Test: EastWest ProDrummer Teil 2

Kürzlich haben wir den ersten Teil des Tests zu EastWest ProDrummer (Volume 2) veröffentlicht, hier folgt das zweite Kapitel. Dabei geht es um Volume 1, die MIDI-Grooves und die Klangbearbeitungen über das FX-Rack des Mixers.

Recording: EastWest ProDrummer

Volume 1, produziert von Mark Stent und Doug Rogers, wiegt annähernd 55 GB. Steven Sidelnyk, als Drummer unter anderem mit Madonna, Seal und Massive Attack unterwegs, spielte Schlagwerk von Drum Workshop, Slingerland, Gretsch, Ludwig, Yamaha, Orange County und Zildjian ein.

Überblick
Kit 1
Kits 2 bis 5
Hybrid Kits
Artikulationen und Mapping
Dynamik und Round Robins
Arbeit am Sound
Das Angebot an Grooves
Steuerung über externe Controller via MIDI Learn, Systemanforderungen und Performance in der Praxis
Fazit

 

Überblick

Volume 1 bietet sieben Kit-Ordner. Hier finden sich Drum-Kits, die in sechs verschiedenen Räumen aufgenommen wurden. Im siebten Ordner sind unter der Bezeichnung „Hybrid“ Instrumente ohne Raum-Mikrofonierung zusammengefasst, darunter solche, die bereits in den anderen Kits enthalten sind, jedoch auch zusätzliche Instrumente wie analoge Drumsounds.

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Ein Instrument in der Terminologie von ProDrummer ist immer ein Kit, welches (mit Ausnahme der Hybrid-Instrumente) in einem der sechs Räume aufgenommen wurde und mit einer spezifischen Zusammenstellung aus Bassdrum, Snare, zwei Hänge- und einem Standtom, einer Hi-Hat und drei Becken ausgestattet ist.

Instrumenten-Namen wie „Power Drums“, „Rock Drums“ oder „Punk“ deuten bereits auf den Sound des Kits bzw. auf das präferierte Genre hin. Dabei macht nicht nur die Auswahl an Schlaginstrumenten den Sound es Kits aus, sondern auch die verwendete Mikrofonierung, der Einsatz von Effekten wie etwa Transient Shaper oder Kompressor und nicht zuletzt der Velocity Processor. All das kennen wir bereits aus dem ersten Teil des Tests.

Die Zusammenstellung der Kits kann im Player-Fenster bei aktivem Drums-Taster geändert werden. Die dort angebotene Auswahl an Instrumenten ist von Raum zu Raum verschieden. Die größte Auswahl findet sich bei allen Instrumenten – wie auch schon bei Volume 2 – bei der Snare. Hier die Liste der Alternativen beim Kit 1 (MixSuite LA Tracking Room):

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Orange County, DW, Slingerland, Gretsch und Ludwig werden geboten – teils mit verschiedenen Modellen, mit und ohne Teppich. Bei den Bassdrums gibt es zwei Gretsch-Modelle, für die Toms, Hi-Hat und Becken stehen an dieser Stelle keine Alternativen bereit.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wählt man ein Kit aus, welches in einem bestimmten Raum aufgenommen wurde, so wird, wie oben abgebildet, nur die Auswahl an Instrumenten eines Typs (hier: die Auswahl an Snares) angezeigt, die auch in diesem Raum aufgenommen worden sind. Will man aus dem vollen Angebot an Instrumenten eines Typs wählen (also alle Snares angezeigt bekommen), so muss man ein Hybrid-Kit (ohne Raummikrofonierung) laden.

 

Kit 1

Wir hören in das Kit 1 (Master) hinein und nehmen dazu ein Rock-Pattern mit Crash-Becken als Opener und anschließend einen Pop-Groove.

 

Wir tauschen die „Orange County Silver and Gold“ gegen eine „Silver and Black“ aus:

 

So klingt es mit der Vintage Slingerland:

 

Die Ludwig „Fat Bastard“ wird ihrem Spitznamen gerecht:

 

Die Orange County Piccolo Snare und die 24×16-Zoll Blue Gretsch Bassdrum:

 

Ein Blick in den Mixer zeigt, dass die Effekte nicht mit von der Partie sind. Ich setze Kompressor und Transient Shaper ein, um Bassdrum und Snare etwas herauszuarbeiten:

 

Beim Kit „Rock Drums“ ist von Haus aus schon reichlich Kompression an Bord. Es wird ein ausgesprochen fetter und massiver Sound geboten:

 

So klingt die Mix Suite LA Kitchen, „Spike Stent Kit 2 Punk“, zwei „Busy Punk“ – Pattern aus dem Angebot an Grooves:

 

Geladen habe ich bis jetzt immer die Normal-Versionen (daneben gibt es noch die Lite- und die Powerful-System-Versionen mit weniger und mehr Artikulationen, Velocity-Layern und Round-Robins).

