Test: Ueberschall Solo Guitar

Für ein virtuoses Gitarrensolo braucht man einen virtuosen Gitarristen – oder eine Library mit Phrasen, die zum Tempo synchronisierbar und transponierbar sind. Genau das bietet Solo Guitar von Ueberschall.

 

Und mehr: Der kostenlose Elastik Player hat eine Reihe von Bearbeitungsmöglichkeiten an Bord, mit denen man den Licks zu Leibe rücken kann.

Aber fangen wir von vorne an:

  • Solo Guitar bietet rund 2,7 GB an Samples.
  • Es stehen insgesamt 160 geloopte Phrasen in 24 Bit und 44,1 kHz zur Auswahl.
  • Die Phrasen sind ganze 32 Takte lang und verfügen im Originaltempo über eine Spieldauer zwischen 50 Sekunden und 1:45 Minuten.
  • Bedient wird das Rock-Genre mit den klassischen Stilen der 1960er bis 80er Jahre, Jazz, Funk und Pop. Hinzu kommen Effektspielweisen und Feedback.
  • Eingesetzt werden penibel mikrofonierte Akustik-Gitarren und E-Gitarren.
  • Martin, Yamaha, Gibson, Fender und Ibanez-Gitarren wurden verwendet.
  • Unter den Phrasen der E-Gitarren finde sich verzerrte Varianten, die als Alternativ-Loop auch bereits mit Effekten bearbeitet sind. Daneben trifft man auf E-Gitarren-Loops ohne Verzerung. Insbesondere diese Clean-Versionen dürften sich dank trockenem Sound für die Verwendung externer Amp/Speaker-Simulationen und Effekte sowie für eine Bearbeitung mit externer Pitch/Time-Software wie Celemony Melodyne eignen. (Melodyne oder vergleichbare Software braucht man etwa, wenn Melodielinien skalengetreu transponiert werden sollen oder minutiöses Klangdesign gefordert wird, etwa wenn der Klangverlauf einzelner Noten variiert werden soll. Das kann die Elastik-Engine derzeit noch nicht – Stand Juli 2017. Elastik 3.0 ist in Vorbereitung und soll einige neue Features beinhalten, unter anderem auch skalengetreue Transponierungen. Re-Arrangements von Ausschnitten aus den Phrasen sind hingegen jetzt schon möglich, einschließlich globalem Pitch-Shifting der gesamten Phrase in Halbtonschritten, Filter- und Formantenbearbeitung, Resampling, Rückwärts-Modus und mehr.)

 

Installation und Demo-Version

Die Aktivierung erfolgt unkompliziert über den persönlichen Ueberschall-Account und Challenge-Response, auch offline bzw. über einen anderen Rechner mittels Activation-File. Eine Demo-Version von Solo Guitar gibt es zwar nicht, dafür aber den kostenlosen Elastik Player mit einer ansehnlichen Auswahl an Demo-Loops, mit denen man mittels der oben angedeuteten Bearbeitungen schon einiges anfangen kann.

 

Der Browser und das virtuelle Keyboard

Der Browser zeigt in der Werkseinstellung alle verfügbaren Libraries und deren Hierarchie an. Ist man gezielt auf der Suche, etwa nach bestimmten Instrumenten, Originalgeschwindigkeiten oder Genres, so benutzt man die Attributefelder der oberen Leiste. Auch Favoriten können mit Sternchen benotet und in Userbanks eigene Bearbeitungen abgespeichert werden.

Auf Wunsch werden die Loops über die Vorhörfunktion im Projekttempo abgespielt. Dabei greift bereits das Timestretching von zplane.

Hat man einen passenden Loop gefunden, zieht man ihn einfach auf die virtuelle Tastatur im unteren Bereich. Will man später verschiedene Variationen erstellen, gleich mehrfach auf unterschiedliche Tasten. Alternativ kann man Loops auch mit gedrückter Alt-Taste auf andere Tasten der virtuellen Klaviatur kopieren, wenn man Variationen erzeugen will.

