Test: sonible smart:EQ+, proximity:EQ+ und entropy:EQ

Der proximity:EQ+

Der proximity:EQ+ verstärkt oder unterdrückt Rauminformationen im Klang. Seine Ausstattung ähnelt dem smart:EQ+ sehr stark, doch hier sind die acht Filter nicht nur dazu da, Frequenzen statisch anzuheben oder abzusenken, sondern erlauben eine Gewichtung der globalen Wirkung. Die Filter sind wiederum vollparametrisch und arbeiten mit bis zu +/- 24 dB.

Dort, wo beim smart:EQ+ der Zauberstab für den Lernmodus platziert ist, findet sich hier ein Mini-Schalter für das Filter. Das Zeichen soll ein kleines Lineal symbolisieren, um Distanz/Nähe („proximity“) darzustellen.

In der Werkseinstellung kann man Frequenzen anheben oder absenken, also einen ganz normalen EQ-Betrieb starten – neben dem globalen Ent-Hallen (oder dem globalen Betonen der Rauminformation). Um es ganz klar zu formulieren: Stellt man den Hauptregler „Proximity“ in die neutrale 12-Uhr-Position (per Alt+Klick ohne den Einsatz von Feinmotorik) kann man die acht Filterbänder bearbeiten und hat einen einen konventionellen, statischen EQ vor sich.

Sobald man auf das Miniatur-Lineal klickt und Proximity ins Spiel bringt …

… biegt man mit dem Filter die Kurve, die über die Gewichtung von Raumanteilen in bestimmten Frequenzbereichen bestimmt. Klickt man noch einmal auf den Stock, so verwandelt er sich wieder in ein klassisches Filter, das den Frequenzgang bearbeitet. Das alle vier mittleren Filter mit der Funktion ausgestattet sind, kann man sie auch gemischt, also in individuellen Modi einsetzen.

Diese Doppelfunktion der Filter ist neu und in frei:raum nicht enthalten. Sie macht hier (und auch beim entropy:EQ+) besonderen Sinn, weil damit quasi ein Teil des Leistungsspektrums vom smart:EQ+ in den beiden anderen Plug-ins enthalten ist.

Man erhält also mit dem Kauf des proximity:EQ+ und entropy:EQ+ einen umfangreichen EQ zusätzlich. Setzt man zwei Instanzen hintereinander ein, bedeutet das auch keinerlei Einschränkung der Gewichtungsfunktion: Man nutzt die erste Instanz als EQ, die zweite als Spezialeffekt mit Gewichtung über Filterkurven.

Die globalen Parameter Proximity, Strenght und Smoothing bewirken die globale Anhebung/Unterdrückung von Raumanteilen, die Strenge der Differenzierung zwischen Raumanteil und Direktsignal (für einen natürlichen Klang sollte man niedrige Werte nehmen, für Klangdesign sind auch höhere Werte interessant) und das Glätten.

Hier der bereits bekannte Loop aus Ueberschall Rare Grooves, dem ich einen Hall (Brainworx bx_rooMS) spendiert habe:

 

Nun mit dem proximity:EQ+, Maximalstellung für das Ent-Hallen:

 

Der Mix klingt nun eine Spur deutlicher, und die Instrumente rücken ein wenig nach vorne. Was mir bei diesem Anwendungsbeispiel gefällt, ist, dass die Natürlichkeit erhalten bleibt. Allerdings dürfte die Skala noch etwas über 24 dB hinausreichen und der Effekt ein wenig stärker sein.

Probieren wir doch einmal zwei Alternativen aus:

Bei Era D von Accusonus (der in einer deutlich höheren Preisklasse rangiert und noch einen Denoiser zusätzlich an Bord hat) höre ich keinen Unterschied zum Original, abgesehen davon, dass es etwas dumpfer klingt. Die Aufgabe, die ich hier gestellt habe, scheint also eine harte Nuss zu sein. (ERA D eignet sich erfahrungsmäss besser zum Ent-Hallen von Sprachaufnahmen als für Musik.)

 

Zynaptiq Unveil schafft es, hörbar mehr Raumunterteil zu unterdrücken, allerdings treten bei diesem Beispiel minimale Resonanzen im mittleren Bereich auf, die ich trotz aller Experimente mit den Parametern nicht in den Griff bekomme.

 

Bei diesem Audiodemo habe ich an der Maximaleinstellung für das Ent-Hallen gekratzt. Es geht natürlich auch smoother:

 

Aus meiner Sicht ist Unveil eine leistungsfähige Konkurrenz, allerdings deutlich teurer und auch rechenintensiver. Wer auf Feinheiten Wert legt, wird feststellen, dass die beiden Konkurrenten unterschiedlich klingen: Unveil bietet mehr chirurgische Eingriffe, meißelt die Instrumente aus dem Raum heraus und klingt dabei klar und zupackend, der proximity:EQ+ geht sanfter mit dem Material um und klingt im direkten Vergleich verhaltener, vielleicht auch wärmer. Beide haben also ihre Vorzüge und sind nicht deckungsgleiche Maschinen, sondern hochentwickelte musikalische Effekte mit ihrem speziellen Eigenleben.

Viele Klassik-Libraries sind von einem stattlichen Raumklang geprägt. Dahinter steckt der Gedanke, produktionsfertige Sounds für die Filmmusik abzuliefern, was in der Regel auch beeindruckend gelingt. Doch wenn man einen anderen Hall ausprobieren möchte, überlagern sich Rauminformationen; jene, die in den Samples selbst bei der Nahmikrofonierung enthalten sind, mit dem externen Reverb.

Das Symphony Series Woodwind Ensemble von Native Instruments / Soundiron:

 

Mit dem proximity:EQ+:

 

Die Bläser klingen präsenter und näher. Die Rauminformation im Ausklingen bleibt nach meinem Empfinden jedoch weitgehend erhalten. Da hilft also doch nur der Griff zum Release-Regler des Instruments.

Die Ergebnisse mit Unveil von Zynaptiq sind in diesem Fall übrigens annähernd identisch.

Capriccio Woodwinds von Sonokinetic (eine Library für klassische Minimal Music a`la Philip Glass):

 

Mit dem proximity:EQ+:

 

Die Holzbläser wirken näher und detailreicher, ohne dabei an Natürlichkeit zu verlieren. Sehr schön.

In der entgegengesetzten Richtung ist es auch möglich, die Hallanteile hervorzuheben. Insgesamt kann man mit mehreren Instanzen des proximity:EQ+ Einfluss auf die Tiefenstaffelung nehmen. Auch wenn bereits Raumanteile in allen Signalen vorliegen, kann man einzelne Instrumente oder Gruppen nach vorne holen oder sie vom Hörer weg in den in den Raum schieben. Da proximity:EQ+ die CPU deutlich weniger auslastet als frei:raum, gelangt man, eine höhere Puffergröße und einen halbwegs aktuellen Rechner vorausgesetzt, nicht so schnell an die Belastungsgrenze des Systems, wie das bei mehreren Instanzen von frei:raum der Fall wäre.

Hier noch ein Beispiel für die Verstärkung von Raumanteilen – wieder auf der Grundlage der Capriccio-Woodwinds von Sonokinetic:

 

Wer deutlichere Effekte und seine Trickkiste für extravagantes Klangdesign erweitern möchte, sollte sich den entropy:EQ+ ansehen (und die Demoversion ausprobieren).

 

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