Bei dem schnellen Punk (130 BPM) zeigt sich, dass unser Testsystem bei niedriger Latenz und geringer Puffergröße nicht mehr ganz mithalten kann. Es treten Audioknackser auf. Um live in dieser Dichte an Schlägen eintrommen zu können, müsste ich auf die Lite-Version wechseln – oder die Library auf einer SSD-Festplatte speichern, damit schneller gestreamt werden kann. Vielleicht würden Audioaussetzer auch vermieden, wenn ich anstelle des Streamings die Samples komplett ins RAM laden würde (da ist mein Rechner mit 32 GB gut ausgestattet), ein kompletter oder weitgehender Verzicht auf das Streaming lässt sich jedoch im Settings-Menü von Play nicht einstellen.

 

Kit 2 bis 5

Kit 2 bietet vier verschiedene Snares:

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Bei Kit 3 – EastWest Studio 2 – nehme ich mal die Lite-Version. Sie hören eine Ballade bei 60 BPM mit dem eigens hierfür eingestellten Ballad-Kit. Im Master-Out des Mixers habe ich das Preset Hollywood Hall des Faltungshalls hinzugemischt. Die Ballade gibt’s übrigens im Groove-Menü als kompletten Song.

 

Wir machen weiter mit dem Mike Stent Kit 4 Funk 2, welches auf das erste Hängetom ganz verzichtet. Hier kommt eine DW Snare mit Teppich zum Einsatz. Die beiden Groove-Pattern stammen aus der reichlich gefüllten Funk-Abteilung.

 

Es fällt auf, dass dieses Preset sehr präsent und trocken klingt. Ein Blick in den Mixer verrät, warum das so ist: Als Raummikro ist nur Room2 in Betrieb.

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Dieser Aufnahmeraum hat eine kurze Nachhallzeit. Im Effekt-Insert des Master-Outputs ist sogar noch ein Faltungshall an Bord, der dezent Echo-Cluster beisteuert. Will man den Raumeindruck hervorheben, so hebt man einfach den Pegel des Raummikrofonkanals und den Mix-Anteil des Faltungshalls etwas an:

 

Ich tausche die Snare gegen die Yamaha Maple aus, die fülliger klingt und tiefer gestimmt ist.

 

Für den folgenden Groove aus der Abteilung Fusion habe ich das dritte Snare-Modell, die Orange County „Fat Bastard“ verwendet:

 

Kit 5 aufgenommen im EastWest Studio 3B, Preset Funk Industrial:

Die Snare „Orange County Red & Black“ verfügt über einen herrlich knalligen, metallischen Klang. Hänge- und Standtom von DW („Black Ice“) ergänzt diesen Sound mit einem regelrecht singenden Ton.

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Ein ausgesprochen wuchtiger Sound, extrem präsent. Dazu trägt unter anderem auch ein PA-Mixerkanal bei. Hier wurde der Output eines PA-Monitors mikrofoniert. Den Effekt kann man mit wenigen Handgriffen verstärken, indem man nicht nur den Fader des PA-Kanals ein Stück weiter hoch zieht, sondern auch noch Kompressor und Transient Shaper des SSL-Effektmoduls beteiligt.

 

Auch die Zildjan-Becken klingen schön voll und markant.

Kit 6 – EW Studio 1 Kick & Snare – bietet nicht nur Bassdrum und Snare, wie der Name suggeriert, sondern ein komplettes Set.

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Die Gretsch-Toms überzeugen mit einem ebenso präzisen wie runden Attack, das Zildjan Heavy Ride mit nuanciert spielbarer dynamischer Auflösung und einer abgedämpften Variante – hier mit dem Preset „Ambient Rock“:

 

Kick & Snare heisst das Kit deshalb, weil es einen zusätzlichen Bassdrum/Snare-Kanal mit Raummikrofonierung im Mixer gibt. Schaltet man Room 2 des Ambient Rock-Kits stumm, so erhält man einen kompakten, angenehm trockenen Sound, der bestens geeignet sein sollte, externe Effekte hinzuzuziehen.

Das wollen wir hier als kurzen Einschub im Testdurchlauf mit drei Kandidaten ausprobieren. Im folgenden Beispiel habe ich den Eventide Ultra Reverb über einen FX-Sendweg in Cubase eingesetzt:

 

Hier der Hofa IQ-Reverb mit dem Preset „Small Dark Drum Room“:

 

Der Brick Drum Room von Audioease Altiverb als Insert-Effekt, 100% Mix unter Verwendung des Positioners (mehr dazu in unserem Altiverb-Test):

 

Ergebnis: Überlagerungen von Raumanteilen der Samples und den externen Raumsimulatoren gibt es nicht. Die ProDrummer Kits lassen sich, wenn man die Raummikros herunterregelt, problemlos mit externen Effekten bearbeiten.

Bevor es weitergeht, möchte ich die Gelegenheit nutzen und auf unseren Vergleichstest zwischen 14 nativen Hall Plug-ins hinweisen.

 

Hybrid Kits

Wir kommen zu den Hybrid-Kits, die Instrumente aus allen anderen Kits (ohne deren Raummikrofonierung) verwenden und mit zusätzlichen Schlaginstrumenten ergänzen.