Per Rechtsklick auf eine Taste kann man unter anderem

  • den Sound löschen,
  • den Loop als wav-Datei exportieren (dabei merkt sich Elastik den Pfad, sodass man nicht immer umständlich wieder dorthin navigieren muss – sehr komfortabel!),
  • der Taste eine Farbe zuweisen,
  • über Key Settings die komplette editierte Parametereinstellung (also beispielsweise Filter, Reverse, Pitch-Shifting) auf einen anderen Loop übertragen). Will man mehrere Loops von C-Dur nach D-Dur transponieren, so reicht es, das zu Beginn bei einem Loop zu machen und über Copy Settings die Transponierung auf die anderen Loops zu übertragen.

Geladene und im Tempo transformierte oder transponierte Loops werden automatisch in einem Render Cache – Ordner abgelegt, den man über Preferences auf einer beliebigen Festplatte anlegen kann.

Das Interface ist skalierbar.

 

Angebot an Loops

Solo Guitar teilt sich in die Bänke A und B.

  • Unter A findet man die Soli der E-Gitarren, die über Amp und teils mit Verzerrer oder Hi-Gain aufgenommen wurden.
  • Unter B finden sich cleane E-Gitarren-Loops, die Akustischen Gitarren, Loops mit besonderen Spielweisen (Hammer On etc.) und Effekt-Spielweisen einschließlich Feedback.

Hier das Angebot der Bank A:

Bei den Loops wird die Originalgeschwindigkeit und die Tonart angegeben. Alle Loops, die nicht allzu viel Vibrato enthalten (führt zu Eiern bei zu langsamem Tempo), kann man in einem weiten Bereich dehnen oder stauchen. Tempoanpassungen bis +/- 40 BPM, teils darüber hinaus, gelingen gut.

Gleich der erste Loop zeigt, dass sich innerhalb der 32 Takte einiges tut: Hier finden mehrere Wechsel statt, und die Solo Gitarre gibt eindeutig den Ton an: Entweder nimmt man den Loop als Grundlage für das eigene Arrangement oder man erstellt Kopien, schneidet im Edit-Modus des Loop Eye jeweils unterschiedliche Teile heraus und baut daraus eine neue Reihenfolge zusammen.

 

Kleines Intermezzo: Amp/Speaker und Clean-Versionen

Eine externe Amp/Speaker-Simulation braucht man nicht (wir werden aber noch hören, dass das bei einigen Loops durchaus geht). Der Sound ist schon fertig, klingt sehr präzise, frisch und markant, kann aber noch mit Equalizer, Kompressor, Transient-Shaper und einigem mehr bearbeitet werden, wenn man ihn aufpolieren und die Gitarren im Mix noch mehr hervorheben möchte.

Die Aufnahmen wurden über Amp und Mikro gemacht.

Was mir zunächst fehlte, ist eine dritte, komplett „nackte“ Version, eine Direkteinspielung ins Mischpult oder über den Hi-Z-Eingang eines guten Audio-Interfaces, die man über einen externen Amp-Simulator laufen lassen kann. Die Clean-Versionen des B-Ordners erfüllen das nicht (sind aber dennoch sehr interessant – auch das werden wir noch hören). Hier handelt es sich im Übrigen um andere Motive, also nicht um Duplikate oder Fortsetzungen der Soli aus dem A-Ordner.

Auf Nachfrage hat Ueberschall dazu erklärt, dass Clean-Versionen tatsächlich aufgenommen, später aber wieder verworfen wurden. Der Grund dafür war, dass die zahlreich eingeflochtenen Feedbacks in den Clean-Versionen logischerweise nicht enthalten sind und auch später nicht mit Plug-ins simuliert werden können. Auch lang gehaltene Töne verlieren deutlich an Substanz, wenn sie absolut clean abgespielt werden. Der Sound bricht dann stellenweise in sich zusammen, und der Loop wird unbrauchbar.

Dieses Statement ist nachvollziehbar. Absolut cleane Aufnahmen findet man in anderen Ueberschall Libraries, so etwa bei Shred Guitar.

