Test: Rob Papen Punch und Punch BD

Oszillator-Modelle am Beispiel Bassdrum und Hi-Hat

Es gibt verschiedene Modelle für den Oszillator, virtuell-analoge sowie samplebasierte. Je nach Instrument gibt es vier unterschiedliche virtuell-analoge Modelle (Bassdrum), drei (Claps und Hi-Hat) oder zwei (Snare und Toms). Andere virtuell-analoge Drummachines beschränken sich auf eine Oszillatorstruktur, Punch bietet gleich mehrere Alternativen, die auf die unterschiedlichen Instrumente zugeschnitten sind.

Hier ist gerade Modell zwei für die Bassdrum angewählt:

Die Regler zu Oszillator Frequency bestimmen den Klangablauf der Bassdrum und gehen weit über ein einfaches Tuning hinaus. Sie interagieren miteinander.

  • Mit Start betont man das Attack und macht die Bassdrum knackiger. Das klingt richtig gut.
  • End greift ebenfalls in den Klangcharakter ein und macht die Bassdrum beispielsweise bauchiger oder betont die tonalen Anteile, wobei zugleich deren Tonhöhe mit zunehmender Rechtsdrehung des Reglers hochgefahren wird.
  • Decay blendet zwischen kurzen Sweeps über: Links eher sanft einschwingend, rechts markant und tendenziell aggressiv.
  • Dreht man Curve nach links, so zappt es richtig, rechts wird es weicher und verhaltener.

Der Algorithmus, der hinter diesem Modelling steckt, ist äußerst effektiv und gelungen. Was die Arbeit an Oszillatoren betrifft, sieht mancher Mitbewerber im Vergleich zu Punch blass aus.

Freude am Klangbasteln kommt schnell auf. Im Nu hat man eine Reihe von Alternativen entworfen und dabei das Oszillatormodell noch nicht einmal gewechselt. Die Möglichkeit, eigene Bearbeitungen als Bassdrums, Snares etc. abspeichern zu können, sollte man immer wieder nutzen. Das Zwischenspeichern ist auch deshalb sinnvoll, weil eine Undo/Redo-Funktion für Operationen am Oszillator, Filter oder den Modulatoren fehlt.

Die Presets werden praktischerweise über Load später direkt abgerufen, man muss also nicht erst durch die Ordnerhierarchie des Rechners navigieren, um zum Speicherplatz zu gelangen (wie das leider immer noch bei einigen virtuellen Instrumenten der Fall ist).

Hier habe ich die Bassdrum knackiger gemacht und mit dem Modulationsrad den Start-Parameter moduliert. Auf der 1 und 3 sind die Schläge betont, auf der 2 und 4 eines jeden Taktes etwas zurückgenommen.

 

Als nächstes schnappe ich mir die Snare, für die das Modell Punch 27 verwendet wird. Die Punch-Modelle sind mit Samples ausgestattet:

Es folgt ein Dual-Distortion-Modul mit diversen Verzerrermodi:

Innerhalb dieses Moduls findet sich zudem noch eine Choke-Funktion: Hier kann man jedes Instrument einer von vier Gruppen zuweisen. Spielen zwei Instrumente einer Gruppe gleichzeitig, so wird eines davon nicht getriggert. Der klassische Einsatz für die Choke-Funktion ist der Wechsel zwischen offener und geschlossener Hi-Hat. Mittels Choke kann man aber auch vermeiden, dass der virtuelle Drummer unübliche Schlagkombinationen spielt, etwa zwei Bassdrums gleichzeitig, eine offene Hi-Hat zusammen mit einer Snare oder schnelle Repetitionen bzw. Wirbel auf Toms bei gleichzeitig dichter Hi-Hat- oder Becken-Begleitung.

Über die seriell geschalteten Effekte 1 und 2 habe ich einen Pan und den Ringmodulator hinzugezogen.

 

In unserem Beat wird auch für die Hi-Hat ein Sample verwendet. Will man anstatt dessen eine virtuell-analoge Hi-Hat verwenden, so wird man unter „Model“ fündig. Über ein Aufklappmenü …

… stehen drei Kategorien zur Wahl: Model, Classic und Punch. Unter Classic und Punch finden sich alternative Sample-Hi-Hats aller Couleur (offene und geschlossene Spielweisen); die virtuell-analogen Varianten lädt man über Model. Hier trifft man auf drei Varianten.

Model 1 bietet einen Rauschgenerator mit Multimode-Filter und Filterhüllkurve:

Model 2 basiert auf einer Oszillator-Wellenform mit Hüllkurve, Filter und einem speziellen Modulator, der sich auf die Frequenz und den Klangverlauf auswirkt, ähnlich wie wir es bereits bei der Bassdrum gesehen haben. Außerdem kann eine Frequenz- oder Ringmodulation hinzugeschaltet werden. Die Frequenzmodulation bietet über die Modulator-Parameter harsche bis tonal gefärbte Klänge. Hier habe ich zwischen beiden Varianten über einen externen Controller überblendet:

 

Und hier habe ich zusätzlich den Parameter Drop bewegt, der eine aufwärts oder abwärts gerichtete Frequenzmodulation des Klick-Geräuschs hinzufügt:

 

Die selbe Hi-Hat mit Ringmodulation, etwas längerem Decay und dem Modell Octave 2 im Distortion-Modul (das auf die Oszillator-Sektion folgt):

 

Das dritte Modell für die Hi-Hat bietet noch weitreichendere Gestaltungsoptionen:

Dabei können dann beispielsweise solche futuristischen Lo-Fi-Hi-Hats entstehen:

 

Das klingt schon reichlich speziell und etwas zersetzend.