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Nach Aktivierung des Drums-Tasters und Kick auf das Aufklappmenü der Snare bietet sich (fast) die ganze Pracht des Repertoires (aus ProDrummer Volume 1, Zugriff auf Volume 2 hat man hier nicht):

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Wieso im Instrument „Spike Stent Electro Hybrid 1“ allerdings per default keine E-Snare geladen wird, bleibt ein Rätsel. Das Drumset klingt hervorragend – aber durch und durch akustisch. Anders sieht es da beim Kit „HopSoup1“ aus:

Bassdrum, Snare und Hi-Hat stellen Hybrid-Klänge aus akustischen Instrumenten und analogen Sounds aus einer TB 808. Deren Mischungsverhältnis zueinander ist festgelegt. Es gibt keine separaten Mixer-Kanäle für die analogen Sounds. Eine zusätzliche Verfremdung generiert das Ohmicide im Master-Kanal (s. Teil 1 unseres ProDrummer Testberichts).

Um die reinen Hybridsounds zu verdeutlichen, habe ich Ohmicide für das nächste Audiodemo ausgeschaltet.

 

Auch wenn das Mischungsverhältnis der Hybrid-Instrumente nicht weiter modifiziert werden kann, so bieten sich über die diversen Artikulationen für Snare und Hi-Hat dennoch viele unterschiedlich klingende Elektro-Akusik-Sounds, die auch anschlagsdynamisch variieren und einen Abwechslungsreichtum produzieren, den man mit einem einfachen Doppeln akustischer und elektronischer Drumsounds nicht erreichen würde. Der Snare-Wirbel zu Beginn mit Einschlüssen elektronischer Klangfragmente hat seinen besonderen Reiz. Schade nur, dass man dieses Konzept nicht auch auf die Toms angewendet hat, für die es keine elektronischen Mitspieler gibt.

Für den Hall im letzten Audiodemo ist übrigens der Convolution-Reverb des Master-Out verantwortlich. Schaltet man ihn ab, so erhält man einen trockenen Sound.

Beim Instrument „Hybrid Kit 7 EDM“ ist es der Amp-Simulator im Snare-Kanal, der dem Sound seinen Lo-Fi-Stempel aufprägt.

 

Mit Ohmicide kann man noch wesentlich destruktiver zu Werke gehen und einen wahren Teufelssound erzeugen.

 

 

Artikulationen und Mapping

ProDrummer bietet ein großes Angebot an Artikulationen. So gibt es neben Center-Schlägen und Rimshots der Snare beispielsweise auch Schläge im Randbereich des Fells, Doppelschläge und verschieden lange Wirbel, Schläge mit gekreuzten Stöcken, sowie Basismodelle mit und ohne Netz. Die Hi-Hat wird mit verschieden offenen Positionen angeboten. Bei den Becken finden sich auch Kanten-, Bell- und gestoppte Schläge. Auch für die Toms gibt es Rimshots und Flams.

Auf das Mapping hat man keinen Einfluss. Das ist nicht weiter schlimm – die Tastaturbelegung folgt den üblichen Verteilungen von Drum-Hits, sodass auch MIDI-Pattern fremder Libraries mit Prodrummer abgespielt werden können – und umgekehrt. Dennoch wäre wenigstens eine einblendbare Kennzeichnung oder ein Info-Menü wünschenswert. Man erfährt lediglich über das Manual, wie die Instrumente und ihre Artikulationen auf die Tastatur verteilt sind. Immerhin: Diese Verteilung ist praxisgerecht. So gibt es für Snare und Becken beispielsweise im Abstand von zwei Oktaven eine Wiederholung der Belegung – sehr praktisch: Man kann bequem mit der linken und rechten hand auch schnelle Figuren auf einem Instrument realisieren.

 

Dynamik und Round Robins

ProDrummer bietet einen lebendigen und abwechslungsreichen Drum Sound. Dafür sorgen anschlagsdynamisch gestaffelte Samples und Round Robins. Um der Sache in Form von Stichproben auf den Grund zu gehen, beginne ich mit dem Kit „Spike Stent Natural PS“ und mit der Orange County Wood Snare (14 x 5,5 Zoll). Im Mixer habe ich die beiden Direktmikrofe (Snare Top und Bottom) auf Solo geschaltet und im Player-Fenster den Velocity Processor ausgeschaltet. Im folgenden Audiodemo hören Sie 16 Snare-Schläge mit linear ansteigender Anschlagsstärke von (Velocity-Wert) 2 bis 127:

 

Dem Höreindruck nach treten keine zwei identischen Samples auf – dafür sollte schon die Ausstattung mit Round Robins sorgen. Die anschlagsdynamische Auflösung teilt sich bei diesem Beispiel in vier Bereiche mit unterschiedlichem Attack und auch unterschiedlichen Klangfarben. Im Pianissimo bis Piano-Bereich sind die Schläge nicht nur sehr leise, sondern auch mit einem sanften, beinahe raschelnden Attack versehen, nahe an der Besen-Spielweise. Etwa ab Velocity Wert 30 gibt es einen kleinen Sprung: Die Snare klingt deutlich akzentuierter. Von Forte bis Fortissimo hört sich die Snare sehr impulsstark an. Mit steigender Velocity treten zunehmend die Resonanzen des Korpus in Erscheinung. Ein Extra-Sample für die höchsten Velocitywerte ab 125 kann bei diesem Beispiel ich nicht ausmachen.

Bei der Snare „DW Maple – Dom“ hört es sich so an:

 

Dem Höreindruck nach ist hier die Auflösung im oberen Velocity-Bereich (ab 100) etwas feiner.