 

Zurück zur Bank A

Die Version 2 der Soli setzt meist einen Hall oder ein Echo als Effekt ein. Um Missverständnisse auszuschließen: Hall ist wie alle anderen Effekte in den Samples enthalten. Elastik verfügt nicht über interne Effekte. Schneidet man den Loop in Fragmente, so führt das zu abgesägten Hallfahnen. Daher sind die Effekt-Versionen eher für Komplettlösungen und weniger für Slices interessant. Sie machen sich gut in Arrangements, die ohne große Klangexperimente erstellt werden sollen und die Soli als Ganzes, als Leitmotiv benutzen.

Die weiteren Unterordner aus der Kategorie Sixties bieten teils andere Amp/Speaker Sounds und andere Gitarren, lassen sich daher so ohne Weiteres nicht untereinander kombinieren. Auch für ein Frage-Antwort-Spiel zwischen zwei Gitarren reicht es nicht, denn die Motive sind unterschiedlich und stehen nicht in einem Bezug zueinander.

Will man also in die Soli eingreifen und re-arrangieren, bleibt man am besten bei einem Loop ohne Effekte. Die Länge von 32 Takten erlaubt ausgedehnte Experimente.

Im Seventies-Ordner finden sich insgesamt 16 Loops, jeweils zwei (verzerrt trocken plus verzerrt mit Effekten wie Hall oder Echo), also acht Mini-Bänke in unterschiedlichen Tonarten.

Ein Solo im 80th – Style:

 

Nun habe ich noch einen einfachen Rock-Beat aus der Ueberschall-Library Drums A hinzugenommen und den IK Multimedia MODO Bass eingespielt. Die Solo-Gitarre und die Drums habe ich auf separate Stereoausgänge von Elastik gelegt (Elastik verfügt über 16 Stereo-Ausgänge). Für die Solo-Gitarre und die Drums habe ich als externe Effekte Eventide Fission und u-he Presswerk verwendet:

 

Unter Wah finden sich beeindruckende, gefühlvolle Soli mit den unterschiedlichsten Wah-Varianten. Hier kommt ein Crying Wah zum Einsatz:

 

Die Beats stammen aus Ueberschall The Resource, BPM 120 und werden hier mit 160 BPM eingesetzt. Der Bass stammt wieder vom MODO Bass.

Man trifft auch auf eher liebliche und verspielte Wah-Loops, wie etwa diesen (nur ein Ausschnitt):

 

Wenn man sich beim Crying-Wah zu Recht gefragt hat, wie man das mit einer herkömmlichen Sample-Library und Effekten hinbekommen könnte, ist es bei letzterem Exemplar offensichtlich: So etwas können nur echte Phrasen liefern.

Dieser Wah-Loop ist außerdem angenehm clean, bietet reichlich Pausen und eignet sich damit für externe Effekte, beispielsweise aus IK Multmedia AmpliTube 4.

Ich muss schon sagen: Diese Loops sind frisch, gehen über das Herkömmliche hinaus und inspirieren. Ergo kann ich es nicht lassen, einen Beat, Bass (MODO) und sogar noch ein paar Stimmenfragmente aus Soundiron Voices of Rage hinzuzufügen. Die Wah-Gitarre habe ich mit einem weiteren Wah aus AmpliTube 4 noch etwas exzentrischer gestaltet und ein Bandecho hinzugefügt, dessen Tempo ich moduliert habe, um Glitches zu erzeugen.

 

Alle Loops der Bank A sind übrigens zu 100% monokompatibel.

Kommen wir zum B-Ordner der Solo Guitar und hier zunächst zu den Akustischen Gitarren.

Auch hier finden sich je zwei Loops pro Subordner. Es werden verschiedene Gitarren eingesetzt, und auch die Motive bzw. Moods sind unterschiedlich – ganz wie bei den E-Gitarren der Bank A. Und auch hier gilt: Aufgrund der Länge der Loops lassen sich problemlos Projekte mit einem einzigen Loop bestreiten. Schließlich erstreckt sich ein Gitarrensolo nicht über den gesamten Song.

