Test: Native Instruments Symphony Series Woodwind – Teil 1
Multichannel-Operationen
Will man die Mikrofone separaten Audioausgängen zuweisen, so kommt man mit der Option innerhalb des Ensemble-Interfaces irritierenderweise nicht weiter. Diese bleibt stur bei der Auswahl zwischen Default und Stereo 1 stehen …

… auch wenn man zusätzliche Ausgänge im Mixer-Menü von Kontakt zugewiesen und diese als amtliche Startkonfiguration abgespeichert hat:

Über einen Umweg lässt sich die Surroundkonfiguration dennoch realisieren, ohne dass dabei mehr Seicherplatz verbraucht wird: Man lädt das Ensemble dreimal in einer Instanz, lädt separat die drei Mikrofonpositionen (close, mid, far) und routet sie auf die gewünschten unterschiedlichen Stereo-Ausgänge.
Im Einzelnen: Als erstes lädt man ein Ensemble und konfiguriert die gewünschten Artikulationen. Ich probiere es einmal mit der Staccato Artikulation. Diese verfügt übrigens über acht Round Robins, die wahlweise auch abhängig von der Anschlagsdynamik gespielt werden können. Außerdem ist ein Arpeggiator an Bord, der auch Runs abspielt:

Ich wähle die Close-Mikrofonierung, speichere das Ganze als Snapshot ab und nenne diesen „Runs Staccato“.
Nun lade ich das Woodwind Ensemble ein zweites Mal in die selbe Kontakt-Instanz, lade meinen Snapshot „Runs Staccato“, stelle den MIDI-Kanal auf 1 und wechsle im Mixer von Close zu Mid. Außerdem muss ich noch in Cubase die drei Stereo-Ausgänge aktivieren.

Zuletzt wiederhole ich das Ganze noch einmal. Die dritte Instanz bekommt also wieder den Snapshot, MIDI-Channel 1, Output 3 und im Mixer die Far-Mikrofonierung.
In Cubase route ich die drei Instanzen auf eine Surround 5.1-Subgruppe. Im Cubase-Surroundpanner stelle ich die Positionen für die drei Mikrofone ein: Close nach vorne, Mid etwa auf 1/3 Vertikale und Far ganz nach hinten.

Von der Surroundgruppe geht es zum 5.1-Ausgang.
Das Ergebnis über Monitore ist beeindruckend. Ich sitze mitten im Konzertsaal. Um den räumlichen Eindruck zu verstärken, bietet sich der interne Faltungshall mit zahlreichen Umgebungen an. Auch dieser befindet sich im Mixer-Menü, zusammen mit einem Dreiband-EQ …

… Kompressor und Filter:

Die Faltungshalls …

… verfügen zudem über die Alternativen Close und Far.

Mann kann also zusätzlich die Nah-Position mit einem Close- und die Far-Position mit einem Far-Hall des selben Raumes belegen. Für die Mid-Position nehme ich Close C der Kathedrale. Bei Close regele ich den Hallanteil etwas herunter und verkürze das Decay.
Da ich über eine Surround-Subgruppe gehe, könnte ich hier alternativ auch noch einen Surroundhall oder andere Surround-Effekte wie etwa GRM Spaces laden.
Nach der Hallanpassung mit internen Mitteln wirkt das Klangbild noch echter.
Ich stelle allerdings fest, dass die schnellen Runs eine höhere Puffergröße benötigen. Um Audioaussetzer zu vermeiden, muss ich auf 256 Samples gehen, was eine Latenz oberhalb von rund 12 ms mit sich bringt – etwas zu viel für ein perfektes Echtzeit-Feeling beim Einspielen.
Um Ihnen den Klangeindruck näher zu bringen, habe ich in die Surroundgruppe ein 5.1 Plug-in des Spatial Audio Designers von New Audio Technologie geladen. Dieser vermittelt über den normalen Stereoausgang ein räumliches, binaurales Signal, sodass über Kopfhörer ein dreidimensionaler Surroundklang zu hören ist.
Hier das SAD 3D-Signal, wie gesagt, nur über Kopfhörer genießbar:
Als Umgebung habe ich im SAD-Plug-in den Abhörraum des Luna Studio 2 gewählt.
Zum Vergleich der Stereomix ohne SAD:
Jetzt schalte ich den SAD wieder ein und packe GRM Spaces noch davor. Damit lasse ich das Signal rund um den Hörer wandern. Es hört sich nun so an, als ob Sie sich um die eigene Achse drehen würden:
Hier in Kombination mit dem Granular-3D-Echo GRM Space Grain:
Den internen Faltungshall habe ich dafür ausgeschaltet, da sich sonst zu viele räumliche Anteile überlagern würden.
So hört es sich in der Kirche Saint Ouen in Rouen an (Altiverb XL, Surround-Preset mit 12,5 sek. Nachhallzeit).
Hier die Staccato-Passage mit Dynamiksteuerung. Altiverb liefert die Kulisse des Opernhauses von Sydney:
Nach diesem kleinen Ausflug in die virtuelle 3D-Surroundwelt via Kopfhörer geht es nun herkömmlich weiter.