Als nächstes überprüfe ich die Round Robins, wieder mit der Snare „DW Maple – Dom“, bei Velocity 80 und 105:

 

Bei Velocity 80 kommen zwei Round Robins zum Einsatz, hier hört es sich wie linke/rechte-Hand-Alternativen an. Bei Velocity 105 kann ich kaum klangliche Abweichungen zwischen den Schlägen wahrnehmen; möglicherweise liegen die Round Robins im Ton auch sehr dicht beieinander.

Wir wechseln zum Spike Stent Kit 1 dry und zur Snare „Orange County Siver and Gold“. Es bestätigt sich der Eindruck, dass die verwendeten Round Robins nur dezent voneinander abweichen – im Gegensatz zu manch anderer Library wurde beim Einspielen offenbar Wert auf hohe Präzision und Gleichmäßigkeit gelegt. Man muss die Ohren schon genau spitzen, um festzustellen, dass bei Velocity 80 und bei Velocity 105 (mindestens) zwei Round Robins zum Einsatz kommen:

 

Auch eine Hi-Hat sollte dynamisch spielbar sein, daher hier der Test mit der 14-Zoll großen Zildjan Master Sound Hi-Hat:

 

Die Hi-Hat (Standard-Hit, geschlossene Hi-Hat) ist anschlagsdynamisch einwandfrei und fein aufgelöst. Wie sieht es mit den Round Robins aus?

 

Dem Höreindruck sind es je zwei bei Velocity 80 und 105. Wieder liegen die Klänge dicht beieinander. Die außergewöhnliche klangliche Nähe der Round Robins mag ein Grund dafür sein, dass die Grooves von ProDrummer lebendig aber handwerklich diszipliniert und virtuos eingespielt klingen.

Als nächstes teste ich das 21 Zoll große Ride-Becken „Zildjan K Heavy“, Artikulation Bell – mit überraschendem Ergebnis:

 

Das Becken gehört ohne Zweifel zu den aufnahmetechnisch feinsten und saubersten seiner Gattung. Doch im Übergang von mittleren zu hohen Velocity-Werten zeigt sich ein deutlicher Sprung. Diese Eigenschaft ist nicht unbedingt ein Nachteil, sondern möglicherweise durchaus gewollt: So kann man auch bei mittlerer anschlagsdynamischer Präzision Akzente einspielen, wie in folgendem Audiodemo dargestellt:

 

Wir bleiben bei diesem Becken und wechseln zur herkömmlichen Spielweise – Dynamiktest:

 

Auch hier hilft die Unterteilung in drei deutlich voneinander abgegrenzte dynamische Bereiche (sehr feine, zarte, silbrige Pianissimo- bis Piano-Klänge, universal einsetzbare Mezzoforte-Klangfarben und rockige bis an ein Crash-Becken reichende Forte-Spielweise) für eine gute Kontrolle der Ausdrucksweise beim Einspielen.

Die Kehrseite der Dynamiksprünge ist klar: Fein aufgelöste Crescendi oder Decrescendi über den gesamten Dynamikbereich sind mit diesen Artikulationen nicht möglich.

 

Arbeit am Sound

Im Folgenden geht es vor allem um versteckte Klangparameter der einzelnen Instrumente und die Insert-Effekte.

Im Play-Menü, Drum-Modus kann man nicht nur ein alternatives Schlaginstrument, sondern gleich mehrere wählen (Stacking). Dazu hält man beim Klicken auf den jeweiligen Eintrag im Aufklappmenü die STG-Taste (cmd). Nimmt man anstatt dessen die Alt-Taste, so tauchen Regler für das Grob- und Feintuning, sowie eine individuelle Lautstärkeanpassung auf. Die Schlaginstrumente können um bis zu zwei Oktaven nach oben oder unten transponiert werden.

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Dass die Tuning- und Lautstärkeregler nur über diese etwas unübliche Weise erreichbar sind, wird dazu führen, dass mancher User, der auf das Lesen des Handbuchs verzichtet, diese wichtigen Funktionen nicht findet.

Nun zu den klangbearbeitenden Werkzeugen, die man unter FX findet:

Dieses Kit kommt zum Einsatz:

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Wir starten mit einem einfachen Beat:

 

Um die Bassdrum pochender zu machen, setze ich zunächst im Mixer-Kanal „Kick In“ den Kompressor des SSL-Channels ein und benutze das Low-Cut-Filter am Eingang, um die tiefsten Frequenzen zu unterdrücken.

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Der Beat hört sich nun so an:

 

Die Bassdrum springt nun etwas unangenehm in den Vordergrund – aber das wird nicht so bleiben, denn die anderen Instrumente sollen ja auch noch angepasst werden.

Nun wäre es schön, wenn man diese Effekteinstellung einfach per Drag und Drop auf den Effektslot des Kick Out – Kanals kopieren könnte. Das geht so einfach leider nicht, funktioniert jedoch über den Umweg des Preset-Save-Dialogs.

Was übrigens auch nicht geht, ist das Ausschalten des kompletten Insert-Effektblocks direkt im Mixer. Hat man Effekte einmal aktiviert, muss man das FX-Fenster öffnen und hier die Effekte ausschalten – etwas umständlich aber insofern sinnvoll, da hier nun unterschiedliche Effekte des Blocks individuell ein- und ausgeschaltet werden können. Neben den Modulen des SSL-Channels ist ja auch Ohmicide und der Amp-Simulator an Bord.