Unter Acoustic 090 (im 6/8-Takt) findet sich ein Loop, der entfernt an „Oh wie schön ist Panama“ von Fred Frith erinnert. Als externen Hall für die Gitarre habe ich FabFilter Pro-R eingesetzt. Der Flächenklang im Hintergrund stammt von Spectrasonics Keyscape Creative.

 

Clean Guitars

Im Ordner Clean findet man nicht etwa Phrasen, die völlig unbeeinflusst über einen Direkteingang eines Audiointerfaces eingespielt wurden, sondern eine Sammlung mit unterschiedlichem Aufnahmeequipment

Dabei handelt es sich um verschiedene Amp/Speaker-Sounds. Clean beschreibt hier also eine entsprechende Wahl von Preamps und Verstärkern, die nur eine dezente Anzerrung beisteuern, vergleichbar mit den Clean-Varianten aus Amp/Speaker-Plug-ins.

Jede Phrase liegt zweifach vor. Die Variation liefert dem Höreindruck nach in den meisten Fällen eine Raummikrofonierung oder ist vorsichtig mit einem Hall bearbeitet worden.

Hie ein Ausschnitt des ersten Loops:

 

Dem Höreindruck nach war mindestens ein Preamp am Werk, auch ein Gate (oder eine andere nachträgliche Bearbeitung der Pausen zwecks Entfernung von Rauschen). Der Sound ist angenehm direkt, glasklar und bildet auch die kleinsten Details ab (wie man sie mit Multisample-Libraries, die auf Artikulationen setzen, niemals so facettenreich gestalten könnte). Die leichte Anzerrung oder Sättigung unterstützt den musikalischen Ausdruck. Sie ist aber nicht so stark ausgefallen, dass man nicht noch externe Mittel wie Preams, Amps, Speakersimulationen und Effekte aller Art einbauen könnte. Das Gate greift unmerklich in den Pausen ein und ist überhaupt nur deshalb bewusst wahrnehmbar, weil ich den Loop mit 80 BPM anstatt im Originaltempo von 120 BPM abgespielt habe.

Hier der Blick auf den Analyser:

Der erste Loop ist mono. Anders sieht das bei der Variation des Loops aus:

Hier klingt es so, als ob eine Stereoverbreiterung eingesetzt worden wäre, was zu den typischen Phasenauslöschungen führt.

Der Klang wirkt durch die Verbreiterung offener und beweglicher. Nebenbei habe ich ein Pitch-Shifting um +3 Halbtonschritte ausprobiert:

 

Das Pitch-Shifting gelingt ohne hörbare Artefakte. Gibt man diese Variante probeweise mono wieder, so fällt das Signal zwar nicht in sich zusammen oder verliert an Details, wirkt aber klanglich dünner als die erste Variante.

Um das Thema Monokompatibilität hier direkt abzuschließen: Fast alle Loops der Library sind monokompatibel. Die Ausnahmen kann man an einer Hand abzählen.

Zurück zu den Clean-Loops. Diese eignen sich natürlich bestens, um externe Effekte einzubinden. Hier ein Beispiel mit Jazz-Charakter. Zunächst der unbearbeitete Loop:

 

Hier mit der Bandsimulation u-he Satin und FabFilter Pro-R:

 

Der Ordner Technical bietet Loops mit Effekt-Spielweisen, etwa angerissene Saiten, Slides, Feedback-Einlagen, rasend schnelle Läufe mit extrem starker Dämpfung der Saiten. Wieder gibt es eine trockene Version und eine, die mit Effekten bearbeitet ist: Echos, Phaser, Flanger, Raumsimulatoren und Kombinationen aus Effekten. So trifft man teils auf eine spektakuläre Griffbrettakrobatik (ein Ausschnitt)…

 

Klingt toll und ist für die Instant-Anwendung gedacht, wenn man unter Zeitdruck sofort das Klangspektakel auf Knopfdruck benötigt. Ungeachtet dessen muss dieses Klangdesign aber erst einmal in den Mix passen. Und mit dem Stoppen des Loops bricht auch der Hall ab – da ist meist Ausblenden angesagt. Und wollte man etwa nachträglich den Hallanteil reduzieren, benötigte man schon ausgebuffte Spezialisten wie Zynaptiq Unveil oder frei:raum von Sonible.

