Test: Spectrasonics Keyscape Teil 3

Hier das Pianet – Overdriven:

 

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Wie bereits in Teil 2 des Test vermerkt, gibt es bei MIDI Learn eine Besonderheit: Hat man einem Modell externe Controller zugewiesen, so werden diese auf das nächste Modell, das man lädt, übertragen. Das liegt daran, dass die Modulationsmatrix im Hintergrund per MIDI-Learn entsprechend konfiguriert wird. Hat man das Modulationsrad beispielsweise dem ersten Parameter (dem linken Regler im Main-Menü) zugewiesen und lädt ein neues Instrument, so kontrolliert man hier immer noch den ersten Parameter per Modulationsrad. Springt man etwa zwischen verschiedenen Rhodes-Adaptationen hin- und her, die alle den gleichen ersten Parameter bieten, so bleibt es bei der beabsichtigten Kontrolle. War der erste Parameter zuvor etwa die Lautstärke einer Mikrofonposition und wird im neuen Patch nun durch eine Auswahl an Charakteren belegt, so springt man nun mit dem Modulationsrad durch die verschiedenen Klangcharaktere.
Genau das ist im letzten Audiodemo (eigentlich unbeabsichtigt) passiert. Interessant ist, dass der rasante Wechsel der Klangcharaktere völlig knackfrei verläuft und weitere Klangfarben ins Spiel bringt. Das ist durchaus effektvoll und ein echter Geheimtipp.

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Die diversen Modelle der Hohner Pianets sind – soweit ich das recherchieren konnte – lückenlos vertreten. Bevor wir uns von ihnen verabschieden, noch etwas Sanfteres. Nach so viel schnellem Funk tut Ruhe gut.

Wir kommen zum Pianet T:

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Externe Mitspieler: Auch im folgenden Audiodemo sind wieder Toonrack-MIDI-Pattern dabei, dieses Mal Jazz-Akkorde. Für den Hintergrund sorgen zufällige disharmonische Arpeggios aus Soundiron Tuned Artillery. Hier wird auf einer (vermutlich entschärften) Granate und einem Helm aus dem zweiten Weltkrieg sanft getrommelt. Die Cluster entstehen durch den Arpeggiator innerhalb von Tuned Artillery und Replika XT von Native Instruments, welches zusätzlich eine Art Grain-Hallwolke spendiert.

 

Das nächste E-Piano der Library ist das Claviset des ostdeutschen Herstellers Weltmeister, der vor allem durch seine Akkordions bekannt geworden ist.

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Die Stimmgabeln werden bei diesem Modell durch rotierende Gummischeiben angeschlagen, auf denen kleine Laschen befestigt sind. Ein Pickup leitet den Klang zu einem internen, batteriebetriebenen Verstärker. Zur Blütezeit der E-Pianos stand bekanntlich die Mauer noch – das Weltmeister Claviset war damit sozusagen das Rhodes des Ostens und im Westen kaum erhältlich. Es verfügt, wie alle anderen E-Pianos aus Keyscape auch, über einen sehr eigenen Charme, der von Spectrasonics in allen Details eingefangen wurde. Verschiedene Varianten bieten reine, saubere und brave bis zu bissige und etwas scheppernde Klänge. Hier die Version „Trashy 2“:

 

Man hört sogar das Geräusch der rotierenden Rädchen im Hintergrund. Das Pattern stammt aus Toontrack EZkeys Country.

Neben dem Direktklang wurde auch die reine Mechanik per Mikofon aufgenommen. Diese Variante zeichnet sich durch einen außergewöhnlich fragilen Klang aus:

 

Den Abschluss der E-Piano-Reihe bildet das Yamaha CP 70. Anders als Rhodes, Wurlitzer und Co setzt es auf eine echte Piano-Hammermechanik und Saiten, deren Schwingungen über Piezo-Tonabnehmer abgenommen und über einen internen Verstärker geschickt werden. Aufgrund seiner soliden Bauweise erwies es sich auch im rauen Bühnenalltag und auf Tour als bemerkenswert stimmstabil. Um es trotz seines hohen Gewichts einigermaßen transportabel zu halten, konnte man es in zwei Teile zerlegen. Sein Klang prägt diverse Songs von Peter Gabriel, Led Zeppelin, Toto, Kansas sowie des Megastars Stefan Wunder.

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