Im nächsten Schritt nehme ich mir die Snare vor. Diese soll noch etwas knalliger und aggressiver werden. Dazu benutze ich eine Kombination aus Transient Shaper (zur Betonung des Attacks), EQ (Schärfern der Höhen) und Kompressor. Um den Effekt deutlich hörbar zu machen, schalte ich den Snare-Bottom-Kanal per Mute-Taster stumm.

Beim Kompressor benutze ich den Fast-Attack-Schalter. So kommt es unmittelbar nach der Transienten-Anhebung zu einer Kompression. Die ausklingenden Resonanzen der Snare werden so schön nach vorne geholt. Den Frequenzgang hebe ich bei etwa 2 und 4 kHz an. Für letzteres schalte ich das High-Shelf-Filter auf die Glockenkurvencharakteristik.

Nebenbei: Sowohl das Eingangsfilter als auch der EQ können in den Sidechain-Betrieb versetzt werden. In diesem Modus steuert der Ausgang von Filter oder EQ die Kompression. So kann man beispielsweise (beim Einsatz im Master-Out) bewirken, dass hohe Pegel in einem bestimmten Frequenzbereich zur Kompression führen – gut geeignet, um etwa einen durch Bassdrum-Schläge gesteuerten, pumpenden Beat zu erzeugen.

Diese SSL-Channel-Einstellungen …

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… führen zu folgendem Sound:

 

Das Snare-Bottom-Mikro habe ich wieder hinzugeschaltet (ohne FX-Bearbeitung).

Bei der Hi-Hat nehme ich eine Höhenanhebung vor, kopiere diese Einstellung (via Preset-Management) zum Overhead-Kanal und nehme dort die Höheneinstellung wieder ein wenig zurück.

Für die drei Toms verwende ich folgende Einstellung:

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Schließlich verwende ich im Master-Out noch den Faltungshall und den Bus-Kompressor mit folgenden Einstellungen:

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Der Beat klingt nun so:

 

Die Toms fliegen einem regelrecht um die Ohren. Das darf so nicht bleiben – und wird es auch nicht: Nach einer destruktiven Bearbeitung mit Ohmicide werden die Toms vielmehr Akzente setzen.

Zunächst wäre noch zu erwähnen, dass ich im Master-Out des Cubase-Projekts einen Brickwall-Limiter eingesetzt habe, der die Pegelspitzen der Transienten abfängt.

Im nächsten Schritt schalte ich Ohmicide im Master-Out hinzu und verwende für die drei aktiven Bänder eine Röhrensättigung. Mittels Feedback-Regler füge ich weitere, etwas elektronisch-destruktiv wirkende Klangverfremdungen hinzu.

 

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Der Beat klingt nun so:

 

Wer noch mehr Lo-Fi haben möchte, erreicht dies auch über den Amp-Simulator, der zahlreiche Presets zur Verfügung stellt:

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Er verfügt über eine Vorverstärkung per Drive-Regler für leichte bis drastische Verzerrungen, einen Dreiband-EQ, lässt sich sowohl vor als auch hinter den SSL-Channel routen und in seinem Wirkungseinfluss per Dry/Wet-Regler dosieren.

 

Der von SSL lizenzierte, gleichnamige Channel transportiert den Vintage-Sound der legendären Konsole in ProDrummer und bietet einige Besonderheiten. Der Transient Shaper kann auch invers betrieben werden und unterdrückt dann Attacks. So lässt sich mit ihm die Tiefenstaffelung der Drums herausarbeiten: Betont man die Attacks, rückt das jeweilige Instrument nach vorne, unterdrückt man die Einschwingphase, so klingt es dezenter und tritt in den Hintergrund.

Ein ideales Zusammenwirken von Kompressor und Transient Shaper erreicht man, indem man den Kompressor im Fast Attack – Modus betreibt. Er greift dann lückenlos nach der Transientenbearbeitung in den Sound ein. Folgt einem prägnanten Attack eine komprimierte Sustain-Phase, so verhilft man den Korpusresonanzen von Snare, Bassdrum oder Toms zur vollen Geltung. Wenn ich an anderer Stelle eine klassische Hüllkurvenbearbeitung der Samples vermisst habe, so findet sich hier ein Alternativwerkzeug, mit dem man den Klangverlauf einzelner Instrumente wunderbar modellieren kann – mit wesentlich beeindruckenderen Ergebnissen, als dies durch eine Hüllkurve möglich wäre. Spannend wird es auch, wenn man mit Klangverfremdungen mittels Ohmicide-Modul arbeitet und dies mit Kompressor und Gate kombiniert.

Zu Kompressor, Transient Shaper und Ohmicide hier noch ein Beispiel. Es spielen die Red Gretsch Bassdrum (eine Gelegenheit, auf die stattliche Auswahl an Bassdrums aufmerksam zu machen) …

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… und die Orange County Silver and Gold Snare. Hier zunächst ohne Klangbearbeitung:

 

Im Snare Top-Mixerkanal habe ich den Transient Shaper aktiviert und dann den Audition-Modus eingeschaltet. Dieser dient eigentlich dazu, den vom Transient Shaper erfassten Signalanteil isoliert vorzuhören, um den Effekt besser einstellen zu können. Ich nutze ihn hier jedoch, um über diesen Kanal lediglich die kurze Attackphase hörbar zu machen. Für sich alleine hört sich die Snare so an:

 

Ganz entsetzlich. Zusammen mit dem Snare-Bottom-Kanalzug, hier mit dem Kompressor und dem Gate im Einsatz, wandelt sich das Bild:

 

Nun kommt die Bassdrum hinzu, ebenfalls mit Kompressor und außerdem mit vorgeschaltetem Ohmicide-Verzerrer-Effekt. Im Master-Out setze ich noch den Faltungshall und den Bus-Kompressor ein. Snare und Bassdrum zusammen klingen nun so:

 

Im Anschluss habe ich noch ein paar Toms hinzugenommen und im Master-Out beide Kompressoren aktiviert, damit der Klang richtig schön fett wird:

(Sorry für das schlechte Timing der Toms, ist mir leider zu spät aufgefallen …).

Auch im Master-Out gibt es einen Ohmicide-Effekt, der dazu beitragen kann, die musikalische Situation vollkommen neu zu bewerten:

 

Ohmicide gehört ohne Zweifel zu den mächtigsten und interessantesten Destruktiv-Werkzeugen, die auf dem Markt sind. Leider sind die Parameter (bei der hier vorliegenden, in ProDrummer integrierten Version) nicht via MIDI-Lerndialog über MIDI-Controller steuerbar. Das habe ich bereits in Teil 1 des Tests mit Bedauern festgestellt.

Zurück zum SSL-Channel, zu dem noch ein wenig zu ergänzen wäre: Der Kompressor kann vor oder hinter den EQ geroutet und via Sidechain durch Filter oder EQ angesteuert werden. Ein Gate/Expander ermöglicht unter anderem abgesägte Drum-Sounds. Im Peak-Betrieb bügelt der Kompressor auch die ersten Millisekunden der Attacks glatt – falls es einen danach gelüstet, die wunderbar prägnanten Trommeln des ProDrummer zu verunstalten.

 

Das Angebot an Grooves

Rund 14.000 Grooves hat EastWest gezählt. Ich übernehme diese Zahl, ohne sie zu überprüfen. Schon ein kurzer Blick ins Groove-Menü zeigt, dass es wahrlich vielfältige Variationen zu ein und demselben Grundmuster gibt. Und genau hier liegt die Stärke dieser Groove-Abteilung: Eine riesige Auswahl an Beats mit perfektem Mikro-Timing und Feeling, das man als Nicht-Schlagzeuger auf den Tasten so schnell nicht reproduzieren kann. Selbst bei ungeraden Taktarten wie 7/8 oder 9/8 muss man den Scroll-Balken bedienen, um durch die Auswahl zu surfen.

Die Beats decken den kompletten Bereich ab, in dem akustische Drums eingesetzt werden, einschließlich Word-Drums

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Die Unterteilung nach Genre, Subgenre, Style, Type und Taktart hilft dabei, aus der Masse an Beats den Richtigen zu finden. Auch komplette Songs werden angeboten, die man als Grundlage für eigene Kompositionen verwenden oder zurechtschneiden und re-arrangieren kann.

Grooves können im Song-Builder als Pattern aneinandergereiht, geschnitten, kopiert und arrangiert werden. Einzelne Instrumente innerhalb eines Patterns können allerdings nicht herausgegriffen werden. Auch „intelligente“ Algorithmen, die es erlauben, beispielsweise die Komplexität eines Grooves oder einzelner, darin enthaltener Instrumente per Regler zu verändern, sind nicht an Bord.

Für eine weitreichende Nachbearbeitung der MIDI-Pattern, etwa Änderungen der Anschlagsdynamik einzelner Noten oder Verschieben einer Figur von der Hi-Hat auf ein Becken, ist daher eine externe Bearbeitung im Sequencer erforderlich. Mit einer solchen Arbeit kann man ohne Umwege starten: Die MIDI-Grooves aus ProDrummer lassen sich per Klicken und Ziehen einfach in die MIDI-Spur des Sequencers verfrachten. Dort können sie übrigens auch andere Drums ansprechen, die über das selbe Mapping verfügen.

Ebenso können hier einzelne Instrumente im MIDI-Editor extrahiert und zu anderen Klangerzeugern verschoben werden. Soundmäßig harmoniert Stormdrum 3 sehr gut mit ProDrummer, sodass einer Kooperation beider Produkte unter Verwendung von ProDrummer MIDI-Grooves nichts im Wege steht (Stormdrum 3 bietet solche MIDI-Grooves nämlich nicht).

 

Steuerung über externe Controller via MIDI Learn, Systemanforderungen und Performance in der Praxis

ProDrummer bietet per Rechtsklick auf Regler und Fader den klassischen MIDI-Lerndialog, mit dem man externe Controller-Hardware zur Steuerung verwenden kann. MIDI Learn gibt es im Play-Fenster für den Velocity-Prozessor, im Mixer für die Kanalfader, Panorama- und Volumenregler sowie für alle Regler der SSL-Channel, des Amp-Simulators und des Faltungshalls. Ausgenommen ist (wie bereits erwähnt) Ohmicide sowie alle Taster. Mute/Solo-Taster des Mixers können ebensowenig adressiert werden wie etwa Fast Attack beim SSL Kompressor oder diverse Bypass-Switches.

Während Reglerbewegungen während des Playbacks per Maus problemlos umgesetzt werden konnten, produzierte auf unserem Testsystem eine Steuerung durch externe Controller zunächst extrem hohe CPU-Peaks mit Knistern und Audioaussetzern – und das sogar ohne Playback, bei maximaler Puffergröße. Ein Wechsel von Normal zu Lite-Versionen reduzierte dieses Problem ein wenig. Richtig rund lief die Sache aber erst, nachdem ich ProDrummer auf eine SSD-Festplatte kopiert habe. (Solche nachträglichen Standortwechsel von EastWest-Libraries sind übrigens unproblematisch, da über das neue EastWest Installation Center diese neuen Speicherpfade problemlos eingetragen werden können.)

Dem Rat des Herstellers, ProDrummer auf einer SSD-Festplatte zu installieren, um in den vollen Genuss des Dynamik- und Abwechslungsreichtums zu gelangen, kann ich zum Ende der Testphase nur beipflichten. Die Powerful-System-Versionen liefern einen exzellenten Drum-Sound auf Referenzklasse-Niveau. Da hier für jede Artikulation zahlreiche Samples gleichzeitig gestreamt werden müssen (man denke an die vielen Mixer-Kanäle), ist die Multi-Tasking-Fähigkeit einer SSD-Festplatte, die beinahe ohne Zeitverzögerung Daten aus unterschiedlichen Speicherplätzen gleichzeitig abrufen kann, von Vorteil. Und auch mit der Echtzeit-Steuerung über externe Hardware-Controller klappt es dann.

Andere EastWest-Libraries sind weit weniger anspruchsvoll. Die oben beschriebenen Probleme mit der Echtzeit-Steuerung von Parametern über externe Controller beim Streaming von einer herkömmlichen Festplatte mit 7200 rpm führten bei Stormdrum 3 zwar auch zu relativ hohen Peaks (bei geringer Latenz), nicht jedoch zu Audioaussetzern. Bei den Hollywood Orchestral Percussion (HOP) und Fab Four trat hierbei kaum eine messbar höhere CPU-Leistungseinforderung auf. Was darauf hindeutet, dass es sich bei der Echtzeit-Steuerung doch um ein Script-Problem von ProDrummer handeln könne – denn das Streaming von Samples ist von Steuerungen der Volumenregler des Mixers nicht betroffen. (Anders mag es da bei Echtzeit-Änderungen von Parametern des Velocity-Prozessors aussehen, mit dem man übrigens nachträglich noch auf elegante Weise die Dramaturgie einer Schlagzeugbegleitung modellieren kann.) Auch kann HOP in puncto aufwändiges Samplemanagement nicht weit von ProDrummer entfernt sein. Wie dem auch sei: Streamt man ProDrummer von einer SSD ist die Welt wieder in Ordnung.

Wer für die nicht unwesentliche Datenmenge von ProDrummer keinen SSD-Speicherplatz zur Verfügung stellen kann, sollte trotz der Performance-Einschränkungen nicht unglücklich sein und das Produkt nicht von vorneherein als ungeeignet verwerfen. Im Zweifelsfall bietet sich ein kostenloser einmonatiger Test über das Composer Cloud Abo an – siehe unser Test hierzu).

Den größten Teil dieses Tests habe ich unter solchen konventionellen Systembedingungen geschrieben und bereits darauf hingewiesen, dass man (je nach Komplexität der Drum-Performance) problemlos mit der Lite- oder der Normal-Version in Echtzeit (d. h. mit etwa 7 ms Latenz) eintrommeln kann. Der Sound der Trommeln und Becken ist so gut, dass der Spaßfaktor immer noch hoch ist, auch wenn letzte Feinheiten hier nicht `rüberkommen. Bei der Arbeit am Mix und zum Bouncen lädt man später dann die PS-Variante.

 

Fazit

EastWests ProDrummer liefert eine Vielzahl von produktionsfertigen Drum-Kits in einer Audioqualität auf Referenzklasse-Niveau. Kombiniert man diese Kits (mit kompletter Mixer- und Effekteinstellung) mit den gleichnamigen, passenden Grooves, so steht der perfekte Drumbeat in kürzester Zeit.

Die Auswahl an Snares, Bassdrums, Hi-Hats und Becken dürfte kaum Wünsche offen lassen. Insbesondere das Arsenal akustischer Snares und Bassdrums ist beachtlich. Schnittmengen mit dem hauseigenen Percussion-Produkt Stormdrum 3 hat man bewusst vermieden. Roto-Toms, China-Becken oder Kuhglocken sind nicht an Bord.

Der Klang der Instrumente ist äußerst fein, hoch auflösend und detailliert. Die Attacks werden sauber abgebildet, die Toms klingen voll und voluminös, die Bassdrums wuchtig und packend. Eine gute Auflösung der Dynamik sowie Round Robins sorgen für ein lebendiges, abwechslungsreiches Spiel. Bei keinem anderen Produkt liegen die Round Robins klanglich derart dicht beieinander. Dies bewirkt keinen Mangel an Lebendigkeit, sondern führt dazu, dass die ProDrummer Grooves äußerst diszipliniert und virtuos eingespielt klingen.