Also nimmt man gleich Variante 1 ohne Effekte:

 

WSie wäre es zur Abwechslung mit einer etwas ausgefalleneres Metamorphose? So klingt es mit einem Snapshot aus NI Molekular:

 

Zu guter Letzt gibt es noch eine Sammlung von Special Effects und Feedback:

Es ist schon beeindruckend, was ein Meister auf der Gitarre an Klangfarben aus seinem Instrument herausholen kann. Wiederum jeweils mit zwei Variationen. Die Mehrzahl der SFX ist extrem wild und abwechslungsreich. Es gibt aber auch Meditatives:

 

Dabei habe ich den Loop, der bei 150 BPM eingespielt wurde, stark verlangsamt und auf 100 BPM gedehnt. Die Hintergrundatmosphäre entsteht durch den selben Loop, rückwärts abgespielt und durch die externen Effekte Cableguys ShaperBox (PanShaper, TimeShaper, FilterShaper) sowie FabFilter Pro-R noch etwas abwechslungsreicher und sphärischer gestaltet.

Hier geht es bei 150 BPM und in B-Dur rockig zu (unbearbeitet):

 

Nun kommen Eventide H3000 Factory, D16 Group Sigmund, u-he Presswerk als externe Effekte hinzu, außerdem Drums (Toontracks EZdrummer, Progressive) und wieder der MODO Bass.

 

Arbeiten im Edit-Modus

Alle Loops aus Solo Guitar eignen sich dazu, auch ausschnittsweise verwendet zu werden. Mit einer enormen Länge von 32 Takten beinhalten viele Loops mehrere kleine Themen, Motivwechsel, einzelne Figuren, Effektspielweisen, die man auch isoliert verwenden oder völlig neu kombinieren kann.

In meinen Tests zu Ueberschall Upright Bass, Jazz Guitar und Glitch Art habe ich die Edit-Möglichkeiten des Elastik Players im Detail beschrieben. Daher hier nur der Überblick:

  • Fragmente können ab 1/64tel aufwärts herausgeschnitten werden. Ein Viertel (beispielsweise) bezieht sich dabei nicht auf die Notenlänge des Projekts, sondern auf den Anteil am Loop. Bei einem Acht-Takter füllt ¼ also einen Takt im Projekt. Die Slices können auch frei, ohne Notenraster, eingestellt werden. Extrem kurze Schnipsel eignen sich für Buzz-Effekte.
  • Bearbeitet werden kann der Lautstärkeverlauf per ADR-Hüllkurve,
  • das Tempo,
  • die Tonhöhe,
  • die Tonhöhe der Formanten,
  • Lautstärke und Panoramaposition,
  • die Abspielrichtung (vorwärts-rückwärts),
  • der Abspielmodus: Loop oder One Shot.
  • Hinzu kommt ein Multimode-Filter (LP, BP, HP, Notch) mit unterschiedlichen Flankensteilheiten bis 72 dB,
  • Im Sequence-Modus können die einzelnen Parameter pro Abschnitt (etwa pro 16tel Länge) modifiziert werden.
  • Alle Parameter, die keine Neuberechnung des Loops einfordern (offline) sind automatisierbar und können in Cubase auch über Quick Controls gesteuert werden. Über eine Automation des Filtercutoffs und der Filterresonanz können etwa Wah-Effekte generiert oder der Sound fließend in einen Lo-Fi-Charakter überblendet werden.

