicher eine Fülle von Disco-Arrangements mit Beats und Keys.

Der Sound der EZdrummer-Kits, die zu den Disco-Beats passen, ist nicht hoch aufpoliert und spektakulär, dafür umso natürlicher, echter und besser in einen Mix einzubauen. Nicht ganz unbedeutend: EZdrummer, Superior Drummer, EZkeys und EZmix sind extrem CPU-schonend.

Die hier vorgestellten MIDI-Packs, mit denen man sein Arsenal an Toontrack-Produkten für ein Taschengeld erweitern kann, sind in sich stimmig und mit musikalischem Feingefühl eingespielt, was sich auch darstellen lässt: Schaut man sich die exportierten Drum-Gooves oder Keys-Progressionen im MIDI-Editor des Sequencers vergrößert an, so fallt auf, dass nicht alle Noten exakt auf dem Punkt sitzen. Die Drum-Pattern liegen so vor, wie sie eingespielt wurden – ohne Quantisierung, angenehm dynamisch und mit einer guten Portion Feeling.

Hier ein Blick in ein EZkeys-Pattern:

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Solche kleinen Ungenauigkeiten sind zusammen mit der Dynamik das Salz in der Suppe, wenn es echt und lebendig klingen soll.

Disco Grooves MIDI ist mit über 500 Files eines der größten MIDI-Packs von Toontrack. Geboten werden zehn Songs (ballad, midtempo, uptempo / straight und swing) mit Originaltempi von 72 bis 182 BPM.

Die wenigsten Nicht-Schlagzeuger dürften in der Lage sein, solche Grooves mit Gefühl für das Micro-Timing, geschickt eingeflochtenen Ghost-Notes und realistischen Schlagzeug-Figuren selbst einzuspielen. Den meisten Keyboardern unterläuft der Fehler, simultane Mehrfach-Hits auf verschiedenen Schlaginstrumenten einzubauen, die nur ein Alien-Drummer (mit mindestens drei Händen und Füßen) ausführen könnte. Filigrane Hi-Hat-Figuren mit ansprechender Dynamik und verschieden offenen Hi-Hat-Positionen über eine Klaviatur einzuspielen, ist auch nichts, was man mal eben so nebenbei erledigt, sondern will geübt sein. All das ist in den Toontrack-Grooves enthalten.

Über den Song-Creator kann man weitere passende Grooves aus dem Basispaket und Erweiterungen (soweit vorhanden) mit einbeziehen. Im Modus Edit Play Style kann man pro Pattern einzelne Instrumente via Amount-Regler verdichten (also Schläge hinzufügen) oder ausdünnen. Dabei baut die Engine neue Hits automatisch so ein, wie ein echter Schlagzeuger sie einspielen würde (mehr dazu in unserem Tutorial). Alternativ kann man im Record-Modus auch selbst Schläge hinzufügen (und bei Bedarf quantisieren).

Das Disco-Feeling kann nun in großer Bandbreite und in hohem Maße stilsicher und ohne Ausrutscher bedient werden.

Das Auseinandersetzen mit den Harmoniefolgen und den Beat-Bearbeitungen bringt nebenbei noch einen Lernfaktor mit sich und schult das Gefühl für Rhythmus und Begleitung im Disco-Genre.

Beide Produkte werden zu einem fairen Preis angeboten.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • gut sortierte, bodenständige Auswahl an Disco-Grooves und Akkordfolgen bzw. komplette Songs.
  • leicht kombinierbar
  • Vielzahl von Variationen inbegriffen
  • Weitere Variationen und ganze Song-Arrangements lassen sich über die Automatik- und Editierfunktionen der Engines von EZdrummer 2 und EZkeys problemlos realisieren.
  • Per MIDI-Out und MIDI-File-Export können auch externe Instrumente von diesem Repertoire profitieren.

Minus:

Preise:

Disco Grooves EZX: 25.- EUR

Disco EZKeys MIDI: 25.- EUR

Hersteller: Toontrack

Bezugsquelle in Deutschland (Beispiele) DA-X (Digital Audionetworx), Best Service

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