Die Vielfalt an Artikulationen deckt alles ab, was man sich wünschen kann: Auch Schläge im Randbereich des Fells sind mit dabei, ebenso Bell- und Kantenschläge der Becken, Flams und Wirbel auf der Snare, Doppelschläge bei den Toms. Für eine bessere Übersicht hätte ich mir allerdings ein zusätzliches Mapping-Menü gewünscht. Eine Information zur Tastaturbelegung findet sich tabellarisch im PDF-Manual.

Wenn es um Eingriffe in den Drum-Sound geht, steht der Velocity-Prozessor an erster Stelle, mit dessen Hilfe man – ähnlich wie bei einem Kompressor – die Dynamik in die gewünschte Richtung transformieren kann.

Im Mixer trifft man neben einer vorbildlich trockenen Direktmikrofonierung mit Einzelausgängen (ideal für den Einsatz externer Effekte) auf diverse Raum-Mikrofonkanäle, Effektsamples sowie auf einzigartige Tonband-Samples (Volume 2), bei denen die Hits mit einem Studer Tube J37 Analogrekorder als Zwischenstation aufgenommen wurden. Hier winkt echter Analogsound, wie ihn keine Tape-Simulation erzeugen kann.

Der inbegriffene SSL-Channel-Strip sorgt für Vintage-Sound vom Feinsten – mit Filter, EQ, Transient Shaprer, Kompressor und Gate/Expander. Interne Routing- und Sidechain-Optionen sind das Salz in der Suppe.

Hinzu kommt mit Ohmicide ein Röhrensättigungs/Verzerrer-Lo-Fi-Effekt, der es in sich hat. Dessen Bedienung will zwar zunächst erforscht werden, es gelingen jedoch reizvolle bis brachiale Klangverfremdungen, die in Kombination mit den hochwertigen Samples Experimental-Drumkits der Extraklasse generieren. Eine weitere Lo-Fi-Alternative bietet ein Amp-Simulator mit zahlreichen Presets.

Beachtlich und rekordverdächtig ist die Ausstattung mit rund 14.000 Grooves, die alle gängigen Genres, bei denen akustisches Schlagzeug eine Rolle spielt, abdecken. Hier gibt es sogar für seltene Taktarten wie 9/8 eine große Auswahl an Alternativen. Grooves können innerhalb der Play-Engine zu einem Arrangement zusammengefügt werden. Für umfangreichere Nachbearbeitungen empfiehlt sich das Kopieren in den Sequencer per Drag & Drop.

Damit auch älteren Systemen bei livetauglicher Latenz nicht die Puste ausgeht, gibt es alle Kits auch als Lite-Versionen (mit weniger Dynamiklayern und ohne Round-Robins). Für das Bouncen sollte man dann zur Normal- oder direkt zur PS-Version wechseln. PS steht für Powerful Systems. Wer diese Version live nutzen möchte, benötigt einen schnellen Prozessor und sollte die Library auf einer SSD-Festplatte speichern, denn überwiegend wird hier gestreamt.

Der Preis für das Komplettpaket oder einen der beiden Library-Teile ist ohne Zweifel fair. Bevor man auf diesem Wege zugreift, sollte man sich aber die Optionen der EastWest Composer Coud ansehen, die jüngst ins Leben gerufen wurde: Hier erhält man für ein monatliches Taschengeld den Zugriff auf einen großen Teil des EastWest-Archivs, Stormdrum 3, Hollywood Orchestral Percussion und künftige Neuerscheinungen inbegriffen. Sogar ein kostenloser einmonatiger Test von zwei Produkten ist möglich.

Testautor: Holger Obst

Plus

      • Audioqualität auf Referenzklasse-Niveau
      • viele genretypisch zugeschnittene, produktionsfertige Kits
      • lebendiger, abwechslungsreicher Sound
      • Vielzahl von Artikulationen
      • Velocity-Prozessor für eine schnelle und effektive Dynamikkontrolle
      • enormes Angebot an MIDI-Grooves
      • Mixer mit Raummikrofonierungen, Bandsättigungs- und Effekt-Samples
      • SSL Channel-Strip
      • Ohmicide-Verfremdungseffekt
      • extrem günstig in Verbindung mit einem Composer Cloud – Abo

Minus

      • hohe Systemanforderung bei voll ausgestatteten Kits (SSD-Festplatte, schneller Prozessor für PS-Versionen)
      • kein Mapping-Menü

Preis:

  • Volume 1: 199.- US$,
  • Volume 2: 199.- US$,
  • Volume 1&2: 349.- US$
  • alternativ: Composer Cloud Abo

System

      • Win/Mac
      • VST, AU, RTAS, AAX, Standalone

Hersteller

Links

Testsystem

    • PC Intel Core i7 3930K, Windows 7, Cubase 7, Motu 828 mKII
    • Testprojekt Cubase: 44,1 kHz Samplerate, 24 Bit Auflösung
    • Controllerkeyboard: Akai MPK 249
    • alle Audiodemos in 128 k mp3
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