Zum Abschluss noch ein paar weitere Audiodemos: Eine akustische Gitarre, zusammen mit dem MODO-Bass und Toontracks EZdrummer:

 

Ein Solo aus der Kategorie Clean, zusammen mit Loops aus Ueberschall Upright Bass und Toontracks EZdrummer, Rock Solid Kit und Grooves. Ab Takt 17 habe ich zusätzlich einen Abschnitt bei halber Geschwindigkeit rückwärts laufen lassen. Ohne externe Effekte:

 

Mit externen Effekten:

  • Ein Preset von AmpliTube 4 sogt für einen scharfen, kratzenden Gitarrrenklang beim Solo, wärhrend Eventide Fission für Transienten und Sustainphasen separate Echos generiert.
  • Beim Rückwärts-Sound liefert bx_rockrack eine Anzerrung und FabFilter Pro-R spendiert einen intergalaktischen Hall. Der Cableguys PanShaper produziert Wanderungen im Stereo-Panorama.
  • Das dezente Knurren des Upright Bass habe ich mit bx_subsynth betont.
  • Die Drums werden durch Scheps Parallel Paricles und u-he Presswerk voluminös und druckvoll, bleiben aber im Hintergrund.

 

Für das nächste Audiodemo habe ich eine Rock/Funk-Gitarre, einen Beat und einen Bass im 70er Jahre Stil aus Ueberschall Rare Grooves ausgesucht und mit einem Solo kombiniert. Die ersten vier Takte gehören der Funk-Gitarre aus Rare Grooves, dann steigt der Solo-Gitarrist ein.

 

Mit externen Effekten – in einer ähnlichen Konstellation wie beim vorletzten Audiodemo.

 

Mit einem Echo-Hall aus NI Molekular für die Solo-Gitarre:

 

Audioqualität

Die Audioqualität ist wie bei allen mir bekannten Ueberschall-Libraries exzellent und folgt der Philosophie, das verwendete Equipment dem Genre, Stil und der Epoche anzupassen. So ergibt der Sound ein stimmiges, rundes Bild. Man hebt hier ganz bewusst nicht in ein Hochglanz-Sounddesign ab. Soweit Rauschen und Nebengeräusche vorhanden sind, halten sich diese in Grenzen und gehören zur Patina des Retro-Stils auf hohem Niveau. Unerwünschte Artefakte wie digitale Übersteuerungen oder Knackser an der Nahtstelle des Loops, wenn der zweite Zyklus beginnt, gibt es nicht.

 

Die Engine

Wir warten gespannt auf Elastik 3. Zwar ist der Player auch heute schon eine nicht zu unterschätzende Werkstatt für eigene Arrangements und Sound-Design, aber eine skalengetreue Transponierung, eine Arretierfunktion für die Bearbeitung von Loops bei laufendem Playback und ein vereinfachtes MIDI-Learn wären eine begrüßenswerte Erweiterung. Das nüchtern gehaltene Interface hingegen kommt einer analytischen Arbeitsweise entgegen. Wenn man eine Weile gewerkelt hat, fühlt man sich damit ganz wohl. Opulente Grafiken manch anderer Anbieter lenken eher vom Wesentlichen ab. Der visuelle Sinn ist beim Menschen dem Gehörsinn übergeordnet. Bunte Bilder und phantasievolle Oberflächen sind ein Augenschmaus und können auch einen zusätzlichen Kaufreiz auslösen, lenken aber von der Musik ab.

Die Farbe Orange, die Ueberschall gewählt hat, ist sicher nicht jedermanns Sache. Eine Farbpalette für die individuelle Kolorierung wäre eine schöne Ergänzung.

 

Fazit

Die Solo Guitar von Ueberschall bietet eine große Anzahl virtuos eingespielter und inspirierender Gitarrensoli auf diversen amtlichen A- und E-Gitarren. Produktionsfertige Loops kommen Filmmusik-Komponisten entgegen, die häufig in kurzer Zeit spektakuläre Arrangements erschaffen müssen, können aber auch Rock-, Funk-Rock-, Jazz- und Fusion-Projekte bereichern.

Neben Loops, die bereits mit Effekten bearbeitet sind (meist Hall, Echo) finden sich auch trockene Sounds (meist mit Amp und dezenter bis kräftiger Anzerrung).

