Test: Zynaptiq Unmix Drums
Sounddesign
Als nächstes laden wir Unmix::Drums in die Schlagzeuggruppe. Wie bleiben zunächst noch beim bekannten Rhythmus. Ich verwende das Preset „Add some Impact“ und schalte Unmix::Drums nach zwei Takten ein:
Unmix::Drums macht die Drums deutlich präsenter. Zum Einsatz kam die Mitten/Seitensignalbearbeitung (über den kleinen Schalter in der Kopfleiste unter Algorithm), der interne Level-Kompressor (ebendort) und der praktische Limiter an Ausgang, der hässliche Übersteuerungen abfängt.
Im folgenden Audiodemo ging es mir darum, Bassdrum und Snare möglichst knochentrocken zu halten, während die Becken ungehindert ausschwingen. Um das zu erreichen habe ich unter andrem die Attackzeit kurz eingestellt, damit ein Crash-Becken erst gar nicht als Schlaginstrument erkannt wird. Die Releasezeit habe ich ebenfalls sehr kurz eingestellt. Die M/S-Bearbeitung ist wiederum eingeschaltet. Mit der Threshold-Kurve habe ich versucht, die markanten Frequenzbereiche der Snare herauszuarbeiten.
Um den Wirkungsradius von Unmix::Drums darzustellen, habe ich den Hauptregler Drum Level langsam von der extremen linken zur extremen rechten Position gefahren. Zunächst ist damit mein eigentliches Ziel auf den Kopf gestellt: Die Drums klingen ganz zu Beginn nach psychedelischem Spezialeffekt, dann natürlich, jedoch weit entfernt im Raum mit geringem Direktschall. Je weiter der Regler nach rechts wandert, desto mehr wird dieser Raumanteil zurückgefahren und Snare und Bassdrum treten hervor.
Im folgenden Audiodemo haben die E-Drums (aus Toontracks EZdrummer, Electronic Kit) eindeutig das Hintertreffen:
Mit Unmix::Drums kann man sie sehr schön zur Geltung bringen …
… und zugleich mit dem Bass-Synthesizer der Fine Tune Page der Kickdrum noch mehr Wumms verleihen.

Das gelingt auch mit dem Preset Drum Sizzle, wenn man die Drums zusammen mit der Synthie-Sequenz im Masterkanal bearbeitet:
Und in der Tat ist es bei synthetischen Drums möglich, diese beinahe völlig herauszulöschen, zumindest soweit, dass sie nicht mehr als Drum wahrnehmbar sind, sondern eher als psychedelischer Hintergrundeffekt. Solche starken Verfremdungen können auch dafür verwendet werden, neue und interessant klingende Übergänge zu schaffen, die am nächsten Audiodemo gezeigt: Die Drums starten als undefinierbare Background-Textur und beleben das Stück mit ihrem Einblenden zunehmend, bis sie schließlich dominant werden. Im weiteren Verlauf habe ich dann noch die Parameter Attack, Release, und Density automatisiert. Kleinere Attackwerte führen zu einer spitzeren, pointierteren Betonung, die Drums klingen näher. Eine weniger dichte Erkennung führt zu vintagemäßiger Rauheit und kann für spezielle Lo-Fi-Effekte verwendet werden.
Unmix::Drums eignet sich über die Bearbeitung akustischer und synthetischer Drums und Percussion hinaus auch für alle anderen Instrumente mit attack-betontem Einschwingverhalten, etwa für Pianos oder Zupfinstrumente.
Im letzten Anwendungsbeispiel widmen wir uns einer Passsage aus Native Instruments Session Guitarist Strummed Acoustic, die ohne Bearbeitung so klingt:
Mit Unmix::Drums hört es sich so an:
Unmix:Drums avanciert hier zu einem leistungsstarken Transientenwerkzeug. Über die Threshold- und Releasekurven sind feinste Feinheiten in Echtzeit modulierbar – per Automation oder via MIDI-Lerndialog und dann über externe Spielhilfen. Hier habe ich eine solche Automation mal auf die Spitze getrieben, um zu zeigen, was möglich ist:
Umgekehrt sind auch Klangverfremdungen möglich, die aus der Gitarre ein sanft schwingendes Instrument beinahe ohne Attacks machen:
