Report: Abschied vom Mac – oder: Wie man mit einer PC-Workstation befreit durchstarten kann

 

Autorisierungen, Pannen und problematisches Lizenzmanagement

Die Autorisierungsprozedur ist inzwischen dank Download-, Installation- und Product-Manger-Software erfreulich unkompliziert. Die Hersteller haben viel dazugelernt und es in den allermeisten Fällen geschafft, ihre Schutzansprüche gegen Hacker und eine kundenfreundliche Installation unter einen Hut zu bekommen.

In meinem ursprünglichen Text war eine detaillierte Schilderung der Installationsorgie enthalten. Diesen Abschnitt habe ich gelöscht, da sich inzwischen schon wieder vieles geändert hat und die meisten Hersteller fortwährend daran arbeiten, die Installation und Autorisierung zu vereinfachen.

In den folgenden Abschnitten greife ich die wenigen Fälle heraus, in denen es nicht reibungslos verlief:

Eine einzige größere Panne gab es mit Waves Central: Von Waves kam plötzlich die Meldung, unbedingt und sofort Waves Central auf den neuesten Stand zu bringen, da es ernsthafte Probleme mit der kurz zuvor veröffentlichten Version geben würde. Das hörte sich nach einer Sicherheitslücke an, was genau dahinter steckte habe ich aber nie erfahren. Jedenfalls erwies sich die neue Version von Waves Central als mit der heißen Nadel gestrickt. Danach wurden einige Plug-ins und VSTis plötzlich nicht mehr gefunden, z. B. sämtliche NI-Software. Zum Glück hatte ich zuvor ein Systembackup erstellt und konnte den Rechner problemlos zurücksetzen.

In den letzten anderthalb Jahren gab es einen weiteren Betriebsunfall mit Gobbler. Gobbler verwaltet die Autorisierungen für einige Anbieter, darunter Softube und Slate Digital. In meinem Fall konnte Gobbler plötzlich nicht mehr die Installationen finden und sich auch nicht an die Autorisierungen erinnern. Mir blieb nichts anderes übrig, als sämtliche Steven Slate Plug-ins erneut über Gobbler herunterzuladen und zu autorisieren, ebenso die Softube Plug-ins. Der Softube-Support meldete sich auf meine Anfrage innerhalb weniger Stunden. Eine solche schnelle Reaktion erlebt man auch nicht überall. Das Problem war bei Softube jedoch bislang noch nicht aufgetreten und konnte nicht gelöst werden. Gelegentlich hat Gobbler beim Starten immer noch einen Schluckauf und braucht zwei oder drei Anläufe, um die Verbindung zum Server herzustellen – aber keinen Totalausfall. Ideal und absolut stabil ist diese permanente Nachfrage nach der Autorisierung jedoch nicht.

Wenn ich etwas hasse, dann ist es die Unzuverlässigkeit bei Software, d.h.: Der Gedanke im Hinterkopf, dass es zu unerwarteten Problemen oder Abstürzen kommen kann. Solche Unsicherheiten sind für den kreativen Prozess reines Gift. Deshalb verwende ich auch kaum Plug-ins, die sich im Laufe der Zeit als instabil erweisen – selbst, wenn das nur selten und unregelmäßig passiert. Die Geschichte mit Gobbler hat dazu beigetragen, dass ich nach einem Jahr mein günstiges Everything-Bundle (Abo) von Slate Digital nicht erneuert habe, obwohl einige Plug-ins enthalten sind, die ich vermisse.

Auch bei Zynaptiq Plug-ins scheint bei jedem Start erneut eine etwas kompliziertere Lizenzabfrage gestartet zu werden. Windiows fragt jedes Mal nach, ob ich den Zugriff gewähren will. Hier gab es auch schon Fehlermeldungen, jedoch ohne Auswirkung: Die Plug-ins liefen trotzdem einwandfrei.

Und dann gibt es noch die regelmäßigen Überprüfungen meiner iLok-Plug-ins über Zero Downtime. Nur so erhält man den vollen Schutz. Dummerweise klinkt sich Zero Downtime immer wieder mal ein, wenn ich gerade eines dieser Plug-ins in Cubase laden will. Der Ladevorgang scheint die Überprüfungsaktion durch Zero Downtime unmittelbar auszulösen. Dann friert Cubase ein, der letzte Cycle läuft bis zum gewaltsamen Abwürgen über den Windows Task Manager, und falls zuvor nicht glücklicherweise ein Zwischenspeichern des Projekts erfolgte, sind die letzten Arbeitsschritte verloren. Auf meinem neuen 4K-Monitor sieht die Meldung von Zero Downtime dann folgendermaßen aus:

Selbst mit der Lupe kaum zu entziffern.

Ich habe nicht überprüft, ob die hier geschilderten Pannen auch auf anderen Rechnern aufgetreten sind. Mein System ist insgesamt stabil, dennoch kann es sein, dass die geschilderten Fehlfunktionen nur bei mir vorkommen bzw. vorgekommen sind.

 

Zusatzausgaben?

Bei der Kalkulation der Ausgaben für einen neuen Rechner sollte man eventuelle Mehrkosten für Plug-in-Updates mit einbeziehen. Die meisten Hersteller verlangen dafür nichts. Bei Waves muss ggfls. der WUP (Waves Update Plan) erneuert werden, der – abhängig von der Anzahl der Waves-Plug-ins – ein paar Hundert Dollar kosten kann. Nach meinem letzten Kenntnisstand ist der WUP bei 300.- Dollar gedeckelt, wenn man anklickt, dass man die Plug-ins nur auf einem Rechner benutzen will. Bei großen Bundles kann es sein, dass man zusammen mit der WUP-Erneuerung auch neue Plug-ins erhält, die seit dem Ablauf des eigenen WUP hinzugekommen sind. Waves ändert die Konditionen aber fortwährend. Antares nimmt für das AVOX-Bundle ebenfalls einen Update-Obolus. Bei Sonnox verlangt man ein paar Britische Pfund für ein Update zur aktuellen Version. Bei Plugin Alliance finden sich sehr vereinzelt ebenfalls kostenpflichtige Updates. Hier erhält man aber zugleich einen Mehrwert an Funktionen und Klangqualität: Die neuen Versionen stellen anders als bei Antares oder Sonnox keine reinen Anpassungen an neue Betriebssysteme dar.

 

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