Test: Spectrasonics Keyscape Teil 3
Sehr stimmungsvoll ist die Variation „Liquid Space“, bei der Tremolo und Chorus zum Einsatz kommen.
Das Pattern stammt aus Toontrack EZkeys Pop-Rock.
Auch die Kategorie Electric Pianos schließt mit einigen DUO-Modellen, bei denen E-Pianos mit Keyboards anderer Kategorien zusammengebracht werden – hier ein Beispiel:

Die Kombination der mechanischen Geräusche des Spielzeugkaviers und der sanfte, schwebende Klang des CP 70 erschaffen zusammen eine weitere Piano-Dimension.
Die Kategorie Hybrid-Pianos bietet weitere DUO-Modelle, welche nicht in den anderen Abteilungen enthalten sind.

Wie bei der Abbildung oben zu erkennen, kann man hier zunächst das Lautstärkeverhältnis der beiden miteinander kombinierten Pianos/Keyboards einstellen. Auch die bereits bekannten Optionen, auf den Klangcharakter Einfluss zu nehmen, fehlen nicht. So können Nebengeräusche auch hier dosiert werden, und per Timbre oder Color Shift stellt man – neben dem allgegenwärtigen Equalizer – die Klangfarbe ein.

Bandsättigung und Hall sind ebenfalls an Bord.
Ein Beispiel mit Toontracks EZdrummer und einem Jazz-Pattern aus Toontracks EZkeys Jazz:
Mitte/Ende der 80er Jahre atmeten die Keyboarder auf: Endlich gab es ein tragbares Klavier mit tollem Sound, und der kam aus dem Roland MKS-20, einem Expander mit SA-Synthese. Die „Structured Adaptive Synthesis“ war erstmals in der Lage, Obertonstrukturen in Abhängigkeit von der Anschlagsdynamik und der Oktavlage zu simulieren. Die Pianoklänge des MKS-20 wurden als authentisch gefeiert. Wie wir heute wissen, war dieser Entwicklungsschritt nicht das Ende der Fahnenstange bei dem Versuch, Flügel und Klaviere naturgetreu abzubilden, aber der MKS-20 darf in einer Library wie Keyscape, die nicht nur einzelne Exemplare dieser Instrumentengattung herausgreift, sondern regelrecht deren Entwicklungsgeschichte dokumentiert, nicht fehlen.
Hier im Duo mit Yamahas CP 70 …

… wobei das MKS 20 hier einen E-Piano-Klang beisteuert.
Das Electric Grand des MKS 20 klingt hingegen so:
Ganz ohne Effekte. Und es sieht so aus:

Auch wenn der Klang ohne den Roland-Chorus knochentrocken ist, kann man verstehen, dass die Bühnen-Pianisten damals begeistert waren: Es klingt schon nahe an einem richtigen Klavier. Und mit Chorus öffnen sich traumhafte Pop-Welten (Toontracks EZdrummer Pop-Kit und ein Pattern aus EZkeys Dream Pop für´s Klavier):
Wir sind damit zur Kategorie Vintage Digital Keyboards gewechselt. Hier trifft man auf einen weiteren Roland-Syntesizer, der Anfang der 90er Jahre das Licht der Welt erblickte: Der JD 800.

Er verfügte über vier Layer und kombiniert Samples mit der sogenannten Linear Arithmetric Synthesis. Bei der Klanggestaltung war Eric Persing maßgeblich beteiligt. Keyscape widmet sich dem JD-800 nicht in voller Breite, sondern greift eine Handvoll E-Piano-Presets heraus, genauer gesagt vier.

Nebenbei: Die Grafiken bei Keyscape sind sehr ästhetisch und zeigen die akustischen und elektro-mechanischen Instrumente in voller Pracht. Warum man den imposanten JD-800 mit seinen vielen Fadern, Tastern und Reglern nicht ebenso würdigt, ist mir ein Rätsel. Aber wesentlich ist das natürlich nicht, und tolle Grafiken haben den Nebeneffekt, dass sie die Aufmerksamkeit vom akustischen Geschehen ablenken und den Betrachter förmlich aufsagen, wie ein Freund zu recht einmal bemerkte. Das ist in diesem Fall also nicht so.
Erstaunlicherweise verfügt der JD-800 sogar über ein Release-Noise, welches man beim Original mit den fortgeschrittenen Hüllkurven programmieren konnte. Chorus, Ensemble und Phaser, Tremolo, Reverb und Compression stellen die Effekte. Darüber hinaus geht es hier nicht um eine Emulation mit komplettem Parameterzugriff, das wäre dann auch etwas viel verlangt und würde den Rahmen von Keyscape sprengen.
Hier ein Beispiel dafür, wie rein und zart der JD-800 klingen kann (Preset „Crystal Dreamphase“) …
… aus Toontracks Gospel-MIDI Pack für EZkeys.
Ende der 1980er erwarb Roland Rechte am Markennamen Rhodes. So entstand das MK-80 Rhodes, eine digitale Version des Klassikers. Die Klänge gefielen, und für die Keyboarder wurde der Transport auf die Bühne und wieder zurück erheblich leichter:

Abgesehen von Chorus und Tremolo gibt es noch ein Echo mit Vari Speed, welches ich im letzten Audiodemo verwendet habe, um dem Klang eine Art Vibrato hinzuzufügen. Im Zusammenspiel mit dem Chorus ergeben sich verträumte Stimmungen.
Auch bei den Vintage Digital Keyboards trifft man auf DUO-Patches:

Die Klänge der Layer wirken dadurch noch etwas voller, die Schwebungen vielschichtiger.
(Pattern wiederum aus Toontrack Gospel.)
