Report: Abschied vom Mac – oder: Wie man mit einer PC-Workstation befreit durchstarten kann

 

Cracks und Sonstiges

Ergänzend sie erwähnt, dass die Hersteller von Audio-Workstations nicht ohne Grund vor dem Installieren möglicherweise virenverseuchter „Gratis“-Software warnen. Zwar geht der Garantieanspruch dabei nicht zwangsläufig verloren, Instabilität bis zum kompletten Systemausfall, Datenklau oder gar eine unbemerkte feindliche Übernahme des Rechners stellen jedoch eine reale Gefahr dar, die man nicht ignorieren sollte.

Ich hörte damals, also vor rund anderthalb Jahren, von mehreren Seiten, dass in der Szene eine DVD mit einem ganzen Sortiment an virenverseuchter Software lustig von Hand zu Hand weitergegeben wurde. Mancher Crack macht sich offenbar auch erst mit zeitlichem Versatz bemerkbar, sodass kaum noch rekonstruiert werden kann, welche Installation das Ungemach verursacht hat.

Beim Gespräch mit Software-Herstellern habe ich erfahren, dass teils auf einen legalen Verkauf zehn geklaute Versionen kommen. Der ein oder andere Hersteller kann hier ganz einfach mitzählen, da die gehackte Software sich bei ihm meldet, beispielsweise zur Abfrage von Updates. Während das Hacken vielen Herstellern ein Dorn im Auge ist und ein regelrechter Kampf zwischen den Entwicklern der Autorisierungsprogramme und den Hackern entbrannt ist, war vom ein oder anderen Entwickler erstaunlicherweise auch zu hören, dass die illegale Software im Prinzip auch als Demos mit Werbeeffekt gesehen werden können. Manch einer kauft sich offenbar später das Plug-in – vielleicht, weil die „Gratis-Version“ nicht richtig rund läuft.

Letzteres fällt übrigens nicht jedem auf; es gibt offenbar auch Cracks, die über eine eingeschränkte Funktionalität verfügen. Das wurde mir bewusst, als ich vor mehr als zehn Jahren mit einem Musiker telefonierte, der massenweise solcher kostenfreier Plug-ins auf seinem Rechner installiert hatte. Wir unterhielten uns dabei über eine angesagte Pitch/Time-Software, und er war stolz darauf, dass er sich diese umsonst besorgt hatte. Leider sei sie ein wenig instabil, meinte er. Beim Erörtern der damals revolutionären Detailfunktionen und Werkzeuge stellte sich dann heraus, dass die meisten bei ihm gar nicht angezeigt wurden.

Außerdem wollte er von mir wissen, welche Software aus seinem Riesenangebot nun eigentlich gut wäre. Er hätte einfach nicht die Zeit, sich mit den ganzen Plug-ins auseinanderzusetzen. Ich, als Testautor, könne ihm doch sicher sagen, was er wieder löschen könne. Er war zu sehr damit beschäftigt, den jeweils aktuellen Cracks hinterher zu laufen, denn diese müssen ja auch upgedatet bzw. durch neue ersetzt werden, was zumindest damals mit einem Delay von rund drei Monaten nach dem Erscheinen der Kaufversion passierte. Da blieb keine Zeit übrig, sich mit den tieferen Editiermöglichkeiten oder überhaupt den besonderen Features der jeweiligen Plug-ins auseinander zu setzen.

Noch eine Anekdote: Wie weit verbreitet geknackte Software ist, zeigte sich, als vor Jahren in einem angesehenen Magazin ein Screenshot eines solchen Plug-ins veröffentlicht wurde. Der Hacker hatte offenbar seine Signatur hinterlegt, und das war dem Testautor und der Redaktion nicht aufgefallen – wohl aber einem aufmerksamen Leser, der es dann auch prompt im Forum des selben Magazins postete – woraufhin dieses damals sehr belebte Forum für lange Zeit geschlossen wurde.

Das Thema Cracks wird in den Foren diesseits des Darknet und erst recht in unseren einschlägigen Magazinen regelrecht totgeschwiegen. Es birgt auch Gefahren in sich: Man will ja nicht Leser vergraulen, die geknackte Software verwenden. Anderseits ist es schwierig, um eine moralische Bewertung herumzukommen. Tiefer gehende Infos über Bezugsquellen und Handhabung von Cracks wären schon rein rechtlich extrem brenzlig. Was tun? Besser gar nichts.

Die Hersteller, die mir ein paar Insider-Infos zum Thema Cracks gegeben haben, wollten auch nicht namentlich genannt werden – sie befürchteten einen Shit-Storm.

Ich selbst kann mir vorstellen, dass die Versuchung, sich nach geknackter Software umzusehen, groß ist. Es gibt einfach sehr viele gute Plug-ins. Will man viele davon haben, wird es selbst bei den durchweg zivilen Preisen und den häufigen Rabattaktionen teuer.

Damit Sie eine bessere Auslese treffen können, gibt es Testseiten mit Screenshots und Audiodemos wie releasetime – und einige andere mehr, teils mit definitiv guten, ausführlichen und interessant geschriebenen Artikeln. Dazu die angesagten Magazine, die darüber hinaus dank DVD-Beipack auch durchaus attraktiv sind. Diese Dreingaben wiegen den Kaufpreis der Hefte bei weitem auf.

Mit kostenlosen Lite-Versionen und Sample-Packs (etwa von diesen Magazin-DVDs) und anderer Freeware kommt man auch schon recht weit – ohne seinen Rechner zu gefährden.

Einige Hersteller bieten inzwischen auch monatliche oder jährliche Abos an, darunter Slate Digital (über Gobbler, s.u.), Eventide und EastWest.

Erstaunlich ist, wie viele Autorisierungen die meisten angesagten Hersteller erlauben, etwa Eventide, Native Instruments, Toontrack, IK Multimedia, Softube, Plug-in Alliance – um nur einige zu nennen. Wer kauft, kann sein Produkt also direkt auf mehreren Rechnern installieren (nach Lizenzvereinbarung nur den eigenen, versteht sich). Eingeschlossen sind oft mobile Zweit-Autorisierungen via USB-Stick oder iLok.