Die Anpassung an das Projekttempo funktioniert über einen sehr weiten Bereich ohne Einbußen bei der Audioqualität oder Authentizität. Das kommt nicht nur dem Einsatz in eigenen Projekten entgegen, sondern auch jenen Usern, die die Soli als Vorlagen für eigene Übungen nutzen: Sie können praktisch nach Belieben das Tempo verlangsamen und sich einarbeiten.

Auch das Pitch-Shifting, bei Bedarf mit Formantenanpassung, dient der flexiblan Anpassung an vorhandene Projekte und funktioniert in ausreichend weiten Bereichen in guter Qualität.

Diese Phrasen kann man auch mit den besten Sample-Libraries nicht auf einem Keyboard nachspielen – und wer hat schon einen Gitarrenprofi zur Hand, gleich mehrere Gitarren und Amps für unterschiedliche Sounds, entsprechendes Aufnahme-Equipment und den passenden Aufnahmeraum? Die rundum ansprechende Aufnahmequalität und das stilsichere Sounddesign dürfte man im Heimstudio nicht so ohne weiteres reproduzieren können: Hier wurden viele Details fachmännisch eingefangen. Fast alle Loops sind frei von Phasenauslöschungen und monokompatibel. Die Balance zwischen direktem, markantem Sound und Nebengeräuschen ist perfekt. Aufnahmefehler wie kurze digitale Übersteuerungen, andere Artefakte oder Knackser bei Loop-Schnittstellen sind mir nicht aufgefallen.

Soli von bis zu 32 Takten, wie sie hier geboten werden, sind selten anzutreffen. Mit dem Elastik-Player kann man bequem Abschnitte herausschneiden und neu arrangieren. Auch das Re-Sampling mit veränderter Abspielgeschwindigkeit, das Rückwärts-Abspielen und der Einsatz des Multimode-Filters für Lo-Fi oder Wah-ähnliche Effekte sind interessante Optionen für eine eigene Klanggestaltung. Nicht zuletzt eignen sich die trockenen Loops bestens für eine Bearbeitung mit externen Effekten über die Einzelausgänge von Elastik.

Solo Guitar wird zu einem ausgesprochen fairen Preis angeboten. Eine Demo-Version gibt es nicht, doch die Audiodemos dieses Tests und weitere auf der Herstellerseite sollten reichen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich ein Vielfaches der ursprünglich geplanten Zeit in diesen Test investiert habe. Immer wieder haben mich die Loops zu kleinen Mini-Kompositionen veranlasst und von der eigentlichen Arbeit weg geführt. In diesem Umfang passiert mir das selten. Sollten Sie sich für den Kauf entscheiden, wünsche ich Ihnen, dass Sie ähnlich fasziniert von der Solo Guitar sind, die eine wahrhaft magische Anziehungskraft in sich trägt. Und das kann man sicher nicht von jeder Loop-Library behaupten.

Testautor: Holger Obst

Plus:

  • inspirierende Soli
  • außergewöhnliche Länge von durchgängig 32 Takten
  • breites Angebot unterschiedlicher Sounds und Stile
  • Temposynchronisation über weite Bereiche artefaktfrei
  • Transponierung in guter Qualität
  • Optionen für Re-Arrangieren und Klangdesign mittels Elastik Engine (Slices, Re-Sampling mit Time-Stretching, Multimode-Filter, Transponieren von Formanten)
  • fairer Preis

Minus:

  • keine skalengetreue Transponierung, nur global in Halbtonschritten
  • kein direktes MIDI Learn

System:

Elastik 3 steht vor der Tür. Daher verweisen wir auf die aktuellen Systemanforderungen auf der Herstellerseite. http://www.ueberschall.com

Und wenn wir schon das virtuose Gitarrenspiel vielfach gelobt haben, soll auch erwählt werden, wer dahinter steckt: Kai Reuter ist in der Rockszene kein Unbekannter und hat schon bei zahlreichen Bands mitgewirkt, unter anderem bei Jane. Für Ueberschall war er an mindestens 20 Libraries maßgeblich beteiligt, nicht nur als Gitarrist, sondern teils auch als Produzent. Hier der Überblick.

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