Report: Abschied vom Mac – oder: Wie man mit einer PC-Workstation befreit durchstarten kann

 

Ein paar goldene Regeln

Keine großen Tricks, eher Selbstverständlichkeiten, die Sie sicher schon längst beherzigen.

Trotzdem:

  • Wöchentliche Datensicherung, startfähiges Backup der Systemdisk erstellen, mit entsprechender Software wie etwa Acronis, Paragon, Macrium Reflect oder Veeam.
  • Man sollte sicherheitshalber nicht bei allen Herstellern den selben Login verwenden – und schon gar nicht den von Paypal und dem Konto der Hausbank. Um den Überblick zu bewahren, reicht eine Textdatei, in der man die verschiedenen Passwörter zusammen mit dem Herstellernamen einträgt. Per STG + F und Texteingabe findet man dann im Bedarfsfall auch bei vielen Einträgen auf Anhieb das benötigte Passwort. Außerdem kann man sich auf diese Weise sogar sichere Passwörter mit kryptischen Sonderzeichen zulegen ohne das Gehirn zu strapazieren. Nur der Rechner mit der Textdatei sollte nicht gehackt werden.
  • Alle Downloads scanne ich grundsätzlich mit meinem Antivirus, bevor ich installiere, auch wenn ich noch nie fündig geworden bin.
  • Beim Aufbau eines neuen Rechners installiert man Schritt für Schritt Audio-Interface, Sequencer und dann die Plug-ins und VSTi. Plug-ins installiert man wenn möglich in einen gemeinsamen Ordner. Unter Cubase 8.5 installiere ich alle VST2-Plug-ins unter C->Programme->Steinberg->VST2 Plugins. Die Hersteller haben etwa zur Hälfte andere Speicherpfade vorgesehen. Diese lassen sich in den meisten Fällen aber noch während der Installation ändern. Außerdem ist es kein Problem, die Treiber (.dll) manuell zu verschieben.
  • Arbeitet man auf einem 64-Bit-System mit VST-Plug-ins auf dem PC, so benötigt man keine RTAS oder AU-Versionen und auch keine 32-Bit-Formate. Diese kann man ebenfalls meist schon im Installationsdialog wegklicken. Einige Hersteller bieten die Wahl zwischen einer allgemein verträglichen und einer „Custom“-Installation. Man wählt die Custom-Variante, wenn man keine überflüssigen Daten auf die Systemdisk schreiben lassen will. Manche Sample-Library landet auf der Systemdisk, wenn man nicht aufpasst. (IK Multimedia Syntronik legt dafür beispielsweise bei der Installation des Plug-ins vorab einen 1 GB schweren „Sample Tank“ Ordner auf der Systemplatte ab, der anschließend mit dem zig GB schweren Sampleinhalt weiter befüllt wird. Man kann diesen Ordner aber vorher manuell verschieben und die Library dann auch per Installationsdialog andernorts unterbringen.) Die Custom-Dialoge sind einfach und narrensicher. Kaputtmachen kann man hier nichts. Als dritte Option gibt es noch die „Modify“-Installation, mit der sich Fehler beheben lassen. Die Flux-Plug-ins sind ein schönes Beispiel für diese komfortable Installationsausstattung.
  • Zwischendurch startet man immer wieder den Sequencer und überprüft, ob alles klappt. Ich habe mich bei der Installation Hersteller für Hersteller vorgearbeitet, zwischendurch immer wieder ein Systembackup erstellt und die dem Bachgefühl nach schwierigen Kandidaten zuletzt installiert. Immerhin weiß ich bis heute nicht mit Sicherheit, woran mein alter Rechner wirklich gescheitert ist, da ist es schon möglich, dass auch das ein oder andere Plug-in oder VSTi querschießt. Auf meiner neuen Workstation will ich ein solches Betriebschaos natürlich nicht noch einmal erleben. (Und das ist bislang auch nicht passiert.)
  • Neu installierte Sample-Libraries sofort auf einer zweiten externen Disk abspeichern (Dateninhalt). Das erspart einen stundenlangen Download bei Ausfall der internen Disk.
  • Keine Cracks, wenn Sie Ihren teuren und stabilen Rechner nicht gefährden wollen – und dieser Tipp hat nichts mit Moral zu tun. Es kann vielleicht x-mal gutgehen, mit den Cracks, aber wenn Sie einmal daneben greifen, ist der Rechner außer Kontrolle oder arbeitet womöglich, ohne dass Sie es merken, als Server für den Hacker.
  • E-Mails, Rechnungen und Seriennummern von gekauften virtuellen Instrumenten und Plug-ins abspeichern. Die meisten Hersteller verfügen zwar über einen User-Account, über den man jederzeit auf seine Käufe zugreifen und die Software neu installieren kann, doch eine hundertprozentige Sicherheit über viele Jahre hinweg erreicht man durch die doppelte Absicherung und den Nachweis des Kaufs. Bei 2CAudio (Kaleidoscope, B2) und dem angeschlossenen Galbanum-Shop konnte ich nur durch den Zugriff auf meine alten E-Mails eine Re-Installation ohne Supportanfrage durchführen.
  • Spezialfall Cubase: Cubase 9 verfügt über eine Blacklist: Plug-ins, die als problematisch und unsauber geschrieben angesehen werden, kommen in diesen Ordner, wo man sie, wenn es sein muss, wieder re-aktivieren kann. Ob Cracks auch hier landen, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Beim Googeln habe ich dazu auch nichts gefunden. Dafür einige Einträge von nicht mehr erkannten Plug-ins, die zu unrecht auf der Blacklist gelandet sind. Mir sind solche Probleme bislang nicht untergekommen. Cubase 9 Pro läuft auf meinem System stabiler als 8.5.

 

Holger Obst

 

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